John le Carré

Das Vermächtnis der Spione

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

Verlag: Ullstein Hardcover

ISBN-13: 978-3550050121

Originaltitel: A Legacy of Spies

 

Eigentlich bin ich kein Freund von Romanen über Agenten, Spione und über die Geheimdienste der Welt. Aber wenn solch ein Könner des Faches schreibt, wird auch für mich das Lesen zum Genuss. Das Buch ist sozusagen der Nachlass-Roman zu den Romanen um George Smiley, insbesonderezu dem „Spion, der aus der Kälte kam“. Wie eine Klammer umschließt dieses Buch nun die damalig erzählten Geschichten.

 

1961 sterben zwei Menschen an der Berliner Mauer. 2017 wird George Smileys ehemaliger Assistent Peter Guillam nach London zitiert zu einer Untersuchung des damaligen Todes der zwei Agenten. In dem Verhör werden die Geschehnisse noch einmal rekonstruiert und neu beleuchtet. Die einschlägigen Akten sind allerdings verschwunden, weil seinerzeit der Meisterspion George Smiley den eigentlichen Hintergrund verschleiern wollte. Die Zeit des Kalten Krieges ist der Dreh- und Angelpunkt des Buches. Die Person George Smiley bekommt aufgrund der Verhöre völlig neue Facetten.

 

Was für ein Könner ist doch le Carré! Man liest die ersten Zeilen und ist schon hingerissen von der Schreibe-Kunst des Autors. Seine detailreichen Beobachtungen sind wie feine Pinselstriche, die sich nach kürzester Zeit zu einem dichten, intensiven und mehrdeutigen Bild zusammenfügen. Die Zeitsprünge werden zu einem probaten Stilmittel, die Vielschichtigkeit dessen, was als „Mittel zum Zweck“ dient, was die Schuldfrage und Motivation betrifft, und zudem die fragwürdigen Rollen des Geheimdienstes beleuchtet. Geschichtlich-politische Realität und erdachtes Denken und Handeln der Protagonisten des Buches ergeben ein erschreckend klares Bild der schmutzigen Seite von Politik und Geheimdienst.