Romana Wiesinger

Kochbuch für die Seele

Taschenbuch: 176 Seiten

Verlag: Orac

ISBN-13: 978-3701505982

 

 

 

Der Untertitel „Wie die Psyche unser Essverhalten beeinflusst“ weckt große Erwartungen an das Buch. Man erwartet Informationen über die Zusammenhänge von Psyche und Physis, man erhofft Hinweise, wie man sich selbst „auf die Schliche“ kommen kann, um möglicherweise sein Essverhalten zu optimieren.

 

Um es kurz zu machen: Das Beste am Buch sind seine originellen Kapitel-Überschriften. Der Inhalt jedoch mäandert zwischen gesellschaftspolitischen Allgemeinplätzen, plakativen Behauptungen, oberflächlichen Sichtweisen, persönlichen Vorstellungen und lediglich angerissenen möglichen psychischen Komponenten hin und her. Wahrscheinlich, vielleicht, möglicherweise, es könnte sein… die Autorin behauptet so allerlei, ohne es ernsthaft belegen zu können. Eine sehr fragwürdige „Einteilung“ in bestimmte Essens-Gruppen mit noch fragwürdigeren Ratschlägen beschließt das Buch. Weder werde ich im Anschluss an die Lektüre meinen Körper auf dem Boden liegend mit dem Stift umrunden, noch werde ich ein Plüschtier als „Ver-Körperung“ meines Körpers kaufen, geschweige denn auf Zehenspitzen stehend Zähne putzen und im Restaurant wahllos alles essen, war mir Spaß macht. Auch wird es mir nicht gelingen, „kritische Gedanken einfach wegzuschieben“, schon gar nicht meine kritischen Gedanken zu diesem unnötigen Buch.

 

Cornelia Wriedt

Altes Haus und neues Glück

Taschenbuch: 311 Seiten

Verlag: Independently published

ISBN-13: 978-1973169932

 

 

 

Nett erzählt, aber…

 

 

 

Allem voran: Es handelt sich um ein Buch, in dem es nur so wimmelt von Rechtschreibfehlern, Satzzeichenfehlern, Grammatikfehlern. Und dazu noch zu einem Fehler in der Satzherstellung, nämlich merkwürdige Unterstriche und/oder Striche an der Zeilenaußenseite. Das gesamte Buch wirkt dadurch unlektoriert, unkorrigiert und schlampig gemacht. Muss das wirklich sein?

 

Die Handlung ist schnell erzählt: Alexandra hat ihre Wohnung in Berlin gekündigt, ihre Stelle aufgegeben und ein kleines Häuschen in der Prignitz gekauft, in Erwartung, dort mit ihrem Freund leben zu können. Der Freund fährt sie hin, bricht einen Streit vom Zaun und lässt sie wenige Stunden später zwischen ihren Taschen und Kartons sitzen. Ein vergeblicher Versuch, den Hauskauf rückgängig zu machen und die zunehmende Erkenntnis, dass ihr Freund sie nur benutzt hatte, lässt sie langsam begreifen, dass sie – zumindest vorerst – keine andere Wahl hat, als sich halbwegs wohnlich einzurichten, insbesondere da sie nahezu mittellos dasteht. Die Zeit vergeht und Alexandra lernt nach und nach hilfreiche Menschen kennen, bekommt einen Job und nahezu unbemerkt von ihr selbst beginnt sie, ihr Leben in der ländlichen Abgeschiedenheit lieb zu gewinnen. Doch dann geschieht Einiges, das alles in Frage stellt…

  

Eine nette Geschichte, zusammengesetzt aus teils recht unglaubwürdigen Komponenten, nett erzählt, nett zu lesen – gäbe es nicht diese unselige Fehlerflut! Die vergrault auch den wohlwollendsten Leser.

 

 Ulrike Renk

 Die Jahre der Schwalben

 Taschenbuch: 560 Seiten

 Verlag: Aufbau Taschenbuch

 ISBN-13: 978-3746633510

  

 

Zeitgeschichte gut lesbar verpackt

 

 

 

Leider kenne ich den ersten Band „Das Lied der Störche“ nicht. Das machte mir zwar keine Probleme beim Einstieg in den Roman „Die Jahre der Schwalben“, aber ich hätte im Nachhinein doch sehr gerne mehr über die Geschehnisse vor Beginn des zweiten Bandes erfahren, insbesondere da ja die Grundlage der Romane die wahre Lebensgeschichte der Friederike Wilhelmine von Plato und deren Familienmitglieder ist. Das Nachwort der Autorin offenbart, wie klug sie Wahres und Fiktives zusammengefügt hat und wie viel mühsame Recherchearbeit in der Schilderung von Örtlichkeiten und zeitlichen Gegebenheiten liegt. Mein Tip also vornweg: Lesen Sie alle drei Bücher dieser groß angelegten und bewegenden Ostpreußen-Saga!

 

Der vorliegende Band beginnt mit dem Jahr 1930 und endet im November 1944. Frederike’s Mann Ax ist schwer an Tuberkulose erkrankt und stirbt schließlich. Die blutjunge Frederike ist deshalb gezwungen, die Führung des riesigen Gutes Sobotka zu übernehmen, eine schwere Last. Ernsthaftes Pflichtbewusstsein und die für einen so jungen Menschen typischen Lebensträume stehen in stetem Widerstreit. Frederike wählt den Weg der Pflicht und lernt immer mehr, ihren Aufgaben als Gutsherrin gerecht zu werden.  In Gebhard findet sie schließlich den verlässlichen und kompetenten Mann an ihrer Seite. Trotz des Vormarsches der NSDAP, der zunehmenden Zukunftsängste, der Atmosphäre von Misstrauen und Verrat und schließlich der Kriegswirren mit all seiner Not, verliert Frederike letztlich nie die Zuversicht.

 

Das Buch versteht es, den Leser von Anfang bis Ende zu fesseln. Es schildert so detailreich und farbig das Gutsleben und seine Bewohner, dass man das Gefühl hat, das alltägliche Leben mit ihnen zu teilen, mit ihnen zu arbeiten, mit ihnen am Essenstisch zu sitzen und alle stillen, aber auch einschneidenden  Momente des Lebens in direkter Weise mit ihnen gemeinsam zu erleben. Die politische Entwicklung dieser Jahre bewegt die Menschen und wir erfahren, wie blindes und denunziantes Mitläufertum, aber auch geheimer Widerstand wachsen. Die Angst vor einer ungewissen Zukunft liegt über allem…

 

Das Buch ist ein fesselnder Roman, packend, detailreich, romantisch und realistisch gleichermaßen. Gerade durch die fesselnde Erzählweise wird der geschilderte Zeitausschnitt in seiner brisanten politischen Entwicklung und den Folgen auf das Alltagsleben der Menschen hautnah, geradezu beängstigend nah erfahrbar. Absolut lesenswert!

 

Astrid Blyton

Fünf Freunde im Zeltlager

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: cbj

ISBN-13: 978-3570171653

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

 

Spaß am Lesen

 

 

Die Bücher von Enid Blyton haben mich vor 60 Jahren jede Woche in die Stadtbibliothek getrieben. Ich habe alle verfügbaren Titel von dieser Autorin verschlungen und konnte nicht genug davon bekommen. So fing es an mit meiner „Leserkarriere“ – Enid Blyton war schuld!

 

Jetzt, so viele Jahre später, wollte ich es wissen: Was habe ich damals gelesen? Lache ich heute darüber? Finde ich die Bücher von Enid Blyton aus heutiger Sicht kindisch, albern, altmodisch? Obigen Titel, 1948 im Original erschienen, 1955 in Deutsch, fand ich wiederum in der Bibliothek. Beim Nach-Hause-Tragen fühlte ich mich wie damals: einen Leseschatz ergattert zu haben und voller Vorfreude.

 

Die fünf Freunde, 2 Jungen, 2 Mädchen und 1 Hund, dürfen in Begleitung eines schusseligen Professors in den Ferien zum Zelten fahren. Mitten im Hochmoor bauen sie ihr Zeltlager auf. Da hören sie nachts merkwürdige grollende Geräusche unter der Erde. Und dann wird ihnen auch noch von Geisterzügen erzählt, die unterirdisch unterwegs sein sollen. Damit ist natürlich ihre Neugier geweckt…

 

Und was soll ich sagen. Die Faszination von damals hat mich auch jetzt wieder erfasst. Das Buch hat einen richtig modernen Schreibstil, ist lebendig erzählt und vor allen Dingen absolut spannend. Natürlich handelt es sich bei den Protagonisten um sehr vereinfacht dargestellte Persönlichkeiten: ängstliche Anne, vorwitzige Georgina, braver Hund, schusseliger Professor usw. Das mögen heutige Pädagogen ankreiden. Nach heutigen Maßstäben mag wohl überhaupt der „pädagogische Hintergrund“, der dezent-erzieherische Zeigefinger fehlen. Meiner Meinung nach bietet das Buch aber etwas überaus Wichtiges: Nämlich Spaß! Spaß am Lesen. Verführung zum Lesen. Spaß an der Spannung. Spaß daran, unverkrampften Kindern bei ihren Abenteuern zuzuschauen. Ja, Spaß am Lesen – das hatte ich damals und das hatte ich heute.

 

Yves Rechsteiner

Und dann fängt die Vergangenheit an

Taschenbuch: 160 Seiten

Verlag: Waldgut Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3037401118

 

 

Großartige Kabinettstückchen des Lebens

 

 

Dieses Buch, erschienen 2016, war für mich eine große Überraschung.

 

Der Name des Schweizer Autors war mir unbekannt, der Verlag ebenso. Insofern hatte ich meine Erwartungen nicht besonders hoch geschraubt. Aber bereits nach wenigen Seiten war mir klar: Diese Erzählungen sind gut, nein, sie sind großartig.

Das Buch in seiner griffigen Haptik und einem Cover, das für mich den vielfarbigen Zeitenfluss symbolisiert, machte es mir bereits mit seinem Äußeren leicht, es zu mögen.

 

Eine Sammlung relativ kurzer Erzählungen enthält das Buch, häppchenweise zu lesen, für eine Kaffeepause vielleicht. So dachte ich. Aber dann, als ich zu lesen begann, wurde der Kaffee kalt und die Pausenzeit weit überschritten.

 

Denn jede Geschichte für sich ist eine ganze Welt, ein ganzes Leben. Es wird so leicht erzählt, was so unendlich schwer ist. Verlassen und Verlassen-Werden. Anziehung und Abstoßung, Verlust und Gewinn. Oder Schweigen, so viel Schweigen, im Netz des Unsagbaren verfangen. Extremes bierseliges Dahindämmern, harte Verzweiflung, Versagen des Menschlichen. Und gleich darauf der fein-sensible Blick mitten in das Innere des Menschen. Und all die vielen Abschiede, auch diese leichtfüßig erzählt und schwer im Raum hängenbleibend. So viel Einsamkeit. So viel Traurigkeit. Von einem erzählt, der gaukelnd durch die Welt reist.

 

„Ich zerbeiße mich in der Zeit“ steht da, aber auch „Immer ein- und ausatmen. Der Rest wird schon werden.“ Das sagt alles, über den Autor und über das Buch.

 

Jo NesbØ

Durst

Gebundene Ausgabe: 624 Seiten

Verlag: Ullstein Hardcover

ISBN-13: 978-3550081729

 

 

 

 

Atemloses Lesevergnügen

 

 

Bereits der 11. Fall für Harry Hole? Unglaublich, denn ich hatte bisher noch nicht die Bekanntschaft mit ihm gemacht. Leider – muss ich jetzt nach der Lektüre dieses  Bandes sagen!

 

 

Harry Hole hat es nicht leicht. Seine geliebte Frau Rakel ist ernsthaft erkrankt. Und der Alkohol ist Harry‘s besonderer Feind-Freund. Harry trägt schwer an seiner Vergangenheit, auch wenn er nicht mehr im aktiven Polizeidienst tätig ist. Und aufgrund dieser Vergangenheit  wird er ein Erpressungsopfer seines früheren Chefs Bellmann, der ihn zu einer erneuten Mitarbeit zwingt. Ein Killer sucht und findet seine Opfer über die Dating-Plattform Tinder, beißt und trinkt ihr Blut wie ein Vampir. Eine junge Frau aus dem Bekanntenkreis von Harry verschwindet – und es geht gar nicht anders: Harry muss aktiv werden!

 

Meine Erwartungen an das Buch waren sehr hoch aufgrund der vollmundigen Werbung vorab. Und meine Erwartungen wurden in der Tat voll erfüllt! Denn das Buch ist spannend, spannend, spannend. Es gibt so viele falsche Fährten, immer neue Wendungen, in kurzen Kapiteln steigert sich die Spannung mehr und mehr bis zum grandiosen Ende. Und das Buch ist grausig, blutig, hart, nichts für zarte Gemüter. Dichte Interaktion zwischen den detailreich geschilderten Personen, ein eindringlicher, unverschnörkelter Sprachstil und ein grausiger Plot, all dies zusammen ergibt atemloses Lesevergnügen.

 

KJ Weiss

Namenlose Angst

Taschenbuch: 324 Seiten

Verlag: Books on Demand

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3746030067

 

 

Schwere Kost – großartig geschrieben

Das Buch habe ich an zwei Tagen gelesen. Ohne Erholung. Ohne Chance mich zu distanzieren. Ich bin eingetaucht in einen Albtraum, wie er schlimmer nicht sein könnte und wie man es sich als Mensch, der etwas dergleichen nicht erlebt hat, gar nicht vorstellen kann.

Lara Caspary ist eine junge, lebenslustige, unbefangene und tüchtige  Frau. Bis ein psychopathischer Triebtäter sie auf dem Weg zum Auto auf dem Parkplatz in seine Gewalt bringt, sie eine Woche lang festhält und die grausamsten, abstoßendsten und  perversesten Spielchen mit ihr treibt. Lara gelingt schließlich die Befreiung, indem sie den Täter einen Abhang hinunterstößt. Doch damit ist nichts wirklich gewonnen, denn der Täter entkommt und Lara lebt in der Folge wie herauskatapultiert aus ihrem bisherigen Leben und gefangen in  Ängsten und Albträumen, lethargisch-zurückgezogen. Viele Monate später, als eine weitere Entführung geschieht, die eindeutig dem gleichen Täter zugeordnet werden muss, erwacht in Lara eine grenzenlose Wut und damit neue Kraft…

Die Erzählweise in Ich-Form ist klug gewählt, denn damit rückt die Handlung sehr nahe an den Leser heran. Überaus lebendig wird erzählt, in welche dunkle Welten jemand stürzt, dem Gewalt angetan wurde. Alle Facetten des Verletzt-Seins, des Verlusts des Urvertrauens, des Misstrauens in alles und jeden wird so detailliert und ausführlich geschildert, dass man als Leser dem Entsetzen nicht entkommen kann. Man bekommt tiefste Einblicke in eine Seele, die fast zerbrochen wäre am Erlittenen. Dafür lässt die Autorin der Protagonistin viel Raum, man möchte fast meinen zuviel Raum. Denn wer solch ein Trauma nicht erlebt hat und sich nur lesend damit auseinandersetzt, hat Grenzen des Einfühlens, Grenzen des geduldigen Lesens, möchte zupacken, unterstützen, möchte die Handlung und damit die Bewältigung des Entsetzlichen voran treiben. Die Autorin jedoch lässt uns den sehr realistischen Weg einer Begleitung gehen: Das Kreisen um das Geschehene, wieder und wieder, geradezu emotionslos, das Verschließen vor der Welt, vor den Menschen, und wieder neuerliches Kreisen im Erlittenen, als Opfer – das muss der Leser ertragen. Obwohl man sich als Leser unerträglich lange in der zerbrochenen Welt von Lara bewegen muss, liegt über den vielen Seiten eine leise Spannung. Man kann nicht aufhören zu lesen, getrieben von der Hoffnung, dass Lara einen Weg finden wird aus ihrem inneren Gefangen-Sein. Unter welch dramatischen Umständen dieser Weg seinen Anfang nimmt, ahnt der Leser jedoch nicht.

Fazit: Schwere Kost – großartig geschrieben.

Marja Jalo

Lebenserfahrungen einer Frau und Ärztin

Gebundene Ausgabe: 50 Seiten

Verlag: Schweizer Literaturgesellschaft

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3038830078

 

 

 

Warum ist dieses Buch entstanden?

 

Wenn jemand sich entscheidet, seine persönlichen, privaten Notizen zwischen zwei Buchdeckel zu pressen und sie in die Welt zu entlassen, dann muss es dafür einen Grund geben. Vielleicht einen der Eitelkeit oder einen der Selbstüberschätzung oder einen des Helfenwollens. Wie auch immer: In dem Moment, in dem das eigene Werk die private Schublade verlässt, muss es sich an vielerlei Kriterien messen lassen. Handelt es sich um Literatur? Zu welcher Literaturgattung ist das Werk zu zählen? Ist die Sprache gleichermaßen individuell als auch dem Thema und der Gattung angemessen? Stimmen die primitivsten Grundlagen von Grammatik und Rechtschreibung? Und welche Zielgruppe soll erreicht werden?

Ausgehend vom Buchtitel erwartet man ein vielseitiges Werk, eine autobiographische Erzählung dessen, was gewesen war, wie man geworden ist und welche Erkenntnisse man aus dem bisher gelebten Leben gezogen hat. Vielleicht wäre ein „kleinerer“ Titel, wie z. B. „Gedanken einer …“ diesem kleinen Buch eher gerecht geworden, hätte passendere Erwartungshaltungen hervorgerufen.

 

Die wenigen Seiten enthalten Quintessenzen, Gedanken, Erfahrungen, Erlebnisse, in bunter Folge und in leider sehr uneinheitlichem, mitunter nicht nachvollziehbarem Sprachstil. Teils sind es bewegende Einblicke, teils nüchtern-sachliche, den Leser distanzierende Sätze, teils durchaus literarisch zu nennende kurze Momentaufnahmen. Alles wirr gemischt. Die Frage muss erlaubt sein: Sind derart willkürlich zusammengestellte Sequenzen tatsächlich „Lebenserfahrungen“ zu nennen? Weil ich der Autorin gerecht werden wollte, insbesondere ihrer Intention, anderen Menschen etwas zu „geben“, las ich die Texte mehrfach, in zeitlichem Abstand. Und immer wieder erlebte ich das Gleiche: Den unbedingten Wunsch, die Autorin hätte doch aus den intuitiv hingeschriebenen Zeilen etwas geschaffen, d. h. sich für eine Stilform entschieden und entsprechende sprachliche Arbeit hineingesteckt. Tagebuchnotizen vielleicht (hier hätte die Ich-Bezogenheit seinen richtigen Platz). Oder Lyrik (hier wäre die Reduktion auf das Bildhafte, Symbolische angebracht). Oder Geschichten erzählen (Geschehnisse in logischer Folge verständlich darstellen). Zumindest ein Lektorat wäre dem Büchlein zu wünschen gewesen, wenn es denn unbedingt ein Buch hat werden müssen. So hätten wenigstens die Rechtschreibfehler, die falschen Satzbezüge und grammatikalischen Unrichtigkeiten ausgemerzt werden können zum einen, ein guter Lektor hätte aber auch die richtige literarische Form anregen können. So wie das Büchlein vorliegt, handelt es sich letztlich nur um ein paar private Notizen, die sicherlich der Schreibenden geholfen haben, die aber besser in der privaten Schublade hätten verbleiben sollen.

 

Torsten Seifert

Wer ist B. Traven

Gebundene Ausgabe: 269 Seiten

Verlag: Tropen

ISBN-13: 978-3608503470

 

 

 

 

Ein Schwarz-Weiß-Film in Buchdeckeln

 

 

 

Zur Einstimmung habe ich mir den alten Schwarz-Weiß-Film „Der Schatz der Sierra Madre“ von aus dem Jahr 1948 angesehen und war einigermaßen überrascht, hinter der Fassade einer Mischung aus Western- und Abenteurer-Handlung die Entlarvung des ewig Gültigen zu finden: Nämlich die Wahl, die dem Menschen grundsätzlich gegeben ist. Entweder der Gier nach Besitz, die vor nichts zurückschreckt, nachzugeben oder einer inneren Bereitschaft zu helfen, vielleicht sogar um jeden Preis, zu entsprechen. Im Buch fehlte mir etwas die Auseinandersetzung mit den Werken von B. Traven. Aber hier hatte ich vielleicht auch falsche Erwartungen.

 

Nun, ich beginne das Buch zu lesen und habe sofort das Gefühl, in einem alten Kino zu sitzen, der dunkelrote Samtvorhang öffnet sich, laute, etwas blecherne Filmmusik beginnt und auf der Leinwand entsteht Szene um Szene, kurze intensive Sequenzen.

 

Der Film, sorry das Buch, spielt Ende der 1940er Jahre in Hollywood. Leon Borenstein ist ein durchaus erfolgreicher Journalist in Hollywood und erhält von seinem Chef  den Auftrag, sich auf die Suche nach B. Traven zu machen, d. h. dessen Pseudonym zu lüften. In Mexiko wird gerade sein überaus erfolgreicher Roman „Der Schatz der Sierra Madre“ verfilmt, und zwar mit Humphrey Bogart. Zu dieser Filmcrew wird Borenstein entsandt.  Zwar spielt Borenstein durchaus erfolgreich Schach mit Humphrey Bogart, aber über B. Traven erfährt er nichts. Eine neue Spur lockt ihn ins zerbombte Wien, aber auch von dort bringt er keine wirklichen Erkenntnisse mit. Die Rückkehr Borenstein’s nach Mexiko bringt ihm intensive Erlebnisse in vielerlei Hinsicht…

 

Als sich der Samtvorhang wieder schließt und es hell wird im Kino, erwache ich aus dem soeben erlebten wilden Bilderreigen, fühle mich, als käme ich von einer langen Reise zurück, als hätte ich zahlreiche Abenteuer erfolgreich bestanden und wüsste nun endlich etwas mehr als zu Beginn des Films resp. des Buches.

 

Der Roman ist eine gekonnte Mischung zwischen Wahrheit und Phantasie und äußerst spannend zu lesen. Er mäandert zwischen realem, gut recherchiertem Geschehen und erdachter Handlung. Er ist ein Liebesroman ebenso wie ein Abenteurerroman. Es enthält politische Fragen ebenso wie großartige Beobachtungen von Land und Leuten. Man erlebt hautnah die ganz besondere Atmosphäre der Filmwelt Hollywoods. Man sitzt in den übelsten Spelunken ebenso wie in der Stierkampfarena. Es wird uns in intensiven, üppigen Bildern eine Geschichte erzählt, die nicht nur Cineasten in ihren Bann ziehen dürfte. Darauf „un otro tequila, por favor!“

 

Rex Stout

Zu viele Köche

Gebundene Ausgabe: 340 Seiten

Verlag: Klett-Cotta

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3608981131

Originaltitel: Too many cooks

 

 

 

 

Unbedingt mit dem Nachwort beginnen!

 

Mir wurde erst durch das Nachwort klar, wie geschickt Rex Stout eine politische Botschaft in seinen Kriminalroman eingearbeitet hatte und welch immense Tragweite Nero Wolfe’s im Roman beschriebenes Verhalten gegenüber den Schwarzen im Erscheinungsjahr des Buches 1938 hat. Er erweist ihnen Respekt,  ja, er dankt ihnen sogar für ihre Gastfreundschaft in ihrem Land! Wunderbar, dass Klett-Cotta das Werk Rex Stout‘s wieder auflegt, noch dazu in einer sehr schönen Ausstattung.

 

Erzähler in diesem feinen kriminalistischen Kabinettstück ist Archie Godwins, der von sich selbst sehr überzeugte Sekretär von Nero Wolfe, jenem überaus berühmten und ausgesprochen dickleibigen Detektiv, der seine Fälle durch intelligentes Beobachten und Nachdenken zu lösen pflegt. Nero Wolfe wird als Ehrengast nach West-Virginia eingeladen zu einem Treffen der 14 namhaftesten Köche, die allesamt in Neid und Missgunst miteinander verbunden sind. Als einer dieser Köche mit einem Tranchiermesser erstochen wird und ein rassistischer Sheriff und ein unerfahrener Staatsanwalt ihre Unfähigkeit unter Beweis stellen, erklärt sich Nero Wolfe bereit, die Lösung des Falls selbst herbeizuführen.

 

Der Kriminalroman wurde zwar neu übersetzt, aber dennoch brauchte ich eine Weile, bis ich mich einfinden konnte in die etwas umständliche und den damaligen Konventionen genügende, gemächliche Sprache. Nach wenigen Seiten jedoch wurden mir die Dialoge selbstverständlich und die langsame Erzählweise zum Genuss. Insbesondere die kleinen, feinen Bösartigkeiten der Konkurrenten untereinander und so manch raffiniert versteckter Witz machten mir Freude, dazu die geschilderten Persönlichkeiten in ihren teils recht absonderlichen Verhaltensweisen, teils dem Zeitgeist geschuldet, teils als Marotte einzuschätzen. Es lohnt sich, Rex Stout als intelligenten, politischen und bissig-witzigen Autor neu zu entdecken.

 

Sasha Marianna Salzmann

Außer sich

Gebundene Ausgabe: 366 Seiten

Verlag: Suhrkamp Verlag

ISBN-13: 978-3518427620

 

 

 

Lesen darf doch keine Qual bereiten?

 

Auf dieses Buch war ich neugierig. Worauf ich jedoch nicht gefasst war: Dass ich allergrößte Mühe hatte. Mehrere Anläufe des Lesens und Weglegens, streckenweiser Faszination, dann wieder kopfschüttelnden Unverständnisses wechselten sich ab. Und so blieb es leider über die Wochen hinweg. Bis ich aufgab… Insofern ist diese Rezension keine Rezension, sondern ein Bericht meines persönlichen Scheiterns.

 

„Sie sind zu zweit, von Anfang an, die Zwillinge Alissa und Anton. In der kleinen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre verkrallen sie sich in die Locken des anderen, wenn die Eltern aufeinander losgehen. Später, in der westdeutschen Provinz, streunen sie durch die Flure des Asylheims, stehlen Zigaretten aus den Zimmern fremder Familien und riechen an deren Parfumflaschen. Und noch später, als Alissa schon ihr Mathematikstudium in Berlin geschmissen hat, weil es sie vom Boxtraining abhält, verschwindet Anton spurlos. Irgendwann kommt eine Postkarte aus Istanbul – ohne Text, ohne Absender. In der flirrenden, zerrissenen Stadt am Bosporus und in der eigenen Familiengeschichte macht sich Alissa auf die Suche – nach dem verschollenen Bruder, aber vor allem nach einem Gefühl von Zugehörigkeit jenseits von Vaterland, Muttersprache oder Geschlecht.“

 

Soweit der Klappentext, der mein Interesse geweckt hatte. Was aber fand ich im Buch? Verwirrende Abfolgen von Szenen, aus wechselnden Perspektiven und wechselnden Zeiten geschildert. Es gelang mir nicht, diese kreuz und quer ausgekippten Mosaiksteinchen zu einem schlüssigen Bild zusammenzusetzen. Und wer ist Alissa, wer ist Ali, sind sie zwei oder eines? Sind es reale Menschen oder fiktive Selbstbilder? Die Last der politischen Gegebenheiten, des Judentums, des Fremd-Seins im Inneren wie im Äußeren sind weitere Aspekte im Verwirrspiel dieses Buches.

 

Anspruchsvolle Literatur lese ich gerne. Für dieses Buch jedoch bin ich offensichtlich nicht klug genug. Das Lesen war eine Qual. Und für diese Qual ist mir meine Lebenszeit zu kostbar.

 

Dirk M. Staats

Auf dem Totenberg

Taschenbuch: 330 Seiten

Verlag: KBV

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3954413904

 

 

 

In voller Fahrt durch das Buch gekurvt

 

 

 

Hauptkommissar Max Leitner, mit Magenschmerzen geplagt, und sein Assistent Tobias Heuward, der seine Unerfahrenheit mit vorlautem Auftreten wettmacht, treten auf der Stelle: Der Fund einer zerstückelten Leiche, die schon seit vielen Jahren im Wald liegt, gibt schier unlösbare Rätsel auf. Schließlich sollen die Ermittlungen eingestellt werden. Aber Max Leitner gibt nicht auf. Im Gegenteil, er verbeißt sich immer mehr in den Fall und verfolgt akribisch mögliche Spuren für seine zunehmend konkreter werdende Idee des Tathergangs…

  

Der Autor spielt gekonnt mit zwei Handlungssträngen, die 12 Jahre auseinander liegen und scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Beiden gemeinsam ist eine ständig wachsende Spannung, vom Prolog beginnend bis zum fulminanten Ende. Mit großer Raffinesse entwickeln sich die zwei Erzählstränge aufeinander zu bis zum schlüssigen Ende. Es wird mit großer Geschwindigkeit erzählt, und als Leser hat man das Gefühl, in hohem Tempo durch die Handlungskurven zu rasen, laufend zwischen den Zeiten und den Protagonisten die Spur zu wechseln, ohne anhalten zu können, um schließlich aus voller Fahrt heraus ans Ziel zu gelangen.

 

Was für ein umwerfendes Debüt!

 

Ein Autor, der Orgel und Klavier spielt. Man darf also davon ausgehen, dass es sich um einen feinsinnigen, musischen Menschen handelt. Die Hände, die sensibel Musik hervorrufen, halten nun also auch die Feder, aus der so viel böses, blutiges, dramatisches, grausames und intelligentes Geschehen hervorquillt – wie ist das möglich? Und wie ist es möglich, dass dieses Erstlingswerk so routiniert daherkommt, als wäre es eines von vielen vorausgegangenen Veröffentlichungen? Aber lesen Sie selbst!!!

 

Anna Schindler und Billy Bock

Die flinken Füchse

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: Dressler; Auflage: Originalausgabe

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3791500485

vom Hersteller empfohlenes Alter: 9 - 11 Jahre

 

 

 

  

 

Vielfalt in Buchform

 

Was für eine Fülle zwischen zwei Buchdeckeln!

 

Es geht um eine Mädchenbande mit ganz klaren Bandenregeln und einem ganz geheimen Bandenquartier. Die Mitglieder sind 6 Mädchen, mit ganz unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Dazugehörig außerdem ein süßes Katzenkind namens Igor. Die Flinken Füchse, wie sie sich nennen, erleben so allerlei, bis hin zu einer sehr spannenden, aufregenden Suche nach drei plötzlich verschwundenen Kindern.

 

Doch das ist bei Weitem nicht alles! Das überaus liebevoll und aufwändig gestaltete Buch mit einer Fülle von herrlichen mehrfarbigen Zeichnungen bietet noch viel, viel mehr, nämlich Anregungen und Beschäftigung für viele Stunden. Da gibt es zum Beispiel ein Rezept zum Backen von Flinke-Füchse-Muffins. Oder die einfache Anleitung zum Stricken eines Fuchsschals. Oder ein Alphabet zum Erlernen einer Geheimschrift. Und ein Flinke-Füchse-Hit, in Noten gesetzt. Sachliche Erklärungen sind ebenso zu finden wie Witze. Neben dem reichen Inhalt besticht die Darstellung der einzelnen Bandenmitglieder. Ihre Stärken und Schwächen, aber auch ihr unterschiedlicher Familienhintergrund wird mit großer Toleranz erzählt. Unbedingter Zusammenhalt ist eine der nicht zu brechenden Bandenregeln, und so gelingt es auch, Meinungsverschiedenheiten in konstruktiver Weise zu lösen.

 

Fazit: Rundum empfehlenswert!

 

Natalie Grams

Gesundheit

Festeinband: 338 Seiten

Verlag: Springer

ISBN-13: 978-3662547984

 

 

 

Ein mutiges und wichtiges Buch

 

Die Autorin ist approbierte Ärztin. Homöopathie und TCM hatte sie zusätzlich erlernt und angewandt. Insofern ist sie einzuschätzen als Kennerin der herkömmlichen bzw. modernen Medizin ebenso wie einiger Alternativverfahren. Und genau das macht die Gewichtigkeit des vorliegenden Buches aus, denn die Autorin weiß sehr genau, wovon sie spricht. Sie führt keinen Glaubenskrieg, sondern mit kritischem Verstand und hoher Kompetenz geht sie das mit so viel Glauben, Irrglauben, Heilsversprechen oder Vorurteilen besetzte Thema an: unser Gesundheitssystem im weitesten Sinn.

 

Das Buch ist eine geschickte, verständliche und immens wichtige Aufklärung für den interessierten Leser, denn erst ein möglichst umfassend informierter Patient ist in der Lage, ernst gemeinte Selbstverantwortung zu übernehmen. Er wird durch das Buch in die Lage versetzt, Glaubenssätze von belegten Erkenntnissen zu unterscheiden und aufgrund dieser Erkenntnisse seine Entscheidungen zu treffen. In vielen verschiedenen Facetten beleuchtet die Autorin unser Gesundheitssystem. Finanzielle und politische Aspekte, wissenschaftliche Forschung, Krankenkassen bzw. Solidarsystem sind nur einige der vielen Begriffe, denen die Autorin sich zuwendet. Besonderes Augenmerk richtet sie auf die sogenannte Alternativmedizin und betrachtet eine Reihe der wissenschaftlich nicht belegten Methoden in Ausführlichkeit und – wie überhaupt – im gesamten Buch – unter Hinzuziehung einer Fülle von entsprechender Literatur. Wer dieses Buch sorgsam liest, erkennt sehr genau, was in unserem derzeitigen Gesundheitssystem und in Wissenschaft und Forschung Großartiges geleistet wird, aber auch, worin ein essentieller Mangel besteht und wie die Alternativmedizin auf geschickteste Weise genau diesen Mangel „benutzt“, um sich in den Vordergrund zu spielen.

 

Dem Buch sind viele Leser zu wünschen, die bereit sind, ihre eigenen Vorurteile (wer hat die nicht) zu hinterfragen und sich mitdenkend zu öffnen für eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Gesundheitssystem, das besser ist als sein Ruf. Erst anhand umfassender Information, verbunden mit einer inneren Aufgeschlossenheit, ist man in der Lage, echte Selbstverantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und Stammtisch- bzw. Illustriertenweisheiten nüchtern zu widerstehen.

 

Die Autorin schreibt teils ironisch, teils bitter ernst, immer aber dem Leser wohlwollend zugewandt und verständlich. Sie hilft dabei, eine saubere Trennung  von Begrifflichkeiten vornehmen zu lernen, um nicht unkritisch den in der Alternativmedizin so häufig benutzten Wörtern wie „Ganzheitlichkeit“, „Immunabwehr stärken“ u. v. m. jenseits der Naturgesetze zu begegnen. Wie sagte Eckhard von Hirschhausen ganz richtig: „Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen.“ Dr. Natalie Grams hilft uns mit dem vorliegenden Buch sehr umfassend, unsere eigenen magischen Vorstellungen und Wünsche zu entlarven und uns zu dem klaren Weg der evidenzbasierten Medizin und damit zu wissend-kritischem Vertrauen zurückzuführen,

 

Leider weckt die Covergestaltung völlig falsche Erwartungen an das Buch. Ein werbewirksames fröhliches Gesicht mit Zahnpastalächeln will uns den Titel „Gesundheit“ verkaufen. Anhand des Titelbildes geht man von einem weiteren 08/15-Ratgeber aus.  Weder der Titel selbst noch die Gestaltung deuten darauf hin, dass es sich um sehr wichtiges, gründlich recherchiertes und sehr mutiges Buch handelt, das äußerst sorgfältig und praxisnah die Bedeutung von Wissenschaft und Evidenz in der Medizin beleuchtet.

 

Volker Dützer

NEXX Die Spur

Taschenbuch: 384 Seiten

Verlag: Knaur TB

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3426520727

 

 

 

Unbedingt lesen!!!

 

Wenn Sie gute Nerven haben, beginnen Sie das Lesen mit dem Nachwort des Autors. Denn dann können Sie sich im Verlauf der Geschichte nicht mehr damit selbst beruhigen, dass dieser Thriller reine Fiktion ist.

 

Die Journalistin Valerie de Crécy steht unter Erfolgszwang. Um die sinkenden Einschaltquoten zu erhöhen, entschließt sie sich, den medienscheuen und praktisch unfehlbar erfolgreichen Wahrsager Nexx zu einem Interview zu bewegen. Bei einer Pressekonferenz rettet sie ihm bei einem Anschlag in letzter Minute das Leben. Ab da wird Valerie zum Objekt seiner Begierde, mehr noch, zu seinem erklärten Besitz, obwohl Valerie seine Annäherungen vehement zurückweist. In ihrem Umfeld sterben Menschen auf bizarre Weise. Valerie ist sich sicher, dass Nexx dahinter steckt, aber sie kann nichts beweisen. Schließlich findet sie in dem Ermittler Lenny Koriadis Unterstützung auf der akribischen Suche nach dem Geheimnis von Nexx. Dieser prophezeit jedoch öffentlich ihren baldigen Tod…

 

Zunächst: Wenn ich ein Buch von Volker Dützer in die Hand nehme, weiß ich, dass mich gut geschriebene, spannende Handlung erwartet. Insofern öffnete ich auch dieses Buch mit einem inneren wohligen Zurücklehnen und Genießen-Wollen. Was aber dann tatsächlich passierte, ist schwer beschreibbar. Das Buch packte mich, saugte mich ein. Ich geriet in eine Art Schleudergang wie in der Waschmaschine, bis ich atemlos und schwindelig wieder ausgespuckt wurde. Ich geriet auf eine emotionale Achterbahn mit Bangen und Zittern um Menschen, die mir nahe gingen. Hinreißende sprachliche Feinheiten wie z. B. „Die See trug ein zerknittertes Kleid aus zornigen grau-grünen Wellen“ ließen mich für Momente innehalten, dann wiederum erlag ich wehrlos der grenzenlosen Spannung, die über das gesamte Buch hinweg kein einziges Mal nachließ, im Gegenteil, die sich ins fast Unerträgliche steigerte.

Fazit: Perfekt geschriebener, unermesslich spannender Thriller, dessen Realitätsnähe das Grauen direkt in unsere private Welt schickt.

Hans W. Cramer

Wer Sünde sät

Taschenbuch: 277 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3839218846

 

 

 

Thriller ohne Thrill

 

  

Bei Arbeiten auf einem Golfplatz in Bad Sodernheim wird eine Leiche gefunden, eine sogenannte Wachsleiche, die bereits vor ungefähr 30 Jahren zu Tode gekommen war. Bei einem Klassentreffen von Ehemaligen, die vor 30 Jahren in Bad Sodernheim Abitur gemacht hatten, wird über diesen Leichenfund viel spekuliert. Außerdem lernen wir einen 31-jährigen Mann kennen, der sich auf die Suche nach seinen ihm bisher unbekannten leiblichen Eltern macht. Und in Dortmund verschwindet auf unerklärliche Weise die Ehefrau eines Oberarztes…  Gibt es Zusammenhänge, Geheimnisse, die in der Vergangenheit liegen?

 

Soweit der Plot, der durchaus das Potenzial hätte für einen spannenden Thriller.  Leider konnte mich die Ausführung jedoch nicht überzeugen. Am Schreibstil an sich lag es nicht. Das Buch ist angenehm und zügig zu lesen, die Konversationen sind lebendig formuliert. Aber die Protagonisten bleiben allesamt blutleer, blass. Sie werden vom Autor nüchtern und emotionslos dargestellt   und sind teilweise in ihrem Verhalten unglaubwürdig und weit von psychologisch nachvollziehbaren Reaktionen entfernt.

 

Die Handlung schreitet zwar logisch durchdacht voran bis zu einer durchaus überraschenden Aufklärung. Aber die beständige Spannung, die einen Thriller von einem Krimi unterscheidet, fehlt leider.  Nur wenige Stellen vermögen den Leser wirklich zu fesseln.  Das liegt natürlich zum einen daran, dass die vorgestellten farblosen Charaktere keine Identifikation zulassen. Gravierender jedoch empfinde ich als spannungstötend die konstruiert-verkopfte Erzählweise insgesamt. Auftretende Fragen oder Probleme werden ganz schnell durch irgendwelche komischen Zufälle aus dem Weg geräumt. Immer tritt zur rechten Zeit jemand mit einer passenden Fähigkeit oder  einer Erklärung gebenden Erinnerung auf und so wird jegliches Geschehen schnell durch passende Fügungen glatt gebügelt und jegliche mögliche Spannung im Keim erstickt.

 

Fazit: Solide, aber emotionslos geschrieben und spannungsmäßig meilenweit von einem Thriller entfernt.

 

Peter Braukmann

Falsche Engel küsst man nicht

Taschenbuch: 290 Seiten

Verlag: Nova MD

ISBN-13: 978-3961112807

 

 

 

 

Noch viel Platz nach oben

 

Ratlos stehe ich vor der Aufgabe, über dieses Buch eine Rezension zu schreiben. Da mir das Buch zur Verfügung gestellt wurde, sollte ich dankbar sein und ein wohlwollendes Urteil abgeben. Da der Autor mitliest, sollte ich bemüht sein, ihm ein Feedback zu geben, das ihn nicht ärgert oder gar verletzt. Das alles sollte ich. Aber das kann ich nicht. Denn ich habe das Buch wirklich gelesen, von der ersten bis zur letzten Seite, aufmerksam und fachlich-kritisch. Und ich gebe immer, immer, in meinen Rezensionen meine ehrliche ungeschminkte Meinung wieder, verfüge nicht über Gefälligkeits-Textbausteine, die zu jedem Buch nahezu das Gleiche erzählen. Tja, was mache ich nun…

Der Inhalt ist in Kurzform schnell erzählt gemäß Klappentext: Von einer internationalen Stadtentwicklungsfirma soll in Meißen ein Großprojekt umgesetzt werden. Der Oberbürgermeister, der diesem Plan im Weg stand, wird ermordet. Steffen Schröder wird beauftragt, anhand eines ähnlichen Bauprojektes, das auf Mallorca bereits realisiert wurde, gegen diese Stadtentwicklungsfirma zu ermitteln. Völlig unerwartet gerät Steffen Schröder in große Gefahr…Klingt gut, nicht wahr? Dazu ein ansprechendes Cover, wenngleich ohne jeglichen Bezug zum Buchinhalt.

  

Und was schreibe ich jetzt als Fazit? Vielleicht geht es anhand positiver Empfehlungen: Als Autor soll man sein Handwerkszeug, die Sprache, perfekt beherrschen. Oder einen Lektor bemühen, der alle sprachlichen und grammatikalischen sowie Zeichensetzungs-Fehler und sämtliche  inhaltlich-logischen Unrichtigkeiten ausmerzt. Zudem ist immer empfehlenswert, sich die Grundlagen kreativen Schreibens vor Augen zu führen. Einen Krimi, einen Roman, eine Erzählung zu schreiben, ist etwas ganz anderes als einen Zeitungsartikel, einen Erfahrungsbericht oder einen Aufsatz zu verfassen. Erzählend muss es gelingen, den Leser (auch) emotional zu erreichen. Dazu genügt es nicht, wenn mehr oder weniger geschickt Fakten nüchtern und verkopft aneinandergehängt werden. Sondern es braucht das Einbeziehen aller Sinne. Geschehnisse und Protagonisten werden erst lebendig, wenn der Leser sie hören, fühlen, riechen und schmecken kann. Also noch viel Platz nach oben…

 

Nicole Neubauer

Scherbennacht

Taschenbuch: 384 Seiten

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3734104510

 

 

 

Zuviel Vielerlei

 

Der vorliegende Band ist der dritte einer Reihe rund um Kommissar Waechter und seine Kollegen in der Münchner Mordkommission.

Demonstrationen, Straßenschlachten, brennende Autos – ein glühheißer Sommer in Münchens Innenstadt. Und dann ein Polizistenmord! Leo Thalhammer, Drogenfahnder, liegt auf dem Beifahrersitz seines Autos, erschossen mit seiner eigenen Dienstwaffe. Kommissar Waechter, ein erfahrener Ermittler mit Herzproblemen und seine Kollegen beginnen, akribisch dem Fall nachzugehen. Es gibt viele Denkansätze, viele mögliche Verdächtige,  immer wieder laufen die Spuren ins Nichts. Neue scheinbar vielversprechende Fakten tauchen auf, führen in die eigenen Reihen der Polizei, aber interne Machtrangeleien behindern das konsequente Verfolgen dieser Spuren. Und so wird der Leser kreuz und quer durch München gejagt, bekommt so manchen ekelhaften Geruch in die Nase, beginnt mit den Protagonisten reichlich zu schwitzen – und ist am Ende des Buches völlig perplex über die Lösung des Falles…

 

Mit diesem Krimi habe ich mich schwergetan. Zwar steigt der Spannungsbogen in der zweiten Buchhälfte kontinuierlich an und der bisweilen locker eingestreute Münchner Jargon hat etwas Sympathisches, aber in der Summe lässt mich das Buch sehr unzufrieden zurück. Nahezu jeder der Protagonisten hat entweder einen dunklen Fleck in der Vergangenheit oder ist sonst irgendwie „beschädigt“ oder belastet. Zwar arbeiten sie alle in irgendeiner Form zusammen, sind aber nie wirklich ehrlich zueinander. Gefühlt ist das Buch zur Hälfte angefüllt mit Berichten über missglückte Beziehungen, über erlittene Traumata, über negative Vorerfahrungen, über Ängste, Krankheiten und unerfüllte Sehnsüchte der handelnden Personen und lässt dadurch das eigentliche Geschehen des Kriminalromans sehr oft völlig in den Hintergrund treten. Nach einer Weile des bereitwilligen Durchhaltens gingen mir die Protagonisten schließlich allesamt ziemlich auf die Nerven, denn sie blieben mir bis zum Ende entweder unsympathisch oder gleichgültig und all der private Kram, die Fülle der für die Handlung unbedeutenden Nebenschauplätze wurde mir schlichtweg zuviel. Etwas mehr Konzentration auf das Wesentliche des Kriminalromans, nämlich auf den durchaus interessanten und raffinierten Plot, hätte meiner Meinung nach dem Buch gut getan.

 

Michaela Abresch

Kalt ruht die Nacht

Taschenbuch: 264 Seiten

Verlag: Acabus Verlag

ISBN-13: 978-3862825387

 

 

 

Unterhaltsam, mehr nicht

 

 

 

Eine „Kriminalgeschichte“ ist per definitionem eine Geschichte, bei der ein Verbrechen und seine Aufklärung im Mittelpunkt stehen. „Historisch“ bedeutet wiederum per definitionem,  einer bestimmten Geschichtsepoche angehörend (und darüber informierend). Die im Buch gesammelten Geschichten erfüllen die mit dem Untertitel „Historische Kriminalgeschichten aus dem Westerwald“ geweckten Erwartungen nur sehr eingeschränkt.

 

Auch wenn die Autorin sich bemüht, anhand des Anhangs nachzuweisen, wie fleißig sie z. B. in Dorfchroniken recherchiert hat, so fehlen doch in vielen Geschichten konkrete westerwaldtypische Gegebenheiten und Verhaltensweisen der damals dort lebenden Menschen. Viele der in den Geschichten geschilderten Örtlichkeiten, der Landschaften, der Bäche, Wälder und Ruinen könnten auch in grauer Vorzeit irgendwo anders gelegen haben. Es genügt meines Erachtens für eine historische „Westerwälder“ Geschichte nicht,  z. B. einen Töpfer als unbedeutende Randfigur auftreten zu lassen, dessen Namen als historisch belegt im Anhang zu rechtfertigen, ohne dass wir auch nur irgendetwas in der Geschichte selbst von dem Töpferhandwerk zu der Zeit und speziell in dieser Gegend erfahren.

 

Genauso verhält es sich mit dem Begriff „Kriminalgeschichten“. Es gibt zwar Tote, das ja, aber nicht immer handelt es sich um einen Mord, geschweige denn, dass Geschehnisse und Täter konsequent verfolgt und zur Aufklärung gebracht werden. Oftmals handelt es sich um geradezu schicksalhafte Verstrickungen oder um tragische Gegebenheiten, um das im Menschen immanente Böse. Aber immer weiß der Leser Bescheid, muss nicht selbst „ermitteln“, schaut einfach nur zu,  lässt sich mehr oder weniger gut unterhalten und ist nach der Lektüre nicht klüger als zuvor.

 

Nimmt man den hohen Anspruch, den die Autorin durch ihren Untertitel an sich selbst gestellt hat und damit scheitert, einmal zur Seite, dann muss man ihr zugute rechnen, dass sie recht plastisch und bildhaft erzählen kann. Insofern sind ihre Geschichten unterhaltsam und kurzweilig zu lesen. Allerdings bräuchte es noch so manche sprachliche Überarbeitung. Nur wenige Beispiele seien hier angeführt: „scheinbar“ und „anscheinend“ sollten nicht verwechselt werden, „liege“ und „läge“ ebenso. „Das Knacken der Walderde“ meint doch wohl eher das Knacken von Unterholz, Erde habe ich noch nie knacken hören. Unfreiwillige Komik müsste ausgemerzt werden „…. schlugen seine Beine eine Richtung ein…“. Die Aufzählung ließe sich leider noch beliebig fortsetzen.

 

Es ist der Autorin zu wünschen, dass sie mit einem gehörigen Maß Selbstkritik ihr zweifellos vorhandenes Schreibtalent weiter ausbaut. Wer gerne einigermaßen spannende Geschichten aus alter Zeit lesen mag, ist mit diesem Buch aber durchaus gut bedient.

 

Janina Huber

Abgründe

Taschenbuch: 324 Seiten

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3848252930

 

 

Grenzüberschreitungen

 

Es handelt sich im vorliegenden Buch um eine Sammlung von 20 sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten. Die Autorin hat ihrem Buch den Titel „Abgründe“ gegeben, mit dem Untertitel „20 abgrundtiefe Kurzgeschichten“. Aus dem Titel entnehme ich, dass die Autorin damit die Tiefe der Geschichten vermitteln will, sie denkt also sozusagen vertikal. Warum auch immer – ich habe, sobald ich zu lesen begonnen hatte, eher horizontal gedacht. Mir drängte sich das Wort „Grenzüberschreitungen“ auf. Vielleicht in diesem Sinne Nähe statt Tiefe, dachte ich, insofern uns unmittelbar betreffend, keine Distanz möglich. Die Sammlung an kleinen, feinen Kurzgeschichten spielt mit Situationen des Lebens, die eine Entscheidung fordern oder gefordert haben und die oftmals rechtzeitig zu treffen versäumt wurde. Oder es werden Geschehnisse geschildert, in die man geradezu schicksalhaft hineingeworfen wird ohne eigenes Zutun und ohne Chance des Entkommens. Oder die Erzählungen muten uns die Grenzerfahrungen des hemmungslos Bösen zu.

 

Die Grenze zwischen dem realen Leben in all seinen Schattierungen und dem Absturz, dem Abgrund, dem Bösen, dem Grauen ist in diesen Geschichten nur hauchdünn. Eine Winzigkeit genügt, um die Grenze durchlässig zu machen oder gar ganz aufzuheben. Schöne äußere Bilder kippen unvermittelt um in finstere Gewalt oder unbedingte Ausweglosigkeit. Die Autorin lullt uns ein mit wunderschönen Naturbildern, mit behütetem Alltagsleben, mit kerzenerleuchteten Ballsälen. Und während wir noch wohlig lesend die Seite umblättern, öffnet sie unvermittelt den Blick auf Bilder des blanken Horrors und spielt so auf perfekte Weise mit unseren geheimsten Ängsten, dass wir erschauern.

 

Für diese kleinen, feinen, gekonnt geschriebenen Kabinettstückchen, die uns die Brüchigkeit unserer heilen Welt erahnen lassen, möchte ich meine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.

 

Petra Schier

Kleiner Streuner, große Liebe

Taschenbuch: 304 Seiten

Verlag: MIRA Taschenbuch

ISBN-13: 978-3956497513

 

 

Zauberhafter Weihnachtszauber

 

Ein halb verhungerter, kleiner Hund, von seiner bisherigen Pflegefamilie gnadenlos „entsorgt“, schleppt sich mit letzter Kraft vor die Sozialstation, in der Eva sehr engagiert mitarbeitet. Eva, die ein großes Herz hat – für andere, nicht aber für sich selbst – adoptiert sofort den süßen Hund und päppelt ihn auf. Dabei benötigt sie zwangsläufig die Hilfe von ihrem Ex André, einem ehemals sehr erfolgreichen Koch. Der Weihnachtsmann und seine Elfen müssen per Monitor zuschauen, wie Eva bei jeder Begegnung mit André sämtliche Stacheln aufstellt, obwohl André alles versucht, Eva zurückzugewinnen. Da bleibt Santa und seinen Elfen nichts anderes übrig, als ein klein wenig Weihnachtszauber anzuwenden…

 

Nicht umsonst zeigt uns das Titelbild nicht Eva, nicht André, nicht den Weihnachtsmann, sondern einen bezaubernden kleinen Hund, denn tatsächlich ist „Socke“, wie der Findling genannt wird, der uneingeschränkte Held in dieser Geschichte. Seine Hundegedanken, in kursiv in den Text eingestreut, sind so herzerwärmend süß wie das Bild auf dem Cover. Überhaupt ist das ganze Buch nichts anderes als gefühlvoll, liebevoll, mal heiter, mal ernst. Es gibt im gesamten Buch nichts wirklich Negatives, nichts wirklich Böses. Selbst die so schwierige Annäherung zwischen Eva und André wirkt letztlich wie zuckerüberstäubt. Die Überzeichnung der Charaktere in ihrem Gut-Sein geht zugegebenermaßen bis an die Grenze, gerade noch kurz davor, in den Kitsch abzugleiten. Doch die Autorin behält diese Grenze perfekt im Auge und schenkt uns so ein rundum glitzerndes, romantisches Weihnachtsmärchen, dessen Lektüre wir mit einem wohligen Seufzer beenden und uns fühlen, als hätten wir soeben in bester Gesellschaft duftenden wärmenden Glühwein getrunken.

 

J. D. Barker

The Fourth Monkey

Broschiert: 544 Seiten

Verlag: Blanvalet Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3764506247

 

 

 

 

 

Brutal! Grausam! Raffiniert! Unsäglich spannend!

 

Der perfekte Klappentext sagt genug über den Inhalt aus: 5 Jahre, unzählige Opfer und ein Serienkiller, der auch nach seinem Tod nicht ruht … Tue nichts Böses, sonst wird er dich bestrafen. Zuerst wird er einen Menschen entführen, den du liebst. Dann wird er dir ein Ohr des Opfers in einem weißen Geschenkkarton schicken. Daraufhin ein Auge, dann die Zunge. Du kannst versuchen, ihn zu stoppen, aber du wirst es nicht schaffen. Denn er ist der Four Monkey Killer, und er kennt kein Erbarmen. Du kannst nur hoffen, dass er nicht weiß, wer du bist, und dass er es nie erfährt …

 

Es macht wenig Sinn, den Inhalt detaillierter und mit eigenen Worten nachzuerzählen. Lesen Sie selbst, wie der Autor in brillanter Form zwei verschiedene und doch zusammengehörende Handlungsstränge mit einer jeweils eigenen zunehmend extremen Spannung versieht und wir Leser hin und her irren zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Schaudern und Hoffen. Häppchenweise enthüllt sich scheinbar beiläufig ein unfassbares Maß an Grausamkeit. Dazwischen eingestreut sind durchaus witzige Dialoge, die uns kurz Atem holen lassen, und schon geht es weiter in einem Rausch von Ekel und Grauen und der unbedingten Faszination eines genial durchkonstruierten Thrillers. Wir sitzen bei diesem Buch wie in einem außer Kontrolle geratenen Schnellzug, der stets sein Tempo erhöht. Wir rasen durch die Seiten, glauben das Ende zu wissen und ahnen doch nichts, gar nichts…

 

Eine eindeutige Warnung sei deutlich ausgesprochen: Dieses Buch ist nicht geeignet für empfindsame Gemüter, so brillant es auch geschrieben ist!

 

Anja Eichbaum

Inselcocktail

Taschenbuch: 406 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN-13: 978-3839221099

 

 

 

 

Zurücklehnen und genießen!

 

 

 

Wir lernen vier Frauen kennen, vom Äußeren und vom Wesen her sehr unterschiedlich, aber alle Vier auf der Suche nach einem, nach dem Partner, der all ihre Sehnsüchte stillen kann. Auf Datingportalen sind sie einem „Johannes dwsw“ näher gekommen und reisen, ohne voneinander zu wissen, für ein erstes Kennenlernen auf die Insel Norderney, nervös, gespannt, mit großen Erwartungen. Ein schwerer, orkanartiger Sturm zieht auf und eine Frauenleiche wird am Strand aufgefunden.

 

 

 

Dieses Buch ist wie ein großes, weiches Sofa, in das man sich hineinfallen lässt, eine kuschelige Decke überwirft und so voller Wärme den erzählten Menschen und Geschehnissen folgt. Ohne Hast, ohne Eile, gemächlich-gemütlich und wohlig. Das Buch fordert Zeit, genaues Hinschauen, genaues Hinhören, so genau, dass die Beschreibung, wie sich Sahne in der Teetasse wölkchenartig verteilt, eine innere Ruhe vermittelt, als sei man bereits mehrere Wochen zu Urlaub auf Norderney. Nicht jeder Leser mag einen Krimi in dieser Beschaulichkeit lesen wollen, aber wer sich gerne für das Lesen eines Buches Zeit nimmt, nicht nur Seiten konsumiert und Lust hat, die Protagonisten und Örtlichkeiten in ihrer jeweiligen Besonderheit genauer kennen zu lernen, wer Freude an sorgsamer bildhafter Erzählweise hat, verbunden mit einer im Hintergrund immer lauernden Bedrohung und der daraus resultierenden immanenten Spannung, für den ist das vorliegende Buch ein Genuss. Mir gefällt die aufmerksam-subtile, detailfreudige Erzählweise der Autorin sehr!

 

Markus Orths

Max

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

ISBN-13: 978-3446256491

 

 

 

Ein grandioses Buch

 

„Ich male Bilder, die es nicht gibt, Bilder, wie ich sie aber sehen möchte.“ Leonor Fini

 

Max Orth malt im vorliegenden Buch eines dieser Bilder, die es so nicht gibt, die man aber als Leser so gerne sehen möchte, voyeuristisch angehaucht vielleicht, zu erlesendes Wissen erhoffend. Der Autor öffnet mit diesem Buch ein Fenster, er zeigt einen Ausschnitt der Welt in einer ausufernden Zeit rund um Max Ernst, aber eben nur einen Ausschnitt, bewusst durch die Begegnungen mit sechs ausgewählten Frauen diesem gewählten Ausschnitt einen Rahmen gebend. Sechs Frauen, sehr junge, exzentrische Frauen, die von Max Ernst ausgesaugt werden teilweise bis zur völligen Zerstörung, bis zum Verfall der eigenen Persönlichkeit.  Die eigensinnige und eigenwillige surrealistische Malerin Leonor Fini, die allen Dogmen ablehnend gegenüberstand, begegnete Max Ernst ca. 1937 in Paris und war eine seiner unzähligen Affären, widersetzte sich jedoch aufgrund ihrer Stärke und Selbstbezogenheit erfolgreich dem Sog der Selbstaufgabe und fand bis auf eine winzige Erwähnung keinen Eingang in das Buch.

 

Wir erleben Max Ernst im Buch nur ganz selten „Auge in Auge“. Wir müssen ihn uns aus den verschiedenen Prismen der sechs Frauen zusammensetzen, und unser Blick auf Max Ernst wird zusätzlich gefärbt von unserem persönlichen Denken, unseren Erfahrungen, unseren moralischen Urteilen. Markus Orth lässt uns die Freiheit, unser eigenes Bild von Max Ernst entstehen zu lassen. Das mag irritieren, da wir gewohnt sind, Festgefügtes zu konsumieren und es als „Wissen“ abzuspeichern. Und genau hier liegt eine der grandiosen Seiten des Buches: Wir vermeinen, nach der Lektüre des Buches mehr über Max Ernst zu wissen, sind aber vielleicht doch nur durch Spiegelbilder verführt worden, unsere eigene Moralvorstellungen anzuschauen. Max Ernst bleibt unfassbar genial, unfassbar groß, unfassbar narzisstisch, unfassbar eben.

 

Der Autor schreibt an einer Stelle über Bilder von Geisteskranken, dass sich die Werke jeglicher Beurteilung entzogen, „man war vor den Kopf, vor die Seele gestoßen.“ Genauso fühlte ich mich stellenweise beim Lesen dieses unglaublichen Buches: vor den Kopf, vor die Seele gestoßen. Und manchmal steht der Autor selbst da wie der im Buch beschriebene Soldat, der aus dem Schützengraben klettert, einen Stock aufhebt und die um ihn herum fliegenden Granaten dirigiert, wobei der Autor nicht Granaten, sondern Wörter, Wortbilder dirigiert. Geduld braucht der Leser, denn die teils verstörende Sprache, in der über Max und andere erzählt wird, fordert Aufmerksamkeit, Nachspüren, Nachfühlen. Und genau in dieser Sprache liegt die weitere Genialität des Buches. Ein wahnwitziges Leben, eine wahnwitzige Zeit, ein wahnwitziger Künstler – und ein Autor, der eine unglaubliche Fähigkeit besitzt, all diesen Wahnwitz in atemlose Sätze, in surreale Wortbilder, in expressionistische Bildsprache zu packen, sodass nicht nur der Maler Max Ernst in seiner Besessenheit, in vielen Facetten seiner narzisstischen Persönlichkeit vorstellbar sind, sondern auch ein Zeitgemälde entsteht, das plastischer nicht sein könnte. Bei Öffnen des Buches springt uns eine aus den Fugen geratene Welt entgegen, die zu verstehen uns der Autor hilft. Die Welt der Künstler in ihrem Sich-selbst-Genügen, im Abheben in surreales Handeln und Denken. Immer wieder wurde ich beim Lesen auch an Else Lasker-Schüler und ihre intensive expressionistische Sprache erinnert.

 

Vielleicht macht es Sinn, dieses Buch (mindestens) zweimal zu lesen, beim ersten Lesen Seite um Seite zu „trinken“, einzutauchen und sich bedingungslos dem Rausch der Sprache hinzugeben. Beim zweiten Lesen mag die Sorgfalt dazu kommen, das Genießen, das Wahrnehmen der vielen Details und Schattierungen. Und auch dann haben wir, dessen bin ich sicher, noch lange nicht alle Facetten dieses genialen Buches erfasst…

 

 Heidi Knoblich

 Xaver im Uhrenland

 Gebundene Ausgabe: 48 Seiten

 Verlag: Silberburg

 Sprache: Deutsch

 ISBN-13: 978-3842520639

 Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 6 Jahren

  

 

 

Du musst nur an dich glauben…

 

Vor vielen, vielen Jahren in der längst vergangenen Zeit von Queen Victoria lebt Xaver, ein armer Hirtenjunge, im Schwarzwald und hat den ganz großen Traum, Uhrenhändler in einem fernen Land zu werden. Zwar scheint die Verwirklichung dieses Traumes unmöglich, aber die Mutter bestärkt Xaver: „Alles, was du dir vorstellen kannst, ist auch möglich. Du musst nur an dich glauben.“ Und so geschieht  es tatsächlich eines Tages, dass sein Onkel Johann Xaver als Gehilfen mit nach London nimmt, der Vater die Bedingung stellt, dass sich Xaver bis Weihnachten als tauglich für den Uhrenhandel beweisen muss, sonst muss er wieder zurück zum Kühe- und Schafe-Hüten. Schwer ist das Leben fern der Heimat, aber Xaver klagt nicht, ist fleißig und lernbegierig. Doch dann geschieht ein fatales Missgeschick…

 

Heidi Knoblich erzählt in unnachahmlich intensiver, herzerwärmender Weise von dem Glauben an sich selbst, von Fleiß, von Heimat und fremden Sitten, vom Leben in früheren Zeiten, von Freundschaft, aber auch von Selbstüberschätzung und Eifersucht. Dass es sich letztlich um ein Weihnachtsbuch handelt, erschließt sich erst gegen Ende, als die Geschichte stimmungsvoll ihren Abschluss findet.

 

Neben der gefühlvollen und klugen Erzählung von Heidi Knoblich beeindrucken auch die wunderbaren Illustrationen von Martina Mair, die liebevoll-detailliert die erzählte Geschichte und ihre Menschen lebendig werden lassen. Je länger man die Bilder anschaut, umso intensiver breitet sich ein wohlig-warmes Gefühl im Betrachter aus. Mehr Weihnachten geht nicht.

 

Sam Feuerbach, Thariot

Instabil: Die Vergangenheit ist noch nicht geschehen

Kartonierte Ausgabe

Verlag: Blitz-Verlag

307 Seiten

ISBN:  978-3- 946502517

 

 

Bewundernswerter Ideenreichtum

 

 

 

Mit einem lauten Rumms wird man in ein Geschehen katapultiert, das seinesgleichen sucht.

 

Patrick Richter wird von einem Sonderkommando festgenommen und soll innerhalb weniger Stunden wegen Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung den Amerikanern überstellt und nach Guantanamo ausgeflogen werden. Doch dazu kommt es nicht, denn Patrick verschwindet auf völlig unerklärliche Weise…

 

Mehr sei nicht verraten, denn der Leser wird durch das weitere Geschehen restlos durcheinandergeschüttelt und einer Art von Verwirrung unterworfen, die ihresgleichen sucht.

  

Die beiden Autoren haben sichtlich Spaß daran, uns Leser schwindelig zu schreiben, und sie verstehen es meisterhaft, eine nicht abreißende Spannung aufzubauen und bis zum Ende (und über das Ende hinaus) durchzuhalten, so dass man das Buch nicht mehr weglegen mag.  Die Protagonisten werden derart intensiv geschildert, dass man sich ihnen nahe fühlt, im Guten wie im Schlechten, und deshalb die Geschehnisse fast körperlich mitempfindet.

  

Es mag ja nicht die gesamte Handlung an jeder Stelle logisch sein und Menschen, die minutiös und detailverliebt alles hinterfragen, haben vermutlich den einen oder anderen Kritikpunkt zu entdecken – ich jedenfalls habe mich vom Buch von Anfang bis Ende absolut spannend unterhalten gefühlt. Der außergewöhnliche Plot mit seinen vielen überraschenden Wendungen hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Das Buch war an etlichen Stellen witzig, oft regelrecht komisch, mitunter auch kritisch gegenüber Beamtentum und Pressewesen, versehen mit lebendigen Dialogen und mit einer Handlung, die  Irreales so real darstellt, dass man als Leser fast geneigt ist, den Autoren alles zu glauben, was sie uns in größter Fabulierlust anbieten.

 

Stephan Martin Meyer, Thorwald Spangenberg

Mit dem Orient-Express nach Paris

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten

Verlag: Gerstenberg Verlag

ISBN-13: 978-3836959858

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 10 Jahre

 

 

 

 

Dieses Buch ist eine Freude: Eine Freude zum Anschauen und eine Freude zum Lesen oder Vorlesen! Es ist unglaublich sorgfältig und aufwändig gearbeitet, großformatig, festes Papier, das Cover mit einzelnen Glanzstellen aufgewertet. Eine Fülle von Illustrationen verschiedenster Art, von ganzseitigen stimmungsvollen Aquarellen über detailreiche Bleistiftzeichnungen bis hin zu wertvollen informellen Landkarten oder technischen Details macht das Lesen des Buches sehr lebendig und anschaulich. In einer Zeit, in der so viele Billig-Schnellschüsse auf den Büchermarkt geworfen werden, ist dieses Buch ein Juwel!

 

Erzählt wird, wie Sinan, 14-jähriger Sohn eines reichen Kaufmanns aus Konstantinopel, seinen Vater begleitet auf der Reise nach Paris im legendären Orient-Express, der 1889 noch nicht so berühmt war wie in den 1920er und 1930er Jahren. Die Fahrt zwischen Orient und Okzident im „Zug der Könige“ mit all seinem Prunk und Luxus war für Sinan ein spannendes Abenteuer, umso mehr, als er im Zug Pierre kennen lernt, einen Küchenjungen, dem es eigentlich untersagt war, Kontakt zu den Reisenden zu haben. Die beiden Jungen freunden sich an, und als die Taschenuhr einer mitreisenden Baronin verschwindet und Pierre des Diebstahls bezichtigt wird, muss sich ihre junge Freundschaft beweisen…

 

Eine spannende Geschichte also, die sehr lebendig und kurzweilig erzählt wird. Es ist schön zu lesen, wie eine Freundschaft über gesellschaftliche und Länder-Grenzen hinweg möglich ist und wie gemeinsame Beharrlichkeit zu einem lohnenswerten Ergebnis führt. Das Besondere jedoch an diesem Buch ist, dass das Erzählte  eingebettet ist in eine unglaubliche Fülle an Hintergrundinformationen, an Wissenswertem, ohne je langweilig zu werden. Dafür sorgen auch die zahlreichen Illustrationen in ihrer Unterschiedlichkeit. Allein schon die ausführlichen und exakten Zeichnungen wie z. B. Landkarten der damaligen Zeit mit dem jeweiligen Streckenabschnitt der Reiseroute des Zuges oder die vielen technischen Zugdetails, aber auch die zahlreichen mit dem Stift festgehaltenen Momentaufnahmen der erzählten Geschichte selbst machen das Buch zu einer ganz besonderen Lektüre, die nicht nur Kinder interessieren sollte!

 

Michael Koglin

Zeitreise auf vier Pfoten

Band 2: Ein Pony für den König

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten

Verlag: Egmont Schneiderbuch

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3505139550

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

 

 

 

 

 

 

 

Auch im vorliegenden zweiten Zeitreise-Band sind die immer hungrige Hündin Curry, die mutige Lia und der leicht tüdelige Professor Tempus samt seiner Zeitmaschine in vollem Einsatz. Sie müssen ein Pony zurückbringen ins mittelalterliche London und erleben in der Welt der Ritter und Turniere ein aufregendes Abenteuer, das viel Spürsinn und Ideenreichtum fordert.

 

 

 

Mir hat dieses Buch, geeignet für Kinder ab 8, ausnehmend gut gefallen. Es ist spannend und lebendig erzählt, es bringt spielerisch viel Wissenswertes rund um das Leben der Ritter auf der Burg und bei ihren Turnieren mit sich, auch ein Glossar am Schluss der Geschichte erklärt in kurzer, klarer Form ungewohnte Begriffe. Die etwas größere Schrift erleichtert den Kindern das Lesen, ebenso wie die kurzen Kapitel. Doch nicht nur die zeitgeschichtlichen Informationen machen das Buch besonders, auch der erzählte Inhalt, denn Kinder erleben, wie selbst gefährliche Abenteuer bestanden werden können, wenn alle Beteiligten ihre jeweiligen Fähigkeiten füreinander einsetzen. Für mich herausragende Ergänzung sind die vielen wunderbaren Zeichnungen von Fréderic Bertrand, die detailreich, humorvoll und liebevoll die Handlung kommentieren.

 

Dieses Kinderbuch kann ich uneingeschränkt empfehlen, insbesondere für wissbegierige Kinder ist das Buch eine großartige spannende Unterhaltung.

 

Monika Detering

Ich bin Hermann

 

 

E-Book

 

 

 

 

 

Mit fast 80 fängt das Leben erst an!
Eine witzig-rührende Geschichte über Liebe und die kleinen, wichtigen Momente im Leben

 

So beschreibt der Verlag den Inhalt:

 

Hermann, 79 Jahre alt, grummelt: „Ist es das jetzt gewesen oder kommt noch was?“ Er will bis zu seinem 80. Geburtstag auf alle Fälle noch was erleben und zieht kurzerhand in eine Männer-WG. Dort verguckt er sich in ‚Lilofee’, einen knallroten Uralt-Trecker, und erlebt allerhand Skurriles. Eigentlich wäre nun alles gut. Eigentlich.
Doch dann tuckert die zauberhafte Lila heran, DIE Frau für Hermann – mit eigenem Trecker. Leider darf sie nicht in der Männer-WG wohnen und das passt Hermann natürlich gar nicht! Was tun? Schließlich kommt er auf eine tragisch-schräge Idee …

 

 

 

Meine Meinung:

 

Selten habe ich ein Buch gelesen, bei dem Freude und Traurigkeit so nah beieinander sind, sich geradezu ineinander verschränken.

 

Vielleicht können nur ältere Menschen den Inhalt des Buches wirklich nachvollziehen, wenn die Tage begrenzt sind und immer begrenzter werden, wenn so vieles endgültig vorbei zu sein scheint und Körper und Geist sich mehr und mehr zurückziehen aus dem, was wir aktives Leben nennen. Und wenn dennoch Träume und Sehnsüchte durch die Seele huschen und zu Ungewöhnlichem antreiben.

 

Die Autorin versteht es auf sehr subtile Weise, diesen Weg mit viel westfälischem Dialekt und Humor „aufzubereiten“ und dabei, so perfekt verpackt, ganz leise, ohne Larmoyanz die bewegende, traurige Seite des Alt-Seins zu vermitteln.

 

John le Carré

Das Vermächtnis der Spione

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Ullstein Hardcover

ISBN-13: 978-3550050121

Originaltitel: A Legacy of Spies

 

 

 

 

 

Eigentlich bin ich kein Freund von Romanen über Agenten, Spione und über die Geheimdienste der Welt. Aber wenn solch ein Könner des Faches schreibt, wird auch für mich das Lesen zum Genuss. Das Buch ist sozusagen der Nachlass-Roman zu den Romanen um George Smiley, insbesonderezu dem „Spion, der aus der Kälte kam“. Wie eine Klammer umschließt dieses Buch nun die damalig erzählten Geschichten.

 

 

 

1961 sterben zwei Menschen an der Berliner Mauer. 2017 wird George Smileys ehemaliger Assistent Peter Guillam nach London zitiert zu einer Untersuchung des damaligen Todes der zwei Agenten. In dem Verhör werden die Geschehnisse noch einmal rekonstruiert und neu beleuchtet. Die einschlägigen Akten sind allerdings verschwunden, weil seinerzeit der Meisterspion George Smiley den eigentlichen Hintergrund verschleiern wollte. Die Zeit des Kalten Krieges ist der Dreh- und Angelpunkt des Buches. Die Person George Smiley bekommt aufgrund der Verhöre völlig neue Facetten.

 

 

 

Was für ein Könner ist doch le Carré! Man liest die ersten Zeilen und ist schon hingerissen von der Schreibe-Kunst des Autors. Seine detailreichen Beobachtungen sind wie feine Pinselstriche, die sich nach kürzester Zeit zu einem dichten, intensiven und mehrdeutigen Bild zusammenfügen. Die Zeitsprünge werden zu einem probaten Stilmittel, die Vielschichtigkeit dessen, was als „Mittel zum Zweck“ dient, was die Schuldfrage und Motivation betrifft, und zudem die fragwürdigen Rollen des Geheimdienstes beleuchtet. Geschichtlich-politische Realität und erdachtes Denken und Handeln der Protagonisten des Buches ergeben ein erschreckend klares Bild der schmutzigen Seite von Politik und Geheimdienst.

 

 

 

 

 

Victoria Fromm

Bio-Size statt Plus-Size

Taschenbuch: 60 Seiten

Verlag: Books on Demand

ISBN-13: 978-3744883733

 

 

 

Nur 60 Seiten! Mehr braucht es nicht, tatsächlich nicht.

 

 

 

„Wenn du etwas haben willst, was du noch nie gehabt hast, musst du etwas tun, das du noch nie getan hast.“

 

Die Autorin berichtet teils humorig in kurzen Kapiteln über ihre eigene Erfolgsgeschichte, in 9 Monaten 40 kg abgenommen zu haben. Sie betont mehrfach, dass es ihre eigenen Erfahrungen sind, die sie weitergeben möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Alle wichtigen Themen sind kurz und klar aufgegriffen, wie z. B. Entschlacken, Entsäuern, Darmaufbau, Bewegung, Schlaf usw., ohne wissenschaftliche Hintergründe bemühen zu müssen. Vieles war mir fremd, wie z. B. die Konjakwurzel, auch die strenge vegane Ernährungsform liegt mir nicht. Aber da die Autorin nichts verteufelt, sondern lediglich ihren eigenen Weg erzählt, bleibt dem Leser stets die freie Wahl, wie weit und womit er der Autorin auf ihrem Erfolgsweg folgen möchte oder nicht. Und genau diese Freiheit, dem Leser die eigene Wahl zu lassen, hebt das Büchlein weit über so manchen umfangreichen Ratgeber hinaus. Umsetzen muss man aber auch hier eine veränderte Essens- und Lebensform selbst aus eigenem Erkennen heraus. Dazu ist das Büchlein ein überzeugender, knackig kurzer, beeindruckender Impulsgeber!

 

Bianca Rafaéla, Michael Baswald

Spoonfood

120 Wohlfühlsuppen

Gebundene Ausgabe: 296 Seiten

Verlag: Löwenzahn Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3706626309

 

 

 

Eine Schüssel voll Glück

 

Was für ein schönes,  reichhaltiges, umfassendes, liebevoll gestaltetes und dazu noch schwergewichtiges Buch!

 

Die Autoren, die selbst ein Suppen- und Eintopf-Lokal in Wien führen, haben die besten Rezepte gesammelt. Was mich auf Anhieb begeistert hat, ist die Buchgestaltung. Jedes Rezept darf sich auf 2 Seiten darstellen: Ein ganzseitiges, appetitanregendes Foto des Kochergebnisses, zusätzliche Tipps wie Sprechblasen im Foto eingefügt, und auf der zweiten Seite übersichtlich zweifarbig die Zutaten sowie die Zubereitung, in klaren Textabschnitten gegliedert, mit zusätzlichen Hinweisen wie „glutenfrei“ oder „vegan“. Die Rezepte selbst sind allesamt einfach nachzukochen, sind alltagstauglich und die benötigten Zutaten sind problemlos erhältlich. Einziges Manko: Es fehlt ein Hinweis auf die Zubereitungs- und Kochzeit. So könnte man leichter beim Durchblättern sofort abschätzen, ob man dieses Rezept „mal eben“ noch schnell kochen kann.

 

Drei Selbstversuche im Nachkochen und anschließenden Genießen haben mich völlig überzeugt. Die Rezepte sind wirklich anhand der Zubereitungsanweisungen ganz problemlos nachzukochen, schmecken hervorragend und das Ergebnis wärmt Herz und Bauch.

 

           

Martin Suiter

Alexia

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 40 Seiten

Verlag: Books on Demand

Empfohlenes Alter: 5-8 Jahre

ISBN: 978-3-9819044-0-6

 

 

 

Ein hochwertig aufgemachtes, großformatiges Buch mit festem Einband, das man auch Erstlesern gut in die Hand geben kann.

 

Das Märchen von dem traurigen Pferd Alexia, das so allein ist, ist herzerwärmend erzählt. Alexia  will seiner Einsamkeit entkommen und wagt es, in die Fremde zu laufen auf der Suche nach Spielgefährten. Es hat unterwegs so manche Begegnung, trifft auf Unverständnis, aber auch auf Beispiele guten Zusammenlebens. Und Alexia bekommt auf ihrer Suche nach Freunden Hilfe…

 

Die kleine, feine Geschichte gewinnt durch die farbintensiven Bilder eine ganz besondere Kraft und Stärke. Gerade die Farbkraft spricht Kinder an, aber auch Erwachsene können sich der Wirkung der Bilder nicht entziehen.

 

Fazit: Ein zauberhaftes Märchen in einer sehr schönen Aufmachung, das zum Öfter-Lesen einlädt und keineswegs nur für Kinder geeignet ist.

Ingrid Heppe

Nora auf dem Mühlenhof

Biker gegen Reiter

Taschenbuch: 160 Seiten

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN-13: 978-1978007888

 

 

 

Ein richtig schönes Buch für junge pferdebegeisterte Mädchen

 

Für die Teilnahme an einer Reitwoche zusammen mit ihren Freundinnen muss Nora allerhand Opfer bringen, denn ihre Eltern haben nicht genug Geld, um ihr diesen Herzenswunsch zu finanzieren. Doch Nora ist ideenreich und fleißig, und so trifft sie bald ihre Reitfreundinnen auf dem Ponyhof. Doch da liegt ein Schatten auf dem Hof, denn das Ausreiten in den Wäldern soll verboten werden zugunsten von Mountainbikern. Der Gemeinderat möchte dies durchsetzen, um eine neue touristische Attraktion für den Ort zu schaffen. Und was ist bloß mit Louise los?

 

Das sehr, sehr schlichte, irgendwie laienhaft wirkende Cover hat mich nicht viel erwarten lassen, aber die Geschichte selbst hat mich dann doch sehr positiv überrascht. Sie ist locker-flüssig geschrieben, kurzweilig zu lesen und greift einige Themen, die junge Mädchen beschäftigen, in sehr positiver Weise auf. Dass man mit Engagement und Ideenreichtum für seine Ziele kämpfen muss, dass man gemeinsam so viel mehr erreichen kann als allein und dass Fairness und Respekt weiterhelfen, wird sehr schön thematisiert, gerade auch beim Thema Cyber-Mobbing. Mir persönlich gefällt außerdem sehr, mit wie viel Pferdeverstand das Buch geschrieben ist. Kein süßlich-verkitschtes Romantisieren, sondern klare, verständliche und vor allem richtige Informationen. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt.

 

Ein Buch, das ich sehr gerne weiterempfehlen werde.

 

Martin Krist

Böses Kind

Taschenbuch: 324 Seiten

Verlag: epubli

ISBN-13: 978-3745035292

 

 

Legen Sie die Blutdrucktabletten bereit!

 

Ich habe in diesem Jahr zahlreiche Krimis und Thriller gelesen, sehr viele von ihnen waren gut, viele waren spannend, etliche waren sehr spannend – aber nicht ein einziges Buch war so intensiv, so quälend spannend wie „Böses Kind“. Absolut distanzlos versank ich in die gnadenlose Buchwelt des Martin Krist, ich roch die Angst, ich wurde niedergestreckt von der permanenten Überforderung einzelner Protagonisten, ich fühlte mich gejagt und verlor mich aufgrund der vielen Wendungen in völliger Orientierungslosigkeit.

 

Suse ist eine alleinerziehende, überforderte Mutter von 3 Kindern. Ihre Älteste, die 14-jährige Jacqueline, ist verschwunden und der Familienhund wird mit grausamsten Verletzungen in einer nahegelegenen brachliegenden Baustelle tot aufgefunden. Etwa zeitgleich wird in einer billigen Absteige eine strangulierte Leiche, die Gattin eines berühmten Fernsehpredigers, entdeckt. Kommissar Frei, ein zwanghafter, aber sympathischer Pedant, und seine Kollegin Albers, wegen ihres Babys chronisch übermüdet, irren in ihren Ermittlungen durch eine Fülle von Spuren, die letztlich doch keine sind.

 

In kurzen, knackigen Kapiteln schafft es der Autor, seine Leser zum atemlosen, gejagten Lesen zu verführen. Die durchschießenden Gedanken der Protagonisten, deren nachvollziehbares Handeln, deren Verwirrung, deren eigenes gehetztes Leben legen sich ungefiltert auf den Leser. Die vielen unvollständigen Sätze haben mich oftmals genervt, fast aggressiv gemacht, aber letztlich sind sie ein perfektes Stilmittel, um die Spannung noch weiter zu erhöhen.

 

Das offene Ende jedoch löst in mir den gewaltigen Reflex aus, den Autor zu würgen… Seine einzige Rettung ist, schnell, ganz ganz schnell die Fortsetzung zu liefern!

 

 Rainer Güllich

 Flaschenpost

 Taschenbuch: 199 Seiten

 Verlag: AAVAA Editions

 ISBN-13: 978-3959860093

  

 

 Das Ende einer Sucht

 

 

 

 

 

Dieses Buch berichtet in sehr eindringlicher Weise von Paul Schlosser, einem unreifen, selbstunsicheren jungen Mann, der recht ziellos und sozial isoliert durchs Leben treibt und durch den Alkohol vermeintliche Stärkung und trügerische Sicherheit erlebt. Wir erfahren viel über frustrierende Arbeitsversuche, über ein hilfloses Elternhaus, über Kneipen als Zufluchtsort und gemeinsames Trinken als vermeintlich freundschaftliches Miteinander. Die Alkoholabstürze mehren sich, die Einsicht fehlt, ein erster Therapieversuch schlägt fehl. Die Schraube dreht sich immer weiter abwärts…

 

Der Untertitel nimmt das Ende vorweg. Das ist gut – für Paul Schlosser selbst und für Leser, die sich bei Büchern ein positives Ende wünschen. Und das ist schlecht – für den Spannungsbogen, für das lesend-mitspürende Sich-Hineinbegeben in den Abwärtssog, denn der Leser weiß ja: Es geht gut aus. Und so bleibt er immer ein kleines Stückchen außerhalb des Geschehens. Ein weiteres Problem habe ich mit den Zeitsprüngen – ein Stilmittel, das in einem Erfahrungsbericht nichts verloren hat und zu unnützer Verwirrung führt. Die mitunter deftige Sprache stößt ab, ist aber sicher sehr realistisch und wirklichkeitsnah eingesetzt.

 

Abgesehen von diesen „Äußerlichkeiten“ habe ich das Lesen dieses Buches jedoch als großen Gewinn empfunden, denn noch nie vorher habe ich in einer solch brachialen Intensität die Welt eines Alkoholkranken erlebt und seinen Weg in die Hölle und aus ihr heraus miterlebt. Das allein zählt.

Hermien Stellmacher / Joachim Schultz

Wie wir Katzen die Welt sehen

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458363057

 

 

 

Endlich!

 

Es wurde Zeit, höchste Zeit, dass uns Katzen die Augen öffnen. Nicht länger dürfen wir Menschen vom „Rätsel Katze“ sprechen, denn mit diesem Buch hat die Katzenwelt endgültig aufgeräumt mit all den Märchen, die in Tausenden von Ratgebern kursieren. Da wir Menschen Struktur benötigen, haben sich die Katzen der Mühe unterzogen, alles Wissenswerte in alphabetischer Form aufzulisten. Stellen wir uns also unseren eigentlichen Aufgaben: Lesen wir dieses Buch und lernen wir daraus, damit wir fähig werden, genau diese Katze, die sich herabgelassen hat, ihr Leben mit uns zu teilen, rundum glücklich zu machen.

 

Im Ernst: Nehmen Sie sich Zeit für dieses liebevollst ausgestattete Büchlein! Es gibt darin so viel zu entdecken. Wie ein Brockhaus verschafft es uns durch Querverweise Wissensvermehrung voller Heiterkeit. Damit sich uns die Botschaften besser einprägen, haben die Katzen weder Kosten noch Mühe gescheut und eine Fülle von Fotos, Collagen, Zeichnungen, Auflistungen etc. dem Buch beigefügt. Alles in der nachvollziehbaren Hoffnung, uns Menschen endlich klar zu machen, was unsere einzige Aufgabe ist: nämlich Katzen froh zu machen.

 

Das wunderbare Büchlein ist DAS Geschenk für alle Katzenliebhaber und, wer weiß, vielleicht sogar für Katzen-weniger-Liebhaber.

 

 

Corina Bomann

Winterengel

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

Verlag: List Hardcover

ISBN-13: 978-3471351611

 

 

Glas und Liebe

… „Beides, Liebe und Glas, muss gefühlvoll behandelt werden, wenn es nicht zerbrechen soll. …“  So beginnt das vorliegende Buch, ein Buch über Armut, Kälte, Krankheit und über Zerbrechliches wie Glück, wie Liebe, aber auch über Stärke und Mut. Ein Buch zum Versinken, zum Abtauchen, zum Mitempfinden. Und keinesfalls nur ein Weihnachtsbuch!

Winter 1895 in Spiegelberg (übrigens nicht in Baden gelegen, wie im Buch behauptet wird, sondern in Württemberg). Die junge Anna Härtel hatte von ihrem verstorbenen Vater die Glasbläserei erlernt und verdient sich durch den Verkauf ihrer gläsernen Engel ein kleines Zubrot, um mehr schlecht als recht für die kranke Mutter und die kleine Schwester zu sorgen. Da erreicht sie ein Brief der Königin Victoria, die sie nach England einlädt, um ihre Glasengel zu zeigen. In Begleitung von John unternimmt Anna die aufregende, beschwerliche und gefährliche Reise…

Dieses Buch zu lesen war wie in einem opulenten Kinosessel zu sitzen - der schwere Samtvorhang öffnet sich und eine Geschichte beginnt, die mich hinwegträgt in eine andere Welt, in der ich mitfriere, mitleide, in der ich Gefahren ausgesetzt bin, in der ich aber auch menschlicher Wärme begegne und mich auf meine Stärke besinne. Corina Bomann schafft es in wunderbarer Weise, ein Wintermärchen zu erzählen, das unseren immanenten Wunsch nach Wohlergehen und nach Gerechtigkeit des Schicksals aufgreift, ein modernes Märchen, dessen Geschichte Können und Selbstvertrauen belohnt und nach vielen Zweifeln der Liebe eine Chance gibt. Und wenn sich der Samtvorhang wieder schließt, bleibt zurück ein wohlig-warmes Gefühl, das wir uns nicht nur zu Weihnachten wünschen.

Sven Gerhardt

Die Heuhaufen-Halunken. Volle Faust aufs Hühnerauge

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

Verlag: cbj

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3570174197

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

 

Zwiegespalten

 

Die Heuhaufen-Halunken bringen alles mit, was ein Kinderbuch braucht: Fröhliches Miteinander, spannende Pläne, ideenreiches Vorgehen und wohlwollende Mitbewohner. Aber…

Meggie, die Anführerin der Heuhaufen-Halunken, hat richtig Ärger mit Siggi Miesmann und seiner Horde aus dem Nachbardorf, denn Siggi hatte sie auf dem Schulhof auf das Übelste beleidigt. Das kann man so nicht stehen lassen, da bleibt nur Rache! Und so brüten die Heuhaufen-Halunken gemeinsam einen detailreichen, arbeitsintensiven Plan aus…

 

In Steckbrief-Manier werden die Heuhaufen-Halunken einzeln vorgestellt, mitsamt ihren Freunden aus Berlin, und in gereimten Kapitelschritten geht die Handlung folgerichtig und durchaus spannend voran. Eine Fülle von fröhlichen Zeichnungen mit vielen witzigen Details unterstreicht das Geschehen. Die Botschaft, dass man viel erreichen kann, wenn alle zusammenhelfen, ist geschickt verpackt. Aber, ein ganz großes Aber, nein, zwei große Aber habe ich: Dass man Konflikte mit Kämpfen lösen kann und damit auch noch Erfolg hat, verursacht in mir ein ungutes Gefühl. Das zweite Aber halte ich noch für viel wesentlicher: Fremdes Eigentum auf nachhaltige Weise zu beschädigen, um die eigenen Ziele durchzusetzen – nein, das geht gar nicht! Und so bin ich bei diesem Buch leider zwiegespalten. Einerseits ein vergnügliches Kinderbuch, das aufgrund seiner liebevollen Gestaltung zum Lesen animiert, andererseits ein Buch, dessen Inhalt ich nicht in allen Teilen gutheißen kann.

 

Andreas Tjernshaugen

Das verborgene Leben der Meisen

Gebundene Ausgabe: 234 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458177234

 

 

 

 

Toller Inhalt in schäbiger Verpackung

 

Wieso hat man einen so gehaltvollen Inhalt zwischen zwei schäbige, dicke Pappdeckel gesteckt, ein Einband, der bereits nach wenigem  In-die-Hand-Nehmen trotz sorgsamer Behandlung hässlich-schmutzig aussieht und angeschlagene Ecken aufweist? Soo schade…

 

Der Autor ist ein vielseitig interessierter Redakteur, der sich aus persönlichem Interesse der Welt der Meisen widmete und uns viel, viel Interessantes zu erzählen weiß. Er schlägt in seinem Buch einen großen Bogen von vielen persönlichen Erfahrungsberichten bis hin zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Er erzählt locker-humorvoll vom Familienleben und von den Familiendramen bei Meisens, von deren unglaublicher Anpassungsfähigkeit, ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihrer großartigen Fürsorge für den Nachwuchs und noch vieles, vieles mehr! Im Anhang gibt es spezielle Tipps, wie man z. B. einen Nistkasten selbst baut oder wie und wo die Nistkästen für Meisen am besten anzubringen sind, womit Sie füttern sollten. Die vielen farbigen Zeichnungen und Fotos unterstreichen den Text und erhöhen seinen Informationsgehalt.

 

Fazit: Kein trockenes Sachbuch, sondern eine persönlich-humorvoll erzählte, aber dennoch fundierte Reise in die Welt der Meisen, die wir nach Lektüre des Buches mit ganz neuen Augen wahrnehmen werden.

 

 

Und das schreibt die Autorin Petra K. Gungl selbst zu meiner Rezension:

 

 

 

Wie glücklich ein Autor sein kann, der solch mitfühlende Leser hat.
Aufrichtigen Dank für die tolle Rezension, so einladend, dass ich fast selbst wieder Tannenglühen lesen will!

 

Petra K. Gungl

Tannenglühen

Taschenbuch: 408 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN-13: 978-3839221228

 

 

Ganzjahrestaugliches Lesevergnügen

 

Irgendwie habe ich immer Mitleid mit Büchern, die sich auf bestimmte Feiertage oder Jahreszeiten festlegen. So auch mit „Tannenglühen“ und dem Untertitel „Bitterböse Weihnachten“. Wer wird das Buch als Ostergeschenk oder als Sommerlektüre kaufen? Und dabei wäre es dem Buch so sehr zu wünschen, dass es das ganze Jahr gekauft und gelesen und verschenkt wird!

 

Franziska Ferstl, 60,  will sich eigentlich nach schwerer Erkrankung von ihrem Job als Strafverteidigerin zurückziehen. Aber da wird einer der Kanzlei-Partner, mit einer Lichterkette erdrosselt, aufgefunden. Da Max, ihr bester Freund und ebenfalls Kompagnon in der Kanzlei, des Mordes verdächtigt wird, bleibt ihr nichts anderes übrig, als wieder voll anzupacken. Und das macht sie auf die ihr ganz eigene, direkte, unverblümte, oft auch unkontrollierte Art und Weise. Der Sound ihrer Harley Davidson ist ihr näher als menschliche, allzu menschliche Regungen, und mit ihrer harten, auch sich selbst nicht schonenden Vorgehensweise sticht sie mitten hinein in Offshore-Geschäfte mit der gefährlichen Russen-Mafia, deckt Hass- und Liebesbeziehungen auf und trägt doch selbst schwer an alten Wunden.

 

Petra K. Gungl hat mich mit ihrem Buch völlig gefangengenommen. Ihr Schreibstil, der nicht nur plastisch-farbig ist, sondern auch über die Maßen intelligent, enthält eine Fülle von großartig geglückten bildhaften Schilderungen, die mir im Gedächtnis bleiben. „Gedanken, die sich wie Holzwürmer im Fressrausch in ihrem Kopf zu schaffen machten“  ist so ein Beisiel, oder „vernetzt wie eine Kreuzspinne im Herbst“ oder der Händedruck, der sich wie eine tote Forelle anfühlt. Ich könnte noch viele Sätze anführen, die mich begeistert haben. Die Protagonisten sind sehr detailreich und psychologisch präzise-stimmig ausgearbeitet. Man spürt an vielen Stellen, dass die Autorin, die selbst promovierte Juristin ist, weiß, wovon sie schreibt, auch bringt sie so manche versteckte Kritik am Rechtswesen unter. Dabei blitzt aber stets ein feiner Humor durch, oftmals verpackt in kleine Ausflüge in den österreichischen Sprachductus. Ich fühlte mich das gesamte Buch über gleichmäßig spannend und geistreich unterhalten. Deshalb wünsche ich dem Buch viele, viele Leser an Neujahr, an Pfingsten, an heißen Sommertagen, egal wann, Hauptsache nicht nur an Weihnachten!

 

Candice Fox

Crimson Lake

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 380 Seiten

Verlag: Suhrkamp Verlag

ISBN: 978-3518-46810-4

 

 

Super. Spannend. Unbedingt lesen.

 


Ted Conkaffey, ehemaliger Polizist, hat sich nach einem falschen Verdacht und langer Untersuchungshaft weit weg von seinem früheren Leben zurückgezogen nach Crimson Lake, ganz im Norden Australiens. Dort hofft er sicher zu sein vor vorverurteilenden Bürgern und der Presse. Er lernt Amanda kennen, eine angebliche Mörderin, die ihre Haftstrafe bereits verbüßt hat. Die beiden beginnen ihre Zusammenarbeit als Privatdetektive und machen sich auf die Suche nach einem verschwundenen Schriftsteller, wobei die örtliche Polizei die beiden in ihrer Arbeit behindert, wo es nur geht. Und während das Inkognito von Conkaffey platzt und der Mob sich gegen ihn formiert, versucht er den Fall von Amanda wieder aufzurollen, aber auch sein eigener Fall beschäftigt ihn weiter…

 

Die Story ist großartig, denn eigentlich werden uns drei verschiedene Geschichten gleichzeitig erzählt. Wir durchwandern vielerlei Wendungen in jedem der drei Handlungsstränge und jagen voller Spannung durch die Seiten. Ich war von Anfang an voller   Sympathie für Conkaffey, der unschuldig sein bisheriges Leben auf so perfide Art verliert und seither nachvollziehbar unter Angst- und Panikattacken leidet. Sein innerer und äußerer Rückzug ging mir sehr nahe, deshalb war für mich der Thriller ein besonders intensives Leseerlebnis. Als gesellschaftskritische Frage steht hinter allem Geschehen, wie bereitwillig schnell Menschen reine Verdachtsmomente als Tatsache annehmen und ihr Urteil sprechen, wie leicht Medien und Vorverurteilung ein Menschenleben zerstören können.

 

Ein Thriller, in dem einfach alles stimmt: Plot, Protagonisten, Gesellschaftskritik, immense Spannung. Alles perfekt verpackt und in einer fesselnden, intensiven Sprache erzählt.

 

 Angelika Godau

 Vier Morde und ein Weihnachtsbraten

 Taschenbuch: 411 Seiten

 Verlag: Gmeiner-Verlag

 Sprache: Deutsch

 ISBN-13: 978-3839221181

 

 

 Perfekt komponiert

 

Ein ganz raffinierter Plot: Ein historischer Roman, ein Krimi in der Vergangenheit, eine Geschichte über eine moderne Familie mit 2 Kindern und 2 Katzen in der Gegenwart – und das alles miteinander, übereinander – aber nicht durcheinander!

 

Wer die ersten beiden Bücher der Autorin über Granny kennt, der wundert sich in diesem dritten Band über nichts mehr. Granny ist die Ururgroßmutter von Sabrina und hat die Fähigkeit, in einer Art Zeitreise aus dem Ende des 19. Jahrhunderts kommend hin und wieder bei Sabrina in der Gegenwart aufzutauchen und sie um Hilfe zu bitten. Im vorliegenden Buch gibt es im Umfeld von Granny und ihrem Verlobten Heinrich einen Mord, Granny wird entführt, Heinrich unter Hausarrest gestellt. Sabrina muss sich allerlei einfallen lassen zur Rettung von Granny und Heinrich – und das auch noch in der Vorweihnachtszeit…

 

Das Buch zu lesen ist kurzweilig und vergnüglich. Die schräge Geschichte, die fröhliche Erzählweise, die humorvollen, herzerfrischenden Konversationen, die stets vorhandene gleichbleibende Spannung, die kleinen versteckten Hiebe gegen Obrigkeiten, für Emanzipation oder gegen den weihnachtlichen Konsumwahn, die richtig gut recherchierten Ausflüge in die Zeit Kaiser Wilhelm des II. – dieses perfekt komponierte Buch zu lesen ist kurzweilig, vergnüglich und macht rundum einfach nur Spaß..

 

Manfred Klimanski

Schmitts Fall

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 266 Seiten

Verlag: Books on Demand

 

 

Etüde in Moll

 

Schmitt ist ein Grantler, mit seinen galligen Gedanken verdirbt er sich selbst ständig das Leben. Von seiner Detektei kann er kaum leben. Als er vom Oboisten des ortsansässigen Sinfonieorchesters angeheuert wird, sieht er einen finanziellen Hoffnungsschimmer am Horizont. Denn es geht um einen Erpressungsversuch, Hintergrund ist eine richtig miese Sache. Als der Oboist jedoch kurz darauf auf offener Straße ermordet wird, fühlt sich Schmitt aufgerufen, auf eigene Faust weitere Nachforschungen zu betreiben…

Gut geschrieben ist das Buch. Aufgrund der kurzen Kapitel lässt es sich leicht und flüssig lesen, der Spannungsbogen wird einigermaßen konstant aufrecht erhalten. Die Protagonisten sind lebendig und vorstellbar geschildert, wenngleich niemand von ihnen ein Sympathieträger ist. Insofern bleibt man als Leser stets etwas distanziert am Rande des Geschehens als reiner Beobachter stehen.

Schwierigkeiten bereitete mir das Verbrechen hinter den Verbrechen. Dass sogenannte Gutmenschen in Wahrheit die Naivität behinderter junger Frauen für ihre sexuellen Bedürfnisse missbrauchen, ist abstoßend und wird leider in seiner Verwerflichkeit und Widerwärtigkeit nicht scharf genug angeprangert. Das hat mich an diesem Buch am meisten gestört, abgesehen von der geschilderten weitgehend destruktiven, oft sehr abfälligen Gedankenwelt, die der Autor seinen Figuren unterstellt.

Zurück bleibt nach der Lektüre des Buches ein merkwürdig trauriges Gefühl, so als habe der Autor ein in Moll geschriebenes Musikstück gewählt und eine ganze Krimihandlung lang  versucht, es uns Lesern als eine in Dur komponierte Fälschung zu verkaufen.

 

Ellen Berg

Manche mögen’s steil

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 324 Seiten

ISBN: 978-3-746633524

Verlag: Aufbau Verlag

 

 

 

Herzerwärmend

 

 

 

Was kann man im tristen November besseres lesen als ein Buch, bei dessen Lektüre man herzhaft lachen kann und am Ende so ein warmes, wohliges Gefühl zurückbleibt, als habe man soeben eine besonders leckere Tasse heiße Schokolade getrunken.

 

Vicky ist die toughe, überragend fähige und hochengangierte Teamleiterin bei einer IT-Firma, die Software für Kliniken entwickelt.  Ihr Leben spielt sich fast ausschließlich zwischen Smartphone und Monitoren ab, denn in der digitalen Welt fühlt sie sich sicher, hat alles unter Kontrolle, schickt Küsschen an digitale Freunde. In der realen Welt hat sie Allergien, isst nichts, was Augen hat und findet ihren Teamkollegen Konstantin in seinen Maßanzügen anziehend. Als es um die Bewerbung für einen höheren Posten geht, ruft der Personalchef zu einer gemeinsamen Klettertour auf, um soziale Kompetenz, Führungsqualitäten und die Fähigkeit, kreative Lösungsstrategien zu finden, zu testen. Etwas Schlimmeres kann Vicky gar nicht passieren: Raus aus der digitalen Welt, rein ins echte Leben – ein Drama. Und dann rücken sie näher, der Bergführer mit seinem vermüllten Auto und Konstantin, der attraktive  Mitbewerber, mit seiner Designer-Sonnenbrille…

 

Eine nette, eine vorhersehbare Handlung, ja. Aber die Stärke des Buches liegt im Humor. Ich kann nur dringend davor warnen, das Buch an öffentlichen Orten, z. B. im Wartezimmer oder im Zug, zu lesen. Denn es könnte auf andere Menschen befremdlich wirken, wenn Sie beim Lesen entweder grinsen oder laut auflachen. Die schlagfertigen Dialoge und Pointen nehmen kein Ende und man liest und freut sich. „Wenn Frauen richtig loslegen, sitzt der Teufel daneben und lernt.“ Und dann geht die Geschichte auch noch gut aus. Und schon sind sie da, diese wunderbaren Gefühle der inneren Heiterkeit und die Wärme der heißen Schokolade.

 

Paul Weiler

Der Tag der Engel

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 476 Seiten

Verlag: Bookshouse

ISBN: 978-9963-53-798-3

 

 

Schreiben kann er, der Autor, und wie!

 

Er kann Sachbuch und er kann Thriller. Und am besten ist er, wenn er beides verknüpft und in eine Fiktion verpackt, die Wirklichkeit sein könnte.

 

John Flender, ein herausragender Biomediziner, wird von einem anonym bleibenden Auftraggeber ausgewählt, gegen viel Geld in völliger Isolation für 2 Jahre an einem Forschungsprojekt teilzunehmen, nur durch ein vielfach gesichertes und verschleierndes Computersystem mit anderen weltweit führenden Wissenschaftlern verbunden. Aufgabe ist die Entschlüsselung des menschlichen Alterungsprozesses und damit die Möglichkeit, Alter und Tod zu überwinden. Untergebracht in einem abgelegenen Cottage in Südengland taucht er wie in einer Taucherglocke in seine fesselnde  Arbeit, unterbrochen nur durch gelegentliche Besuche seiner Betreuerin Anna Cortini.  Nach vielen Monaten intensivsten erfolgreichen Forschens entdeckt John Flender jedoch eine Unstimmigkeit in den Labordaten und bringt durch Nachfragen sich und andere in größte Gefahr…

 

Vom Prolog an wird der Leser ins Buch hineingezogen. Die Charaktere der Protagonisten sind lebendig und psychologisch nachvollziehbar in ihren schlüssigen Lebensläufen geschildert, ohne zu übertrieben ins Detail zu gehen. Wie eine Wellenbewegung steigt die Spannung an und ab und wieder an, man langweilt sich an keiner Stelle. Am faszinierendsten jedoch finde ich persönlich, wie es Paul Weiler gelingt, tatsächliche wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z. B. die Zusammenhänge zwischen Zellteilung und Altern, für Laien verständlich zu erklären und wissenschaftliche Zukunftsträume wie z. B. den Einsatz des bereits 2009 entdeckten Unsterblichkeitsenzyms Telomerase in die Fiktion des Buches einzubauen.

 

Dieser (Wissenschafts-)Thriller ist viel mehr als ein kurzweiliges Lesefutter. Er wirft im Rahmen der Handlung grundsätzliche ethische, auch religiöse und sozialpolitische Fragen auf und lässt den Leser intensiv teilnehmen am Disput darüber, inwieweit Genmanipulationen am Menschen Fluch oder Segen sind. Dass der Thriller trotz dieser gewaltig großen Themen niemals langweilig oder schwierig-trocken ist, ist das große Verdienst des brillanten Autors.

 

Evita Greco

Das Geräusch der Dinge, die beginnen

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten

Verlag: Thiele & Brandstätter Verlag

ISBN-13: 978-3851793642

 

 

 

So ein leises Buch. So ein zartes Buch. So ein starkes Buch.

 

Ada, ein stilles, sensibles und naives Mädchen, wird von seiner Mutter im Alter von 3 Jahren verlassen und wächst bei der liebevollen Großmutter auf. Die Großmutter bringt Ada bei, auf die kleinen Dinge zu achten, wie z. B. auf das Wachsen des Olivenbaums im Garten. Trotz der liebevollen Fürsorge verliert Ada niemals die Angst vor dem Verlassen-Werden. Als Ada 27 Jahre alt ist, wird die Großmutter schwer krank. Im Krankenhaus lernt Ada Matteo kennen, einen Handelsvertreter für Medizintechnik und liefert sich ihm völlig aus, ohne ihn wirklich zu kennen. Auch die Freundschaft zu der Krankenschwester Giulia bringt Ada der Wirklichkeit nicht näher.

 

Immer wenn ich das Buch aufschlug und zu lesen begann, geriet ich in eine andere Seinsform, weit weg vom lauten, fordernden Alltag. Es wurde in mir ganz still und ich fühlte mich ein in Ada, in diese stille junge Frau, die nichts anderes will als nicht verlassen zu werden, die sich dem Geschehen restlos hingibt, scheinbar ohne jeglichen eigenen Willen.

 

Restlos verzaubert bin ich von diesem Buch, von dieser Sprache, von Ada. Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, sich das Geschehen ganz real, sozusagen als Abbild der tatsächlichen, uns umgebenden Welt vorzustellen. Nirgends geht es so leise, so sensibel, so feinsinnig zu wie in der Welt in und rund um Ada. Die Zeitfolgen sind unwichtig, nur die Bezüge der Themen zueinander sind bedeutsam und was wir aus dem Buch mitnehmen können: manchmal in Stille  genau hinschauen, ganz genau hinhören

 

Ich glaube, man muss mit diesem wundervollen Buch ganz zart und still umgehen.

 

James Holin

Tod in Deauville

Taschenbuch: 280 Seiten

Verlag: Dryas Verlag

ISBN-13: 978-3940258793

 

 

 

Ich bin verwirrt.     

 

Habe ich wirklich einen Krimi gelesen?

 

In dem Badeort Deauville, in der Normandie gelegen, steht ein Filmfestival bevor, zu dem viele Stars der Filmbranche erwartet werden. Zum selben Zeitpunkt ist eine Rechnungsprüfung angesagt beim Museum für moderne Kunst, ebenfalls in Deauville, und dafür werden entsandt Jean-Francois Lacroix, ein zwanghafter und weltfremder Beamter, und Eglantine de Tournevire, eine kapriziöse, reiche Schönheit. Kaum sind die beiden in Deauville angekommen, bricht bei einer Vernissage der Buchhalter des Museums aus unerklärlichen Gründen tot zusammen, eben der Mann, der den beiden Rechnungsprüfern kurz zuvor noch angedeutet hatte, dass er ihnen etwas sagen müsse. Die Ermittlungen führen mitten hinein in Machtspiele, Korruption und Eitelkeiten.

 

Das Buch ist in einer etwas behäbigen, vielleicht sogar altmodischen, aber dennoch schönen, sorgsamen, sauberen Sprache geschrieben. Das hat mich für das Buch eingenommen. Ein Personenverzeichnis zu Beginn wäre hilfreich gewesen, da uns zum einen die französischen Namen nicht sofort im Gedächtnis bleiben und zum anderen im Buch oftmals gewechselt wird zwischen Nennung des Vornamens allein oder des Nachnamens. Gut gefallen haben mir die vielen detailreichen Schilderungen, mitunter mit feinem Humor durchsetzt, die es dem Leser leicht machen, innere Bilder zu entwickeln. Manche Passagen sah ich geradezu filmhaft in meiner Phantasie ablaufen. Apropos Humor: Ich bin mir nicht sicher, ob James Holin nicht mit einer gewissen diebischen Freude und ganz bewusst immer so haarscharf an der Grenze eines möglichen realen Geschehens und einer Slapstick-Komödie herumwanderte. Zudem nahm er in so mancher Szene die Politiker, die Ämterwirtschaft, das Polizeiwesen und andere Absurditäten des öffentlichen Lebens auf die Schippe.

 

Das Buch hat mir Spaß gemacht zu lesen, auch wenn es insgesamt nur mäßig spannend war. Vielleicht war es ja gar kein Krimi und brauchte deshalb das Element des Spannungsbogens gar nicht. Vielleicht war es eine gesellschaftskritische Satire oder vielleicht ganz schlicht eine Komödie oder vielleicht eine Filmvorlage für – ja vielleicht doch für einen Krimi? Ich weiß es nicht und bin verwirrt. Ich weiß nur, dass das Buch zu lesen mir rundum Spaß gemacht hat.

 

Meike Messal

Atemlose Stille

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 282 Seiten

Verlag: Prolibris Verlag

ISBN: 978-3-95475-151-8

 

 

 

 

Atem anhalten

 

 

 

In der Tat habe ich stellenweise den Atem angehalten. Zum einen aufgrund der Spannung, aber auch bei der Vorstellung des Apnoetauchens, insbesondere wenn dieses Tauchen als Form von Gewalt angewandt wird.

 

 

Die Mindener Kommissarin Marlene Borchert und Kommissar Benno Erdmann aus Bielefeld haben eine schwierige Beziehung zueinander, die zwischen Nähe und Distanz wechselt. Beide werden bis ans Äußerste gefordert, nachdem eine Leiche in der Weser treibend gefunden wird, besonders als sich herausstellt, dass der Tote zum Vorstand einer Bank gehörte, ein affärenreiches Leben geführt hatte und, besonders seltsam, in Salzwasser ertrunken ist. Hin und her durch Ostwestfalen-Lippe führt die Ermittlungsarbeit, und immer zwischendrin der Versuch Benno’s, Marlene wieder näher zu kommen. Aber auch Marlene’s Vorgeschichte wird aufgrund eines Zufalls aufgerollt und führt Marlene bis ans Äußerste ihrer psychischen Belastbarkeit. Bis Benno schließlich in eine absolut ausweglose Situation und in allerhöchste Lebensgefahr gerät…

 

Das Buch kommt von Anfang an spannend in Schwung und lässt den Leser nicht mehr los bis zum fulminanten Ende, wobei das Ende gar kein Ende ist, sondern ehe die Brücke zum hoffentlich bald erscheinenden nächsten Band. Vielleicht tritt die dem Krimi zugrunde liegende Tat und deren Aufklärung manchmal zu sehr in den Hintergrund, wenn all die persönlichen Verstrickungen von Benno und Marlene sehr viel Raum einnehmen, aber letztlich zählt, dass man das Buch nicht weglegen kann, bevor man atemlos auf der letzten Seite angekommen ist! Absolut lesenswert!

 

Martina Kempff

Umkehrschuss

Taschenbuch: 260 Seiten

Verlag: KBV

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3954413867

 

 

 

 

Ein Ort im Nirgendwo

 

 

 

Landeskunde wird groß geschrieben bei Martina Kempff. Die Kehr, dieses winzige Pünktchen auf der Landkarte, das gleichermaßen in Deutschland wie auch in Belgien liegt und das es wirklich gibt, ist bei allen Krimis dieser Autorin der Schauplatz allen Übels. Die Kehr ist eine Örtlichkeit, die unter 60 Bewohnern aufgeteilt ist zwischen NRW, Rheinland-Pfalz und Belgien und in der es je nach Landeszugehörigkeit so wunderliche Dinge gibt wie 3 unterschiedliche Abholzeiten von Mülltonnen oder 3 verschiedene Postboten.

 

Sonst gibt es nicht viel, aber immerhin eine Leiche, die passenderweise auf dem Friedhof liegt, mit einem Loch in der Brust. Niemand kennt den Toten, und so tut sich die deutsche Polizei sehr schwer, irgend einen Ansatzpunkt für die Ermittlungen zu finden. Gut, dass es da noch den belgischen Polizeiinspektor Marcel Langer gibt und seine Freundin Katja Klein, die das Restaurant „Einkehr“ in der Kehr führt. Beide können es nicht lassen und mischen kräftig mit bei der Suche nach dem Mörder. Allerlei schräge Typen schaffen weitere Verwirrung. Es wird auf Maulwürfe geschossen, ein fehlgeleiteter Enkel macht Probleme, bei Aldi gekaufte Kleidung gibt Rätsel auf, ansonsten wird gekocht, das Fernsehen dreht seltsame Szenen und Katja und Marcel sind immer mittendrin…

 

Martina Kempff schreibt im Präsens. Das macht das Lesen für mich ein wenig sperrig, auch empfinde ich die Sprache insgesamt mitunter etwas spröde. Außerdem hätte ich auf die relativ langen theoretischen Abhandlungen zur Örtlichkeit verzichten können. Aber diese kleinen Kritikpunkte fallen letztlich nicht ins Gewicht, denn es überwiegen die herrlich komischen Situationen, der schräge Wortwitz und der Spaß der Autorin am Erzählen, den man auf jeder Seite spürt. Am Anfang jedes Kapitels stehen sehr spezielle Rezepte. Dass stets die Mengenangaben fehlen, soll vielleicht die mäßig Kochbegabten davon abhalten, sich an Meerbarben auf exotischem Püree oder an Brennessel-Pfannkuchen zu versuchen. Wer weiß. Martina Kempff traue ich eine Menge zu, nicht nur das Schreiben komisch-verzwickter Krimis.

 

Catherine Shepherd

 Nachtspiel

 Taschenbuch: 348 Seiten

 Verlag: Kafel Verlag

 Sprache: Deutsch

 ISBN-13: 978-3944676098

 

 

 

Ein perfekter Thriller, unbedingt lesenswert

 

Die Autorin war vor einiger Zeit eine Neuentdeckung für mich und sofort wurde ich glühender Fan ihrer Bücher. Beim Lesen der vorliegenden Neuerscheinung stelle ich fest, dass sich Catherine Shepherd von Buch zu Buch steigert.

 

Es handelt sich hier um den zweiten Band rund um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz, die nach wie vor unter dem Trauma der Ermordung ihres kleinen Bruders vor 11 Jahren leidet. Wieder dabei ist auch der ernsthafte Kommissar Florian Kessler, der einen besonderen Draht zu Julia hat. Beide tun sich jedoch schwer, ihre gegenseitige Zuneigung zu leben, beide verstecken sich hinter ihrer Arbeit. Julia leidet unter extremen Albträumen. Sie hört ihren toten Bruder weinen, sie sieht schemenhaft eine Gestalt im Zimmer – Folge fehlenden Schlafs? Eine Frauenleiche wird gefunden, vor ihrem Tod grausam gequält. Der ermittelte Täter nimmt sich das Leben, kurz darauf wird eine weitere Frauenleiche gefunden. Und diese Leiche bleibt nicht die letzte…

 

Als Leser lässt man alles stehen und liegen, jagt durch die Seiten und folgt atemlos der Geschichte, bis sie sich in völlig überraschender Weise auflöst. Denn Catherine Shepherd beherrscht das Thriller-Handwerk aus dem Effeff. Verschiedene Handlungsstränge, nicht durchschaubare Zusammenhänge, Irrwege in der Ermittlungsarbeit, Spuren, die keine sind, gemischt mit mitmenschlichen Beziehungen am Rande des Wahnsinns, und dies alles verpackt in einem nie abreißenden Spannungsbogen – mehr Thriller geht nicht. Für mich persönlich besonders faszinierend und sich dadurch positiv von der Masse der Spannungsliteratur heraushebend ist Catherine Shepherd’s Art und Weise, sich einfühlsam mit den Protagonisten zu befassen. Julias Befindlichkeiten, ihre traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen, ihre Schlaflosigkeit, ihre Albträume nehmen einen ziemlich breiten Raum ein im Buch. Dass die Gerichtsmedizinerin so sehr im Mittelpunkt steht, war für mich erst einmal zuviel, hat aber zugegebenermaßen durch die realen Angriffe, die Erlebnisse, von denen man nie genau weiß, ob sie aufgrund mangelnden Schlafes Halluzinationen sind oder ob jemand ein äußerst fieses Spiel mit ihr treibt, die Spannung noch weiter hochgetrieben. Ein perfekter Thriller, unbedingt lesenswert!

 

Ralph Schröder
Schweighausers Korrekturen
Hardcover mit Schutzumschlag / E-Book
292 Seiten (Verlag BoD)
ISBN: 978-3-8423-6227-7

 

 

Man staunt über die Zusammenhänge

 

Selten, sehr selten stößt man in der Gegenwartsliteratur auf Bücher, die man als „groß“ bezeichnen möchte. Schweighausers Korrekturen ist für mich ein wahrlich großes Buch.

 

Der Autor schlüpft in die Person Armin Schweighauser und zeigt uns die Geschehnisse ausschließlich aus Sicht dieses Protagonisten. Das ist meines Erachtens eine ausnehmend große Autorenleistung, die  kleine, enge Welt des Armin Schweighausers so zu schildern, als sei es seine eigene, ohne auch nur einmal der Verführung, allwissender Autor zu sein, zu erliegen.

 

Schweighauser arbeitet in Abend- und Nachtschicht für eine Zeitungsredaktion als Korrektor.  Fehlersuche und –ausbesserung des nachts im Licht der Schreibtischlampe, ein Caféhaus-Besuch bei Tage, freundlich-distanzierter Kontakt zu Kollegen, ab und an eine Zigarette – sehr viel mehr geschieht nicht in seinem Leben, das er selbst als ereignislos und leer erlebt, aber passiv hinnimmt. Die gelegentlich auftretenden Sehstörungen, ein Auflösen der Schriftbilder,  die zeitweise Unfähigkeit des Klarsehens bei der Arbeit sind ihm vertraut, beunruhigen ihn nicht, zwingen ihn jedoch für eine Weile zum Blickwechsel, die Augen vom Kleinen ins Weite zu richten… Aus der Teilnahmslosigkeit erwacht  er, als ihn der Gedanke anweht „einzugreifen“.  Er, der Korrektor, der Garant für Fehlerlosigkeit, entscheidet sich bewusst für Fehler, für eine Kurs-Korrektur, für eine ganz und gar eigenmächtige Wahrheits-Korrektur. Erst sind es nur einzelne Wörter, dann Sätze. Während Schweighauser in zunehmende innere Spannung gerät, passiert in der äußeren Welt nichts, gar nichts. Die Leser bleiben gleichgültig gegenüber der Wahrheit, der manipulierten oder der wahren (falls es die überhaupt gibt). Erst eine Korrektur von großer Tragweite bringt den Ball ins Rollen und Schweighausers Leben in einen Bereich der völligen Machtlosigkeit, die Wahrheit bleibt ohne jegliche Chance. Schweighauser, der mit der Wahrheit gespielt hatte, wird zum Spielball der Wahrheit.

 

Die langsame, differenzierte, feinziselierte Sprache des Autors korrespondiert mit dem Inhalt des Buches. Nicht alles am Inhalt ist offenkundig, schon gar nicht vordergründig. Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich als Leser neu justieren, um die Feinheiten überhaupt wahrnehmen zu können. Manchmal bin ich über  Wortbilder gestolpert, die sich mir in den Lese-Weg stellten und sich nicht mehr beiseite räumen ließen, wie z. B. „sich der eigenen Anwesenheit überlassen“. 

 

Ein Buch zum Wieder- und Wiederlesen, unauslotbar, kostbar, in einer sorgsam-feinen Sprache geschrieben – für mich ein großes Buch.

 

 

Rebecca Michéle

Auf Eis gelegt

Taschenbuch: 352 Seiten

Verlag: Dryas Verlag

ISBN-13: 978-3940258779

 

 

 

 

Cornwall und eine Kanne Tee genießen

 

 

 

Schon eine ganze Reihe an Krimis rund um das herrschaftliche Anwesen Higher Barton in Cornwall gibt es. Für mich war der vorliegende Band das erste Buch der Autorin, und um es ohne Umschweife zu sagen: Ich war von der ersten Seite an begeistert!

 

 Higher Barton wurde nach Umbau zu einem Romantic Hotel, und anlässlich seiner Eröffnung stoßen der fiese Harris Garvey als neuer Hoteldirektor und die ehrgeizige Sandra Flemming aus Schottland als seine Assistentin aufeinander. Dass Sandra vor längerer Zeit einmal eine Affäre mit Harris gehabt hatte, macht die Sache nicht einfacher.  Auch mit den weiteren neuen Mitarbeitern gestaltet sich die Zusammenarbeit recht schwierig und konfliktreich. Noch vor der offiziellen Eröffnung wird Harris Garvey tot in der Tiefkühltruhe aufgefunden, zusätzlich fehlen 10.000 Pfund aus dem Hotelsafe. Sandra Flemming gerät unter Verdacht und muss, um ihre Unschuld zu beweisen, selbst Nachforschungen anstellen…

  

Das Buch zu lesen, macht rundum Spaß. Es ist lebendig geschrieben, spannend bis zum Schluss, und man bekommt Lust, Cornwall, Land und Leute und seine Küche, kennen zu lernen. Man sieht gerne darüber hinweg, dass die Handlung nicht immer ganz folgerichtig ist und insbesondere die Hauptperson nicht unbedingt psychologisch gesehen immer konsequent stimmig geschildert wird. Der Krimi gehört genau zu den Büchern, die man an einem hässlichen Regentag eingekuschelt auf dem Sofa mit einer großen Kanne Tee genießen sollte.

 

Erika Bock / Volker Nökel

Die Knöllchenbande … feiert Weihnachten

Umfang: 124 Seiten

Verlag: Tingmarke-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3981724523

Lesealter: ab 4 Jahre

 

 

 

 

Liebevoll und detailreich

 

 

 

Es ist immer schön, wenn ich ein neues Buch, einen neuen Autor entdecken darf, umso mehr, wenn mich diese Neuentdeckung restlos überzeugt.

 

Für mich ist die Knöllchenbande eine solche Neuentdeckung, obwohl es schon mehrere Bände gibt. Und mir bleibt nur zu sagen: Was für ein zauberhaftes Erstlese- oder Vorlesebuch!

 

 

Die Illustrationen haben zwar etwas leicht Cartoonhaftes, aber bei genauerer Betrachtung sind sie so detailreich und liebevoll gezeichnet, dass man sich ihrer Wirkung gar nicht entziehen kann. Kinder habe ganz große Freude darin, die Feinheiten zu entdecken und sich ihre eigenen Geschichten daraus zu basteln.

  

Besonders hervorheben möchte ich jedoch die Qualität des Textes! Die Geschichte ist sehr lebendig erzählt und lässt sich deshalb besonders gut vorlesen. Im Verlauf der durchaus spannenden Erzählung lernen die Kinder ganz nebenbei sehr viel über Tiere, über die Natur. Der Umgang der Knöllchenbande untereinander oder in der Begegnung mit ihnen Fremdem ist respektvoll, positiv, helfend. Alles Werte, die es gilt, Kindern von klein an zu vermitteln. Ich kann es nur wiederholen: ein zauberhaftes Erstlese- oder Vorlesebuch, das in keinem Kindergarten und in keiner Kinderbuchabteilung in Bibliotheken fehlen sollte!

 

 Rainer Güllich

 Begegnungen – Geschichten aus der Psychiatrie

 Taschenbuch: 124 Seiten

 Verlag: Karina-Verlag

 Sprache: Deutsch

 ISBN-13: 978-3903161283

 

 

 

Begegnung von Mensch zu Mensch

 

 

 

Ein kleines Büchlein in bescheidener Ausstattung. Dem ich erst einmal nicht allzu viel zutraute. Und das mich sehr überraschte.

 

  

Wir begegnen dem Autor, einem Ergotherapeuten, der aus seiner besonders prägenden beruflichen Anfängerzeit in der Gerontopsychiatrie berichtet.

 

Und wir begegnen einigen älteren Menschen, die aufgrund verschiedener psychiatrischer Erkrankungen aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallen sind, die Hilfe und Unterstützung benötigen.

 

Als Essenz zum Thema Begegnungen lesen wir über die Kontakte zwischen dem Therapeuten und dem Hilfsbedürftigen, über die Interaktionen, gelingend oder auch nicht. Der Autor gewährt sehr offen Einblicke in seine Unsicherheiten, seine Fehlentscheidungen, aber er lässt auch, vielleicht sogar ungewollt, einen Blick zu auf seine wertfreie innere Haltung gegenüber Menschen, die sich nicht „normal“ verhalten, auf seine therapeutische Fähigkeit, die ihm ermöglicht, auf ungewöhnliche Situationen hilfreich und menschen-zugewandt zu reagieren. Er schildert sehr bewegend eine Welt des Fremden, Irritierenden, oft auch Komischen. Es handelt sich um wunderbare kleine Episoden, die so liebevoll geschrieben sind, dass uns die Hauptakteure, nämlich die Patienten, in ihren Verhaltensweisen nicht befremdlich wirken.

  

Dem Büchlein wünsche ich viele, viele Leser, z. B. Menschen mit Vorurteilen oder Berührungsängsten gegenüber psychisch Kranken, gegenüber alten Menschen, gegenüber Therapeuten. Und ich wünsche ihm Leser, die in den schweren pflegerischen Berufen tätig sind, damit sie im Alltag nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren, nämlich die Begegnung von Mensch zu Mensch.

 

 Abigail Tucker

 Der Tiger in der guten Stube

 Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

 Verlag: Theiss, Konrad

 ISBN-13: 978-3806236477

 Originaltitel: The Lion in the Living Room

 

  

 

Sachbuch in falschem Gewand

 

 

 

Ein niedliches Katzenkind auf dem Titelbild, ein spielendes Katzenkind auf der Rückseite und eine Fülle von kleinen Zeichnungen von kletternden, sitzenden, grimmig oder lieb schauenden Katzen, Pfötchen, die über die Seite laufen – die gesamte Aufmachung suggeriert ein „liebes“ Katzenbuch, vielleicht sogar für Kinder. Solcherart falsche Erwartungen zu wecken, kann doch nicht wirklich verkaufsfördernd sein?

 

 

Denn tatsächlich handelt es sich um ein fundiertes Sachbuch, das eine unglaubliche Fülle an Informationen rund um das Thema Katze vermittelt. Die Auflistung aller Fußnoten, d. h. Quellenverweise, studierte Literatur etc., in kleinster Schrift gesetzt, umfasst 20 Buchseiten! Die Autorin hat ungeheuere Fleißarbeit geleistet. Allein schon dafür gilt ihr meine größte Anerkennung. Zwar schreibt sie als Amerikanerin zwangsläufig mit Blick auf die USA, aber viele, viele Informationen lassen sich eins zu eins auf Europa übertragen. Die mitunter etwas trockenen, aber gut verständlichen Inhalte werden immer wieder aufgelockert durch Erzählungen der Autorin über ihre persönlichen  Katzen-Erlebnisse. Es gefällt mir sehr gut, dass Abigail Tucker versucht, sich mit allen von ihr angerissenen Themen möglichst neutral zu befassen, sie wertet nicht, weist keine Schuld zu. Sie hält sich an Fakten, an Forschungsergebnisse, an Umweltaktivisten, an Tierschützer, an Züchter, an Wissenschaftler. Leider, leider fehlen im Buch Fotos. Man hätte gut daran getan, statt der kinderbuchartigen Zeichnungen aussagekräftige Fotos einzufügen, um die angebotenen Informationen anschaulich zu machen.

 

Auf der Rückseite des Buches verspricht der Verlag, dass man nach Lektüre dieses Buches Katzen mit anderen Augen sehen wird. Und das ist in der Tat so! So viel Erschreckendes, Befremdliches habe ich noch nie über Katzen gelesen. Verwunderung, Entsetzen, Scham, Ungläubigkeit, Heiterkeit – eine große Bandbreite an Reaktionen löste das Buch in mir aus, ungewöhnlich für ein Sachbuch und Nachweis für die besondere Qualität des Buches.

  

Wer Katzen liebt, sollte das Buch lesen. Und wer Katzen nicht mag, sollte dieses Buch auch lesen!

 

Eva Meder-Thünemann

Das kleine Buch vom schnurrenden Philosophen

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten

Verlag: Verlag Herder

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3451378720

 

 Von Katzen lernen

 

 

 

Ein feines, kleines Büchlein liegt vor mir. In seiner äußeren Form sorgfältig verarbeitet. Und in seinem Inneren auf eine ganz leise Art berührend.

 

Ein Geschenk für einen Katzenfreund zu suchen, ist nicht schwierig. Auf dem Markt gibt es unzählige Bücher von, mit und über Katzen. Da gibt es Katzen, die von ihrem Leben erzählen, die sich kriminalistisch betätigen oder die ihre Menschenbeobachtungen darlegen. Es gibt Katzen, die sich als Fotomodell zeigen, die sich in allen Lebenslagen ablichten lassen. Und es gibt Menschen, die über Katzen berichten, mal sachlich-wissenschaftlich, mal katzenpsychologisch-beratend, mal humorvoll-erzählend.

 

Das alles ist dieses Büchlein nicht.

 

Es werden kleine Episoden aus dem Zusammenleben mit Peeves erzählt, kleine Beobachtungen, kleine Geschichtchen. Nichts Großes. Und aus jeder kleinen Momentaufnahme wird etwas Allgemeingültiges, eine Einsicht, etwas Hilfreiches, Überdauerndes uns Lesern angeboten.

 

Ob man darüber nachdenken mag oder nicht. Die Texte bewirken auf jeden Fall, dass wir unsere Katzen aufmerksamer beobachten und ihre Seelenklugheit achtsamer wahrnehmen.

 

Ich gebe zu, dass mich dieses feine, kleine Büchlein sehr berührt hat – auf eine feine, leise und sehr nachdrückliche Weise.

 Mira Bartók

 Der Wunderling

 Hörbuch, gelesen von Mechthild Großmann

Audio CD

Verlag: Silberfisch

ISBN-13: 978-3867423434

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre

 

 

 

Was für eine wunderbare Geschichte!

 

Angelockt wurde ich durch das von der Autorin selbst geschaffene fein gemalte, detailreiche, altmodische Cover. Und ich entdeckte eine wunderbare Geschichte, ein Buch, das sowohl Märchen als auch Fantasy-Roman ist, eine mehrschichtige Parabel, ein Jugendbuch ebenso wie ein Buch für Erwachsene.

 

Der Erdling Nr. 13 wächst auf in einem Heim für missratene und abscheuliche Wesen unter der Leitung der hartherzigen Miss Carbunkel. Er muss viel erleiden an Ungerechtigkeiten, an Quälereien, an Schikanen. Aber er hat ein Geheimnis, nämlich die besondere und oft hilfreiche Fähigkeit, Geräusche zu hören, die andere nicht hören oder fremde Sprachen zu verstehen. Und er hört immer wieder eine Melodie – eine ferne Erinnerung. Er freundet sich an mit Trixie, einem Vögelchen, das nicht fliegen kann. Gemeinsam planen sie die Flucht in eine bessere Zukunft, eine Flucht, auf der es viele Gefahren zu bestehen gilt.

 

Die tiefe und dabei sehr wandlungsfähige Stimme von Mechthild Großmann verleiht dem Hörbuch eine ganz besondere Intensität. Man taucht beim Zuhören völlig entrückt in eine andere Welt, leidet mit, träumt mit, wird in den Bann gezogen dank der geradezu suggestiv wirkenden Kunst des Lesens. Mechthild Großmann malt mit ihrer Stimme die Fülle der Bilder des Buches auf eine so intensive Weise, dass sich der Zuhörer in der Geschichte restlos verliert. Großartig!

 

Joe Fischler

Veilchens Rausch

Taschenbuch: 300 Seiten

Verlag: Haymon Verlag

ISBN-13: 978-3709978894

 

Rüsselpest und andere Erschwernisse

Es gibt bereits 3 Bände, aber ich hatte mit dem hier vorliegenden Band 4 meine erste Begegnung mit Veilchen alias Valerie Mauser, der leicht vorgeschädigten LKA-Polizistin mit blondem Afro-Look und Jeans wie durch einen Häcksler gezogen. Und was soll ich sagen: Ich mag sie!  Sie ist schlau, aber auch sensibel. Und sie hat ihr zweites Ich, die böse Souffleuse, auf der Schulter sitzen, mit Einflüsterungen, die wir alle so oder ähnlich auch bei uns kennen. Die Vorgeschichten nicht gelesen zu haben, minderte zu keiner Zeit mein Lesevergnügen.

Auf der Umbrüggler Alm wird am Morgen nach einer wilden Feier des Immobilienunternehmens Tyrovalue die Bedienung Viktoria Schwarz tot aufgefunden. Die Ermittlungsarbeit von Valerie = Veilchen führt ganz schnell mitten hinein in die sehr fragwürdigen Machenschaften der Immobilienfirma, die mit der Geldgier der Menschen großartige Geschäfte macht, sich selbst feiert und deren Vernetzungen bis in die höchsten Kreise hineinreichen. So wird gemauert und gemauschelt und getrickst nach allen Regeln der Kunst. Und der Leser wird immer wieder neu in die Irre geführt, sodass die Spannung über das gesamte Buch hinweg immer erhalten bleibt. Was mich jedoch am meisten beeindruckt hat, ist die Fähigkeit des Autors, seinen eigenen unbandigen Spaß beim Schreiben auf den Leser zu übertragen. Es steckt viel Wortwitz in den Texten und wohlig-österreichische Lautmalerei, über die man immer wieder herzhaft lachen muss. Spannung und Humor in ausgewogenem Maß – was will man mehr.

 

 

Mara Ferr

Aux Champs-Elysées

Seitenzahl der Print-Ausgabe: 224 Seiten

Verlag: Emons Verlag

ISBN: 978-3-95451-139-6

 

 

 

Starker Anfang, schwaches Ende

 

 

 

„Ein Paris-Krimi“ heißt es im Untertitel. Von Paris wird man allerdings kaum etwas lesen, vielleicht ein paar Straßennamen, ein Metroschild, ein Park. Mehr nicht.

 

 

 

Claire und Philippe – ein Ehepaar nach klassischem Modell. Er verdient gutes Geld in seinem Job, sie sorgt perfekt für Haushalt und Kinder. 25 Jahre lang. Bis Philippe sich in Isabelle verliebt und mit ihr ein neues Leben anfangen will. Die alte Geschichte. Aber Claire spielt nicht mit…

 

 

 

Der Roman beginnt überaus spannend, fesselnd. Kurze Kapitel intensivieren das Geschehen. Die geschilderten Personen sind – erst einmal – glaubhaft dargestellt und das Grausame schleicht sich quasi durch die Hintertür in die Handlung. Der Leser liest atemlos Seite um Seite. Und dann wird es zunehmend unglaubwürdig. Die Handlung hebt ab und der mitdenkende Leser rückt ab. Zu viele sachliche Fehler (z. B. Übelkeit bei weit fortgeschrittener Schwangerschaft??) und ein Plot, der sich ins Abstruse verliert, lassen die Freude am Buch zunehmend geringer werden. Ein überraschendes Ende, ja – aber der Leser ging schon viele Seiten vorher verloren. Wie schade. Dass die Autorin richtig gut schreiben kann, beweist sie eindrücklich. Wo war hier das Lektorat, das noch Einiges hätte retten können – am Plot, an Details, an Logik?

 

V. S. Gerling

Die Farm

Taschenbuch: 450 Seiten

Verlag: Bookspot Verlag

ISBN-13: 978-3956690884

  

 

Vom Buch verschlungen

 

Dass es sich beim vorliegenden Buch bereits um den 4. Band rund um das Ermittlerpaar Nicolas Eichborn und Helen Wagner handelt, erfuhr ich erst, als ich das Buch in Händen hielt. Die beruhigende Nachricht: Man muss die Bände 1 – 3 nicht gelesen haben, um dennoch restlos dieser neuen Geschichte zu verfallen.

 

Der Plot hat es in sich. Da verschwinden in ganz Deutschland Ehepaare, ohne Lösegeldforderungen, ohne Leichenfund. Und es werden Geldtransporte überfallen – und zwar durchgeführt von den verschwundenen Ehemännern, wie Überwachungskameras offenbaren. Wo ist die gemeinsame Schnittstelle, an der man mit den Ermittlungen ansetzen könnte? Damit jedoch nicht genug. Nicolas Eichborn selbst gerät ins Fadenkreuz der Obrigkeit und wird konfrontiert mit Korruption, mit unersättlicher Geldgier – bis in die höchsten Kreise.

 

Das Buch ist so spannend, dass ich das Gefühl hatte, das Buch verschlingt mich, nicht umgekehrt. Es ist großartig geschrieben, zieht alle Register eines guten Thrillers, ist kurzweilig, spielt mit Ungewissheiten, Wendungen, mit Spuren, die keine sind. Die Protagonisten werden lebendig dargestellt, sympathisch, in ihren Dialogen stets mit einer Prise Humor ausgestattet. Manchmal hatte ich zwar das Gefühl, der Autor schießt mit seiner Lust am Fabulieren etwas übers Ziel hinaus und verliert dabei etwas an Bodenhaftung, aber die gelegentlich sehr skurrilen Einfälle nahmen mir zu keinem Zeitpunkt die unbandige Lesefreude.

 

Ein Autor mit Suchtfaktor!

 

Finchen Star

Emily die kleine Springmaus (Dt./Engl.)

Gebundene Ausgabe: 48 Seiten

Verlag: Featherworks Publishing Austria

Sprache: Englisch, Deutsch

ISBN-13: 978-3950392296

 

 

 

Nie aufgeben!

 

 

 

Ein zweisprachiges Bilderbuch – hmmm. Welche Zielgruppe wird hier angesprochen? Das Bilderbuch an sich, der jeweils kurze Textanteil pro Seite, die liebevoll-kleinkindgerechten Zeichnungen und die Geschichte selbst sprechen für Vorschulkinder. Aber die Zweisprachigkeit und der angebotene Vokabeltrainer sind nach meinem Verständnis für Kinder frühestens ab 7 Jahren geeignet. Insbesondere gibt es im Text so einige schwierigere Wörter, für Kleine unverständlich, für Erstleser zu schwierig zu buchstabieren, wie z. B. „qualifizierter Kamerad“ oder „IT-Nerd“. Auch müsste man sicher erklären, welche Sportart ein Sprinter vertritt. Der Verlag selbst gibt an, dass das Büchlein für Erstleser gedacht ist.

  

Emily ist eine sehr fröhliche kleine Maus. Die Eltern dagegen haben anstrengende und verantwortungsvolle Berufe, insbesondere Papa Stefano Dreikäsehoch ist ohne Tablet und Telefon gar nicht denkbar. Da ist Oma, die vorliest, besonders geliebt. Heute liest sie die Geschichte vom kleinen Mäuserich vor, der, obwohl er so klein ist und von den anderen Mäusen verspottet wird, immer fleißig weiter trainiert und nicht aufgibt, an seinem Traum zu arbeiten, denn er möchte ein richtig, richtig guter Sprinter werden.

 

 

 

Die schlichten, liebevollen Zeichnungen gefallen mir sehr. Sie verdeutlichen den Textinhalt so unmittelbar und direkt, ohne Schnickschnack, wie es besser gar nicht sein könnte. Und natürlich ist die Botschaft des Buches eine ganz wichtige: an sich selbst glauben und nie aufgeben!

 

 

Susanne Fülscher

 Pasta mista – 5 Zutaten für die Liebe

 Seitenzahl der Print-Ausgabe: 320 Seiten

 Verlag: Carlsen

 ISBN: 978-3-551-65025-2

 

 

Herzerfrischend witzig

 

Mit ü60 ist es kein Schaden, ab und zu auch einmal etwas über Jugendliche zu lesen und sich dabei zu erinnern, dass man all dies Auf und Abs, diese vielen Unsicherheiten und das daraus resultierende befremdliche Benehmen auch einmal hatte. Das vorliegende Buch habe ich mit ganz, ganz großer Begeisterung gelesen, nicht nur wegen der Pasta mit meinem Vornamen!

 

Liv und ihre Mutter, die ein Buchcafé betreibt, leben schon seit gefühlten Ewigkeiten allein in einer kleinen Wohnung in München. Liv’s Hobby ist das Kochen und ansonsten beschäftigt sie sich zusammen mit ihren besten Freundinnen hauptsächlich mit dem Thema „erster Kuss“. Ihr Schwarm Justus hat sein Augenmerk auf Nastja Elena geworfen und steht deshalb als erster Freund nicht zur Verfügung.  Da taucht überraschend Roberto auf, der neue Lover der Mutter. Und er ist nicht allein, sondern er bringt  die 16-jährigen Zwillinge Angelo und Sonia mit. Liv bekommt weiche Knie – zum einen, weil ihre Mutter ihr die neue Beziehung verschwiegen hatte, aber auch, weil Angelo ein Traumtyp ist. Der Überraschungsbesuch aus Italien nistet sich für 3 Wochen in der winzigen Wohnung ein und bringt nicht nur an der Flurgarderobe ziemliches Chaos mit sich, sondern auch in Liv’s Leben. Erst in letzter Minute schafft die Pasta à la Norma die Wende…

 

Das Buch ist wunderbar leicht und locker geschrieben. Besonders die vielen inneren und äußeren Dialoge sind herzerfrischend, alltagsnah und heiter formuliert. Hinreißend gelingt es der Autorin, dass wir all die Gefühlsschwankungen von Liv hautnah und verständnisvoll miterleben. Die Geschichte trifft genau ins Schwarze, indem es  auf humorige Weise erzählt von all den scheinbar wichtigen Alltagsdingen, von den Unsicherheiten, von all den Themen, die Pubertiere vordringlich beschäftigen. Was nach dem Lesen des Buches übrig bleibt: Ein Schmunzeln und unbandiger Appetit auf italienisches Essen.

 

Stefan Barz

Nimmerwiedersehen

Taschenbuch: 270 Seiten

Verlag: KBV

ISBN: 978-3954413645

 

 

 

Freude am unbeschwerten Lesen

 

 

Manchmal tut es gut, ein Buch zu lesen, das ohne Ballast daher kommt. Das man einfach so wegliest und seine Freude daran hat. Weil es unterhält. Weil es ablenkt. Weil es lange Stunden abkürzt. Stefan Barz kann das, leicht, locker, unterhaltsam schreiben, ohne seicht zu sein.

 

Ein Klassentreffen in der Eifel, 20 Jahre nach dem Abitur und 20 Jahre nach einem schrecklichen Ereignis, bei dem ein Mitschüler zu Tode kam. Cornelius, dessen bester Freund der Tote war, fährt zum Klassentreffen in der festen Überzeugung, dass es sich damals nicht um einen Unfall gehandelt hatte, sondern um Mord. Er will den Täter im Rahmen dieses Treffens dazu bringen, die Tat zu gestehen. Doch Cornelius wird noch in der Nacht tot aufgefunden. Mit einer Heugabel brutal erstochen! Und ein weiterer Teilnehmer des Klassentreffens verschwindet. 

 

Das Ermittlerteam Wagner und Grimberg ist sich nicht besonders grün. Wagner als alter Hase schaut überheblich auf den jungen Grimberg herab, der so einige dumme Sprüche ertragen muss. Und doch ist es gerade Grimberg, der letztlich einen entscheidenden Gedanken hat, der zur frappierenden Aufklärung führt.

 

Wenn man es erst einmal geschafft hat, die vielen Namen, die bereits am Anfang auf den Leser einprasseln, sozusagen das Who is Who, zu sortieren, kann man sich ganz entspannt dem Buch hingeben. Denn der Autor leitet uns sehr sicher durch die Wirrnisse der Ermittlungen bis hin zu lange zurückliegenden Ereignissen. Es wird nicht viel Wortmalerei betrieben, es wird nicht viel beschrieben in diesem Buch. Vielleicht wird mal eine Beatles-Frisur erwähnt oder das Tragen eines Kurzmantels, aber viel mehr an Äußerlichkeiten erfährt man nicht. Die Protagonisten bleiben der Phantasie des Lesers überlassen. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, mich persönlich hat es überhaupt nicht gestört. Denn das Buch gewinnt seine Lebendigkeit und Spannung durch das reine Erzählen dessen, was geschieht, durch die Gespräche und Interaktionen. Und ich halte es für eine ganz besondere Stärke des Autors, sich zwar zu beschränken auf das reine Geschehen, aber dennoch im Kopf des Lesers sehr genaue Bilder entstehen zu lassen.

 

Ein klarer, durchgehend spannender Krimi ohne Schnörkel, in einem Rutsch zu lesen!

 

Mariana Leky

Was man von hier aus sehen kann

Roman

320 Seiten, mit farbigem Vorsatz und Lesebändchen
ISBN 978-3-8321-9839-8

 

 

Die Kunst des Wörterjonglierens

 

 

Wunderbar, großartig, bewegend, ein Juwel, meisterhaft, ergreifend, unausschöpflich, ein Kleinod – ich kann gar nicht aufhören zu schwärmen über dieses überragende Buch!

 

Wenn die alte Selma, die aussieht wie Rudi Carell, von einem Okapi träumt, wird innerhalb der nächsten 24 Stunden jemand aus dem Dorf sterben. Und alle aus dem Dorf rüsten sich in diesem Fall auf sehr individuelle Weise, um entweder vorbereitet zu sein auf den Tod oder sich vor ihm zu verbergen.

 

Dieser trivial-geniale Ausgangspunkt eröffnet ein Kaleidoskop an Geschichten, an kleinen und großen Geschichten, an Geschichten, die so schmerzhaft sind, dass man ganz schnell die Seiten wegliest, bis man ein paar Seiten später all die Verletzungen einfach weglacht, und Geschichten, die so gut tun, dass man die Zeilen immer und immer wieder liest, um nichts von diesen Wohltaten je zu verlieren.

 

Überhaupt: Man möchte Satz um Satz festhalten und nicht mehr loslassen. Was für eine wunderbare Sprache, präzise und lyrisch in einer ungewöhnlichen Kombination. Gibt es zum Beispiel ein schwärzeres, grausameres Schwarz als das Wort „kranzschleifenschwarz“, so endgültig und tief. Oder wer hätte nicht sofort ein Bild vor Augen, wenn Teppichfliesen wie Rauhaardackelfell beschrieben werden. Ich bin fasziniert von der Autorin und ihrer großartigen Gabe, mit Wörtern zu jonglieren und uns dabei wie mit einer überaus scharf geschliffenen Brille eine prismengenaue, dabei aber unendlich tolerante Sicht auf die Welt, auf die Menschen, auf all die alltäglichen Merkwürdigkeiten um uns herum zu gewähren. Und ies nicht mit einer drögen Ernsthaftigkeit, sondern mit einer gelassenen Heiterkeit. Meisterhaft!

Volker Dützer

Freier Fall

Taschenbuch: 400 Seiten

Verlag: KBV

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3954413829

 

 

 

Rasante Hatz durch den Westerwald

 

Vergessen Sie Regenwetter, Hausarbeit, schlechte Laune, Langeweile, vergessen Sie alles! Stellen Sie die Klingel ab, legen Sie sich ausreichend Proviant neben Ihren Leseplatz – und auf geht’s! Wenn Sie dieses Buch erst in die Hand genommen haben, hören Sie nicht mehr auf zu lesen, garantiert!

 

Zwei Handlungsstränge, doppelte Spannung: Da ist der Polizist Ben Funke, der am Morgen neben einer Frauenleiche aufwacht – ohne jegliche Erinnerung, was geschehen sein könnte. Er muss sich völlig allein auf die Suche nach dem Täter machen, da für seinen unliebsamen Chef feststeht, dass nur Funke selbst der Mörder sein kann. Und da ist die Profilerin Helen Stein, die der Spur eines Serientäters unter Einsatz ihres Lebens folgt und trotz aller Sicherungsvorkehrungen in dessen Fänge gerät.

 

Beide, Ben und Helen, sind durch frühere Erlebnisse angeschlagen, was in dem 2016 erschienenen Buch „Der Schacht“ erzählt wird. Man muss dieses Buch nicht gelesen haben, um „Freier Fall“ verstehen zu können. Aber es zu kennen, hat einen großen Vorteil: Man hat nämlich in der Vorgeschichte eine große Sympathie für die beiden Protagonisten aufgebaut und leidet in diesem neuen Buch entsprechend intensiver mit ihnen, denn Ben und Helen wird wirklich äußerst übel mitgespielt, psychisch und physisch!

 

Das Buch ist eine rasante Fahrt bzw. Jagd quer durch den Westerwald. Scheinbar aussichtslose Situationen werden überraschend aufgelöst, um in wieder neue Todesgefahren zu führen. Spuren tauchen auf, führen in die Irre und bergen dennoch ein Körnchen Wahrheit.  Man liest atemlos Seite um Seite und legt, am Ende angelangt, das Buch völlig erschöpft zur Seite, froh und dankbar, alles Geschehen lesend überlebt zu haben.

 

Danke, lieber Volker Dützer, für den großartig geschriebenen Thriller!

 

Nelly Fehrenbach

Und dann ist alles anders

Taschenbuch: 252 Seiten

Verlag: Tinte & Feder

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-1542045940

 

 

Ein „echter“ Roman

 

Angekündigt ist dieses Buch als „Liebesroman“. Meine erste Reaktion war entsetztes Kopfschütteln. Dieses Buch ein Liebesroman? So mit Herz und Schmerz und Rosen und Tränen? Nein, nicht dieses Buch! Und nach einigem Nachdenken: Doch, es ist ein Liebesroman, mit Herz und Schmerz und Rosen und Tränen. Aber kein erdachter Roman. Ein echter Roman. Was ist es, was ich als „echten Roman“ bezeichne?

 

Charlotte arbeitet sehr viel als Krankenschwester, oft in Nachtschicht. Ihr Verlobter Jörg, Arzt im gleichen Krankenhaus, arbeitet noch viel mehr. Die geplante Hochzeit steht bevor. Die Vorbereitungen und vor allen Dingen Mutter und Schwiegermutter bereiten anlässlich dieser Vorbereitungen noch  zusätzlich Stress. Und Charlotte geht es schlecht. Vielleicht Migräne? Nach einem unverhofften epileptischen Anfall wächst nach und nach die Gewissheit, dass etwas Schlimmeres als Migräne in das Leben von Charlotte und Jörg eingreift. Die Diagnose eines Oligodendroglioms, eines Hirntumors, lässt alle geplante Zukunft wie eine Seifenblase zerplatzen…

 

Ein echter Roman deshalb, weil es ein erlebter, erlittener Roman ist. Ein Stück erzähltes Leben ist dieses Buch. In dem alles vorkommt, was auch in einem erdachten Liebesroman vorkommt, aber viel intensiver, schmerzhafter und tröstlicher, verwirrender und klärender, als es ein erdachter Roman je enthalten könnte. Überraschend, wie außerordentlich gut dieses Buch geschrieben ist. Oftmals sind  Bücher, die eigene Erfahrungen schildern und als ein Weg der Verarbeitung dienen,  laienhaft und bemüht geschrieben. Aber in diesem Buch stimmt jeder Satz, jede Empfindung, jede Reaktion. Niemand kann sich das, was in diesem Buch steht, aus dem Reich der Phantasie holen. Das alles wurde selbst erfahren, selbst erlitten, selbst be- und verarbeitet. Also durchaus ein Liebesroman mit Herz und Schmerz und Rosen und Tränen und Lachen: nämlich Liebe zum Leben!

 

Daniela Engist

Kleins große Sache

Verlag: Klöpfer & Meyer

ISBN-13: 978-3863514525

 

 

Interrogatio praesentia und andere Klarsichthüllen

 

Ein Buch, das mich einerseits gefesselt hat, andererseits jetzt aber ratlos zurücklässt. Denn ich habe viel Lesearbeit investiert, habe mich um den apikopostalveolaren Frikativ gekümmert und um andere Absurditäten, um mich nun zu fragen, wozu…

 

Harald mit dem Nachnamen KLEIN bekommt einen Job in der oberen Führungsebene einer Firma, in der es um die GROSSE SACHE geht. Und wir folgen Harald Klein durch seinen Arbeitsalltag, wie er die Leitsätze der Firma „Leistung für Leben“ und „Wir vertrauen dem Weg“ verinnerlicht, wie er überhaupt in den firmeneigenen Floskeln, Fadenscheinigkeiten und Manipulationen versinkt, wie er in dem Paralleluniversum nach den firmeneigenen Regeln funktioniert und somit sein weiterer Aufstieg unaufhaltsam zu sein scheint.

 

Ein gewichtiges Buch  - es wiegt in der Tat viel mehr, als normalerweise ein Umfang von 380 Seiten wiegen sollte. Auf der Suche nach versteckten Gewichtsvermehrern, wie z. B. dicke Fotoseiten, durchblätterte ich die Seiten vergebens. Erst nach Beendigung des Lesens wurde es mir klar: Ein ge-wichtiger Inhalt macht das Buch so schwer, auch wenn es scheinbar leichthändig geschrieben ist. Raffiniert satirisch wird die riesengroße Seifenblase des Management-Wasserkopfes angestochen und seine beeindruckend irisierenden Täuschungsmanöver ins sinnlose Nichts befördert. Gut geschrieben, keine Frage. Aber kürzer, prägnanter, pointierter auf weniger Seiten hätte dem Buch mehr Schärfe und Schliff verschafft.

 

Astrid Fritz

Die Räuberbraut

Gebundene Ausgabe: 388 Seiten

Verlag: Wunderlich

ISBN-13: 978-3805202930

 

 

Lebendig- spannend erzählt

 

 

Historische Romane lese ich relativ selten, insofern ging ich neugierig-neutral auf das neue Buch von Astrid Fritz zu. Und ich wurde rundum positiv überrascht!

 

Es geht in der Geschichte um Juliana, eine Musikantin, die Anfang des 19. Jahrhunderts auf Hans Bückler, den sog. „Schinderhannes“ trifft, einen attraktiven, fast charismatisch zu nennenden jungen Mann, der sich  im Hunsrück mit etlichen Kumpanen durch Überfälle und Räubereien einen Namen gemacht hat. Er ist unbekümmert und fest davon überzeugt, niemals erwischt zu werden, denn die räuberischen Freunde halten zusammen. Juliana und Hannes verlieben sich, sie heiraten und Juliana zieht fortan mit dem Schinderhannes durch die Gegend, immer unterwegs, immer in Unruhe.

 

So sorgfältig wie die rein äußere Gestaltung des Buches, so ist auch der Inhalt  perfekt recherchiert, detailgetreu, historisch korrekt. Sehr hilfreich ist das umfangreiche Glossar, das alle unbekannteren Begriffe, insbesondere aus dem Rotwelschen, erläutert.

 

Insgesamt liest sich das Buch absolut spannend. Es ist lebendig und farbig erzählt, sozusagen mit allen Sinnen werden die Situationen und Gegebenheiten wiedergegeben, sodass man als Leser stets mitten im Geschehen ist und in die Erzählung ganz und gar eintaucht. Manchmal wurden mir allerdings  die vielen einzelnen Stationen des Umherziehens, die zahllosen Ortsnamen und die dort dann jeweils ansässigen Menschen und deren Namen zuviel, wenngleich natürlich sehr viel mühsame Recherche der Autorin dahintersteckt. Abgesehen von diesen etwas anstrengend zu lesenden Passagen hat mich das Buch jedoch insgesamt gepackt und mir die spannende Zeitgeschichte  zwischen 1800 und 1850, die ich bislang nur aus der Sicht privilegierterer Schichten kannte, nunmehr sozusagen aus „Räubersicht“ näher gebracht.  Im Fokus steht die überaus sympathische, mutige, starke Frau des Schinderhannes, deren Leben geprägt war von ständiger Flucht, von Verzicht und Sorge, von harten Schicksalsschlägen, aber auch von einer alles ertragenden, alles verzeihenden, ganz großen Liebe.

 

Annette Wieners

Wildeule

Taschenbuch: 352 Seiten

Verlag: List Taschenbuch

ISBN-13: 978-3548612591

 

 

Behäbig

 

„Wildeule“ ist Band 3 der Gesine-Cordes-Krimis, einer Reihe rund um die ehemalige Kommissarin, die nach einem erlittenen Trauma ihren Beruf aufgab und nunmehr seit längerem als Friedhofsgärtnerin arbeitet. Ich habe diesen Band 3 gelesen ohne Kenntnis der vorherigen Bücher, was ich nicht als nachteilig empfand. Es gab im Buch eingestreut genug Hinweise zur Vorgeschichte der Protagonistin.

 

Gesine liebt die Idylle, die Ruhe und ihre Arbeit in der Natur, lebt zurückgezogen in einem Wohnwagen. Bis sie aufgeschreckt wird, weil während einer Beerdigung ein nicht verschlossener Sarg offenbart, dass nicht die erwartete weibliche Leiche darin liegt, sondern der Bestattungsunternehmer selbst. Und da kommt wieder die Kommissarin Gesine zum Vorschein. Sie beginnt  undercover zu ermitteln, insbesondere da ihr Freund Hannes, ebenfalls Bestattungsunternehmer, unter Verdacht gerät.

 

Der Krimi kommt sehr behäbig daher und genau das macht seinen Charme aus. Man kann ganz gemütlich in die Handlung eintauchen und muss nicht von Spannung getrieben durch die Seiten hetzen. Der klare, gut lesbare Schreibstil trägt ebenfalls zu einem entspannten Lesen bei.  Das Buch hat mich an keiner Stelle gelangweilt, denn die Handlung ist lange Zeit nicht durchschaubar und man möchte der Aufklärung näher kommen. Nachteilig empfand ich, dass die Personen in ihren Aktionen und Gesprächen nicht immer nachvollziehbar sind, manchmal etwas hölzern konstruiert wirken. Aber alles in allem eine durchaus sympathische, wenn auch wenig anspruchsvolle Unterhaltung.

 

Heike Rommel

Zwischen Schatten und Licht

Verlag : KBV

ISBN: 9783954413898

Flexibler Einband 370 Seiten

 

 

 

Bielefeld und Feingefühl, das geht!

 

 

Der  KBV Verlag hat, wie mir scheint, ein sehr glückliches Händchen in der Auswahl ausgesprochen gut zu lesender spannender Regional-Krimis, die ohne Volkstümelei und Heimatkitsch auskommen. Nach Volker Dützer aus dem Westerwald durfte ich nun eine weitere positive Entdeckung machen und bin der Autorin Heike Rommel nach Bielefeld gefolgt.

 

Im Bunker Ulmenwall, einem tatsächlich existierenden Bielefelder Jazzkeller, bricht die gefeierte Jazzsängerin Marleen Seismo auf der Bühne zusammen. Schnell wird klar, dass sie einem Giftmord erlegen ist. Kommissarin Nina Tschöke und ihre Kollegen beginnen im Umfeld der Sängerin die Suche nach einem Motiv. Doch jede Zeugenvernehmung schafft neue Unklarheiten und Ungereimtheiten. Kreuz und quer durch Bielefeld und weiter bis Köln und schließlich sogar bis nach Baltrum werden Spuren verfolgt und wieder verworfen. Und welche Rolle spielt der mongoloide Bruder der Kommissarin? Ein weiterer Giftmord geschieht…

 

Heike Rommel schreibt außerordentlich gut. Ihre lebendigen, oftmals mit einer Prise Humor gewürzten Dialoge, ihr fein gewebtes Netz an Verdächtigungen, ihre farbigen  Detailbeobachtungen und ihre liebevoll-atmosphärischen Ortsbeschreibungen machen das Lesen zu einem wahren Vergnügen. Dass die Autorin im realen Leben mit Behinderten arbeitet, spürt man an den tieferes  Verständnis weckenden Schilderungen des mongoloiden Kai, den man im Verlauf des Buches richtig lieb gewinnt und dabei so ganz nebenbei einige Berührungsängste verliert. Auch wenn die Fülle der Namen mitunter verwirrt, insbesondere wenn zwischen Vor- und Nachnamen gewechselt wird, so spannt sich doch ein relativ gleichmäßiger Spannungsbogen über das ganze Buch hinweg . Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung für diesen durchweg kurzweilig zu lesenden Krimi, der ohne blutrünstige Details auskommt und das Feingefühl der Autorin auf sehr sympathische Weise auf den Leser überträgt.

 

Christine Drews

Sonntag fehlst du am meisten

Broschiert: 288 Seiten

Verlag: Ullstein Taschenbuch

ISBN-13: 978-3548290201

 

 

Zur Prinzessin verdammt

 

 

 

Als Drehbuchautorin hat Christine Drews große Routine im Schreiben lebendiger Dialoge und detailgenauer Situationsschilderungen. Das spürt man deutlich auch in dem vorliegenden Buch, mit dem sich die Autorin auf ein völlig neues Gebiet begibt, nämlich auf die Aufarbeitung einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung.

 

Die goldene Hochzeit der Eltern steht bevor, und Caro, 44, muss sich entscheiden, ob sie diesen Festtag nutzen oder meiden will. Denn seit einem Jahr besteht zwischen Vater und Tochter völlige Funkstille. Caro ist trockene Alkoholikerin, ohne Beruf, geschieden, Mutter eines  9-jährigen Jungen. Sie gibt ihrem Vater die Schuld an ihrem verkorksten Leben, da er sie aus ihrer Sicht nie ernstgenommen hatte. In Gesprächen mit der alten Frau Schneiders gewinnt sie jedoch zunehmend eine neue Sicht auf die früheren Geschehnisse. Schließlich fühlt sie sich stark genug für eine neue Begegnung mit ihrem Vater…

 

Vater-Töchter-Beziehungs-Bücher gibt es mehr als genug. Was mir an dem vorliegenden Buch sehr gut gefällt, sind die Perspektivenwechsel. Nicht nur die ich-bezogene Wahrnehmung der Protagonistin Caro wird dargestellt, sondern auch das So-Geworden-Sein des Vaters aus seiner Sichtweise. Diese völlig unterschiedlichen Wege implizieren tiefgreifende Probleme im Miteinander. Die erzählte Geschichte ist nachdenkenswert und schafft durchaus Verständnis. Leider wirkt das Buch sehr zerrissen, weil neben dem Erzählerwechsel auch sehr viele Zeitsprünge eingearbeitet wurden. Das ist zwar ein probates Mittel, um bei Krimis die Spannung zu erhöhen, aber diesem ernsthaften Thema hätte eine ruhigere, konstantere Erzählweise besser getan.

 

Florian Beckerhoff

Frau Ella

Derzeit ist die gebundene Ausgabe leider vergriffen, jedoch als E-Book erhältlich.

 

 

Jung und alt, zauberhaft komisch

 

 

 

Frau Ella ist 87, liegt für eine bevorstehende Augenoperation in der Klinik. Sie muss sich das Zimmer teilen mit Sascha, 30, der sich nach einem Sturz eine Augenverletzung zugezogen hatte. Frau Ella pupst und schnarcht und nervt Sascha ohne Ende. Dennoch fühlt er sich aufgerufen, Frau Ella zu helfen, die letztlich gegen ihren eigenen Willen operiert werden soll. Kurzerhand entführt er Frau Ella und bringt sie in seiner eigenen, nicht gerade ordentlichen Wohnung unter.  Seine Freunde Klaus und Ute sind von Frau Ella begeistert, und so beginnen die Vier allerlei Unternehmungen in die Gegenwart und in die Vergangenheit. Frau Ella staunt und gibt zu allem und jedem ihre handfesten Kommentare.

 

Bisher habe ich noch kein einziges Buch gelesen, das das Thema „Jung und Alt“ so leichtfüßig, humorvoll, locker und dennoch tiefsinnig erzählt. Ich habe beim Lesen so viel gelacht wie schon lange nicht mehr. Gleichzeitig habe ich mit Sascha, diesem unentschlossenen jungen Mann ohne wirkliche Perspektive, mitgefühlt, die Verwirrung von Frau Ella miterlebt beim Kontakt mit dem ihr fremden Lebensumfeld junger Menschen und war erleichtert, dass Frau Ella’s klare, einfache Sicht der Dinge Wirkung zeigt und letztlich eine Art von sehr schräger Freundschaft entsteht.

 

Fazit: Eine fiktive, zauberhaft komische Geschichte, die Hoffnung macht, dass es bei gegenseitigem Respekt möglich ist, dass Jung und Alt im Guten miteinander leben.

 

Ralf Kramp

Abendlied

Taschenbuch: 300 Seiten

Verlag: KBV

ISBN-13: 978-3954413577

 

 

 

Ringadingdong  und andere Lieder

 

 

Das Buch kommt äußerlich gesehen ganz ernsthaft daher. Das Cover zeigt eine nächtliche enge Gasse, menschenleer, mit Fachwerkhäusern im Laternenlicht  - das weckt Assoziationen von Gefahr und passt zu einem Krimi und es passt zur Eifel.

 

Aber es ist der 7. Band einer Reihe, in der Herbie Feldmann und sein unsichtbares Alter Ego Julius die Hauptrollen spielen, und schon ahnen wir, dass dieser Krimi, in dem ein Unsichtbarer ständig boshafte Kommentare abgibt, nicht mit den üblichen Krimi-Maßstäben gemessen werden kann.

 

Zusammen mit dem nicht mehr taufrischen Schlagerstar Teddy Marco bilden Herbie und Julius ein ziemlich schräges Trio, das ohne Fahrerlaubnis mit einem schrottreifen Wohnmobil zu dörflichen Auftrittsorten quer durch die Eifel tourt, von einer Unbill des Lebens zur nächsten und von einer Leiche zur nächsten. Und schon sind die Drei mitten im Stochern in Lebensgeschichten und deren Geheimnissen, geraten in Gefahren und entdecken ganz und gar Unglaubliches…

 

Dass der Autor Karikaturen zeichnet, also über eine Fähigkeit verfügt, mit wenigen Strichen und humorvoll auf den Punkt zu kommen, spürt man dem Buch an. Da wird keine Zeit verloren mit langwierigen Beschreibungen von Land und Leuten. Aktion und Kommunikation sind die Stilmittel, derer sich der Autor bedient. Und ich hatte oft das Gefühl, dass er beim Schreiben immer wieder selbst lachen musste über seine skurrilen Ideen oder über die (kursiv gesetzten) Einwürfe von Julius und über die sich immer schneller entwickelnde Geschichte. Ich fühlte mich von seinem Spaß angesteckt und las das Buch gerne mit viel Schmunzeln und durchweg guter Laune.

 

 

Lieber Ralf Kramp: Eines muss ich noch loswerden, denn mein Musikerherz hatte sich schmerzhaft gekrümmt beim Lesen Ihrer bzw. Teddys Behauptung auf S. 161, die Oper von Beethoven hieße Leonore! Die einzige von Beethoven geschriebene Oper heißt FIDELIO (das ist der sogenannte „Nickname“ von Leonore).

Katrin Burseg

In einem anderen Licht

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: List Hardcover

ISBN-13: 978-3471351406

 

 

Rabentrauer und Drachenpech

 

 

Ein Roman, der mich verzaubert und berührt hat.

 

Miriam funktioniert in ihrem Beruf als Journalistin für eine Hamburger Frauenzeitschrift und sie funktioniert als Mutter ihres kleinen Sohnes Max, aber in ihr sitzt unverarbeitete tiefe, tiefe Trauer um ihren Mann Gregor, der vor 2 Jahren in Ausübung seiner Tätigkeit als Fotograf in einem Krisengebiet  erschossen worden war. Wir begleiten Miriam bei ihren Vorbereitungen zur Verleihung eines Preises, bei dem es um Zivilcourage geht. Stifterin ist Dorothea Sartorius, zurückgezogen lebende reiche Reeders-Witwe, die sich vielseitig sozial engagiert. Aber es gibt auch einen verschwiegenen Teil politischer Vergangenheit im Leben dieser Frau, und Miriam wird durch allerlei Zufälle auf deren  terroristische Vergangenheit gestoßen.

 

Der klare, schnörkellose Schreibstil gefällt mir gut. Genauso klar wie die Sprache ist die Protagonistin selbst, in ihrem Schmerz ebenso wie in ihrer Profession. Überhaupt sind alle im Buch vorkommenden Menschen sehr farbig, lebendig und plastisch beschrieben. Ein besonders intensives Lesegefühl entstand bei mir immer dann, wenn Miriam ihrer Trauer begegnet. Gerade die leisen, gefühlvollen Stellen sind meiner Meinung nach die Stärken des Buches. Die Geschichte selbst ist an einigen Stellen leider unglaubwürdig, da zu viele Zufälle die Geschichte voranbringen sollen. Auch lässt mich der oberflächlich behandelte politische Hintergrund aus jüngster deutscher Vergangenheit in der hier im Buch dargestellten Art und Weise völlig kalt. Da aber die berührende Seite des Buches überwiegt, spreche ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus.

 

 

Rainer Löffler

Der Näher

Taschenbuch: 464 Seiten

Verlag: Bastei Lübbe

ISBN-13: 978-3404174546

 

 

Erschreckend, bizarr, Spannung pur

 

 

Was für ein Buch! Was für eine Spannung! Was für Grausamkeiten! Was für bizarre Ideen! Unfassbar!

 

Der Fallanalytiker Martin Abel aus Stuttgart sollte eigentlich nach seinem letzten gefährlichen Fall eine etwas ruhigere Kugel schieben, bis er wegen Personalmangel  in Gummersbach zur Unterstützung der dortigen Polizei bei neuen Ermittlungen um Hilfe gebeten wird. Zwei Frauen sind verschwunden. Eine tote Frau mit einem gerade geborenen toten Baby wird einbetoniert aufgefunden. Nachdem der Chef der Gummersbacher Polizei alles andere als kooperativ ist, fühlt sich Abel dazu berufen, mehr und mehr im Alleingang in den Fall einzutauchen. Und auf was er da stößt, entwickelt sich von Buchseite zu Buchseite mehr und mehr zu einem einzigen Albtraum.

 

Der Autor schafft es, in einer unglaublich intensiven Weise die Innenwelt eines Psychopathen zu schildern. Basierend auf einem sehr, sehr seltenen medizinischen Phänomen (es gibt entsprechende Fachliteratur dazu) entwickelt Rainer Löffler eine unfassbar spannende Story rund um eine schaurige psychische Fehlentwicklung. Genau die Tatsache, dass die Grundlage der Story nicht allein einer kruden Autorenphantasie entsprungen ist, macht das Buch noch intensiver. Für zart besaitete Leser ist dieses Buch nichts, aber es ist ein Muss für alle, die Lesegenuss mit atemloser Spannung verbinden.

 

Monika Held

Sommerkind

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

Verlag: Eichborn Verlag

ISBN-13: 978-3847906261

 

 

Herz-ergreifend

 

 

Ragna, ca. 40-jährig, schaut auf den Strand, sieht Familien mit ihren Kindern, fröhliches Treiben, bunte Wasserbälle. Plötzlich wird dieses reale Bild für eine Sekunde überlagert von einer „Schwarz-Weiß-Aufnahme“ eines Erinnerungsfetzens, den sie ihrem Leben nicht zuordnen kann. Dieser kurze Moment einer Erinnerung lässt Ragna nicht mehr los und sie beginnt, sich auf die Suche zu machen. Was ist in der Vergangenheit geschehen, was hat das mit ihr selbst zu tun? Auf der Suche nach Erinnerung begegnet Ragna vielen Menschen, meist sind es spröde Begegnungen, sperrig ist die Reise zurück und offen bleibt die Reise nach vorn.

 

Wie gehen Menschen, insbesondere Kinder, mit erlittenem Leid um, mit der Schuldfrage, mit der Frage nach Sinn und der unendlichen Suche nach Liebe? Ich könnte mir vorstellen, dass je nach persönlichem Hintergrund jeder Leser eine andere Frage entdeckt, einen anderen Zugang zum Buch findet. Das Buch ist so reich – und es gibt auch Antworten, ganz leise, subtile Antworten.

 

Für mich ist dieses Buch ein Kleinod! Was für eine feine Sprache! Was für eine feine Beobachtung, in feine, zarte Worte gefasst.  Die Autorin beschreibt mit dem „Bruegel-Blick“  - mit einer Liebe zum kleinsten Detail und mit Augen, die die gesehenen Bilder entweder zu Standbildern oder zu bewegten Bildern formen. Am liebsten würde ich Bild für Bild Wort für Wort wiedergeben, weil ich so verzaubert bin von der Wortmagie der Autorin. Verzaubert, ja, aber mehr noch er-griffen, gepackt von einer unendlich tiefen, namenlosen, sprachlosen Traurigkeit. Stumm geworden fühle ich mich von der Autorin unter Wasser gezogen. Tiefgang.

 

Was habe ich nicht alles aus diesem Buch gelernt. Geduld. Genaues Hinschauen. Still-Halten. Aushalten.

 

Und selten habe ich so viel gegoogelt wie beim Lesen dieses Buches. Weder kannte ich  die fulminanten, expressiven Bilder von Séraphine Louis noch so manche der angesprochenen Bücher.  Auch  war mir der amerikanische Fotograf Gregory Crewdson unbekannt. Entdeckung um Entdeckung machte ich, im Außen wie im Innen. Viel nachgedacht habe ich… Ein Buch zum Wieder- und Wieder-Lesen.

 

Colson Whitehead

Underground Railroad

Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

ISBN-13: 978-3446256552

 

 

Rassismus immer und überall

 

 

Hochgelobt, Pulitzer-Preis, National Award – das beeindruckt. Und es verpflichtet geradezu, das Buch großartig zu finden, seine Tiefe, seine Zeitbezüge, seine Eindringlichkeit zu loben. Wer das nicht tut, gibt sich eine literarische Blöße, hat das Buch nicht verstanden, ist ein Literatur-Banause. Nun denn….

 

Erzählt wird die Geschichte von  Cora, einer Sklavin auf den Baumwollfeldern Georgias, der mit Hilfe der Underground Railroad (im Buch fiktiv als unterirdische Eisenbahn bezeichnet) die Flucht gelingt. Quer durch Amerika begegnen ihr auf der Flucht weiterhin schlimmste Grausamkeiten. Die ersehnte Freiheit ist eine Utopie. „Als gäbe es auf der Welt keine Orte, wohin man sich flüchten konnte, sondern nur solche, die man fliehen musste.“

 

Die im Buch dargestellte schier endlose Aneinanderreihung an unsagbaren Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen angetan haben (auch Sklaven untereinander!), ist verstörend. Die einem Sachbuch ähnliche Darstellung, die Lakonie der Sprache, das Verdichten der gezeichneten Bilder lässt mich erschrecken, aber doch immer nur auf der Verstandesebene. Dass das Fantasy-Element des unterirdischen Zuges vorkommt, lässt leider  - sicher zu Unrecht - zweifeln an der historischen Glaubwürdigkeit des gesamten Romans.

 

Dieses Buch zu lesen, war für mich mühevoll, teils abstoßend, teils unglaubwürdig. Der lakonische Sprachstil, die nüchterne, reduzierte Erzählweise erreichten mich nicht. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass nicht nur Amerikas Sklaven der Brutalität in den Köpfen der Menschen ausgesetzt waren, sondern dass bis heute auf der ganzen Welt Feindbilder als Projektionsfläche für das Ausleben niederster und boshaftester Triebe dienen und der Mensch der größte Feind des Menschen ist. Daran wird auch dieses Buch nichts ändern, Pulitzer-Preis hin oder her!

 

Britta Sabbag

Die kleine Hummel Bommel und die Liebe

Gebundene Ausgabe: 32 Seiten

Verlag: Ars Edition

ISBN-13: 978-3845813233

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 4 - 6 Jahre

 

 

Eine Hummelrunde Kuscheln

 

 

 

Was für ein zauberhaftes Bilderbuch!

 

Das Hummelkind Bommel ist auf dem Weg zum Hummel-Kindergarten. Unterwegs trifft es einige ganz unterschiedliche Freunde, und Bommel fragt alle, was Liebe ist. Von der Marienkäfer-Großfamilie bis zur Stinkwanze mit einem Regal voller erpupster Pokale erhält Bommel viele, viele ganz unterschiedliche Antworten. Und erkennt am Ende: Liebe ist Liebe.

 

Die liebevollen Zeichnungen, auf denen es viele Details zu entdecken gibt, sprechen Kinder unmittelbar an. Und vermitteln ganz direkt, ganz ohne Text, einfach nur durch ihre Ausstrahlung, was Liebe ist.

 

Ein Bilderbuch, das man beim Gutenacht-Kuscheln immer und immer wieder anschauen und vorlesen sollte.

 

Moa Graven

Verliebt, verlobt, verdächtig

Ein Ostfrieslandkrimi

Verlag: cri.ki-Verlag, Leer

179 Seiten

ISBN: 978-3-945372-53-1

 

 

 Ein Buch-Häppchen für Zwischendurch

 

 

Dieser liebenswerte Ostfriesland-Krimi ist die ideale Lektüre, wenn es mal was Leichtes für Zwischendurch sein darf.

 

Eva Sturm wurde zu einer winzigen Polizeistation auf Langeoog versetzt, ein Job mit wenig Arbeit und viel Natur. An Jürgen, der das Touristik-Büro auf der Insel führt, findet sie einen verlässlichen Freund. Eva gewöhnt sich an das geruhsame Inselleben – bis sie eines Tages am Strand einen Ehering mit Inschrift „Maren“ und einem Datum findet. Auf der erst einmal erfolglosen Suche nach dem Besitzer führt sie ihr Weg bis nach Köln. Schließlich wird der Ring gestohlen – und echte Ermittlungsarbeit beginnt…

 

Moa Graven erzählt kurzweilig die durchaus spannend zu lesende Geschichte. Sympathische Hauptpersonen und die Prise Humor, die hinter jedem Winkel des Geschehens hervorlugt, ließen  mich das Büchlein gerne lesen. Am Ende des Buches hatte ich allerdings gewaltigen Hunger, denn so viele Restaurant-Besuche, wie Eva Sturm in dem geschilderten Zeitraum absolviert, unternehme ich das ganze Jahr nicht!

 

Barbero / Rieger

Melange der Poesie

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

Verlag: Kremayr & Scheriau

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3218010825

 

 

 

„Alleinsein in Gesellschaft“

 

 

Drama, Komödie, Slapstick – alles vereint im Gemurmel, im Geräusch klappernden Geschirrs, im Geruch frisch gemahlenen Kaffees und  dem Rascheln von Papierseiten, Rückzugsort, Zuhause, Wohlbehagen – so ist das Wiener Kaffeehaus, wie es Saskia Jungnikl im Buch beschreibt. Es ist eine Institution, dessen Geschichte bereits im 17. Jahrhundert beginnt und bis heute viele Generationen später nichts eingebüßt hat von seinem ganz besonderen, teils geradezu morbiden Charme.

 

Das vorliegende Buch nimmt den Leser und Beschauer mit auf eine Reise durch die Wiener Kaffeehäuser von A – Z, auf eine Tour durch Räume mit und ohne Stuck, mit und ohne Rauch, mit und ohne Literaten, aber immer besonders. Es  wird in geradezu lyrischer Weise von der Historie des jeweiligen Kaffeehauses erzählt und ein Autor / eine Autorin steht jeweils in Wort und Bild Modell. Die unglaublich intensiven Schwarz-Weiß-Fotografien lassen diese Räumlichkeiten, die scheinbar jenseits von Zeit und Mode existieren, spürbar, erfahrbar werden, indem sie oftmals die Gerade verlassen oder sich in Spiegeltiefen verlieren.

 

Ich war, nein, ich bin von der Vielfältigkeit dieses Buches, von diesem Schatzkästchen fasziniert. Es ist ein Buch, das man immer und immer wieder zur Hand nimmt und jedes Mal Neues entdeckt, einen anderen Blickwinkel vielleicht oder einen thronenden Kater oder Stühle, die an Wänden hängen.

 

Bertold Brecht sagte es so: „Wien ist eine Stadt, die um einige Kaffeehäuser herum errichtet ist, in welchen die Bevölkerung sitzt und Kaffee trinkt.“ Nach Lektüre des Buches weiß ich: Dem ist nichts hinzuzufügen…

 

Bastian Aue

Frei von der Seele

Taschenbuch: 128 Seiten

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN-13: 978-1546942153

 

 

Mag sein. Mag nicht sein.

 

 

Ein kleines, äußerlich sich bescheiden zeigendes Büchlein. Von einem Autor, der nicht unbedingt bescheiden ist. Denn er gibt uns Antworten aus einem „ganzheitlichen Bewusstsein“. Mag sein, mag nicht sein.

 

 

 

Auf jeden Fall handelt es sich um ein Sammelsurium von meist recht kurzen Gedanken zu unterschiedlichsten Themen und mit teils provokanten Titeln, wie z. B. „Jedes spirituelle Streben ist die Flucht vor dir selbst“ oder „Miese auf dem Konto – Befreiung von Schuld“. Bastian Aue serviert uns seine Sicht kurz und prägnant, sehr unaufgeregt, in Sätzen, die die Richtigkeit seines Denkens postulieren. Man muss nicht der Meinung von Bastian Aue sein. Aber Nachdenken über die Themen, über die Behauptungen, über sich selbst lohnt sich allemal. Der Autor empfiehlt den Umgang mit seinem Buch wie bei einem Bibel-Lotto: den Daumen wahllos eine Seite wählen lassen. Mir kam bei dieser Gebrauchsanweisung die Idee – so man gute, wirklich gute Freunde hat – mit diesen zusammen an einem gemeinsamen Abend ein auf diese Weise willkürlich gewähltes Thema miteinander zu bereden, einem Spiel gleich, locker, fröhlich, einander zuhörend.  Vielleicht bringt es einen weiter. Mag sein, mag nicht sein. Auf jeden Fall kann man gemeinsame Zeit schlechter verbringen als mit diesem Buch…

 

Matthias von Bornstädt

Kleine Giraffe in großer Gefahr

Taschenbuch: 48 Seiten

Verlag: Klett Lerntraining

ISBN-13: 978-3129494844

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 - 8 Jahre

 

 Liebevolle Geschichte

 

 

Kinder lieben Tiere. Und Kinder lieben ganz besonders Tiere mit ganz besonderen Fähigkeiten. Nachts im Zoo, wenn Besucher und Wärter in ihren Betten liegen.

 

Plötzlich Alarm!!! Das Giraffenbaby Flecki ist verschwunden! Sofort macht sich die Truppe der besonderen Tiere auf die Suche. Denn zusammen, mit ihren jeweiligen besonderen Fähigkeiten, sind sie mutig und stark.

 

 

 

Große Schrift und kurze Sätze, dazu die farbintensiven großflächigen Bilder sind ideal für Leseanfänger. Ab und zu sind kleine Informationen oder Fragen eingestreut, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Buch anregen. Besonders die am Ende aufgeführten Quiz-Fragen helfen, das Gelesene noch einmal zu vertiefen. Nicht zu vergessen die sehr, sehr schön gestaltete Internet-Seite des Verlages zum Thema, z. B. mit Vorlage für Tiermasken zum Selbstbasteln u. v. a.

 

 

 

Fazit: Ein kluges, anregendes, liebevolles und durchaus lehrreiches Buch für Erstleser, in dem Lesespaß und spielerisches Lernen ideal kombiniert sind.

 

Yvonne Hübner

Das Mädchen im schwarzen Nebel

Taschenbuch: 400 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN-13: 978-3839

 

 

Feuer und Kohle

 

 

 

Eigentlich bin ich sehr kritisch, was historische Romane betrifft. Entweder sind sie überfrachtet mit Fachwissen, was mich schnell langweilt, oder sie sind reine Fantasieprodukte ohne jeglichen sorgsam recherchierten Hintergrund. Von dem hier vorliegenden  Buch und seiner Autorin wurde ich jedoch absolut positiv überrascht!

 

 

 

Zwei Handlungsstränge werden wechselnd erzählt: Im Jahr 1813 in der Oberlausitz lernen wir die Zigeunerfamilie rund um die junge, etwas starrsinnige Rosana kennen. Mit Seiltanzen, Wahrsagen aus Karten, Handlesen und Feuerspucken verdienen sie sich durch die Gegend umherziehend ihren Lebensunterhalt. Im Winter kommen sie in einem festen Quartier unter, und zwar auf dem Hof des Braumeisters Oswald.

 

 1816: Hier begegnet uns der Köhler-Sohn Lorenz, der erstmalig ohne seinen Vater den eben neu aufgerichteten Meiler bewachen darf, zusammen mit zwei Köhlergehilfen. Nach einem exzessiven Besäufnis brennt der Meiler lichterloh. Eine Katastrophe! Und es kommt noch schlimmer – man findet im Meiler eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche. Natürlich fällt der Verdacht sofort auf Lorenz. Aber jetzt kommt Dr. Cornelius Waldeck ins Spiel, dieser sympathische Arzt, mit scharfer Beobachtungsgabe und präzise-folgerichtigem Nachdenken ausgestattet sowie mit einem Faible für die Gall’sche Gehirnlehre. Er glaubt nicht daran, dass Lorenz der Täter ist und macht sich eigenständig auf Spurensuche.

 

 

 

In einer sehr schönen, leicht altertümelnden Sprache wird uns ein durchaus spannender Krimi erzählt, der anhand lebendig und sympathisch gezeichneter Protagonisten gut lesbar ist. Bis zu den letzten Seiten und der endgültigen Aufklärung bleibt die Spannung erhalten. Was an historischen Details auftaucht, ist sorgsam recherchiert. Interessant, was ich z. B. über die Handlesekunst erfuhr, oder wie schwierig es ist, einen Meiler zur Holzkohlegewinnung richtig zu bauen. Auch sind die Lebensumstände der Zigeuner zu dieser Zeit wunderbar eindrücklich geschildert und machen das Buch zusammen mit den Schilderungen der Landschaften zu einer die inneren Bilder anregenden und spannenden Lektüre.

 

 

 

Fazit: Ein historischer Krimi, den ich sehr unterhaltsam fand und den ich gerne weiterempfehle, weil er neben Spannung und farbig erzählter Zeitgeschichte Verständnis weckt für Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen (stehen?). Nicht umsonst ist mir dieses Buchzitat eindrücklich in Erinnerung geblieben:

 

„Wenn die Leute nicht viel wissen, lach nicht über sie, denn jeder von ihnen weiß etwas, was du nicht weißt.“

 

 

 

Stefan Barz

Nimmerwiedersehen

Taschenbuch: 270 Seiten

Verlag: KBV

ISBN: 978-3954413645

 

 

Freude am unbeschwerten Lesen

 

 

Manchmal tut es gut, ein Buch zu lesen, das ohne Ballast daher kommt. Das man einfach so wegliest und seine Freude daran hat. Weil es unterhält. Weil es ablenkt. Weil es lange Stunden abkürzt. Stefan Barz kann das, leicht, locker, unterhaltsam schreiben, ohne seicht zu sein.

 

Ein Klassentreffen in der Eifel, 20 Jahre nach dem Abitur und 20 Jahre nach einem schrecklichen Ereignis, bei dem ein Mitschüler zu Tode kam. Cornelius, dessen bester Freund der Tote war, fährt zum Klassentreffen in der festen Überzeugung, dass es sich damals nicht um einen Unfall gehandelt hatte, sondern um Mord. Er will den Täter im Rahmen dieses Treffens dazu bringen, die Tat zu gestehen. Doch Cornelius wird noch in der Nacht tot aufgefunden. Mit einer Heugabel brutal erstochen! Und ein weiterer Teilnehmer des Klassentreffens verschwindet. 

 

Das Ermittlerteam Wagner und Grimberg ist sich nicht besonders grün. Wagner als alter Hase schaut überheblich auf den jungen Grimberg herab, der so einige dumme Sprüche ertragen muss. Und doch ist es gerade Grimberg, der letztlich einen entscheidenden Gedanken hat, der zur frappierenden Aufklärung führt.

 

Wenn man es erst einmal geschafft hat, die vielen Namen, die bereits am Anfang auf den Leser einprasseln, sozusagen das Who is Who, zu sortieren, kann man sich ganz entspannt dem Buch hingeben. Denn der Autor leitet uns sehr sicher durch die Wirrnisse der Ermittlungen bis hin zu lange zurückliegenden Ereignissen. Es wird nicht viel Wortmalerei betrieben, es wird nicht viel beschrieben in diesem Buch. Vielleicht wird mal eine Beatles-Frisur erwähnt oder das Tragen eines Kurzmantels, aber viel mehr an Äußerlichkeiten erfährt man nicht. Die Protagonisten bleiben der Phantasie des Lesers überlassen. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein, mich persönlich hat es überhaupt nicht gestört. Denn das Buch gewinnt seine Lebendigkeit und Spannung durch das reine Erzählen dessen, was geschieht, durch die Gespräche und Interaktionen. Und ich halte es für eine ganz besondere Stärke des Autors, sich zwar zu beschränken auf das reine Geschehen, aber dennoch im Kopf des Lesers sehr genaue Bilder entstehen zu lassen.

 

Ein klarer, durchgehend spannender Krimi ohne Schnörkel, in einem Rutsch zu lesen!

 

Arturo Pérez-Reverte

Der Preis den man zahlt

Gebundene Ausgabe: 295 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458177197

 

 

 

Männerphantasien

 

 

Gibt es so etwas wie „Männer-Bücher“? Unter Frauenbüchern sammelt sich ein klar umrissenes Genre, aber der Bereich Männerbuch ist mir so (außer in Bahnhofsbuchhandlungen unter dem Kassentisch) noch nicht begegnet. Das hier vorliegende Buch würde ich allerdings uneingeschränkt als Männerbuch bezeichnen! Denn mir als Frau hat das Buch nichts gegeben außer Kritik.

 

Wir befinden uns im Jahr 1936 in der Zeit des Spanischen Bürgerkrieges, wobei das Buch keinerlei Hintergrundinformationen zu der politischen Lage gibt. Da ich wenig bis gar nichts über die verworrenen Verhältnisse im Spanien von damals wusste, war ich gezwungen, mir einige wenige Informationen über das Internet zu holen, was ich mir jedoch, wie ich im Nachhinein weiß, hätte sparen können. Denn das politische Durcheinander bildet für das Buch nichts weiter als eine dekorative Kulisse.

 

Die sehr vordergründige Geschichte erzählt von Falcó, einem für den Geheimdienst arbeitenden Spion. Wobei er keiner eigenen Überzeugung folgend handelt, sondern stets auf Auftrag. Die politische Richtung scheint ihm gleichgültig zu sein. „Sind wir dafür oder dagegen?“ fragt er bei Befehlsempfang. Er ist unsäglich eitel, umgibt sich mit so vielen hochwertigen Markenartikeln, dass man sich beim Lesen fragt, ob der Autor Geld für die viele eingestreute Werbung erhält. Falcó ist ein Charmeur und ein gnadenloser Killer gleichermaßen. Selbstverständlich sinken ihm die Frauen widerstandslos in die Arme, während Falcó trinkend, rauchend und Tabletten schluckend einen merkwürdigen Verschnitt der alten Schwarz-Weiß-Agenten aus Hollywood abgibt.  Erst als er anhand eines neuen Auftrages eine Kollegin namens Eva zur Seite gestellt bekommt, scheint Falcó im Verlauf der Geschichte aus seiner kalten Gleichgültigkeit zu erwachen…

 

Der farbig-eindrückliche Schreibstil lässt die jeweilige Atmosphäre, die handelnden Menschen und deren Umgebung recht hautnah erleben. Das ist aber auch in meinen Augen die einzige Stärke des Buches. Es gibt wenig Spannung, es gibt wenig zeitgeschichtliche Informationen, es gibt wenig logisch nachvollziehbare Handlung, es gibt insgesamt überhaupt wenig Glaubwürdiges – es  gibt einfach von allem zuwenig, um auch nur ansatzweise in die Nähe dessen zu kommen, was der Verlag verspricht. Eher kommt mir das Buch vor, als habe ein alternder Mann sich selbst ein Märchen erzählt… Die angekündigten Fortsetzungen rund um Falcó werde ich jedenfalls mit Sicherheit nicht lesen!

 

Kaspar Panizza

Teufelskatz

Taschenbuch: 246 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN-13: 978-3839221464

 

 

 

 

Witzig verpackter Ernst

 

 

Das Vorgängerbuch „Saukatz“ war mir nicht bekannt. Insofern hatte ich nun im vorliegenden Buch meine erste Begegnung mit Kommissar Steinböck und seiner Katze Frau Merkel. Und was soll ich sagen: Ich liebe sie beide. Und nicht nur die.

 

Ein ehemaliger Priester wird ermordet. Und ein Abschiedsbrief taucht auf, geschrieben von einem sterbenden Pfarrer, der, um sein Gewissen zu erleichtern, das Beichtgeheimnis brechen will. Dann wird auch noch der an zunehmender Vergesslichkeit leidende Erzbischof entführt. Da sind Kommissar Steinböck und sein Team ziemlich gefordert, neben Weißwurscht und Butterbrezn noch genug Zeit zu finden, um sich in die Ermittlungen zu stürzen. Immer mehr skurrile Figuren bevölkern das Buch. Frau Merkel mischt sich mit ihren spitzen Bemerkungen ständig ein und lässt sich mit den Pastafaris ein.  Kommissar Steinböck muss nun auch noch zum Polizeipsychologen, natürlich in Begleitung von Frau Merkel. Ganz schön viel los…

 

Das Thema Vergewaltigung und Missbrauch unter dem Schutzmäntelchen der katholischen Kirche ist das im Hintergrund stets präsent bleibende ernste Thema. Der Autor schafft meisterhaft die Gratwanderung zwischen Ernst und Witz. Es ist ihm gelungen, ein urkomisches Buch geschrieben zu haben, ein Buch, das nur so strotzt von witzigen Einfällen, von humorigen bis urkomischen, bayerisch angehauchten Gesprächen und Situationen und hinterkünftiger Satire, ohne dass das zugrunde liegende Thema des Missbrauchs je ins Lächerliche gezogen wird. Allein dafür gebührt ihm größte Anerkennung. Was ihn aber so unvergleichlich, so grandios macht, ist seine unnachahmliche Gabe, skurrile Typen auf eine derart  liebenswerte Weise und mit viel schlauem Witz darzustellen, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt und immer mehr und mehr lesen möchte. Große Kunst ist das für mich: Mit leichter Feder Schweres zu erzählen.

 

Skalecki/Rist

Frostkalt

Taschenbuch: 280 Seiten

Verlag: Gmeiner-Verlag

ISBN-13: 978-3839221563

 

 

Eine wahrlich schmackhafte Krimispeise

 

 

 

Winter in Bremen:

 

Zwei konkurrierende Bäckerbrüder, ein ausgesetztes Baby mit zwei möglichen Vätern, mit Pestiziden verseuchte Rosinen, ein durch eine Nussallergie ausgelöster Tod eines Kindes, eine versuchte Erpressung und zwei Morde, mit der gleichen Mordwaffe durchgeführt, eine Jugendliche, die brutal zusammengeschlagen wird – es geschieht sehr viel in diesem Buch, und so sind Kommissar Hölzle mit gemütlichem schwäbischen Sprachductus und seine Kollegen vollauf beschäftigt, mit Hilfe regelmäßiger Nahrungsaufnahme und kollegialen Neckereien der ernsthaften Ermittlungsarbeit nachzugehen – bis zur völlig überraschenden Aufklärung.

 

 

 

Bevor ich noch so wirklich mit dem Lesen begonnen hatte, war ich schon hingerissen vom Buch. Zum einen wegen des Personenregisters. Da ich meist mehrere Bücher nebeneinander lese, ist mir solch ein Register, wenn es denn vorhanden ist, eine ganz große Hilfe, um nicht die Orientierung zu verlieren. Und dann diese wunderbare Umdichtung des Liedes „Morgen kommt der Weihnachtsmann…“ in „Morgen kommt der Sensenmann…“.  Eine bessere Einstimmung in den Krimi könnte ich mir gar nicht denken.

 

 

 

Die beiden Autorinnen verstehen es ganz großartig, erfrischend lebendige und spannende Elemente zusammenzurühren und das Ganze mit einer Prise Humor zu würzen. Als Zuckerl gibt es dazu den schwäbischen Slang des Kommissar Hölzle. Eine ganz leckere Krimispeise!  Sehr genehm für die Leser ist, dass die Ermittler relativ entspannt, ohne Zickereien, aber stets hungrig ihrer Arbeit nachgehen. Ein mehrschichtiger Plot lässt erst gegen Ende beim Leser Vermutungen aufkommen, sodass die Spannung nie abreißt.

 

Wie schön, so ein kurzweiliges, gleichbleibend spannendes Buch entdeckt zu haben. Herr Hölzle hat an mir einen neuen Fan gewonnen!

 

 

Tatjana Kruse

Der Gärtner war’s nicht

Taschenbuch: 316 Seiten

 

Verlag: Insel Verlag

 

ISBN-13: 978-3458362654

 

 

 

 

 

Lachmuskel-Training

 

Konny und Kriemhild, zwei sehr ungleiche Zwillingsschwestern und knapp über 60, führen eine Frühstücks-Pension, in die sich selten ein Gast verirrt. Und so hat letztlich Amenhotep, der Nacktkater des Hauses, das Sagen. Weiterhin zum Haus gehörend ist Herr Hirsch, der nach einem Schlaganfall als Aphasiker zwar regen Anteil am Geschehen nimmt, aber in seinen Einzelwortäußerungen stets ziemlich daneben liegt.  Seine große Liebe gehört einem Aufsitzrasenmäher, auf dem er herumfährt, ohne je zu mähen. Diese Idylle ändert sich schlagartig, als – Jackpot! – sich eine Gruppe von Musikern in der Pension einfindet und mit ihren veganen Essenswünschen und Wesenssonderlichkeiten besonders Kriemhild in ihren Zuständigkeitsbereichen an die Grenzen bringt.  Als dann noch ein Toter mit zu Brei gefahrenem Kopf vor der Haustür liegt, packen Konny und Kriemhild alle Raffinesse und Schnüffellust aus…

 

Schon der Plot allein vermittelt in etwa, dass wir es bei diesem Buch mit einem sehr, sehr schrägen, skurrilen Inhalt mit sehr, sehr schrägen und skurrilen Protagonisten zu tun haben. Also keinesfalls ein Buch für den „klassischen“ Krimi- oder Thriller-Leser, davor sei eindringlich gewarnt. Es ist ein Buch für Leser, die Lust auf herzhaftes Lachen haben, die sich Seite um Seite überraschen lassen wollen, mit welchem Wortwitz und Ideenreichtum die Autorin uns gute Laune macht, und das vom ersten Satz an. Und natürlich das allerbeste Geschenkbuch für liebe Freundinnen, sei es zur Aufmunterung oder sei es zum gemeinsamen Lesen und Lachen. „Die Welt wäre schöner, wenn Mücken Fett statt Blut saugen würden.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!

 

Britta Sabbag

Fritzi Klitschmüller

Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

Verlag: Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH

ISBN-13: 978-3522505406

 

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 10 Jahre

 

 

Absolut kindgerecht

 

Mit diesem Buch bekommt man auch Lesemuffel an die Buchstaben, garantiert!

 

Fredericke alias Fritzi wünscht sich nichts sehnlicher als ein Skateboard. Aber was bekommt sie an ihrem 9. Geburtstag geschenkt: ein von der Mutter selbst genähtes Prinzessinnenkleid. Die Enttäuschung könnte gar nicht größer sein! Da hilft nur noch eines: es muss ein ganz geheimer Geheimplan her. Wenn da nicht noch zwei Personen des Grauens die Ferientage von Fritzi mit Rote-Bete-Alarm erschweren würden. Aber der neu zugezogene Nachbarjunge Thies erweist sich zunehmend geeignet, den geheimen Geheimplan mit zu gestalten.

 

Dieses Kinderbuch ist wirklich eines! Kein albernes, pseudolustiges, bisschen erzieherisch gewolltes Buch für Kinder, sondern ein lebensnahes, richtig lustiges Buch mit einer sympathischen Familie und einer besonders sympathischen Hauptfigur, die trotz aller Enttäuschung etwas sehr Positives ausstrahlt, nicht klein beigibt, sondern für die Erfüllung ihres Wunsches kämpft. Dazu die wunderbar gelungenen Zeichnungen - perfekt!

 

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