Ralf Nestmeyer

 

Nürnberg, Fürth, Erlangen

·         Taschenbuch: 252 Seiten

·         Verlag: Müller, Michael; Auflage: 11

·         ISBN-13: 978-3956541278

 

 

 

Allmächd, is der goud!

 

 Da liegt sie vor mir, die aktualisierte 11. Neuauflage des Städteführers Nürnberg, Fürth, Erlangen. Die farblich bunte Gestaltung des Covers und besonders die Regenbogenfarben des Buchrückens fallen im Buchhandlungsregal auf. Das Titelbild ist ziemlich abgedroschen, hat aber genau deswegen den Effekt, dass man den Reiseführer, noch ohne den Titel gelesen zu haben, bereits mit Nürnberg assoziiert.

 

Vorweg: Der Reiseführer ist nicht geeignet für Städte-Schnellkonsumenten, für Fast-Sightseeing, für oberflächliches Sehenswürdigkeiten-Sammeln. Zwar gibt es auch eine Übersicht der Sightseeing-Klassiker im Buch, aber wem das genügt, der ist mit einem leichtgewichtigen Faltblatt,  das man gratis bei der Touristen-Info bekommt, ausreichend gut bedient. Der vorliegende Reiseführer fordert Zeit! So wie die Stadt, will man sie wirklich entdecken, Zeit fordert. Nürnberg ist so unendlich viel mehr als Burg und Schöner Brunnen. Die Einteilung des Reiseführers, der uns auf  10 verschiedenen Touren durch die Stadt begleitet, begeistert mich. Denn bei diesen Touren, jeweils versehen mit einer Übersichtkarte, werden die Augen auf vielfältige Details gelenkt, auf Historisches ebenso wie auf Modernes, auf Typisches für diesen Stadtteil, auf Wissenswertes, Kulturelles, auf Öffnungszeiten und Eintrittspreise, dazu jeweils ergänzt durch eine Fülle von Hinweisen, wo man in diesem Stadtteil Hunger und Durst stillen kann.

 

Auch Fürth und Erlangen werden ausführlich beschrieben. Und es finden sich all die nützlichen Hinweise, die einem Touristen das Zurechtfinden in einer fremden Stadt erleichtern, ergänzt durch ein umfangreiches Register, das Straßennamen, Bauwerke, aber auch Stichworte wie Lebkuchen und Schäufele enthält.

 

Tagelang habe ich in diesem Reiseführer vor- und zurückgeblättert, habe mich festgelesen und bin, indem ich durch das Buch wanderte, ebenso durch meine ersten 40 Lebensjahre in Nürnberg gewandert, wiedererkennend, erinnernd und verblüfft von all dem Neuen, das zwischenzeitlich in Nürnberg entstanden ist.

 

Ralf Nestmeyer ist, wie ich meine, der perfekte Reiseführer gelungen: Sachlich-klar geschrieben, strukturiert, Geschichte und Gegenwart gleichermaßen würdigend, mitunter auch einmal eine leise Kritik unterbringend, immer aber spürbar seine Zuneigung zu dieser wunderbaren Stadt ausdrückend. Was sich auch in Einschüben wie zum Beispiel diesem hier zeigt, mitten unter „Kultur- und Nachtleben“ zu finden:

 

 „Allmächd!“: „Das Staunen der Welt, die irdischen Schrecken der Existenz und das Bedauern der Vergänglichkeit in ein Wort gepackt, dessen einzigartige Konnation durch eine weit durch die Zahlreihen hervorgestreckte Zunge und einen nach unten geschobenen Unterkiefer hervorgerufen wird“.

 

 

                                                                  Lyrik

Anna Achmatowa

 

Liebesgedichte

 

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

 

·         Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag

 

·         Sprache: Deutsch

 

·         ISBN-13: 978-3150108451

 

 

 

Klein und fein

 

Der Name Anna Achmatowa mutet in seiner Sprachmelodie allein schon fast wie ein Gedicht an. Der Name zog mich an, und ich entdeckte ein ganz kleines Büchlein, eine Sammlung ihrer schönsten Liebesgedichte.

 

Anna Andrejewna Achmatowa lebte von 1889 bis 1966 und gilt als eine der bedeutendsten russischen Dichterinnen. Im Nachwort von Elisabeth Chéauret erfährt man in der sehr kurzen Darstellung etwas über das grausam harte Leben der Dichterin und ihre überragende Bedeutung „national und weltumfassend“, wie es Lew Kopelew in seiner Grabrede ausdrückte. Ich könnte mir vorstellen, dass eine romanhafte Biographie über Anna Achmatowa zu schreiben eine große, eine sehr große, aber lohnenswerte Aufgabe für einen Autor wäre, da das Leben sowohl literarisch als auch politisch gesehen werden müsste.

 

Die vorliegende kleine, feine Sammlung an Liebesgedichten berührte mich sehr. Ich kann nicht beurteilen, ob die Übersetzung von Kay Borowsky den russischen Originaltexten vollumfänglich gerecht wird. Aber mich spricht die knappe, reduzierte, klare Sprache sehr an, die in kürzester Form eine Welt von Gefühlen übermittelt. Sehr viel Traurigkeit liegt darin, selten ungetrübte Freude oder Hoffnung.

 

Kann man das Fehlen von Liebe kürzer und deutlicher sagen?

 

Schlimm war sein ruhiges Lächeln:

 

„Es zieht da, wo du stehst.“

 

 

 

Ein Büchlein, das man immer und immer wieder lesen kann…

Agnes Prus

Halb zehn – das Frühstücksbuch

 

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

·         Verlag: Stiftung Warentest

·         ISBN-13: 978-3868514766

 

 

Das Frühstück zelebrieren…?

Das vorliegende Buch ist teuer. Es ist schwer. Es ist aufwändig gestaltet. Es enthält schöne, appetitanregende Fotos. Die rosa Farbe des Einbandes mutet mich seltsam an. Auch der Titel: halb zehn. Wer von uns frühstückt um halb zehn, außer vielleicht sonntags? Dennoch war ich voll froher Erwartung auf neue Frühstücksideen, auf neue Impulse für das eigene tägliche Gewohnheitsfrühstück.

 

Das Vorwort bereitet uns vor: Das Frühstück sollte zelebriert, geradezu gefeiert werden. So schön dieser fromme Wunsch auch ist. Seien wir doch ehrlich, wer von uns hat die Möglichkeit, aus seinem alltäglichen Frühstück eine Zeit des Wohlfühlens und Genießens zu machen? Und in der Tat will uns die Autorin dazu animieren, das tägliche Frühstück sehr bewusst  vorzubereiten, bei Brot und Brötchen mitunter schon Tage vorher. Und nein, ich habe keine Lust, in einem Frühstücksbuch zu lernen, wie man Sauerteig macht, ich möchte auch nicht Marmeladen einkochen. Bei Interesse würde ich mir ein Brotbackbuch und ein Marmeladen-Einkochbuch kaufen. Ich möchte in einem Frühstücks-Buch Frühstücksideen finden, alltagstauglich, leicht und schnell umsetzbar. Die Autorin schafft es jedoch, selbst aus einem „belegten Brot mit Ei“, einem wie sie es nennt „Retro-Sandwich bestechend durch Schlichtheit“, ein zeitaufwändigeres Rezept zu zaubern, zu dem es mehrere Zutaten braucht.

 

Wirklich schlimm empfinde ich persönlich jedoch, dass die meisten Rezepte nicht nur viel Arbeit machen, sondern auch Zutaten benötigen, die ich teils noch nie gehört habe, teils auch nirgends bekomme, da ich in einer Kleinstadt lebe. Was ist Pul Biber? Was ist Sriracha-Soße? Es wird uns nirgends erklärt. Eine Handvoll Babyspinat habe ich natürlich auch stets im Kühlschrank, ebenso wie schwarzen Sesamsamen oder Kokosblütenzucker. Dies nur eine kleine Auswahl, die Aufzählung ließe sich beliebig lange fortsetzen.

Für mich ist das Buch sehr, sehr enttäuschend. Warum nennt es sich Frühstücksbuch statt Brunch-Buch? Warum wird nicht bereits im Titel darauf hingewiesen, dass es sich eher um internationale Gerichte handelt, die Zeit und Know-How erfordern? Warum gibt es keine Auflistung der teils fremd anmutenden Zutaten, vielleicht sogar mit Hinweis, was alternativ verwendet werden könnte? Ach ja, das besagte „Belegte Brot mit Ei“ schaffe ich übrigens sehr viel schneller ganz ohne dieses sehr merkwürdige rosa Kochbuch.

Wladimir Kaminer

Liebesgrüße aus Deutschland

Taschenbuch: 288 Seiten

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442473656

 

 

Russisch Brot mit Herz

 

 Gerne schauen wir Deutschen mit Neugier, Bewunderung, oftmals auch mit Kopfschütteln nach Russland, nach dem historischen wie auch dem modernen Russland. Nicht erst seit Dr. Schiwago üben russische Geschichten eine merkwürdige Faszination aus. Wir kuscheln uns lesend in teuere Pelze und trotzen gerne der sibirischen Kälte und allzu oft auch der russischen Realität.

 

Wie ist es nun, wenn ein in Moskau geborener Autor, der seit 1990 in Deutschland lebt, auf uns Deutsche schaut?

„Wenn ein Russe von den Deutschen spricht, dann sagt er, ihnen fehle das Herz. … alles tun sie ohne Herz, aus bloßem Interesse.“

 

Herz ist es, Herz zeichnet ihn aus, wenn Kaminer uns zuschaut, wie wir Deutschen jährlich Millionen für Klarsichthüllen ausgeben, um unseren Staat ordentlich in Aktenordnern zu verwalten. Er hält uns auf sehr witzige Weise den Spiegel vor. Er, dessen Kater Fjodor Dostojewski heißt, erzählt uns von der deutschen Erfindung von Russisch Brot und stellt den gewagten Vergleich an zur großen Bedeutung von Brot in Russland, ohne das es keine Oktoberrevolution gegeben hätte.

 

Man liest und lacht und liest und schmunzelt, und ganz nebenbei lernt man mehr über die russische Seele, als es jedes schlaue Sachbuch vermitteln könnte. Dass beispielsweise das Unterrichtsfach Sport in Russland „physische Kultur“ heißt – das sagt doch alles, nicht wahr?

Wolfgang Büscher

Berlin – Moskau, Eine Reise zu Fuß

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

ISBN-13: 978-3499236778

 

Nu dawai!

 

 

 

Der Journalist Wolfgang Büscher machte sich zu Fuß auf eine ganz und gar unglaubliche Reise, beginnend an einem heißen Sommerabend in Berlin. Er geht gen Osten, über Polen weiter nach Weissrussland und schließlich bis Moskau. Das wichtigste Utensil: eine winzige Schere zum Schneiden von Pflasterstreifen…

 

 

Das Buch ist kein Reiseführer. Und es ist doch einer, aber einer fast ohne nachschlagbare Fakten, sondern einer, der prall gefüllt ist mit skurrilen Erlebnissen, mit merkwürdigen Begegnungen, mit unglaublichen Geschichten, und immer wieder dazwischen manchmal fast beiläufig eingestreute geschichtliche oder politische Rückblicke, Meinungen, Verwunderungen. Mit einer fein nuancierten Beobachtungsgabe und schier endloser Neugier ausgestattet, erlebt der Autor sehr viel Verwunderliches, Überraschendes. Wir schauen mit ihm zusammen die Mini-Ausschnitte seines persönlichen Erlebens an und bekommen so, ganz ohne Lexikon-Wissen bemühen zu müssen, ein Gefühl für russisches Leben in jeglicher Ausprägung. Und Büscher erzählt uns davon in einer ausgesprochen schönen, stellenweise fast lyrisch anmutenden bildhaften Sprache. Ein wunderbar zu lesendes Buch, lebendig, intensiv. Erleben Sie es selbst: Nu dawai!

 

 Quirin Wimmer

 Moskau light

 Gebundene Ausgabe: 136 Seiten

 Verlag: Edition artCo

 ISBN-13: 978-3936069020

 

 

 

 Vergnüglich, wenn auch veraltet

 

 Der Autor, ein Osteuropa-Kenner, hielt sich einen Sommer lang in Moskau auf und berichtet im vorliegenden Büchlein auf eine sehr humorvolle und fein beobachtende Weise von seinen persönlichen Erlebnissen. Im Klappentext heißt es treffend: „Mit seinen Geschichten vermittelt er dem Leser Einblicke in Alltäglichkeiten sowie Bizarres aus einer Stadt im Aufbruch. Seine Beobachtungen haben nicht den Anspruch, in die Tiefe der russischen Seele zu dringen. Er ist fasziniert von der Authentizität des spontan Erlebten. Moskau light eben.“

 

In der Tat habe ich mit großem Vergnügen das Büchlein gelesen. Ich lernte die gigantische Stadt durch die Augen des Autors kennen, war mit ihm unterwegs ohne schweren geschichtlichen Ballast, aber mit großer Entdeckerfreude des Alltäglichen. Allerdings habe ich während des Lesens auch viel nachgeschlagen. Allein schon das imposante Gebäude des Moskauer Konservatoriums, in dem so viele große und ganz große Komponisten und Künstler lernten und lehrten, beeindruckte mich zutiefst, während der Autor lieber in einem ganz in der Nähe gelegenen Café saß, die vielen jungen Menschen beobachtete und den aus den geöffneten Fenstern herausdringenden unterschiedlichsten Instrumentenklängen lauschte.       

 

Aktuell leben 12,4 Mio. Menschen in Moskau, zum Zeitpunkt der Niederschrift des Buches (ca. 2005) waren es noch 9 Mio. Und genau da haben wir den Punkt, der mich unbefriedigt zurückließ, weil das Buch inzwischen in vielen Punkten veraltet ist. Je weiter ich las, desto dringender wurden meine Fragen: Und wie ist es heute? Was hat sich in welcher Weise geändert oder auch nicht? Sind die Taxis immer noch so verschlissen und im Innenraum liebevoll von Hand tapeziert? Gibt es noch die wodkafröhlichen Bootsausflüge auf der Moskwa mit den in die Jahre gekommenen Highspeed-Raketas? Sollte man nach wie vor das kyrillische Alphabet beherrschen, wenn man sich nicht in dieser Riesenstadt verirren wollte? Gibt es noch die Sesselliftbahn mitten in Moskau? Und wandern nach wie vor Russen, als Lenin verkleidet, über den Roten Platz, um sich für ein paar Rubel von Touristen fotografieren zu lassen?

 

Also mit anderen Worten – das leider veraltete Buch hat mich sehr, sehr neugierig gemacht auf diese beeindruckende Stadt. Insofern hat es mir eine Tür geöffnet – was will man mehr. 

Romana Wiesinger

Kochbuch für die Seele

Taschenbuch: 176 Seiten

Verlag: Orac

ISBN-13: 978-3701505982

 

 

Der Untertitel „Wie die Psyche unser Essverhalten beeinflusst“ weckt große Erwartungen an das Buch. Man erwartet Informationen über die Zusammenhänge von Psyche und Physis, man erhofft Hinweise, wie man sich selbst „auf die Schliche“ kommen kann, um möglicherweise sein Essverhalten zu optimieren.

 

Um es kurz zu machen: Das Beste am Buch sind seine originellen Kapitel-Überschriften. Der Inhalt jedoch mäandert zwischen gesellschaftspolitischen Allgemeinplätzen, plakativen Behauptungen, oberflächlichen Sichtweisen, persönlichen Vorstellungen und lediglich angerissenen möglichen psychischen Komponenten hin und her. Wahrscheinlich, vielleicht, möglicherweise, es könnte sein… die Autorin behauptet so allerlei, ohne es ernsthaft belegen zu können. Eine sehr fragwürdige „Einteilung“ in bestimmte Essens-Gruppen mit noch fragwürdigeren Ratschlägen beschließt das Buch. Weder werde ich im Anschluss an die Lektüre meinen Körper auf dem Boden liegend mit dem Stift umrunden, noch werde ich ein Plüschtier als „Ver-Körperung“ meines Körpers kaufen, geschweige denn auf Zehenspitzen stehend Zähne putzen und im Restaurant wahllos alles essen, war mir Spaß macht. Auch wird es mir nicht gelingen, „kritische Gedanken einfach wegzuschieben“, schon gar nicht meine kritischen Gedanken zu diesem unnötigen Buch.

 

Zenta Maurina

 

Porträts russischer Schriftsteller

 

 

Leider vergriffen

 

 

 

„Wer den russischen Menschen begreifen will, wird ohne die Kenntnis dieses Buches nicht mehr auskommen können.“ (aus dem Klappentext)

 

Zenta Maurina (1897 – 1978) war eine überragende Kennerin der russischen Literatur. In Riga geboren wuchs sie zweisprachig auf und konnte die russischen Dichter in Originalsprache lesen. Sie promovierte als erste Frau summa cum laude an der Universität Riga in der Philosophisch-philologischen Fakultät, trotz der erschwerenden Tatsache, seit dem 5. Lebensjahr nach Erkrankung an Kinderlähmung lebenslang an den Rollstuhl gefesselt zu sein. Ich lernte ihre Bücher bereits im Alter von 15 Jahren kennen, durfte ihr auch mehrfach persönlich begegnen. Für mich persönlich sind ihre Bücher allesamt unausschöpfbare Quellen von Wissen einerseits und tiefer Menschlichkeit andererseits. Leider sind nahezu alle ihre Werke vergriffen. Umso mehr hüte ich den Schatz der in meinem Besitz befindlichen 24 Titel, die mich seit mehr als 50 Jahren durch viele Umzüge und Ortswechsel hinweg stets verlässlich begleiteten.

 

Der vorliegende Band, eine Sammlung von Porträts sehr persönlich ausgewählter russischer Literaten, ist in seinen politischen und zeitgeschichtlichen Anspielungen aus seiner Entstehungszeit (das Buch erschien 1968) heraus zu verstehen. Dennoch enthalten die Abhandlungen so viel Grundsätzliches, Zeitloses, von tiefstem Verständnis für die in Literatur gefasste russische Seele, dass die Lektüre für alle, die mit ernsthaftem Interesse in das Thema eintauchen wollen, von großem Wert sein dürfte.

 

Begonnen wird mit Michail Wassiljewitsch Lomonossow (1711 – 1765), dem „Begründer der russischen Literatur“, wie Zenta Maurina ihn nennt. Sehr viel ausführlicher befasst sie sich im Anschluss daran mit Anton Tschechow (1860 – 1904), wendet sich dann Anna Andrejewna Achmatowa (1889 – 1966) zu, die sie die „Sappho des 20. Jahrhunderts“ nennt, um mit Andrej Sinjawskij (1925 – 1997), Alexander Solschenizyn (1918 – 2008) und Valerij Tarsis (1906 – 1983) zu enden. Jedes Porträt für sich öffnet eine umfassende Weltsicht weiter und tiefer, als ich sie je sonst gelesen habe und jeglichen üblichen biographischen Rahmen sprengt. Jede Seite regt an, weiter zu forschen, mehr zu entdecken. Jedes Zitat, jeder erwähnte Zeitgenosse der vorgestellten Persönlichkeiten führt den Leser auf neue Wege, zu neuen Sichtweisen sowohl auf die russische Literatur als auch auf den Menschen jenseits aller Ländergrenzen.

 

Natalie Grams

Gesundheit

Festeinband: 338 Seiten

Verlag: Springer

ISBN-13: 978-3662547984

 

 

Ein mutiges und wichtiges Buch

 

Die Autorin ist approbierte Ärztin. Homöopathie und TCM hatte sie zusätzlich erlernt und angewandt. Insofern ist sie einzuschätzen als Kennerin der herkömmlichen bzw. modernen Medizin ebenso wie einiger Alternativverfahren. Und genau das macht die Gewichtigkeit des vorliegenden Buches aus, denn die Autorin weiß sehr genau, wovon sie spricht. Sie führt keinen Glaubenskrieg, sondern mit kritischem Verstand und hoher Kompetenz geht sie das mit so viel Glauben, Irrglauben, Heilsversprechen oder Vorurteilen besetzte Thema an: unser Gesundheitssystem im weitesten Sinn.

 

Das Buch ist eine geschickte, verständliche und immens wichtige Aufklärung für den interessierten Leser, denn erst ein möglichst umfassend informierter Patient ist in der Lage, ernst gemeinte Selbstverantwortung zu übernehmen. Er wird durch das Buch in die Lage versetzt, Glaubenssätze von belegten Erkenntnissen zu unterscheiden und aufgrund dieser Erkenntnisse seine Entscheidungen zu treffen. In vielen verschiedenen Facetten beleuchtet die Autorin unser Gesundheitssystem. Finanzielle und politische Aspekte, wissenschaftliche Forschung, Krankenkassen bzw. Solidarsystem sind nur einige der vielen Begriffe, denen die Autorin sich zuwendet. Besonderes Augenmerk richtet sie auf die sogenannte Alternativmedizin und betrachtet eine Reihe der wissenschaftlich nicht belegten Methoden in Ausführlichkeit und – wie überhaupt – im gesamten Buch – unter Hinzuziehung einer Fülle von entsprechender Literatur. Wer dieses Buch sorgsam liest, erkennt sehr genau, was in unserem derzeitigen Gesundheitssystem und in Wissenschaft und Forschung Großartiges geleistet wird, aber auch, worin ein essentieller Mangel besteht und wie die Alternativmedizin auf geschickteste Weise genau diesen Mangel „benutzt“, um sich in den Vordergrund zu spielen.

 

Dem Buch sind viele Leser zu wünschen, die bereit sind, ihre eigenen Vorurteile (wer hat die nicht) zu hinterfragen und sich mitdenkend zu öffnen für eine kritische Auseinandersetzung mit unserem Gesundheitssystem, das besser ist als sein Ruf. Erst anhand umfassender Information, verbunden mit einer inneren Aufgeschlossenheit, ist man in der Lage, echte Selbstverantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen und Stammtisch- bzw. Illustriertenweisheiten nüchtern zu widerstehen.

 

Die Autorin schreibt teils ironisch, teils bitter ernst, immer aber dem Leser wohlwollend zugewandt und verständlich. Sie hilft dabei, eine saubere Trennung  von Begrifflichkeiten vornehmen zu lernen, um nicht unkritisch den in der Alternativmedizin so häufig benutzten Wörtern wie „Ganzheitlichkeit“, „Immunabwehr stärken“ u. v. m. jenseits der Naturgesetze zu begegnen. Wie sagte Eckhard von Hirschhausen ganz richtig: „Die Wissenschaft hat die Magie aus der Medizin vertrieben, aber nicht aus uns Menschen.“ Dr. Natalie Grams hilft uns mit dem vorliegenden Buch sehr umfassend, unsere eigenen magischen Vorstellungen und Wünsche zu entlarven und uns zu dem klaren Weg der evidenzbasierten Medizin und damit zu wissend-kritischem Vertrauen zurückzuführen,

 

Leider weckt die Covergestaltung völlig falsche Erwartungen an das Buch. Ein werbewirksames fröhliches Gesicht mit Zahnpastalächeln will uns den Titel „Gesundheit“ verkaufen. Anhand des Titelbildes geht man von einem weiteren 08/15-Ratgeber aus.  Weder der Titel selbst noch die Gestaltung deuten darauf hin, dass es sich um sehr wichtiges, gründlich recherchiertes und sehr mutiges Buch handelt, das äußerst sorgfältig und praxisnah die Bedeutung von Wissenschaft und Evidenz in der Medizin beleuchtet.

 

 Victoria Fromm

 Bio-Size statt Plus-Size

 Taschenbuch: 60 Seiten

 Verlag: Books on Demand

 ISBN-13: 978-3744883733

  

 

 

 

Nur 60 Seiten! Mehr braucht es nicht, tatsächlich nicht.

 

 

 

„Wenn du etwas haben willst, was du noch nie gehabt hast, musst du etwas tun, das du noch nie getan hast.“

 

Die Autorin berichtet teils humorig in kurzen Kapiteln über ihre eigene Erfolgsgeschichte, in 9 Monaten 40 kg abgenommen zu haben. Sie betont mehrfach, dass es ihre eigenen Erfahrungen sind, die sie weitergeben möchte. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Alle wichtigen Themen sind kurz und klar aufgegriffen, wie z. B. Entschlacken, Entsäuern, Darmaufbau, Bewegung, Schlaf usw., ohne wissenschaftliche Hintergründe bemühen zu müssen. Vieles war mir fremd, wie z. B. die Konjakwurzel, auch die strenge vegane Ernährungsform liegt mir nicht. Aber da die Autorin nichts verteufelt, sondern lediglich ihren eigenen Weg erzählt, bleibt dem Leser stets die freie Wahl, wie weit und womit er der Autorin auf ihrem Erfolgsweg folgen möchte oder nicht. Und genau diese Freiheit, dem Leser die eigene Wahl zu lassen, hebt das Büchlein weit über so manchen umfangreichen Ratgeber hinaus. Umsetzen muss man aber auch hier eine veränderte Essens- und Lebensform selbst aus eigenem Erkennen heraus. Dazu ist das Büchlein ein überzeugender, knackig kurzer, beeindruckender Impulsgeber!

 

Bianca Rafaéla, Michael Baswald

Spoonfood

120 Wohlfühlsuppen

Gebundene Ausgabe: 296 Seiten

Verlag: Löwenzahn Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3706626309

 

 

 

Eine Schüssel voll Glück

 

Was für ein schönes,  reichhaltiges, umfassendes, liebevoll gestaltetes und dazu noch schwergewichtiges Buch!

 

Die Autoren, die selbst ein Suppen- und Eintopf-Lokal in Wien führen, haben die besten Rezepte gesammelt. Was mich auf Anhieb begeistert hat, ist die Buchgestaltung. Jedes Rezept darf sich auf 2 Seiten darstellen: Ein ganzseitiges, appetitanregendes Foto des Kochergebnisses, zusätzliche Tipps wie Sprechblasen im Foto eingefügt, und auf der zweiten Seite übersichtlich zweifarbig die Zutaten sowie die Zubereitung, in klaren Textabschnitten gegliedert, mit zusätzlichen Hinweisen wie „glutenfrei“ oder „vegan“. Die Rezepte selbst sind allesamt einfach nachzukochen, sind alltagstauglich und die benötigten Zutaten sind problemlos erhältlich. Einziges Manko: Es fehlt ein Hinweis auf die Zubereitungs- und Kochzeit. So könnte man leichter beim Durchblättern sofort abschätzen, ob man dieses Rezept „mal eben“ noch schnell kochen kann.

 

Drei Selbstversuche im Nachkochen und anschließenden Genießen haben mich völlig überzeugt. Die Rezepte sind wirklich anhand der Zubereitungsanweisungen ganz problemlos nachzukochen, schmecken hervorragend und das Ergebnis wärmt Herz und Bauch.

 

 Rainer Güllich

 Flaschenpost

 Taschenbuch: 199 Seiten

 Verlag: AAVAA Editions

 ISBN-13: 978-3959860093

  

 Das Ende einer Sucht

 

 

 

 

 

Dieses Buch berichtet in sehr eindringlicher Weise von Paul Schlosser, einem unreifen, selbstunsicheren jungen Mann, der recht ziellos und sozial isoliert durchs Leben treibt und durch den Alkohol vermeintliche Stärkung und trügerische Sicherheit erlebt. Wir erfahren viel über frustrierende Arbeitsversuche, über ein hilfloses Elternhaus, über Kneipen als Zufluchtsort und gemeinsames Trinken als vermeintlich freundschaftliches Miteinander. Die Alkoholabstürze mehren sich, die Einsicht fehlt, ein erster Therapieversuch schlägt fehl. Die Schraube dreht sich immer weiter abwärts…

 

 

 

Der Untertitel nimmt das Ende vorweg. Das ist gut – für Paul Schlosser selbst und für Leser, die sich bei Büchern ein positives Ende wünschen. Und das ist schlecht – für den Spannungsbogen, für das lesend-mitspürende Sich-Hineinbegeben in den Abwärtssog, denn der Leser weiß ja: Es geht gut aus. Und so bleibt er immer ein kleines Stückchen außerhalb des Geschehens. Ein weiteres Problem habe ich mit den Zeitsprüngen – ein Stilmittel, das in einem Erfahrungsbericht nichts verloren hat und zu unnützer Verwirrung führt. Die mitunter deftige Sprache stößt ab, ist aber sicher sehr realistisch und wirklichkeitsnah eingesetzt.

 

Abgesehen von diesen „Äußerlichkeiten“ habe ich das Lesen dieses Buches jedoch als großen Gewinn empfunden, denn noch nie vorher habe ich in einer solch brachialen Intensität die Welt eines Alkoholkranken erlebt und seinen Weg in die Hölle und aus ihr heraus miterlebt. Das allein zählt.

Hermien Stellmacher / Joachim Schultz

Wie wir Katzen die Welt sehen

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten

Verlag: Insel Verlag

ISBN-13: 978-3458363057

 

 

Endlich!

 

Es wurde Zeit, höchste Zeit, dass uns Katzen die Augen öffnen. Nicht länger dürfen wir Menschen vom „Rätsel Katze“ sprechen, denn mit diesem Buch hat die Katzenwelt endgültig aufgeräumt mit all den Märchen, die in Tausenden von Ratgebern kursieren. Da wir Menschen Struktur benötigen, haben sich die Katzen der Mühe unterzogen, alles Wissenswerte in alphabetischer Form aufzulisten. Stellen wir uns also unseren eigentlichen Aufgaben: Lesen wir dieses Buch und lernen wir daraus, damit wir fähig werden, genau diese Katze, die sich herabgelassen hat, ihr Leben mit uns zu teilen, rundum glücklich zu machen.

 

Im Ernst: Nehmen Sie sich Zeit für dieses liebevollst ausgestattete Büchlein! Es gibt darin so viel zu entdecken. Wie ein Brockhaus verschafft es uns durch Querverweise Wissensvermehrung voller Heiterkeit. Damit sich uns die Botschaften besser einprägen, haben die Katzen weder Kosten noch Mühe gescheut und eine Fülle von Fotos, Collagen, Zeichnungen, Auflistungen etc. dem Buch beigefügt. Alles in der nachvollziehbaren Hoffnung, uns Menschen endlich klar zu machen, was unsere einzige Aufgabe ist: nämlich Katzen froh zu machen.

 

Das wunderbare Büchlein ist DAS Geschenk für alle Katzenliebhaber und, wer weiß, vielleicht sogar für Katzen-weniger-Liebhaber.

 

 Andreas Tjernshaugen

 Das verborgene Leben der Meisen

 Gebundene Ausgabe: 234 Seiten

 Verlag: Insel Verlag

 ISBN-13: 978-3458177234

 

  

Toller Inhalt in schäbiger Verpackung

 

Wieso hat man einen so gehaltvollen Inhalt zwischen zwei schäbige, dicke Pappdeckel gesteckt, ein Einband, der bereits nach wenigem  In-die-Hand-Nehmen trotz sorgsamer Behandlung hässlich-schmutzig aussieht und angeschlagene Ecken aufweist? Soo schade…

 

Der Autor ist ein vielseitig interessierter Redakteur, der sich aus persönlichem Interesse der Welt der Meisen widmete und uns viel, viel Interessantes zu erzählen weiß. Er schlägt in seinem Buch einen großen Bogen von vielen persönlichen Erfahrungsberichten bis hin zu wissenschaftlichen Ergebnissen. Er erzählt locker-humorvoll vom Familienleben und von den Familiendramen bei Meisens, von deren unglaublicher Anpassungsfähigkeit, ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten, ihrer großartigen Fürsorge für den Nachwuchs und noch vieles, vieles mehr! Im Anhang gibt es spezielle Tipps, wie man z. B. einen Nistkasten selbst baut oder wie und wo die Nistkästen für Meisen am besten anzubringen sind, womit Sie füttern sollten. Die vielen farbigen Zeichnungen und Fotos unterstreichen den Text und erhöhen seinen Informationsgehalt.

 

Fazit: Kein trockenes Sachbuch, sondern eine persönlich-humorvoll erzählte, aber dennoch fundierte Reise in die Welt der Meisen, die wir nach Lektüre des Buches mit ganz neuen Augen wahrnehmen werden.

 

Rainer Güllich

Begegnungen – Geschichten aus der Psychiatrie

Taschenbuch: 124 Seiten

Verlag: Karina-Verlag

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3903161283

 

 

Begegnung von Mensch zu Mensch

 

 

 

Ein kleines Büchlein in bescheidener Ausstattung. Dem ich erst einmal nicht allzu viel zutraute. Und das mich sehr überraschte.

 

 

 

Wir begegnen dem Autor, einem Ergotherapeuten, der aus seiner besonders prägenden beruflichen Anfängerzeit in der Gerontopsychiatrie berichtet.

 

Und wir begegnen einigen älteren Menschen, die aufgrund verschiedener psychiatrischer Erkrankungen aus dem gesellschaftlichen Rahmen gefallen sind, die Hilfe und Unterstützung benötigen.

 

Als Essenz zum Thema Begegnungen lesen wir über die Kontakte zwischen dem Therapeuten und dem Hilfsbedürftigen, über die Interaktionen, gelingend oder auch nicht. Der Autor gewährt sehr offen Einblicke in seine Unsicherheiten, seine Fehlentscheidungen, aber er lässt auch, vielleicht sogar ungewollt, einen Blick zu auf seine wertfreie innere Haltung gegenüber Menschen, die sich nicht „normal“ verhalten, auf seine therapeutische Fähigkeit, die ihm ermöglicht, auf ungewöhnliche Situationen hilfreich und menschen-zugewandt zu reagieren. Er schildert sehr bewegend eine Welt des Fremden, Irritierenden, oft auch Komischen. Es handelt sich um wunderbare kleine Episoden, die so liebevoll geschrieben sind, dass uns die Hauptakteure, nämlich die Patienten, in ihren Verhaltensweisen nicht befremdlich wirken.

 

Dem Büchlein wünsche ich viele, viele Leser, z. B. Menschen mit Vorurteilen oder Berührungsängsten gegenüber psychisch Kranken, gegenüber alten Menschen, gegenüber Therapeuten. Und ich wünsche ihm Leser, die in den schweren pflegerischen Berufen tätig sind, damit sie im Alltag nicht das Wesentliche aus dem Blick verlieren, nämlich die Begegnung von Mensch zu Mensch.

 

Abigail Tucker

 Der Tiger in der guten Stube

 Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

 Verlag: Theiss, Konrad

 ISBN-13: 978-3806236477

 Originaltitel: The Lion in the Living Room

 

  

 

Sachbuch in falschem Gewand

 

 

 

Ein niedliches Katzenkind auf dem Titelbild, ein spielendes Katzenkind auf der Rückseite und eine Fülle von kleinen Zeichnungen von kletternden, sitzenden, grimmig oder lieb schauenden Katzen, Pfötchen, die über die Seite laufen – die gesamte Aufmachung suggeriert ein „liebes“ Katzenbuch, vielleicht sogar für Kinder. Solcherart falsche Erwartungen zu wecken, kann doch nicht wirklich verkaufsfördernd sein?

 

 

Denn tatsächlich handelt es sich um ein fundiertes Sachbuch, das eine unglaubliche Fülle an Informationen rund um das Thema Katze vermittelt. Die Auflistung aller Fußnoten, d. h. Quellenverweise, studierte Literatur etc., in kleinster Schrift gesetzt, umfasst 20 Buchseiten! Die Autorin hat ungeheuere Fleißarbeit geleistet. Allein schon dafür gilt ihr meine größte Anerkennung. Zwar schreibt sie als Amerikanerin zwangsläufig mit Blick auf die USA, aber viele, viele Informationen lassen sich eins zu eins auf Europa übertragen. Die mitunter etwas trockenen, aber gut verständlichen Inhalte werden immer wieder aufgelockert durch Erzählungen der Autorin über ihre persönlichen  Katzen-Erlebnisse. Es gefällt mir sehr gut, dass Abigail Tucker versucht, sich mit allen von ihr angerissenen Themen möglichst neutral zu befassen, sie wertet nicht, weist keine Schuld zu. Sie hält sich an Fakten, an Forschungsergebnisse, an Umweltaktivisten, an Tierschützer, an Züchter, an Wissenschaftler. Leider, leider fehlen im Buch Fotos. Man hätte gut daran getan, statt der kinderbuchartigen Zeichnungen aussagekräftige Fotos einzufügen, um die angebotenen Informationen anschaulich zu machen.

 

Auf der Rückseite des Buches verspricht der Verlag, dass man nach Lektüre dieses Buches Katzen mit anderen Augen sehen wird. Und das ist in der Tat so! So viel Erschreckendes, Befremdliches habe ich noch nie über Katzen gelesen. Verwunderung, Entsetzen, Scham, Ungläubigkeit, Heiterkeit – eine große Bandbreite an Reaktionen löste das Buch in mir aus, ungewöhnlich für ein Sachbuch und Nachweis für die besondere Qualität des Buches.

  

Wer Katzen liebt, sollte das Buch lesen. Und wer Katzen nicht mag, sollte dieses Buch auch lesen!

Eva Meder-Thünemann

Das kleine Buch vom schnurrenden Philosophen

Gebundene Ausgabe: 80 Seiten

Verlag: Verlag Herder

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3451378720

 

 

Von Katzen lernen

 

 

Ein feines, kleines Büchlein liegt vor mir. In seiner äußeren Form sorgfältig verarbeitet. Und in seinem Inneren auf eine ganz leise Art berührend.

 

 

 

Ein Geschenk für einen Katzenfreund zu suchen, ist nicht schwierig. Auf dem Markt gibt es unzählige Bücher von, mit und über Katzen. Da gibt es Katzen, die von ihrem Leben erzählen, die sich kriminalistisch betätigen oder die ihre Menschenbeobachtungen darlegen. Es gibt Katzen, die sich als Fotomodell zeigen, die sich in allen Lebenslagen ablichten lassen. Und es gibt Menschen, die über Katzen berichten, mal sachlich-wissenschaftlich, mal katzenpsychologisch-beratend, mal humorvoll-erzählend.

  

Das alles ist dieses Büchlein nicht.

 

Es werden kleine Episoden aus dem Zusammenleben mit Peeves erzählt, kleine Beobachtungen, kleine Geschichtchen. Nichts Großes. Und aus jeder kleinen Momentaufnahme wird etwas Allgemeingültiges, eine Einsicht, etwas Hilfreiches, Überdauerndes uns Lesern angeboten.

 

Ob man darüber nachdenken mag oder nicht. Die Texte bewirken auf jeden Fall, dass wir unsere Katzen aufmerksamer beobachten und ihre Seelenklugheit achtsamer wahrnehmen.

 

Ich gebe zu, dass mich dieses feine, kleine Büchlein sehr berührt hat – auf eine feine, leise und sehr nachdrückliche Weise.

 

Barbero / Rieger

Melange der Poesie

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

Verlag: Kremayr & Scheriau

Sprache: Deutsch

ISBN-13: 978-3218010825

 

 

 

„Alleinsein in Gesellschaft“

 

 

Drama, Komödie, Slapstick – alles vereint im Gemurmel, im Geräusch klappernden Geschirrs, im Geruch frisch gemahlenen Kaffees und  dem Rascheln von Papierseiten, Rückzugsort, Zuhause, Wohlbehagen – so ist das Wiener Kaffeehaus, wie es Saskia Jungnikl im Buch beschreibt. Es ist eine Institution, dessen Geschichte bereits im 17. Jahrhundert beginnt und bis heute viele Generationen später nichts eingebüßt hat von seinem ganz besonderen, teils geradezu morbiden Charme.

 

Das vorliegende Buch nimmt den Leser und Beschauer mit auf eine Reise durch die Wiener Kaffeehäuser von A – Z, auf eine Tour durch Räume mit und ohne Stuck, mit und ohne Rauch, mit und ohne Literaten, aber immer besonders. Es  wird in geradezu lyrischer Weise von der Historie des jeweiligen Kaffeehauses erzählt und ein Autor / eine Autorin steht jeweils in Wort und Bild Modell. Die unglaublich intensiven Schwarz-Weiß-Fotografien lassen diese Räumlichkeiten, die scheinbar jenseits von Zeit und Mode existieren, spürbar, erfahrbar werden, indem sie oftmals die Gerade verlassen oder sich in Spiegeltiefen verlieren.

 

Ich war, nein, ich bin von der Vielfältigkeit dieses Buches, von diesem Schatzkästchen fasziniert. Es ist ein Buch, das man immer und immer wieder zur Hand nimmt und jedes Mal Neues entdeckt, einen anderen Blickwinkel vielleicht oder einen thronenden Kater oder Stühle, die an Wänden hängen.

 

Bertold Brecht sagte es so: „Wien ist eine Stadt, die um einige Kaffeehäuser herum errichtet ist, in welchen die Bevölkerung sitzt und Kaffee trinkt.“ Nach Lektüre des Buches weiß ich: Dem ist nichts hinzuzufügen…

Bastian Aue

Frei von der Seele

Taschenbuch: 128 Seiten

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

ISBN-13: 978-1546942153

 

 

Mag sein. Mag nicht sein.

 

 

Ein kleines, äußerlich sich bescheiden zeigendes Büchlein. Von einem Autor, der nicht unbedingt bescheiden ist. Denn er gibt uns Antworten aus einem „ganzheitlichen Bewusstsein“. Mag sein, mag nicht sein.

 

 

 

Auf jeden Fall handelt es sich um ein Sammelsurium von meist recht kurzen Gedanken zu unterschiedlichsten Themen und mit teils provokanten Titeln, wie z. B. „Jedes spirituelle Streben ist die Flucht vor dir selbst“ oder „Miese auf dem Konto – Befreiung von Schuld“. Bastian Aue serviert uns seine Sicht kurz und prägnant, sehr unaufgeregt, in Sätzen, die die Richtigkeit seines Denkens postulieren. Man muss nicht der Meinung von Bastian Aue sein. Aber Nachdenken über die Themen, über die Behauptungen, über sich selbst lohnt sich allemal. Der Autor empfiehlt den Umgang mit seinem Buch wie bei einem Bibel-Lotto: den Daumen wahllos eine Seite wählen lassen. Mir kam bei dieser Gebrauchsanweisung die Idee – so man gute, wirklich gute Freunde hat – mit diesen zusammen an einem gemeinsamen Abend ein auf diese Weise willkürlich gewähltes Thema miteinander zu bereden, einem Spiel gleich, locker, fröhlich, einander zuhörend.  Vielleicht bringt es einen weiter. Mag sein, mag nicht sein. Auf jeden Fall kann man gemeinsame Zeit schlechter verbringen als mit diesem Buch…