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Stephan Talty

Black Hand

 

 

·         Broschiert: 318 Seiten

·         Verlag: Suhrkamp Verlag

·         ISBN-13: 978-3518469248

·         Originaltitel: The Black Hand: The Epic War Between a Brilliant Detective and the Deadliest Secret Society in            American History

 

 Filmreif

 

Was ist dieses Buch? Ein Sachbuch? Ja, durchaus. Ein langweiliges Sachbuch?  Nein, ganz im Gegenteil. Also eher ein Thriller? Ja, genau das, ein Sachbuch-Thriller. Und was für einer!

 

New York City Anfang des 20. Jahrhunderts: ein Ort, in dem das Verbrechen herrscht. Der Alltag besteht aus den Anschlägen, Entführungen und Erpressungen, verantwortlich dafür die Organisation Black Hand. Und dann erfahren wir von Joseph Petrosino, einem italienischen Detective mit knallharten Methoden. Wir erfahren von den Anfängen der amerikanischen Mafia und wir erfahren von einem unerschrockenen Helden, der es wagte, sich der Mafia entgegegenzustellen. Petrosino, ein Einwandererkind, kannte von früh an Prügel und Hunger. Aber sein Wille, nach oben zu kommen, war ungebrochen. Und so arbeitete er sich vom Schuhputzer und Müllmann hoch, bis er einen Job bei der Polizei bekam und schließlich seinen unglaublich mutigen und raffinierten Kampf gegen die Mafia aufnahm.

 

Das Buch ist sehr, sehr packend geschrieben. Packend zum einen durch das Thema, denn dass die Mafia New York in fester Hand hatte, war mir bislang völlig unbekannt. Und packend durch den Schreibstil des Autors. Er erzählt so lebendig, dass man das Elend, den Dreck und den Gestank in den Straßen von New York zu jener Zeit geradezu körperlich spürt und riecht. Mitreißend wird uns das Leben von Petrosino nähergebracht, wir erleben seinen unermüdlichen Versuch, Einwanderer und Amerikaner näherzubringen und des Bösen Herr zu werden. Kein Wunder, dass die Geschichte von Petrosino verfilmt wird, denn dieses Buch hat alles, was sein fesselnder Film auch haben sollte: Intensiv-Bilderreiches Erzählen einer außergewöhnlichen Geschichte.

 

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Judith Stoletzky, Lutz Geißler

Ca. 750 g Glück

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 100 Seiten

·         Verlag: Becker Joest Volk Verlag

·         ISBN-13: 978-3954531592

 

Brotteig als Lebenslehrer

 

Ein Buch, das mich mehrfach in die Irre geführt hat! Zuerst dachte ich bei oberflächlicher Betrachtung des Titels, es handele sich um die Geschichte eines Frühgeborenen. Total falsch! Als ich dann im Untertitel das Stichwort Brotbacken las, ging ich von einem Backbuch aus. Wieder falsch!

Die Gestaltung des Covers in seiner reduzierten Weise wird dem Buchinhalt leider nicht gerecht, weder was den Informationsgehalt noch den Werbeauftrag betrifft. Und er weckt falsche Erwartungen. Das ist sehr schade, denn dieses Buch ist ein kleines Kunstwerk. Ein literarisches Kleinod. Ein Immer-wieder-Lesebuch. Eine philosophische Abhandlung über die anzustrebenden menschlichen Tugenden wie Mut, Liebe usw. bis hin zu Dankbarkeit und Teamgeist. Ein Lehrstück, wie uns der Sauerteig in seiner eigenwilligen Art und Weise so vieles über das Leben beibringen kann. Das mag für den einen oder anderen vielleicht fragwürdig oder überhöht sein, insbesondere wenn sogar Rainer Maria Rilke bemüht wird.  Mir persönlich haben die intelligenten und außerordentlich vergnüglichen Gedankengänge und die fast lyrisch in Worte gesetzte Begeisterung für  das Brotbacken als solches sehr gut gefallen. Die unscharfen Fotos, mit einer analogen Kamera gefertigt und sich wohl als Kunst verstanden wissen wollend, fand ich als Beiwerk zum brillanten Text leider gar nicht künstlerisch, sondern geradezu schäbig. Und ja, ein (!) Rezept ist im Buch dann doch enthalten, allerdings für den backwilligen Neuling mit viel zu wenig hilfreich-unterstützenden Informationen. 

Das Buch wäre meiner Meinung nach dank seines großartigen Textes ein wunderbarer Geschenkband für Menschen, die ein Faible haben für selbstgebackenes Brot. Leider ist die gesamte Aufmachung alles andere als geschenktauglich. Sehr, sehr schade!

 

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Felipe Fuentes Cruz

Alle lieben Tacos

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

·         Verlag: Hölker Verlag

·         ISBN-13: 978-3881171939

 

 

 

Sehr, sehr bunt

 

 

 

Mit Tacos hatte ich bislang keinerlei „Ess-Erfahrungen“, muss ich zugeben. Insofern war ich besonders neugierig auf dieses Buch und seine Anregungen rund um das Thema Tacos.

  

Schon das Cover und die Gesamtgestaltung des Buches strahlt Lebensfreude aus, bunte Vielfalt, Lebendigkeit, Lust am Leben und am Essen. Ein wenig ungewohnt vielleicht, das mexikanisch bunte Vielerlei. Jede Rezeptseite hat eine andere kräftige Farbe, dazu bunte Food-Fotos auf bunten Tellern und bunte graphische Spielereien dazwischen.

  

Sehr klein zwar, aber überaus hilfreich, sind ganz zu Anfang die Hinweise auf alternative Zutaten, denn genau die in den Rezepten angegebenen Zutaten sind das eigentliche Problem des Buches. Ich lebe in einer Kleinstadt mit einem überschaubaren Lebensmittel-Angebot. Es ist also unmöglich, an Chipotle-Sauce zu kommen oder an Queso Fresco oder an Habanero-Chilischoten usw. Also bleibt nur, die Rezepte so gut es geht mit dem in unserem Ort vorhandenen Warenangebot umzusetzen. 

 

Die Rezepte sind sehr gut und ausreichend ausführlich beschrieben. Auch Verarbeitungs-Details, die in anderen Kochbüchern mitunter vorausgesetzt werden, sind aufgenommen, sodass das Nachkochen ohne Schwierigkeiten möglich ist. Sehr positiv ist mir auch aufgefallen, dass bei jedem Rezept die geschätzte Personenzahl, für die die Rezeptmenge ausreichend ist, dabei steht. Was mir persönlich jedoch fehlte, sind Zeitangaben, d. h. wieviel Zeit benötigt das Herstellen einer Salsa de pina insgesamt.

 

Ich habe die Tacos de tinga de pollo nachgekocht, da mir One-Pot-Gerichte generell gut gefallen, allerdings ohne Chipotlepaste (da bei uns nicht erhältlich), habe stattdessen eine handelsübliche Chili-Sauce genommen. Das Rezept ist nichts für die schnelle Küche, aber der Geschmack war ganz großartig. Auch das Rezept Tacos de huevos y jamon ist mir gut gelungen, wobei mir auch hier der Arbeitsaufwand für ein Frühstück zu groß war. Wir haben die Tacos lieber als sattmachendes Abendessen gegessen. 

 

Das Buch enthält von Häppchen über Fisch über Vegetarisches, Salate, Desserts bis hin zu Drinks eine gelungene Mischung von meinem Gaumen nicht vertrauten Geschmackserlebnissen. Weil mir die beiden ausprobierten Rezepte gut gelungen sind, werde ich, um weitere Rezepte nachkochen zu können, bestimmte Zutaten über das Internet bestellen. Auf jeden Fall macht das Buch Lust auf Experimente!

 

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Karin Heimberger-Preisler

Flower Ladies

 

·         Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

·         Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

·         ISBN-13: 978-3421040916

 

 

Wunderschön und inspirierend

 

 

 

 

Die recht konventionelle Gestaltung des Covers sowie Titel und Untertitel wirkten auf mich nur mäßig interessant. Ich ging davon aus, dass ich die Lebensläufe von ein paar Floristinnen zu lesen bekäme, wie man es auch von Zeitschriften her kennt. Als ich das Buch jedoch aufschlug, war ich bereits von der Schönheit des allerersten Fotos auf Seite 2 so fasziniert, dass ich begann, mich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen. 

 

Die Liebe zu Menschen und zu Blumen hat die Autorin Karin Heimberger-Preisler zu der Idee gebracht, aus ihren bevorzugten Instagram-Accounts den dahintersteckenden Frauen nachzuspüren, sie zu besuchen, zusammen mit der genialen Fotografin Wei Ling Khor. Sie reisten einen ganzen Sommer lang durch die Lande und ließen sich zuhörend und fotografierend faszinierende, beeindruckende Lebensgeschichten erzählen. Wir lernen zum Beispiel Olga, die Blumenweberin, kennen, Veselka, die Pflanzen-Stickkünstlerin oder Florence, die ungewöhnliche Blumensträuße in Jutemäntelchen verpackt mit dem Fahrrad ausliefert. Jede der 20 vorgestellten Frauen hat einen besonderen Zugang zu Blumen, zu Pflanzen, zur Natur und hat einen jeweils ganz individuellen Weg gefunden, aus ihrer Leidenschaft eine berufliche Basis zu schaffen. Der Autorin ist es gelungen, die einzelnen Persönlichkeiten, ihren Werdegang und ihr Umfeld äußerst lebendig und sympathisch darzustellen. Jedes Porträt endet mit einem besonderen Expertinnen-Tipp, zum Beispiel zum richtigen Sträuße-Binden oder Hilfen für wirkungsvolle Blumenfotografien und vieles mehr.

 

Was dieses Buch zu einem wirklichen Kleinod macht, sind in Ergänzung zu den interessant zu lesenden Texten die großartigen Fotos von Wei Ling Khor. Sie ist eine wahre Künstlerin! Ihr gelingt es, sowohl die einzelnen Geschäftsfrauen in ihrer lebendigen Kreativität darzustellen als auch in einmalig schönen Fotos von Blumen-Arrangements, die teilweise wie Gemälde aus dem 17. Jahrhundert wirken, die Liebe zu Blumen und Pflanzen in den Mittelpunkt zu rücken.

 

Ein wunderschönes inspirierendes Buch, das Mut zur eigenen Kreativität macht.

 

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Dagmar Steffen

Lust auf Landleben

 

 

 ·         Gebundene Ausgabe: 192 Seiten

 ·         Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt

 ·         ISBN-13: 978-3421041012

  

Zum Träumen schön

 

 

Wer schaut nicht gern in fremde Häuser, verstohlen oder offenkundig? Und wer träumt nicht davon, ein naturnahes Refugium zu besitzen, in dem Ruhe und Beschaulichkeit den Gegenpol bilden zu unserer Alltagshektik?

 

Für solche Träume bietet das vorliegende Buch vielfältige Einblicke. 12 Landhausbesitzer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, haben der Autorin Dagmar Steffen und dem Fotografen Christian Burmester ihre Türen geöffnet, und wir dürfen uns umsehen. Vom skandinavischen Holzhaus über eine holländische Mühle bis hin zu einem Holz-Wohnwagen – Vieles gibt es zu entdecken in diesem Buch. Es lohnt sich, sich ganz in Ruhe zu vertiefen in die individuellen Umsetzungen zum Thema Landleben. Es lohnt sich davon zu lesen, wie das gekaufte Haus, die Scheune, die Ruine mit den ganz eigenen Gegebenheiten und Forderungen die neuen Besitzer herausforderte, bis es zu dem wurde, was sich uns neugierigen Zaunguckern offenbart.

 

Nicht alle Häuser gefallen. Nicht alle Einrichtungen gefallen. Manches wirkt zu künstlich arrangiert, zu geschönt drapiert. Den Fotos hätte ich mitunter etwas mehr lebendiges, echtes Leben gewünscht.  Dennoch faszinieren die Einblicke und vor allen Dingen die Vielfalt an gezeigter Individualität. Im Zustimmen oder spontanen Ablehnen erfahren wir ganz genau, wie wir selbst am liebsten leben würden.

 

Außerordentlich schade finde ich, dass bei keinem einzigen der vorgestellten Landhäuser zumindest in einem einzigen Foto der Urzustand des Hauses gezeigt wird. Man hätte bei einem Vorher-Nachher-Vergleich noch sehr viel mehr die Leistung der Besitzer bzw. Bauherren würdigen können. Damit und mit Fotos von Teil-Bauabschnitten hätte man einen guten Bogen schlagen können zum Adressen-Anhang, der leider nur fragwürdig nützliche Kürzest-Tipps enthält und eher wie eine Anhäufung von Werbespots wirkt.

 

Dennoch macht es Spaß, sich schauend und lesend in die Lebenswelt anderer Menschen einzufinden, die mit Ideenreichtum und viel Hingabe ihren Traum vom Landleben gestaltet haben.

 

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Dörthe Binkert

Freundinnen

 

·         Gebundene Ausgabe: 160 Seiten

·         Verlag: Thiele & Brandstätter Verlag

·         ISBN-13: 978-3851794021

 

 

Hochwertig in Ausstattung und Inhalt

 

 

„Besuche deine Freunde oft, sonst wächst der Weg zu.“ (Sprichwort)

  „Beziehungsneugierige Leserinnen“ wünscht Verena Kast diesem Buch. Besser könnte man es nicht ausdrücken, denn die Beziehung zwischen Freundinnen ist so vielfältig, wie Menschen vielfältig sind. Der vorliegende Bildband zeigt diese Vielfalt auf beeindruckende Weise.

 

Schon das Äußere des großformatigen Buches besticht. Das Cover zeigt das Gemälde „Al Fresco Tea“ von Lawton S. Parker, einem amerikanischen Maler des Impressionismus, und es hat eine hinreißende Wirkung auf mich. Ein unbeschwerter Sommertag, flirrendes Sonnenlicht, das durch die Blätter fällt, im Halbschatten unter Bäumen Zweisamkeit genießen, sich erzählen und von Zukunft träumen… Genau so stelle ich mir das ideale Freundin-Treffen vor, leicht und voller „Zeitwohlstand“, wie Verena Kast in ihrem klugen Vorwort es nennt,  wenn Freundinnen Zeit haben füreinander. Der Fliederton im Bild setzt sich im Buch fort. Einfach nur schön. Seit vielen Wochen steht das Buch quer in meinem Bücherregal, und bei jedem Vorbeigehen erfreue ich mich an dem wunderbaren Cover.

 

Auch der Inhalt des Buches ist hochwertig. Nicht nur der großartige Beitrag von Verena Kast, der Grande Dame der Jung’schen Psychoanalyse, beleuchtet das Thema Freundschaft unter Frauen in umfassender Weise. Dörthe Binkert gelingt eine zusätzliche Dimension: Sie schlägt einen großen Bogen von der ersten Freundin über die beste Freundin, über die erotische Komponente in Frauenfreundschaften bis hin zur alle Schwierigkeiten überdauernden vertrauensvollen Verbindung. Und diesen großen Bogenschlag untermalt sie im wahrsten Sinne des Wortes mit einer unglaublichen Fülle an Gemälden aus den verschiedensten Epochen. Sie knüpft anhand der Bilder faszinierende Gedankenfäden. Und genau diese Verknüpfung macht den Reichtum des Buches aus. Die Texte lesend erschließen sich mir die Gemälde auf neue Weise, und die Gemälde betrachtend erschließen sich mir die Texte in größerer Tiefe. Das Buch endet mit dem russischen Sprichwort: „Wer sich keine Zeit für seine Freunde nimmt, dem nimmt die Zeit die Freunde.“ Nehmen Sie sich Zeit – auch für dieses wunderbare Buch!

 

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Christian Ankowitsch

Die Kunst einfache Lösungen zu finden

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Berlin

·         ISBN-13: 978-3737100106

 

 

Besonders empfehlenswert!!!

 

  

Meine Güte, ist dieses Buch gut!

 

 Als ich meine Rezension zu schreiben begann, stellte ich fest, dass sie wie eine Werbebotschaft des Verlags klingt, wie eine geradezu marktschreierische Werbung. Und doch wollte ich nur meiner uneingeschränkten Begeisterung Ausdruck verleihen, mit einem gewissen Überschwang zugegebenermaßen.

 

Meine Güte, ist dieses Buch gut! Jedem, wirklich jedem möchte ich zurufen: Lesen Sie dieses Buch!  Egal wer Sie sind, wie alt Sie sind, ob Sie viel oder wenig lesen, ob Sie Probleme haben oder nicht – lesen Sie dieses Buch! Es wird Sie erheitern, es wird Sie erstaunen. Und es wird Ihnen Gewinn bringen, es geht gar nicht anders, denn der Buchinhalt bleibt im Sinn. Passagen, die für Sie wichtig sind, bleiben wie Kaugummi in Ihren Gedanken kleben, es gibt keine Chance des Entkommens.

  

Steve de Shazer war Psychotherapeut und entwickelte auf der Grundlage von Milton Erickson die lösungsorientierte Kurztherapie. Auf de Shazer, Watzlawick und auf andere kluge Menschen bezieht sich der Autor und holt aus ihren Werken jeweils das Beste und Eingängigste hervor, um es dank seines eigenen Wissens und Denkens zu einem Buch höchster Wirksamkeit zu verdichten.

 

Alles hängt mit allem zusammen. Wenn wir das verstanden haben, wird uns klar, weshalb bereits kleinste Interventionen unser Problem- oder Streitgefüge massiv stören können. Unscheinbar sind die Lösungsmöglichkeiten, es fehlt ihnen an jeglichem Drama, und das macht sie irgendwie geradezu unbeliebt. Denn mein Problem ist ein großes Drama, da kann der Lösungsweg nicht einfach so um die Ecke kommen, so harmlos, so nebenbei… Und wenn wir dann weiter noch verstehen, dass unser persönliches Weltbild eine ganz und gar subjektive Konstruktion ist, erahnen wir bereits nach wenigen Buchseiten, dass das, was wir persönlich zum Problem erklären, ein ebenso subjektives Empfinden ist. Meist agieren wir in unserem persönlichen „Theater des Bewusstseins“, ohne seine Subjektivität zu erkennen, und definieren die Mitspieler, die sich nicht an unser Drehbuch halten, als Problem, an dem es gilt sich abzuarbeiten. Christian Ankowitsch reicht uns in seinem Buch einen ganzen Schlüsselbund zum Knacken unserer persönlichen Problemschlösser. Und das macht er auf beeindruckende Weise, mit großem fachlichem Hintergrundwissen (23 Seiten kleingedruckte Anmerkungen!). Er schreibt nicht wissenschaftlich-verstiegen, sondern menschennah, geradezu freundschaftlich, und vor allen Dingen mit entlarvend-intelligentem Humor. Er setzt uns Lesern sehr kurzweilig Problemlösungen in appetitlichen Häppchen vor, so verlockend angerichtet, dass wir ihm nach wenigen Seiten bereits aus der Hand fressen.

 

Probieren Sie es aus!

 

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Mirjam Beile

Brot backen mit Emmer, Einkorn & Co. im Brotbackautomaten

 

 

·         Taschenbuch: 124 Seiten

·         Verlag: Verlag Eugen Ulmer

·         ISBN-13: 978-3800133871

 

 

 

Habe viel gelernt

 

 

Ehrlich gesagt: Ich wusste mit dem Begriff „Urgetreide“ nicht viel anzufangen. Dieses Buch hat mich jedoch sensibel gemacht für Geschmack und Wertigkeit ganz alter Getreidesorten. Erstaunt war ich, wie gut inzwischen sogar größere Lebensmittelläden mit Mehlen aus Urgetreide sortiert sind. Hier bewahrheitet sich wieder mal der Satz „Man sieht nur was man weiß“.

 

Überhaupt gibt das Buch recht viele Hintergrundinformationen, ist gut gegliedert und mit anregenden Fotos ergänzt. Wer noch keinen Backautomaten hat, bekommt in einem ausführlichen Kapitel alles an notwendigem Wissen, um das richtige Gerät zu finden.  Neben den sachlichen informativen Kapiteln waren mir persönlich jedoch die Rezepte am Wichtigsten. Das Buch enthält eine Fülle unterschiedlichster Rezeptvorschläge, gut und übersichtlich gegliedert, mit selbst angesetztem Sauerteig oder mit Hefe oder mit Brühstücken, stets aber mit Mehlen aus verschiedenen Urgetreiden. Ich habe mehrere Rezepte im Backautomaten nachgebacken. Alles hat perfekt geklappt und gut geschmeckt. Neu war mir, dass ich sogar Kuchen im Backautomaten backen kann. Hier steht mein „Selbstversuch“ noch aus…

 

Zwei Dinge haben mir jedoch im Buch gefehlt. Es sollten die Getreidesorten unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten unterschieden werden. Hierzu fehlen leider die Angaben komplett.

 

Und wer keinen Backautomaten hat und auf den Backofen angewiesen ist, bräuchte bei den Rezepten unbedingt Hitze- und Zeitenangaben. Auch die fehlen leider ganz.

  

Fazit: Ein Buch, das viele Hintergrundinformationen gibt und sehr ansprechende, gut nachzubackende Rezepte enthält, sich aber irgendwie nicht entscheiden kann, ob es seinen Schwerpunkt auf Backbackautomaten oder auf alte Getreidesorten legen soll. So fehlen leider auf der einen oder anderen Seite manche durchaus wichtige Angaben. Das ist schade und könnte noch ganz leicht ergänzt werden.

  

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Ebba D. Drolshagen

 

Zwei rechts zwei links

 

·         Gebundene Ausgabe: 251 Seiten

·         Verlag: Suhrkamp Verlag

·         ISBN-13: 978-3518468142

https://www.suhrkamp.de/buecher/zwei_rechts_zwei_links-ebba_d_drolshagen_46814.html

  

 

Durch mehr Wissen zu mehr Wertschätzung

 

Der Untertitel „Geschichten vom Stricken“ führt ein wenig in die Irre. Nein, es sind keine Geschichten, es ist vielmehr EINE Geschichte, DIE

Geschichte des Strickens, diese allerdings  wunderbar leicht und locker und kurzweilig erzählt.  Entsprechend gut lesbar ist dieses Buch, unterhaltsam und humorvoll.

 

Mit einem sehr klugen Vorwort von Martina Behm wird man eingestimmt in die Welt des Strickens, der Stricker und Strickerinnen, in das Reich der Wolle vom 12. Jh.  bis heute. „Stricken schafft ungewöhnliche Verbindungen, setzt kreative Kräfte frei und macht auf diese Weise die Welt ein kleines bisschen besser.“ Wie wahr. Und schon wird man zu den Anfängen des Strickens geleitet, und weiter durch die Jahrhunderte hinweg, bis man in der Gegenwart und natürlich beim Internet landet. Wussten Sie, dass 1565 in England ein Gesetz erlassen wurde, nach dem jeder, der älter als 6 Jahre war, an Sonn- und Feiertagen eine Wollmütze zu tragen hatte, gefertigt von englischen Mützenmachern? Dass über viele Jahrzehnte hinweg das Stricken dem Broterwerb diente und selbst 3-und 4-Jährige schon mitstricken mussten? Oder dass Virginia Woolf eine leidenschaftliche Strickerin war? Erst nach dem 2. Weltkrieg mutierte das Stricken zum Hobby, die Modelle entwickelten sich weg vom Nützlichen, Wärmenden hin zum Besonderen mit Chic und Pfiff, zu einem Modemittel, mit dem die Strickerin sich selbst  ausdrücken möchte.

 

Dieses Buch ist ein lebendiges Geschichtsbuch, aber auch eine durchaus kritische Sozial- und Klassengeschichte. Und es hat noch sehr viel mehr in sich. Während man von Kapitel zu Kapitel liest, über Färben und Farben, über die schwindelerregende Mustervielfalt, landestypisch, historisch-traditionell, oder über Passform und Wertschätzung, Gesundheit und Designerinnen, spürt man über allem hinweg die große Liebe der Autorin zum Stricken und ihr Wissen darum, dass Stricken nicht nur Mützen und Schals produziert, sondern auch eine reiche Welt der Gefühle.

Fazit: Ein Buch, das bei jeder passionierten Strickerin ein besonderes Plätzchen finden sollte, weil es sowohl Wissen als auch Wertschätzung vermittelt.

 

 

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Dumont Reise-Handbuch

FINNLAND

 

·         Taschenbuch: 368 Seiten

·         Verlag: DUMONT REISEVERLAG

·         ISBN-13: 978-3770177325

 

 

Oi maammee, Suomi, synnyinmaa

 

Als ich die Bekanntschaft einer sehr klugen Dame machte, die gebürtige Finnin ist, erwachte meine Neugier für dieses Land. Nach Lektüre des Dumont Reise-Handbuchs Finnland verstehe ich diese Bekannte und all ihre Erzählungen und Kindheitserinnerungen sehr viel besser.

 

Das Dumont Reise-Handbuch hat mir sehr, sehr viel Wissenswertes über das „Land der tausend Seen“ in übersichtlich-komprimierter Form vermittelt. In dem umfangreichen Führer gibt es alles zu finden: Die Geschichte des Landes: 6 Jahrhunderte war Finnland unter schwedischer Herrschaft, dann gehörte es zum Großfürstentum des zaristischen Russlands und wurde erst 1917 eigenständig. Oder dass der Ausdruck „Land der tausend Seen“ arg untertrieben ist, denn allein rund ums Festland gibt es 98.000 Inselchen, dazu 81.530 Inseln in der zu Finnland gehörenden Ostsee. Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Essen und Trinken – nichts bleibt unbeachtet. Erst nach diesem umfangreichen allgemeinen Teil durchwandert der Reiseführer Region für Region durch Finnland bis hoch nach Lappland, berichtet von Sehenswertem, von Besonderem und gibt die jeweils hilfreichen Touristen-Tipps dazu. Eine beigefügte Finnland-Karte im Maßstab 1:850.000 unterstützt die geistige Reise durch dieses wunderbare Land.

 

Ich hatte leider nur die Ausgabe von 2012 in Händen. Inzwischen gibt es eine neue aktualisierte Ausgabe. Ein sehr empfehlenswerter Reiseführer

 

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René Wadas

Hausbesuch vom Pflanzenarzt

 

 

·         Taschenbuch: 256 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

·         ISBN-13: 978-3499633546

 

 

 

 

Pflanzen kommunizieren untereinander und mit uns

Der Untertitel „Tipps und Tricks für Garten und Balkon“ suggeriert einen gärtnerischen Ratgeber, ein Nachschlagewerk vielleicht sogar, versehen mit Register und einer übersichtlichen Gliederung. Wer das erwartet, wird bitter enttäuscht. Schade, dass der Verlag auf diese Weise völlig falsche Erwartungen weckt.

 

Das Buch ist eher eine Art Plauderei über den Gartenzaun hinweg. Leicht und locker und amüsant erzählt der Autor von seinen diversen pflanzenärztlichen „Notfalleinsätzen“, und während er beim Erzählen vom Hundertsten ins Tausendste kommt, liest man so ganz nebenbei den einen oder anderen Ratschlag, wobei es weniger um das Bekämpfen als um das Stärken der Pflanzen geht. Oder noch eher um das Verstehen der Pflanzen, die uns deutlich zeigen, was ihnen gefällt und was nicht. Wadas gibt uns die Ermutigung, unseren eigenen Beobachtungen und Erfahrungen zu trauen, sein Buch macht Lust auf Grün, ganz ohne Stress. Und er schult unsere gärtnerische Wahrnehmungsfähigkeit auf sehr intensive Weise, einfach nur durch sein Erzählen. Da sehe ich gerne darüber hinweg, dass der Autor nicht frei von Eitelkeiten ist und bei Schilderung der Kundenkontakte auch so manches Klischee bemüht oder dass seine Plaudereien nicht immer wissenschaftlich korrektes Denken wiedergeben. Seine uneingeschränkte Liebe gilt der Natur, und das lässt er uns in seinem Buch auf unterhaltsame Weise spüren.

 

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Elisabeth Sandmann

Kluge Gedanken für Frauen, die Katzen lieben

 

 

·         Taschenbuch: 142 Seiten

·         Verlag: Insel Verlag

·         ISBN-13: 978-3458363286

 

 

 

Schnurrende Diva

 

Geschenkbücher für Katzenliebhaber gibt es reichlich auf dem Markt. Hier eine Lücke zu finden, eine Nische für das Besondere, ist schwierig, aber dem Insel Verlag ist dies, wie ich meine, mit dem vorliegenden Büchlein hervorragend gelungen.

 

Allein schon die Gestaltung des Taschenbuchs ist besonders. Jede Seite, wirklich jede Seite, ist farblich oder im Layout unterschiedlich gestaltet. So gibt es fliederfarbene oder graue oder ockerfarbene Seiten, mit nostalgisch wirkendem feinem Muster versehen, wie englisches  Geschenkpapier wirkend. Auf diesen Seiten entdeckt man Sätze wie  „Die Idee der Ruhe findet sich in einer sitzenden Katze“. Zwischengesetzt finden wir Schwarz-Weiß-Fotos von ungewöhnlicher Art, denn sie sind allesamt einer früheren Zeit entnommen, unverkitscht, und doch oder gerade deshalb anrührend. So manches Foto scheint der Filmwelt entsprungen, als es noch wahre Diven gab. Die Diva Katze und die Diva Frau, in perfekter Filmpose auf dem Foto eingefangen. Passend dazu von Robert Anson Heinlein: „Frauen und Katzen tun, was ihnen gefällt. Männer und Hunde … sollten sich daran gewöhnen.“ Bei jedem Durchblättern entdeckt man neue Details, ein unbekanntes Zitat. Selbst altbekannte Aussprüche wie „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse“ bekommen durch die Buchgestaltung ihr besonderes Comeback.

 

Rundum also ein liebevoll, etwas nostalgisch gestaltetes Büchlein, eine gelungene Hommage an das  kapriziöse Wesen Katze.  Und das ideale Geschenk für alle, die genau das zu schätzen wissen: klugen Eigensinn.

 

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Ralf Nestmeyer

 

Nürnberg, Fürth, Erlangen

·         Taschenbuch: 252 Seiten

·         Verlag: Müller, Michael; Auflage: 11

·         ISBN-13: 978-3956541278

 

 

 

Allmächd, is der goud!

 

 Da liegt sie vor mir, die aktualisierte 11. Neuauflage des Städteführers Nürnberg, Fürth, Erlangen. Die farblich bunte Gestaltung des Covers und besonders die Regenbogenfarben des Buchrückens fallen im Buchhandlungsregal auf. Das Titelbild ist ziemlich abgedroschen, hat aber genau deswegen den Effekt, dass man den Reiseführer, noch ohne den Titel gelesen zu haben, bereits mit Nürnberg assoziiert.

 

Vorweg: Der Reiseführer ist nicht geeignet für Städte-Schnellkonsumenten, für Fast-Sightseeing, für oberflächliches Sehenswürdigkeiten-Sammeln. Zwar gibt es auch eine Übersicht der Sightseeing-Klassiker im Buch, aber wem das genügt, der ist mit einem leichtgewichtigen Faltblatt,  das man gratis bei der Touristen-Info bekommt, ausreichend gut bedient. Der vorliegende Reiseführer fordert Zeit! So wie die Stadt, will man sie wirklich entdecken, Zeit fordert. Nürnberg ist so unendlich viel mehr als Burg und Schöner Brunnen. Die Einteilung des Reiseführers, der uns auf  10 verschiedenen Touren durch die Stadt begleitet, begeistert mich. Denn bei diesen Touren, jeweils versehen mit einer Übersichtkarte, werden die Augen auf vielfältige Details gelenkt, auf Historisches ebenso wie auf Modernes, auf Typisches für diesen Stadtteil, auf Wissenswertes, Kulturelles, auf Öffnungszeiten und Eintrittspreise, dazu jeweils ergänzt durch eine Fülle von Hinweisen, wo man in diesem Stadtteil Hunger und Durst stillen kann.

 

Auch Fürth und Erlangen werden ausführlich beschrieben. Und es finden sich all die nützlichen Hinweise, die einem Touristen das Zurechtfinden in einer fremden Stadt erleichtern, ergänzt durch ein umfangreiches Register, das Straßennamen, Bauwerke, aber auch Stichworte wie Lebkuchen und Schäufele enthält.

 

Tagelang habe ich in diesem Reiseführer vor- und zurückgeblättert, habe mich festgelesen und bin, indem ich durch das Buch wanderte, ebenso durch meine ersten 40 Lebensjahre in Nürnberg gewandert, wiedererkennend, erinnernd und verblüfft von all dem Neuen, das zwischenzeitlich in Nürnberg entstanden ist.

 

Ralf Nestmeyer ist, wie ich meine, der perfekte Reiseführer gelungen: Sachlich-klar geschrieben, strukturiert, Geschichte und Gegenwart gleichermaßen würdigend, mitunter auch einmal eine leise Kritik unterbringend, immer aber spürbar seine Zuneigung zu dieser wunderbaren Stadt ausdrückend. Was sich auch in Einschüben wie zum Beispiel diesem hier zeigt, mitten unter „Kultur- und Nachtleben“ zu finden:

 

 „Allmächd!“: „Das Staunen der Welt, die irdischen Schrecken der Existenz und das Bedauern der Vergänglichkeit in ein Wort gepackt, dessen einzigartige Konnation durch eine weit durch die Zahlreihen hervorgestreckte Zunge und einen nach unten geschobenen Unterkiefer hervorgerufen wird“.

 

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                                                                  Lyrik

Anna Achmatowa

Liebesgedichte

 

·         Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

·         Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag

·         Sprache: Deutsch

·         ISBN-13: 978-3150108451

 

Klein und fein

 

Der Name Anna Achmatowa mutet in seiner Sprachmelodie allein schon fast wie ein Gedicht an. Der Name zog mich an, und ich entdeckte ein ganz kleines Büchlein, eine Sammlung ihrer schönsten Liebesgedichte.

 

Anna Andrejewna Achmatowa lebte von 1889 bis 1966 und gilt als eine der bedeutendsten russischen Dichterinnen. Im Nachwort von Elisabeth Chéauret erfährt man in der sehr kurzen Darstellung etwas über das grausam harte Leben der Dichterin und ihre überragende Bedeutung „national und weltumfassend“, wie es Lew Kopelew in seiner Grabrede ausdrückte. Ich könnte mir vorstellen, dass eine romanhafte Biographie über Anna Achmatowa zu schreiben eine große, eine sehr große, aber lohnenswerte Aufgabe für einen Autor wäre, da das Leben sowohl literarisch als auch politisch gesehen werden müsste.

 

Die vorliegende kleine, feine Sammlung an Liebesgedichten berührte mich sehr. Ich kann nicht beurteilen, ob die Übersetzung von Kay Borowsky den russischen Originaltexten vollumfänglich gerecht wird. Aber mich spricht die knappe, reduzierte, klare Sprache sehr an, die in kürzester Form eine Welt von Gefühlen übermittelt. Sehr viel Traurigkeit liegt darin, selten ungetrübte Freude oder Hoffnung.

 

Kann man das Fehlen von Liebe kürzer und deutlicher sagen?

 

Schlimm war sein ruhiges Lächeln:

 

„Es zieht da, wo du stehst.“

 

 

 

Ein Büchlein, das man immer und immer wieder lesen kann…

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Agnes Prus

Halb zehn – das Frühstücksbuch

 

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

·         Verlag: Stiftung Warentest

·         ISBN-13: 978-3868514766

 

Das Frühstück zelebrieren…?

Das vorliegende Buch ist teuer. Es ist schwer. Es ist aufwändig gestaltet. Es enthält schöne, appetitanregende Fotos. Die rosa Farbe des Einbandes mutet mich seltsam an. Auch der Titel: halb zehn. Wer von uns frühstückt um halb zehn, außer vielleicht sonntags? Dennoch war ich voll froher Erwartung auf neue Frühstücksideen, auf neue Impulse für das eigene tägliche Gewohnheitsfrühstück.

 

Das Vorwort bereitet uns vor: Das Frühstück sollte zelebriert, geradezu gefeiert werden. So schön dieser fromme Wunsch auch ist. Seien wir doch ehrlich, wer von uns hat die Möglichkeit, aus seinem alltäglichen Frühstück eine Zeit des Wohlfühlens und Genießens zu machen? Und in der Tat will uns die Autorin dazu animieren, das tägliche Frühstück sehr bewusst  vorzubereiten, bei Brot und Brötchen mitunter schon Tage vorher. Und nein, ich habe keine Lust, in einem Frühstücksbuch zu lernen, wie man Sauerteig macht, ich möchte auch nicht Marmeladen einkochen. Bei Interesse würde ich mir ein Brotbackbuch und ein Marmeladen-Einkochbuch kaufen. Ich möchte in einem Frühstücks-Buch Frühstücksideen finden, alltagstauglich, leicht und schnell umsetzbar. Die Autorin schafft es jedoch, selbst aus einem „belegten Brot mit Ei“, einem wie sie es nennt „Retro-Sandwich bestechend durch Schlichtheit“, ein zeitaufwändigeres Rezept zu zaubern, zu dem es mehrere Zutaten braucht.

 

Wirklich schlimm empfinde ich persönlich jedoch, dass die meisten Rezepte nicht nur viel Arbeit machen, sondern auch Zutaten benötigen, die ich teils noch nie gehört habe, teils auch nirgends bekomme, da ich in einer Kleinstadt lebe. Was ist Pul Biber? Was ist Sriracha-Soße? Es wird uns nirgends erklärt. Eine Handvoll Babyspinat habe ich natürlich auch stets im Kühlschrank, ebenso wie schwarzen Sesamsamen oder Kokosblütenzucker. Dies nur eine kleine Auswahl, die Aufzählung ließe sich beliebig lange fortsetzen.

Für mich ist das Buch sehr, sehr enttäuschend. Warum nennt es sich Frühstücksbuch statt Brunch-Buch? Warum wird nicht bereits im Titel darauf hingewiesen, dass es sich eher um internationale Gerichte handelt, die Zeit und Know-How erfordern? Warum gibt es keine Auflistung der teils fremd anmutenden Zutaten, vielleicht sogar mit Hinweis, was alternativ verwendet werden könnte? Ach ja, das besagte „Belegte Brot mit Ei“ schaffe ich übrigens sehr viel schneller ganz ohne dieses sehr merkwürdige rosa Kochbuch.

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Wladimir Kaminer

Liebesgrüße aus Deutschland

Taschenbuch: 288 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442473656

 

 

Russisch Brot mit Herz

 

 Gerne schauen wir Deutschen mit Neugier, Bewunderung, oftmals auch mit Kopfschütteln nach Russland, nach dem historischen wie auch dem modernen Russland. Nicht erst seit Dr. Schiwago üben russische Geschichten eine merkwürdige Faszination aus. Wir kuscheln uns lesend in teuere Pelze und trotzen gerne der sibirischen Kälte und allzu oft auch der russischen Realität.

 

Wie ist es nun, wenn ein in Moskau geborener Autor, der seit 1990 in Deutschland lebt, auf uns Deutsche schaut?

„Wenn ein Russe von den Deutschen spricht, dann sagt er, ihnen fehle das Herz. … alles tun sie ohne Herz, aus bloßem Interesse.“

 

Herz ist es, Herz zeichnet ihn aus, wenn Kaminer uns zuschaut, wie wir Deutschen jährlich Millionen für Klarsichthüllen ausgeben, um unseren Staat ordentlich in Aktenordnern zu verwalten. Er hält uns auf sehr witzige Weise den Spiegel vor. Er, dessen Kater Fjodor Dostojewski heißt, erzählt uns von der deutschen Erfindung von Russisch Brot und stellt den gewagten Vergleich an zur großen Bedeutung von Brot in Russland, ohne das es keine Oktoberrevolution gegeben hätte.

 

Man liest und lacht und liest und schmunzelt, und ganz nebenbei lernt man mehr über die russische Seele, als es jedes schlaue Sachbuch vermitteln könnte. Dass beispielsweise das Unterrichtsfach Sport in Russland „physische Kultur“ heißt – das sagt doch alles, nicht wahr?

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Wolfgang Büscher

Berlin – Moskau, Eine Reise zu Fuß

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3499236778

 

Nu dawai!

 

 

 

Der Journalist Wolfgang Büscher machte sich zu Fuß auf eine ganz und gar unglaubliche Reise, beginnend an einem heißen Sommerabend in Berlin. Er geht gen Osten, über Polen weiter nach Weissrussland und schließlich bis Moskau. Das wichtigste Utensil: eine winzige Schere zum Schneiden von Pflasterstreifen…

 

 

Das Buch ist kein Reiseführer. Und es ist doch einer, aber einer fast ohne nachschlagbare Fakten, sondern einer, der prall gefüllt ist mit skurrilen Erlebnissen, mit merkwürdigen Begegnungen, mit unglaublichen Geschichten, und immer wieder dazwischen manchmal fast beiläufig eingestreute geschichtliche oder politische Rückblicke, Meinungen, Verwunderungen. Mit einer fein nuancierten Beobachtungsgabe und schier endloser Neugier ausgestattet, erlebt der Autor sehr viel Verwunderliches, Überraschendes. Wir schauen mit ihm zusammen die Mini-Ausschnitte seines persönlichen Erlebens an und bekommen so, ganz ohne Lexikon-Wissen bemühen zu müssen, ein Gefühl für russisches Leben in jeglicher Ausprägung. Und Büscher erzählt uns davon in einer ausgesprochen schönen, stellenweise fast lyrisch anmutenden bildhaften Sprache. Ein wunderbar zu lesendes Buch, lebendig, intensiv. Erleben Sie es selbst: Nu dawai!

 

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 Quirin Wimmer

 Moskau light

 Gebundene Ausgabe: 136 Seiten

 Verlag: Edition artCo

 ISBN-13: 978-3936069020

 

 

 

 Vergnüglich, wenn auch veraltet

 

 Der Autor, ein Osteuropa-Kenner, hielt sich einen Sommer lang in Moskau auf und berichtet im vorliegenden Büchlein auf eine sehr humorvolle und fein beobachtende Weise von seinen persönlichen Erlebnissen. Im Klappentext heißt es treffend: „Mit seinen Geschichten vermittelt er dem Leser Einblicke in Alltäglichkeiten sowie Bizarres aus einer Stadt im Aufbruch. Seine Beobachtungen haben nicht den Anspruch, in die Tiefe der russischen Seele zu dringen. Er ist fasziniert von der Authentizität des spontan Erlebten. Moskau light eben.“

 

In der Tat habe ich mit großem Vergnügen das Büchlein gelesen. Ich lernte die gigantische Stadt durch die Augen des Autors kennen, war mit ihm unterwegs ohne schweren geschichtlichen Ballast, aber mit großer Entdeckerfreude des Alltäglichen. Allerdings habe ich während des Lesens auch viel nachgeschlagen. Allein schon das imposante Gebäude des Moskauer Konservatoriums, in dem so viele große und ganz große Komponisten und Künstler lernten und lehrten, beeindruckte mich zutiefst, während der Autor lieber in einem ganz in der Nähe gelegenen Café saß, die vielen jungen Menschen beobachtete und den aus den geöffneten Fenstern herausdringenden unterschiedlichsten Instrumentenklängen lauschte.       

 

Aktuell leben 12,4 Mio. Menschen in Moskau, zum Zeitpunkt der Niederschrift des Buches (ca. 2005) waren es noch 9 Mio. Und genau da haben wir den Punkt, der mich unbefriedigt zurückließ, weil das Buch inzwischen in vielen Punkten veraltet ist. Je weiter ich las, desto dringender wurden meine Fragen: Und wie ist es heute? Was hat sich in welcher Weise geändert oder auch nicht? Sind die Taxis immer noch so verschlissen und im Innenraum liebevoll von Hand tapeziert? Gibt es noch die wodkafröhlichen Bootsausflüge auf der Moskwa mit den in die Jahre gekommenen Highspeed-Raketas? Sollte man nach wie vor das kyrillische Alphabet beherrschen, wenn man sich nicht in dieser Riesenstadt verirren wollte? Gibt es noch die Sesselliftbahn mitten in Moskau? Und wandern nach wie vor Russen, als Lenin verkleidet, über den Roten Platz, um sich für ein paar Rubel von Touristen fotografieren zu lassen?

 

Also mit anderen Worten – das leider veraltete Buch hat mich sehr, sehr neugierig gemacht auf diese beeindruckende Stadt. Insofern hat es mir eine Tür geöffnet – was will man mehr. 

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Romana Wiesinger

Kochbuch für die Seele

Taschenbuch: 176 Seiten

Verlag: Orac

ISBN-13: 978-3701505982

 

 

Der Untertitel „Wie die Psyche unser Essverhalten beeinflusst“ weckt große Erwartungen an das Buch. Man erwartet Informationen über die Zusammenhänge von Psyche und Physis, man erhofft Hinweise, wie man sich selbst „auf die Schliche“ kommen kann, um möglicherweise sein Essverhalten zu optimieren.

 

Um es kurz zu machen: Das Beste am Buch sind seine originellen Kapitel-Überschriften. Der Inhalt jedoch mäandert zwischen gesellschaftspolitischen Allgemeinplätzen, plakativen Behauptungen, oberflächlichen Sichtweisen, persönlichen Vorstellungen und lediglich angerissenen möglichen psychischen Komponenten hin und her. Wahrscheinlich, vielleicht, möglicherweise, es könnte sein… die Autorin behauptet so allerlei, ohne es ernsthaft belegen zu können. Eine sehr fragwürdige „Einteilung“ in bestimmte Essens-Gruppen mit noch fragwürdigeren Ratschlägen beschließt das Buch. Weder werde ich im Anschluss an die Lektüre meinen Körper auf dem Boden liegend mit dem Stift umrunden, noch werde ich ein Plüschtier als „Ver-Körperung“ meines Körpers kaufen, geschweige denn auf Zehenspitzen stehend Zähne putzen und im Restaurant wahllos alles essen, war mir Spaß macht. Auch wird es mir nicht gelingen, „kritische Gedanken einfach wegzuschieben“, schon gar nicht meine kritischen Gedanken zu diesem unnötigen Buch.

 

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Zenta Maurina

 

Porträts russischer Schriftsteller

 

 

Leider vergriffen

 

 

 

„Wer den russischen Menschen begreifen will, wird ohne die Kenntnis dieses Buches nicht mehr auskommen können.“ (aus dem Klappentext)

 

Zenta Maurina (1897 – 1978) war eine überragende Kennerin der russischen Literatur. In Riga geboren wuchs sie zweisprachig auf und konnte die russischen Dichter in Originalsprache lesen. Sie promovierte als erste Frau summa cum laude an der Universität Riga in der Philosophisch-philologischen Fakultät, trotz der erschwerenden Tatsache, seit dem 5. Lebensjahr nach Erkrankung an Kinderlähmung lebenslang an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Ich lernte ihre Bücher bereits im Alter von 15 Jahren kennen, durfte ihr auch mehrfach persönlich begegnen. Für mich persönlich sind ihre Bücher allesamt unausschöpfbare Quellen von Wissen einerseits und tiefer Menschlichkeit andererseits. Leider sind nahezu alle ihre Werke vergriffen. Umso mehr hüte ich den Schatz der in meinem Besitz befindlichen 24 Titel, die mich seit mehr als 50 Jahren durch viele Umzüge und Ortswechsel hinweg stets verlässlich begleiteten.

 

Der vorliegende Band, eine Sammlung von Porträts sehr persönlich ausgewählter russischer Literaten, ist in seinen politischen und zeitgeschichtlichen Anspielungen aus seiner Entstehungszeit (das Buch erschien 1968) heraus zu verstehen. Dennoch enthalten die Abhandlungen so viel Grundsätzliches, Zeitloses, von tiefstem Verständnis für die in Literatur gefasste russische Seele, dass die Lektüre für alle, die mit ernsthaftem Interesse in das Thema eintauchen wollen, von großem Wert sein dürfte.

 

Begonnen wird mit Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711 – 1765), dem „Begründer der russischen Literatur“, wie Zenta Maurina ihn nennt. Sehr viel ausführlicher befasst sie sich im Anschluss daran mit Anton Tschechow (1860 – 1904), wendet sich dann Anna Andrejewna Achmatowa (1889 – 1966) zu, die sie die „Sappho des 20. Jahrhunderts“ nennt, um mit Andrej Sinjawskij (1925 – 1997), Alexander Solschenizyn (1918 – 2008) und Valerij Tarsis (1906 – 1983) zu enden. Jedes Porträt für sich öffnet eine umfassende Weltsicht weiter und tiefer, als ich sie je sonst gelesen habe und jeglichen üblichen biographischen Rahmen sprengt. Jede Seite regt an, weiter zu forschen, mehr zu entdecken. Jedes Zitat, jeder erwähnte Zeitgenosse der vorgestellten Persönlichkeiten führt den Leser auf neue Wege, zu neuen Sichtweisen sowohl auf die russische Literatur als auch auf den Menschen jenseits aller Ländergrenzen.

 

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Natalie Grams

Gesundheit

Festeinband: 338 Seiten

Verlag: Springer

ISBN-13: 978-3662547984

 

 

Ein mutiges und wichtiges Buch

 

Die Autorin ist approbierte Ärztin. Homöopathie und TCM hatte sie zusätzlich erlernt und angewandt. Insofern ist sie einzuschätzen als Kennerin der herkömmlichen bzw. modernen Medizin ebenso wie einiger Alternativverfahren. Und genau das macht die Gewichtigkeit des vorliegenden Buches aus, denn die Autorin weiß sehr genau, wovon sie spricht. Sie führt keinen Glaubenskrieg, sondern mit kritischem Verstand und hoher Kompetenz geht sie das mit so viel Glauben, Irrglauben, Heilsversprechen oder Vorurteilen besetzte Thema an: unser Gesundheitssystem im weitesten Sinn.

 

Das Buch ist eine geschickte, verständliche und immens wichtige Aufklärung für den interessierten Leser, denn erst ein möglichst umfassend informierter Patient ist in der Lage, ernst gemeinte Selbstverantwortung zu übernehmen. Er wird durch das Buch in die Lage versetzt, Glaubenssätze von belegten Erkenntnissen zu unterscheiden und aufgrund dieser Erkenntnisse seine Entscheidungen zu treffen. In vielen verschiedenen Facetten beleuchtet die Autorin unser Gesundheitssystem. Finanzielle und politische Aspekte, wissenschaftliche Forschung, Krankenkassen bzw. Solidarsystem sind nur einige der vielen Begriffe, denen die Autorin sich zuwendet. Besonderes Augenmerk richtet sie auf die sogenannte Alternativmedizin und betrachtet eine Reihe der wissenschaftlich nicht belegten Methoden in Ausführlichkeit und – wie überhaupt – im gesamten Buch – unter Hinzuziehung einer Fülle von entsprechender Literatur. Wer dieses Buch sorgsam liest, erkennt sehr genau, was in unserem derzeitigen Gesundheitssystem und in Wissenschaft und Forschung Großartiges geleistet wird, aber auch, worin ein essentieller Mangel besteht und wie die Alternativmedizin auf geschickteste Weise genau diesen Mangel „benutzt“, um sich in den Vordergrund zu spielen.

 

Dem Buch sind viele Leser zu wünschen, die bereit sind, ihre eigenen Vorurteile (wer hat die nicht) zu hinterfragen und sich mitdenkend zu öffnen für eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Gesundheitssystem, das besser ist als sein Ruf. Erst anhand umfassender Information, verbunden mit einer inneren Aufgeschlossenheit, ist man in der Lage, echte Selbstverantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und Stammtisch- bzw. Illustriertenweisheiten nüchtern zu widerstehen.

 

Die Autorin schreibt teils ironisch, teils bitter ernst, immer aber dem Leser wohlwollend zugewandt und verständlich. Sie hilft dabei, eine saubere Trennung  von Begrifflichkeiten vornehmen zu lernen, um nicht unkritisch den in der Alternativmedizin so häufig benutzten Wörtern wie „Ganzheitlichkeit“, „Immunabwehr stärken“ u. v. m. jenseits der Naturgesetze zu begegnen. Wie sagte Eckhard von Hirschhausen ganz richtig: „Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen.“ Dr. Natalie Grams hilft uns mit dem vorliegenden Buch sehr umfassend, unsere eigenen magischen Vorstellungen und Wünsche zu entlarven und uns zu dem klaren Weg der evidenzbasierten Medizin und damit zu wissend-kritischem Vertrauen zurückzuführen,

 

Leider weckt die Covergestaltung völlig falsche Erwartungen an das Buch. Ein werbewirksames fröhliches Gesicht mit Zahnpastalächeln will uns den Titel „Gesundheit“ verkaufen. Anhand des Titelbildes geht man von einem weiteren 08/15-Ratgeber aus.  Weder der Titel selbst noch die Gestaltung deuten darauf hin, dass es sich um sehr wichtiges, gründlich recherchiertes und sehr mutiges Buch handelt, das äußerst sorgfältig und praxisnah die Bedeutung von Wissenschaft und Evidenz in der Medizin beleuchtet.

 

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 Victoria Fromm

 Bio-Size statt Plus-Size

 Taschenbuch: 60 Seiten

 Verlag: Books on Demand

 ISBN-13: 978-3744883733

  

 

 

 

Nur 60 Seiten! Mehr braucht es nicht, tatsächlich nicht.

 

 

 

„Wenn du etwas haben willst, was du noch nie gehabt hast, musst du etwas tun, das du noch nie getan hast.“

 

Die Autorin berichtet teils humorig in kurzen Kapiteln über ihre eigene Erfolgsgeschichte, in 9 Monaten 40 kg abgenommen zu haben. Sie betont mehrfach, dass es ihre eigenen Erfahrungen sind, die sie weitergeben möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Alle wichtigen Themen sind kurz und klar aufgegriffen, wie z. B. Entschlacken, Entsäuern, Darmaufbau, Bewegung, Schlaf usw., ohne wissenschaftliche Hintergründe bemühen zu müssen. Vieles war mir fremd, wie z. B. die Konjakwurzel, auch die strenge vegane Ernährungsform liegt mir nicht. Aber da die Autorin nichts verteufelt, sondern lediglich ihren eigenen Weg erzählt, bleibt dem Leser stets die freie Wahl, wie weit und womit er der Autorin auf ihrem Erfolgsweg folgen möchte oder nicht. Und genau diese Freiheit, dem Leser die eigene Wahl zu lassen, hebt das Büchlein weit über so manchen umfangreichen Ratgeber hinaus. Umsetzen muss man aber auch hier eine veränderte Essens- und Lebensform selbst aus eigenem Erkennen heraus. Dazu ist das Büchlein ein überzeugender, knackig kurzer, beeindruckender Impulsgeber!

 

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Bianca Rafaéla, Michael Baswald

Spoonfood

120 Wohlfühlsuppen

Gebundene Ausgabe: 296 Seiten

Verlag: Löwenzahn Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3706626309

 

 

 

Eine Schüssel voll Glück

 

 

Was für ein schönes,  reichhaltiges, umfassendes, liebevoll gestaltetes und dazu noch schwergewichtiges Buch!

 

Die Autoren, die selbst ein Suppen- und Eintopf-Lokal in Wien führen, haben die besten Rezepte gesammelt. Was mich auf Anhieb begeistert hat, ist die Buchgestaltung. Jedes Rezept darf sich auf 2 Seiten darstellen: Ein ganzseitiges, appetitanregendes Foto des Kochergebnisses, zusätzliche Tipps wie Sprechblasen im Foto eingefügt, und auf der zweiten Seite übersichtlich zweifarbig die Zutaten sowie die Zubereitung, in klaren Textabschnitten gegliedert, mit zusätzlichen Hinweisen wie „glutenfrei“ oder „vegan“. Die Rezepte selbst sind allesamt einfach nachzukochen, sind alltagstauglich und die benötigten Zutaten sind problemlos erhältlich. Einziges Manko: Es fehlt ein Hinweis auf die Zubereitungs- und Kochzeit. So könnte man leichter beim Durchblättern sofort abschätzen, ob man dieses Rezept „mal eben“ noch schnell kochen kann.

 

Drei Selbstversuche im Nachkochen und anschließenden Genießen haben mich völlig überzeugt. Die Rezepte sind wirklich anhand der Zubereitungsanweisungen ganz problemlos nachzukochen, schmecken hervorragend und das Ergebnis wärmt Herz und Bauch.

 

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 Rainer Güllich

 Flaschenpost

 Taschenbuch: 199 Seiten

 Verlag: AAVAA Editions

 ISBN-13: 978-3959860093

  

 Das Ende einer Sucht

 

 

 

 

 

Dieses Buch berichtet in sehr eindringlicher Weise von Paul Schlosser, einem unreifen, selbstunsicheren jungen Mann, der recht ziellos und sozial isoliert durchs Leben treibt und durch den Alkohol vermeintliche Stärkung und trügerische Sicherheit erlebt. Wir erfahren viel über frustrierende Arbeitsversuche, über ein hilfloses Elternhaus, über Kneipen als Zufluchtsort und gemeinsames Trinken als vermeintlich freundschaftliches Miteinander. Die Alkoholabstürze mehren sich, die Einsicht fehlt, ein erster Therapieversuch schlägt fehl. Die Schraube dreht sich immer weiter abwärts…

 

 

 

Der Untertitel nimmt das Ende vorweg. Das ist gut – für Paul Schlosser selbst und für Leser, die sich bei Büchern ein positives Ende wünschen. Und das ist schlecht – für den Spannungsbogen, für das lesend-mitspürende Sich-Hineinbegeben in den Abwärtssog, denn der Leser weiß ja: Es geht gut aus. Und so bleibt er immer ein kleines Stückchen außerhalb des Geschehens. Ein weiteres Problem habe ich mit den Zeitsprüngen – ein Stilmittel, das in einem Erfahrungsbericht nichts verloren hat und zu unnützer Verwirrung führt. Die mitunter deftige Sprache stößt ab, ist aber sicher sehr realistisch und wirklichkeitsnah eingesetzt.

 

Abgesehen von diesen „Äußerlichkeiten“ habe ich das Lesen dieses Buches jedoch als großen Gewinn empfunden, denn noch nie vorher habe ich in einer solch brachialen Intensität die Welt eines Alkoholkranken erlebt und seinen Weg in die Hölle und aus ihr heraus miterlebt. Das allein zählt.

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Hermien Stellmacher / Joachim Schultz

Wie wir Katzen die Welt sehen

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458363057

 

 

Endlich!

 

Es wurde Zeit, höchste Zeit, dass uns Katzen die Augen öffnen. Nicht länger dürfen wir Menschen vom „Rätsel Katze“ sprechen, denn mit diesem Buch hat die Katzenwelt endgültig aufgeräumt mit all den Märchen, die in Tausenden von Ratgebern kursieren. Da wir Menschen Struktur benötigen, haben sich die Katzen der Mühe unterzogen, alles Wissenswerte in alphabetischer Form aufzulisten. Stellen wir uns also unseren eigentlichen Aufgaben: Lesen wir dieses Buch und lernen wir daraus, damit wir fähig werden, genau diese Katze, die sich herabgelassen hat, ihr Leben mit uns zu teilen, rundum glücklich zu machen.

 

Im Ernst: Nehmen Sie sich Zeit für dieses liebevollst ausgestattete Büchlein! Es gibt darin so viel zu entdecken. Wie ein Brockhaus verschafft es uns durch Querverweise Wissensvermehrung voller Heiterkeit. Damit sich uns die Botschaften besser einprägen, haben die Katzen weder Kosten noch Mühe gescheut und eine Fülle von Fotos, Collagen, Zeichnungen, Auflistungen etc. dem Buch beigefügt. Alles in der nachvollziehbaren Hoffnung, uns Menschen endlich klar zu machen, was unsere einzige Aufgabe ist: nämlich Katzen froh zu machen.

 

Das wunderbare Büchlein ist DAS Geschenk für alle Katzenliebhaber und, wer weiß, vielleicht sogar für Katzen-weniger-Liebhaber.

 

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 Andreas Tjernshaugen

 Das verborgene Leben der Meisen

 Gebundene Ausgabe: 234 Seiten

 Verlag: Insel Verlag

 ISBN-13: 978-3458177234

 

  

Toller Inhalt in schäbiger Verpackung

 

Wieso hat man einen so gehaltvollen Inhalt zwischen zwei schäbige, dicke Pappdeckel gesteckt, ein Einband, der bereits nach wenigem  In-die-Hand-Nehmen trotz sorgsamer Behandlung hässlich-schmutzig aussieht und angeschlagene Ecken aufweist? Soo schade…

 

Der Autor ist ein vielseitig interessierter Redakteur, der sich aus persönlichem Interesse der Welt der Meisen widmete und uns viel, viel Interessantes zu erzählen weiß. Er schlägt in seinem Buch einen großen Bogen von vielen persönlichen Erfahrungsberichten bis hin zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Er erzählt locker-humorvoll vom Familienleben und von den Familiendramen bei Meisens, von deren unglaublicher Anpassungsfähigkeit, ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihrer großartigen Fürsorge für den Nachwuchs und noch vieles, vieles mehr! Im Anhang gibt es spezielle Tipps, wie man z. B. einen Nistkasten selbst baut oder wie und wo die Nistkästen für Meisen am besten anzubringen sind, womit Sie füttern sollten. Die vielen farbigen Zeichnungen und Fotos unterstreichen den Text und erhöhen seinen Informationsgehalt.

 

Fazit: Kein trockenes Sachbuch, sondern eine persönlich-humorvoll erzählte, aber dennoch fundierte Reise in die Welt der Meisen, die wir nach Lektüre des Buches mit ganz neuen Augen wahrnehmen werden.

 

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Rainer Güllich

Begegnungen – Geschichten aus der Psychiatrie

Taschenbuch: 124 Seiten

Verlag: Karina-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3903161283

 

 

Begegnung von Mensch zu Mensch

 

 

 

Ein kleines Büchlein in bescheidener Ausstattung. Dem ich erst einmal nicht allzu viel zutraute. Und das mich sehr überraschte.

 

 

 

Wir begegnen dem Autor, einem Ergotherapeuten, der aus seiner besonders prägenden beruflichen Anfängerzeit in der Gerontopsychiatrie berichtet.

 

Und wir begegnen einigen älteren Menschen, die aufgrund verschiedener psychiatrischer Erkrankungen aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallen sind, die Hilfe und Unterstützung benötigen.

 

Als Essenz zum Thema Begegnungen lesen wir über die Kontakte zwischen dem Therapeuten und dem Hilfsbedürftigen, über die Interaktionen, gelingend oder auch nicht. Der Autor gewährt sehr offen Einblicke in seine Unsicherheiten, seine Fehlentscheidungen, aber er lässt auch, vielleicht sogar ungewollt, einen Blick zu auf seine wertfreie innere Haltung gegenüber Menschen, die sich nicht „normal“ verhalten, auf seine therapeutische Fähigkeit, die ihm ermöglicht, auf ungewöhnliche Situationen hilfreich und menschen-zugewandt zu reagieren. Er schildert sehr bewegend eine Welt des Fremden, Irritierenden, oft auch Komischen. Es handelt sich um wunderbare kleine Episoden, die so liebevoll geschrieben sind, dass uns die Hauptakteure, nämlich die Patienten, in ihren Verhaltensweisen nicht befremdlich wirken.

 

Dem Büchlein wünsche ich viele, viele Leser, z. B. Menschen mit Vorurteilen oder Berührungsängsten gegenüber psychisch Kranken, gegenüber alten Menschen, gegenüber Therapeuten. Und ich wünsche ihm Leser, die in den schweren pflegerischen Berufen tätig sind, damit sie im Alltag nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren, nämlich die Begegnung von Mensch zu Mensch.

 

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Abigail Tucker

 Der Tiger in der guten Stube

 Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

 Verlag: Theiss, Konrad

 ISBN-13: 978-3806236477

 Originaltitel: The Lion in the Living Room

 

  

 

Sachbuch in falschem Gewand

 

 

 

Ein niedliches Katzenkind auf dem Titelbild, ein spielendes Katzenkind auf der Rückseite und eine Fülle von kleinen Zeichnungen von kletternden, sitzenden, grimmig oder lieb schauenden Katzen, Pfötchen, die über die Seite laufen – die gesamte Aufmachung suggeriert ein „liebes“ Katzenbuch, vielleicht sogar für Kinder. Solcherart falsche Erwartungen zu wecken, kann doch nicht wirklich verkaufsfördernd sein?

 

 

Denn tatsächlich handelt es sich um ein fundiertes Sachbuch, das eine unglaubliche Fülle an Informationen rund um das Thema Katze vermittelt. Die Auflistung aller Fußnoten, d. h. Quellenverweise, studierte Literatur etc., in kleinster Schrift gesetzt, umfasst 20 Buchseiten! Die Autorin hat ungeheuere Fleißarbeit geleistet. Allein schon dafür gilt ihr meine größte Anerkennung. Zwar schreibt sie als Amerikanerin zwangsläufig mit Blick auf die USA, aber viele, viele Informationen lassen sich eins zu eins auf Europa übertragen. Die mitunter etwas trockenen, aber gut verständlichen Inhalte werden immer wieder aufgelockert durch Erzählungen der Autorin über ihre persönlichen  Katzen-Erlebnisse. Es gefällt mir sehr gut, dass Abigail Tucker versucht, sich mit allen von ihr angerissenen Themen möglichst neutral zu befassen, sie wertet nicht, weist keine Schuld zu. Sie hält sich an Fakten, an Forschungsergebnisse, an Umweltaktivisten, an Tierschützer, an Züchter, an Wissenschaftler. Leider, leider fehlen im Buch Fotos. Man hätte gut daran getan, statt der kinderbuchartigen Zeichnungen aussagekräftige Fotos einzufügen, um die angebotenen Informationen anschaulich zu machen.

 

Auf der Rückseite des Buches verspricht der Verlag, dass man nach Lektüre dieses Buches Katzen mit anderen Augen sehen wird. Und das ist in der Tat so! So viel Erschreckendes, Befremdliches habe ich noch nie über Katzen gelesen. Verwunderung, Entsetzen, Scham, Ungläubigkeit, Heiterkeit – eine große Bandbreite an Reaktionen löste das Buch in mir aus, ungewöhnlich für ein Sachbuch und Nachweis für die besondere Qualität des Buches.

  

Wer Katzen liebt, sollte das Buch lesen. Und wer Katzen nicht mag, sollte dieses Buch auch lesen!

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Eva Meder-Thünemann

Das kleine Buch vom schnurrenden Philosophen

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten

Verlag: Verlag Herder

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3451378720

 

 

Von Katzen lernen

 

 

Ein feines, kleines Büchlein liegt vor mir. In seiner äußeren Form sorgfältig verarbeitet. Und in seinem Inneren auf eine ganz leise Art berührend.

 

 

 

Ein Geschenk für einen Katzenfreund zu suchen, ist nicht schwierig. Auf dem Markt gibt es unzählige Bücher von, mit und über Katzen. Da gibt es Katzen, die von ihrem Leben erzählen, die sich kriminalistisch betätigen oder die ihre Menschenbeobachtungen darlegen. Es gibt Katzen, die sich als Fotomodell zeigen, die sich in allen Lebenslagen ablichten lassen. Und es gibt Menschen, die über Katzen berichten, mal sachlich-wissenschaftlich, mal katzenpsychologisch-beratend, mal humorvoll-erzählend.

  

Das alles ist dieses Büchlein nicht.

 

Es werden kleine Episoden aus dem Zusammenleben mit Peeves erzählt, kleine Beobachtungen, kleine Geschichtchen. Nichts Großes. Und aus jeder kleinen Momentaufnahme wird etwas Allgemeingültiges, eine Einsicht, etwas Hilfreiches, Überdauerndes uns Lesern angeboten.

 

Ob man darüber nachdenken mag oder nicht. Die Texte bewirken auf jeden Fall, dass wir unsere Katzen aufmerksamer beobachten und ihre Seelenklugheit achtsamer wahrnehmen.

 

Ich gebe zu, dass mich dieses feine, kleine Büchlein sehr berührt hat – auf eine feine, leise und sehr nachdrückliche Weise.

 

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Barbero / Rieger

Melange der Poesie

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

Verlag: Kremayr & Scheriau

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3218010825

 

 

 

„Alleinsein in Gesellschaft“

 

 

Drama, Komödie, Slapstick – alles vereint im Gemurmel, im Geräusch klappernden Geschirrs, im Geruch frisch gemahlenen Kaffees und  dem Rascheln von Papierseiten, Rückzugsort, Zuhause, Wohlbehagen – so ist das Wiener Kaffeehaus, wie es Saskia Jungnikl im Buch beschreibt. Es ist eine Institution, dessen Geschichte bereits im 17. Jahrhundert beginnt und bis heute viele Generationen später nichts eingebüßt hat von seinem ganz besonderen, teils geradezu morbiden Charme.

 

Das vorliegende Buch nimmt den Leser und Beschauer mit auf eine Reise durch die Wiener Kaffeehäuser von A – Z, auf eine Tour durch Räume mit und ohne Stuck, mit und ohne Rauch, mit und ohne Literaten, aber immer besonders. Es  wird in geradezu lyrischer Weise von der Historie des jeweiligen Kaffeehauses erzählt und ein Autor / eine Autorin steht jeweils in Wort und Bild Modell. Die unglaublich intensiven Schwarz-Weiß-Fotografien lassen diese Räumlichkeiten, die scheinbar jenseits von Zeit und Mode existieren, spürbar, erfahrbar werden, indem sie oftmals die Gerade verlassen oder sich in Spiegeltiefen verlieren.

 

Ich war, nein, ich bin von der Vielfältigkeit dieses Buches, von diesem Schatzkästchen fasziniert. Es ist ein Buch, das man immer und immer wieder zur Hand nimmt und jedes Mal Neues entdeckt, einen anderen Blickwinkel vielleicht oder einen thronenden Kater oder Stühle, die an Wänden hängen.

 

Bertold Brecht sagte es so: „Wien ist eine Stadt, die um einige Kaffeehäuser herum errichtet ist, in welchen die Bevölkerung sitzt und Kaffee trinkt.“ Nach Lektüre des Buches weiß ich: Dem ist nichts hinzuzufügen…

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Bastian Aue

Frei von der Seele

Taschenbuch: 128 Seiten

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN-13: 978-1546942153

 

 

Mag sein. Mag nicht sein.

 

 

Ein kleines, äußerlich sich bescheiden zeigendes Büchlein. Von einem Autor, der nicht unbedingt bescheiden ist. Denn er gibt uns Antworten aus einem „ganzheitlichen Bewusstsein“. Mag sein, mag nicht sein.

 

 

 

Auf jeden Fall handelt es sich um ein Sammelsurium von meist recht kurzen Gedanken zu unterschiedlichsten Themen und mit teils provokanten Titeln, wie z. B. „Jedes spirituelle Streben ist die Flucht vor dir selbst“ oder „Miese auf dem Konto – Befreiung von Schuld“. Bastian Aue serviert uns seine Sicht kurz und prägnant, sehr unaufgeregt, in Sätzen, die die Richtigkeit seines Denkens postulieren. Man muss nicht der Meinung von Bastian Aue sein. Aber Nachdenken über die Themen, über die Behauptungen, über sich selbst lohnt sich allemal. Der Autor empfiehlt den Umgang mit seinem Buch wie bei einem Bibel-Lotto: den Daumen wahllos eine Seite wählen lassen. Mir kam bei dieser Gebrauchsanweisung die Idee – so man gute, wirklich gute Freunde hat – mit diesen zusammen an einem gemeinsamen Abend ein auf diese Weise willkürlich gewähltes Thema miteinander zu bereden, einem Spiel gleich, locker, fröhlich, einander zuhörend.  Vielleicht bringt es einen weiter. Mag sein, mag nicht sein. Auf jeden Fall kann man gemeinsame Zeit schlechter verbringen als mit diesem Buch…