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Karin Slaughter

Die verstummte Frau

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 672 Seiten

·         Verlag: HarperCollins

·         ISBN-13: 978-3959675338

·         Originaltitel: The Silent Wife

#DieverstummteFrau

 

 Mehr Thriller und weniger Seelenpein hätten mir besser gefallen

 

Eine Thriller-Autorin, die seit Jahren gefeiert wird und mit der ich zum ersten Mal anhand des vorliegenden Buches Bekanntschaft machte. Mit hohen Erwartungen zugegebenermaßen. Und offensichtlich mit falschen Erwartungen. Denn, um es kurz zu sagen, die knapp 700 Seiten wurden mir lang, sehr lang…

Zu Tode gequälte, grausam vergewaltigte Frauen – vor 8 Jahren und in der Gegenwart. In zwei Zeitsträngen, zwischen denen die Autorin hin und her springt. Fixpunkt damals und heute ist Gerichtsmedizinerin Sara Linton, damals frisch geschieden vom Ermittlungskollegen Jeffrey Tolliver, heute auf einem schwierigen Annäherungsweg an den Special Agent Will Trent. Will erkennt, dass er im gegenwärtigen Fall nur weiterkommt, wenn er den ersten Fall vor 8 Jahren löst, was schier unmöglich scheint.

 

Einerseits erweckt die detailverliebte Erzählweise von Karin Slaughter die Geschehnisse besonders lebendig und intensiv zum Leben, andererseits wurde es mir teilweise zu viel an unnützem Beiwerk, das nicht dem Vorankommen der Handlung dient. Über die verschiedenen Schließsysteme an teuren Sargmodellen zum Beispiel muss ich nichts wissen, wenn es nicht bei den Ermittlungen hilft. Überhaupt empfand ich den Thriller streckenweise als mühsam lesbar. Die zweideutigen Ausdrucksweisen in den Gesprächen zum Beispiel, die sich auf Filme oder Künstler beziehen, die ich nicht kenne. Bei einem Thriller möchte ich nicht ständig googeln müssen, um einen verbalen Seitenhieb verstehen zu können. Auch die Konflikte vor 8 Jahren zwischen Jeffrey und Sara und genauso in der Gegenwart Sara’s innere Wirrungen, was Will betrifft, wurden mir zu viel, besonders da ich die Problemchen nicht immer nachvollziehen konnte. Zwar gab es viele spannende Stellen, besonders zum letzten  Drittel hin. Auch gefiel mir der scharfzüngige, intelligente Humor. Aber in der Summe hätten mir mehr Krimi  und weniger Seelenpein besser gefallen.

 

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Rob Boddice

Die Geschichte der Gefühle

 

·         Gebundene Ausgabe: 272 Seiten

·         Verlag: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)

·         ISBN-13: 978-3806240115

#DieGeschichtederGefühle

  

Für den Laien eine mühselige Lektüre

 

Gerne würde ich klug-kritisch über das vorliegende Buch schreiben, würde in eine fiktive Diskussion mit dem Autor einsteigen, würde vielleicht Argumente oder Beispiele ergänzen oder die des Autors hinterfragen oder würde Kontexte neu bewerten. Dann würde ich vielleicht dem Buch gerecht werden. Aber das kann ich nicht. Ich bin Laie mit einem durchschnittlichen Allgemeinwissen und einer lange zurückliegenden humanistischen Bildung, wissenschaftlich ungeschult. Insofern kann ich den Buchinhalt nur „von außen“ wiedergeben.

Von der Antike bis in die Gegenwart verfolgen wir die Emotionsgeschichte und ihre Veränderlichkeit anhand von biographischen, philologischen, gesellschaftlichen, kulturellen Aspekten und lernen letztlich staunend, dass dem empathischen Erspüren der Vergangenheit enge Grenzen gesetzt sind.

 

Die treffliche Einbandgestaltung mit der trauernden Maria Magdalena aus dem 17. Jahrhundert lockt den Leser an. Ebenso das Thema, natürlich. Wir alle haben Gefühle. Oft steuern sie, bewusst oder unbewusst, unser Handeln. Aber haben Gefühle eine Geschichte? Erleben Gefühle einen Wandel über die Zeiten hinweg? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Doch der Autor belehrte mich eines Besseren, wobei er es mir nicht einfach machte. Nein, leichte Kost ist dieses Buch wahrlich nicht. Sehr wissenschaftlich, teils spröde-sperrig zu lesen. Ich konnte mich nur häppchenweise mit dem Buch befassen, fühlte mich als Laie trotz meines grundsätzlichen Interesses stellenweise überfordert. Insofern stellt sich mir die Frage, welche Zielgruppe an Lesern der Autor ansprechen wollte mit seinem umfassenden und anspruchsvollen Buch. Zwar habe ich einigen Wissenszugewinn durch die Lektüre erlangt, aber zurück bleibt für mich ein ganz und gar gegenwartsnahes Gefühl der Mühseligkeit.

 

 

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Maria Peters

Die Dirigentin

 

·         Gebundene Ausgabe: 336 Seiten

·         Verlag: Atlantik

·         ISBN-13: 978-3455009606

#DieDirigentin

 

 

Musik kennt kein Geschlecht

 

Die Autorin spürt im vorliegenden Roman dem Werdegang von Antonia Brico nach, die als Musikbesessene von Kindheit an darum kämpfte, ihre Passion leben zu dürfen, nämlich Musik zum Leben zu erwecken als Dirigentin. „Man ist … selbst nur ein Instrument, auf dem das Universum spielt“, sagte Gustav Mahler. Und so, genau so empfand Antonia Musik.

Das Leben der Antonia Brico beginnt als das „eingekaufte“ Adoptivkind Willy Wolters in einem lieblosen Elternhaus. Selbst als Erwachsene muss sie ihr selbstverdientes Geld als Schreibkraft an die „Klimperfrau“, ihre Adoptivmutter, abgeben. Wie sich Willy Wolters alias Antonia Brico im Laufe ihres Lebens emanzipiert und sich mit Zähigkeit, geradezu Verbissenheit durchsetzt, das männliche Bollwerk der Musikschaffenden zu stürmen, ist tief beeindruckend.

 

Dass Maria Peters eigentlich Filmschaffende ist, merkt man dem Buch an. Denn sie schreibt in einzelnen Szenen, nicht erzählend, sondern eher bebildernd. Der Schreibstil im Präsens machte mich beim Lesen irgendwie atemlos, und der Gleichmut, in dem sie berichtet, ebenso. Die Sprache ist klar, manchmal geradezu hart vor Klarheit. Kurze Sätze ohne viel Drumherum. Sensibel, fast verschwörerisch fein wird die Sprache nur, wenn von Musik die Rede ist. Allerdings konnte ich zur Persönlichkeit der Antonia Brico keinen emotionalen Zugang finden, was vermutlich an der nüchternen, sachlich-kühlen Erzählweise liegt. Was mir von diesem Buch haften bleibt, ist die männliche Hybris, die bis heute (!) Dirigentinnen keinen würdigen Platz einräumt. 

 

 

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Gilly Macmillan

Die Nanny

 

·         Broschiert: 448 Seiten

·         Verlag: Blanvalet Verlag

·         ISBN-13: 978-3764507176

#DieNanny

 

 Nichts ist wie es scheint. Oder doch?

 

„Roman“ steht auf dem sehr passend gestalteten Cover. Aber dieser Roman  ist sowohl vom Schreibstil als auch von der Spannung her eher ein Thriller. Einmal begonnen zu lesen, konnte ich nicht mehr aufhören!

Jocelyn, genannt Jo, war sieben, als ihre geliebte Nanny Hannah über Nacht ohne irgend eine Erklärung verschwand. Was die kindliche Welt von Jo völlig ins Wanken brachte. Denn ihre Kindheit war zwar von Luxus geprägt, aber ohne mütterliche Wärme und Zuwendung. Dreißig Jahre später, nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemannes, kommt Jo zusammen mit ihrer Tochter Ruby zurück in das elterliche Herrenhaus Lake Hall, in dem ihre Mutter Virginia wie eh und je hochherrschaftlich residiert. Das Zusammenleben birgt Konflikte ohne Ende. Als im See, der an das Anwesen grenzt, ein Totenschädel gefunden wird, wächst das Misstrauen allüberall. Und als schließlich eine Frau auftaucht, die behauptet, sie sei Hannah, Jo’s Kindermädchen von früher, reagiert Jo naiv-überglücklich und will nichts wissen von Virginias Warnungen und Zweifeln. Wo aber liegt die Wahrheit?

Weil im Präsens geschrieben, rückt die Handlung dem Leser sehr nahe, man nimmt unmittelbarer an den Geschehnissen teil. Zeitsprünge und Perspektivwechsel, beliebte Stilmittel bei Thrillern, fordern permanent die Aufmerksamkeit des Lesers. Gerade die Tatsache, dass wir sowohl aus der Sichtweise von Jocelyn als auch von Virginia die Schilderungen aus Vergangenheit und Gegenwart verfolgen, dringen wir als Leser tief in die jeweilige Situation und in die jeweilige Persönlichkeit ein. So glauben wir, die beiden besser kennen zu lernen und genauer zu wissen, was wirklich geschehen ist. Die kurzen Sequenzen aus der Sicht von Detective Andy Wilton sind erholsame sachlich-nüchterne Einschübe. Erschreckend insgesamt, wie wenig empathisch und wie emotionsarm letztlich alle Protagonisten miteinander umgehen, was das Misstrauen des Lesers schürt. Aber die Kunst der Autorin liegt darin, uns dennoch permanent zu täuschen. Was ist Erinnerung? Was ist Wunschdenken? Was ist Traum? Und was ist Wirklichkeit? Je weiter man liest, desto verwirrender werden die Dinge. Jede der handelnden Personen vermischt ihre vermeintlich objektiven Wahrnehmungen und Erinnerungen mit Sehnsüchten, Hoffnungen und Gewissensaspekten. Nichts ist wie es scheint. Oder doch?  

 

Ein von Anfang bis Ende durchweg spannend-faszinierender Roman, versprochen!

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Andreas Schäfer

Das Gartenzimmer

 

·         Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

·         Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

·         ISBN-13: 978-3832183905

#DasGartenzimmer

 

Ein Haus und ein Buch mit einem Sog wie Sirenengesang

 

„Das ist ein guter Ort“  sagte der Journalist Sanders 2001 zur Villa Rosen. „Und das ist ein gutes Buch“, möchte ich hinzufügen.

Der in späteren Jahren zu Weltruhm gelangende Architekt Max Taubert wird 1909 von Professor Adam Rosen und seiner Frau Elsa beauftragt, in Berlin-Dahlem ein Haus zu entwerfen. Sein erster Auftrag! Es entsteht ein neoklassizistisches Landhaus, dessen viele durchdachte Details und Einbauten die Hingabe des Architekten verraten. 100 Jahre später entdecken Frieder und Hannah Lekebusch das leerstehende Haus, restaurieren es aufwändig, um das  Haus in seinem Originalzustand wieder zum Leben zu erwecken. Damit erringen sie viel Aufsehen bei Taubert-Fans, Journalisten und Künstlern. So könnte man ganz oberflächlich den Buchinhalt erzählen. Doch das Buch ist so viel mehr als diese dürftige Zusammenfassung vermuten lässt!

Villa Rosen ist ein Haus, das sich wie ein Schiff durch die Zeiten pflügt, ungerührt von den Ereignissen. Auch wenn der Autor feinsinnig von den Menschen berichtet, die mit dem Haus in Berührung kommen -  niemals lässt sich das Haus in den Hintergrund des Lebens schicken. Geradezu beängstigend drängt es sich immer wieder fordernd ins Zentrum. „Häuser sind Diven…“,  sie verteilen freigebig Schutz und Schönheit, aber fordern auch Fürsorge und Rundumbetreuung. Welch ein beeindruckender Kunstgriff, der Andreas Schäfer mit diesem Roman gelungen ist. Wir wandern im Haus umher und wandern gleichzeitig durch die Zeitläufte zwischen Weimarer Republik, Nazi-Herrschaft und Gegenwart. Die Chronologie wird in den Erzählsequenzen immer wieder gebrochen, einzig das Haus ist konstant. Die Villa Rosen erscheint mir wie ein bewegtes Bühnenbild, vor dem sich das Leben abspielt, laut und leise, dramatisch und verhalten, sehnsüchtig und übersättigt, immer aber wunderbar poetisch in Worte gefasst.  Und ich werde beim Lesen das Gefühl nicht los, dass sich das Bühnenbild, das Haus, tatsächlich einmischt, für manch unbeobachteten Moment sogar die Schicksalsfäden übernimmt.

 

Ich ging durch das Buch wie durch eine Gemäldegalerie. Ich sah Bild um Bild vor mir, mit Worten, teils erstaunlichen Worten, gemalt. Da sieht man das Bild des Botschafters mit seinen „gefräßigen Augen“.  Oder das Fragen aufwerfende Bild eines Gartens, in dem Pfingstrosen und Astern gleichzeitig blühen (S. 87). Oder das Horror- Bild gelblicher Augäpfel in Gläsern zu Forschungszwecken gefangen. Momentaufnahmen. Sensibel, feinfühlig, poetisch gezeichnet. Der Roman möchte mehrfach gelesen werden. Ich bin sicher, dass das Haus von Mal zu Mal weitere Räume offenbart. 

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Stephan Pricken

Monster!

 

·         Gebundene Ausgabe: 32 Seiten

·         Verlag: Coppenrath

·         ISBN-13: 978-3649633105

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren

#Monster 

 

Vermutlich habe ich einfach keine Ahnung!

Hmmmm….

Obwohl ich ein unverbrüchlicher Fan des Coppenrath Verlages bin, hat mich dieses Bilderbuch mit sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen. Da hilft auch das Ausrufezeichen im Titel leider nichts.

Joscha ist wach, seine Eltern dummerweise nicht. Und so haben die Monster freie Hand. Sie sind Schrankkrabbler, denn sie kommen durch einen Schrank ins Haus und durch einen anderen Schrank wieder hinaus. Sie verwüsten das Haus auf der Suche nach dem richtigen Weg, nach dem richtigen Schrank in die Freiheit. Und Joscha bleibt nichts anderes übrig, als ihnen zu helfen.

 

Schon klar, Erwachsene haben keine Ahnung, schon gar nicht davon, was sich im Halbdunklen zwischen Tag und Nacht so alles im Haus abspielt. Davon wissen nur die Kinder, besonders die ängstlicheren unter ihnen. Aber trotzdem habe ich die Frage, warum Joscha mal einen Helm, mal einen Elefanten auf dem Kopf trägt. Und ich muss gestehen, dass mir die stibitzenden Schrankkrabbler gar nicht gefallen. Sie sind laut, rücksichtslos und wehleidig, außerdem fluchen sie („stinkende Pantherköttel“). Und vor allen Dingen schaffen sie ein heilloses Durcheinander, schlimmer noch, eine richtige Sauerei! Und dass Mama und Papa schließlich das Chaos wieder aufräumen müssen, gefällt mir auch nicht, auch wenn Joscha ein klein wenig hilft. Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass ich keine Ahnung habe, von Monstern und überhaupt…

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Nicole Winter

Die Dünenvilla

 

·         Taschenbuch: 448 Seiten

·         Verlag: Knaur TB

·         ISBN-13: 978-3426524060

#DieDünenvilla

 

Erstlingsroman mit großer schriftstellerischer Kraft

 

Wer versteckt sich hinter dem Pseudonym? Wer schreibt solch malerische, mit allen Sinnen erlebbare Schilderungen? Wer verfügt über solch intensive Ausdruckskraft beim Beschreiben von Natur und innerseelischen Befindlichkeiten gleichermaßen? Neugierig war ich zu erfahren, wer hinter dem Pseudonym Nicole Winter steckt. Leider blieb es bei der einzigen Information, dass es sich um eine nach Kanada ausgewanderte Hamburgerin handelt, die als Literaturübersetzerin an den Quellseen des Yukon River in der Wildnis lebt. So ist zumindest die Thematik dieses Buch-Debuts, etwas verständlicher, nämlich dass sie eine opulente Auswanderer-Saga einer deutschen Arzt-Familie an die Ostküste der USA geschrieben hat.

1884. Nach einer Schiffshavarie, die die Familie des deutschen Arztes Friedrich Böhm nur knapp überlebt, bleiben die Familienmitglieder in Martha’s Vineyard, dem „Sylt der US-Ostküste“. Dort will Friedrich Böhme ein Sanatorium für Lungenkranke oder an Hysterie erkrankte Damen etablieren. Sohn Thomas bleibt nur ungern. Er ist nur widerwillig Arzt, denn er möchte viel lieber in Harvard Psychologie studieren, ist jedoch abhängig vom Vater, der ihm diesen „Unsinn“ ausreden will. Tochter Sophia, still, in sich gekehrt, intelligent und wissbegierig, fühlt sich aufgrund ihres gelähmten Beines perspektivlos und keines Mannes würdig. Deren Zwillingsschwester Julia ist ungestüm, eine wilde Reiterin, die sich nur wenig an die Konventionen der Gesellschaft hält. In der Nachbarschaft hat sich ein Naturforscher niedergelassen, der sich der Nachzucht der fast ausgestorbenen Wandertauben verschrieben hat. Er ist fasziniert von Sophia, doch wagt es nicht, ihr seine Gefühle zu offenbaren.

 

Viele Fragen tragen die erzählte Geschichte. Was bewirkt Fortschritt im Guten und im Bösen? Was treibt uns Menschen an und was behindert uns in unserer Weiterentwicklung? Was hilft es, den Körper zu stärken, wenn die Seele schwächelt? Und viele weitere Themen kommen im Buch zusammen. Tiere gehen der Welt verloren, weil der Mensch zukunftsgläubig die Natur ausbeutet. Das Amerika Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Aufbruchsstimmung mit zunehmender Entwicklung technischer Erfindungen und Neuerungen, traditionell lebende Einwohner des Wilden Westens und die Zuwanderung vieler Siedler, die Fuß zu fassen versuchen – all dies verknüpft sich zu einem spannenden Konglomerat, konfliktreich und schöpferisch gleichermaßen. Zwar bekommt dieser besondere Zeitgeist im Buch durchaus seinen Platz, aber für mein Empfinden wird der historische Aspekt zu sehr überlagert von den Schilderungen der einzelnen Familienmitglieder und ihren jeweiligen Unsicherheiten, gelegentlichem Aufbegehren, vergeblichen Wünschen und passivem Hinnehmen der Gegebenheiten. Obwohl der Roman durchweg gut zu lesen ist, ergeben sich einige Längen gerade durch die ewig zaudernde Sophia. Vielleicht gibt es auch manchmal ein wenig zu viel Überschwang der Gefühle, zu viel Dramatik, zu viel an Unausgesprochenem. Dennoch halte ich diesen Erstlingsroman für einen sehr gekonnten Beweis der großen schriftstellerischen Kraft von Nicole Winter. 

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Catherine Shepherd

Der Behüter

 

·         Taschenbuch: 334 Seiten

·         Verlag: Kafel Verlag

·         ISBN-13: 978-3944676265

#DerBehüter 

 

Beste Thriller-Unterhaltung

 

Eigentlich könnte ich mich ständig selbst zitieren aus meinen früheren Rezensionen, denn egal welchen Thriller ich von Catherine Shepherd lese, egal aus welcher ihrer Thriller-Reihen,  immer fühle ich mich auf verlässliche Weise auf das Beste und Spannendste unterhalten. So erging es mir auch mit „Der Behüter“, dem neuen Thriller aus der Laura-Kern-Serie.

 

Vor den Mülltonnen eines Krankenhauses wird eine Tote gefunden, eine Frau, die offenbar vor ihrem Tod in der Klinik behandelt worden war und lt. Überwachungskamera mit einem fremden Mann unerlaubt die Klinik verlassen hatte. Eine weitere Patientin verschwindet. Beide Frauen waren von ihren Lebensgefährten misshandelt worden. Und die weiteren Geschehnisse erwecken den Eindruck, der unbekannte Täter wolle die Frauen vor den Misshandlungen retten. Aber warum tötet er sie dann? Laura Kern wird wieder bis an ihre persönlichen Grenzen gefordert, als ihr klar wird, dass sie einen Serientäter jagt. Insbesondere für das letzte Entführungsopfer wird es ein schier hoffnungsloser Kampf gegen die Zeit.

 

Catherine Shepherd spielt wieder gekonnt mit dem Leser. Die Reihe der Verdächtigen, die die Autorin in die Handlung einbringt, ist lang. Viele Spuren werden verfolgt, verlaufen im Sande, rücken durch neue Ermittlungsergebnisse erneut in den Fokus, und der Leser wird immer verwirrter. Catherine Shepherd schreibt so bildhaft, so kurzweilig und ideenreich, so überaus spannend, dass man ohne Pause durch die Seiten jagt. Und es gelingt ihr tatsächlich, zum Schluss die Handlung zu einer Auflösung zu führen, mit der man ganz und gar nicht gerechnet hatte. Die von ihr beschriebenen Personen wirken authentisch, vielschichtig, psychologisch stimmig, in ihren Handlungen nachvollziehbar. Übrigens sehr wohltuend fällt im Buch auf, dass Laura sich immer wieder bei ihren Mitarbeitern bedankt. So eine Geste kommt selten vor in Thrillern. Ungewöhnlich ist auch, dass man für den Täter tatsächlich ein wenig Sympathie oder Mitgefühl entwickelt. Denn die Suche nach aufrichtiger Liebe kennen wir alle…

 

Fazit: Wieder ein überaus spannender und wendungsreicher Thriller von Catherine Shepherd, gekonnt geschrieben. Ein Muss für alle Thriller-Fans!

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Jason Starr

Seitensprung

  

·         Broschiert: 400 Seiten

·         Verlag: Diogenes

·         ISBN-13: 978-3257300505

#Seitensprung

 

 

 

… der stets das Gute will und stets das Böse schafft…

 

Das vorliegende Buch war das erste, das ich von Jason Starr gelesen habe. Deshalb war ich über das erste Drittel hinweg nur mäßig angetan vom Buch und fragte mich immer wieder, wo denn zwischen all den Beziehungskonflikten und Kinderbetreuung der Thriller versteckt sein soll. Ich fühlte mich in einer trüben Geschichte zwischen schlechter Ehe eines erfolglosen Ehemanns mit Sex-Fantasien und einem Sammelsurium an Unwichtigkeiten und entsprechender Langeweile gefangen. Doch es lohnt sich durchzuhalten und weiterzulesen!

 

Kurz zum Inhalt: Jack Harper war einstens ein halbwegs erfolgreicher Rockstar und Alkoholiker. Heute fristet er als desinteressierter, erfolgloser Immobilienmakler sein Dasein und besucht regelmäßig die Gruppentreffen der Anonymen Alkoholiker. Seine Ehe mit Maria ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Einziger Lichtblick ist Sohn Jonah, um den sich Jack mit großer Liebe und Aufmerksamkeit kümmert. Das Gespräch mit einem potentiellen Kunden weckt in Jack die Neugier auf eine Seitensprung-Website. Trotz etlicher Bedenken und Vorbehalte siegt schließlich die Neugier, und es beginnt eine schier tödliche Spirale an Fehlern und Missverständnissen.  

 

Es ist schon beeindruckend, wie sich der Protagonist als Opfer sieht, immer und überall. Stets hat er die besten Absichten, macht sich viele Gedanken um diese guten Absichten, und scheitert doch jedes Mal kläglich, ja schlimmer noch, er schwört neue weitere Katastrophen heraus. Von Mal zu Mal werden die fatalen Verstrickungen schlimmer, bis hin zu tödlichen Konsequenzen. Solch einen spiralförmig durchkomponierten Thriller habe ich tatsächlich noch nie gelesen. Unglaublich, wie man als Leser, ausgestattet mit viel Sympathie für den tragischen Helden Jack Harper, hineingerät in ein verzweifeltes inneres Aufschreien, wenn wieder und wieder dem vermeintlich Harmlosen Schlimmeres folgt. Man möchte Goethe zitieren, und zwar in Umkehr des Originals: „Ich (Jack) bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft…“ Ein genial komponierter Thriller, der nach einem langsamen Anfang das Tempo mehr und mehr steigert, bis es vermeintlich keinen Ausweg mehr gibt. So genial komponiert, dass man dem Autor mühelos auf den Leim geht. Denn nichts ist so wie es scheint. Mir fällt kein besseres Wort ein: ein genialer Thriller!

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Sandra Grimm

Lotta entdeckt die Welt – im Wald

 

·         Pappbilderbuch: 16 Seiten

·         Verlag: Ravensburger Verlag GmbH

·         ISBN-13: 978-3473438785

·         Empfohlenes Vorlesealter: ab 18 Monaten

#lottaentdecktdieWeltimWald

  

Achtsam und mit Respekt durch die Natur

 

Wenn ich in meinem Umfeld beobachte, wie kleine Kinder völlig ungeniert und ohne jegliches Gefühl für Natur durch liebevoll angelegte Blumenbeete stapfen und Blütenköpfe abreißen, während die Mütter auf ihre Handys starren oder einander Wichtiges zu erzählen haben, bin ich immer wieder aufs Neue entsetzt. Haben Eltern nicht einen Erziehungsauftrag? Sollte Kindern nicht so früh wie möglich Achtung und Respekt vor der Natur übermittelt werden?

 

Das vorliegende Bilderbuch ist ein großartiges und wertvolles Beispiel, auf welch liebevoll-zugewandte Weise dies gelingen kann, und zwar schon bei den Kleinsten. Lotta beobachtet sehr genau, was es im Wald zu entdecken gibt. Zusammen mit ihrem Opa und dem Hund Zottel ist sie unterwegs, neugierig, mit offenen Augen. Sie ist leise, um die Tiere nicht zu erschrecken. Sie spürt die Weichheit der Blättchen eines winzigen Bäumchens. Lotta ist achtsam und sorgsam und entdeckt dadurch so viel Interessantes. Die fröhlich-positiven Zeichnungen von Katja Senner sind auf geschickte Weise eingebettet in Naturfotos, was einen ganz besonderen Zauber auslöst. Heile Welt? Ja, vielleicht. Warum auch nicht? Was kann es Besseres geben, als mit solchen Bilderbüchern bereits im frühesten Alter die Sehnsucht zu wecken nach dem reichen Erlebnis, das Natur denen bietet, die achtsam sind. 

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Mark Roderick

Morbus

 

 

 ·      Taschenbuch: 448 Seiten

·         Verlag: FISCHER Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3596704101

#Morbus

 

 

Das Beste am Buch ist der Prolog

 

Waren meine Erwartungen zu hoch? Ein Standalone des Bestseller-Autors Mark Roderick – da erwartet man tatsächlich wie vom Verlag angekündigt „knallharte Spannung“. Gut, Spannung war zeitweilig durchaus gegeben, besonders gegen Schluss hin. Aber „knallhart“ war sie nicht, schon gar nicht, wenn man gewohnt ist, bei Büchern, die man liest, mitzudenken.

 

Der Inhalt, kurz gefasst: Die Journalistin Mara Flemming zieht zusammen mit ihrer 5-jährigen Tochter von Frankfurt weg in ein altes, idyllisch gelegenes Gutshaus in den Weinbergen. „Das Unglückshaus“ wird es genannt im Dorf. Allerlei Ungereimtheiten geschehen, Mara fühlt sich beobachtet. Ihre berufsbedingte Neugier wird angestachelt, als sie erfährt, dass vor einigen Jahren ein junges Mädchen spurlos verschwunden war, unmittelbar in der Nähe ihres Hauses. Je mehr sie nachforscht, umso weniger weiß sie, wem sie noch vertrauen kann.  

 

Meine Güte, was wurde da alles zusammengebraut in diesem Thriller. Eine recht weinerliche, aber weitgehend angstfreie Protagonistin, die sich Knall auf Fall in den ortsansässigen Rechtsanwalt verliebt, ein fünfjähriges Kind, das wie ein Erwachsener spricht und Halma spielt, verstaubte Skelettteile, vor Jahren im Keller eingemauert, eine beste Freundin, die überraschend Selbstmord begeht, ein seltsamer Dorfpolizist und ein seltsamer Metzger. Dazu wird ständig Kaffee gekocht oder Rotwein getrunken. Und immer findet sich ein Dummer, der für Umzugs- und Entrümpelungsarbeiten gerne seine Hilfe anbietet. Die Liste der bunt zusammengemischten Thrillerzutaten könnte noch beliebig verlängert werden. Aber ein schmackhaftes Ergebnis kam bei diesem Gebräu nicht zustande. Die Sprache ist spröde-konstruiert und naiv in ihrer Ausdrucksweise. Überhaupt wirkt das gesamte Buch trotz einiger spannender Sequenzen ein wenig schlicht gestrickt, so als hätte sich ein Anfänger an seinem ersten Werk versucht, ohne dass ein Lektor ihm hilfreich zur Seite gestanden hätte. Höchstens als unbedeutende Strandlektüre zu empfehlen – lesen und sofort wieder vergessen. 

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Karin Baldvinsson

Der Sommer der Islandtöchter

 

 

·         Taschenbuch: 368 Seiten

·         Verlag: Ullstein Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3548060200

#DerSommerderIslandtöchter

 

Empfehlenswerte Urlaubslektüre

 

Auslöser, dieses Buch zu lesen, war für mich der Ort des Geschehens. Denn zu Island habe ich eine besondere Affinität, besonders zu Islands Pferden (die leider im Roman keinerlei Erwähnung fanden). Das Cover  mit den Illustrierten-Frauen empfinde ich allerdings wenig einladend. Ich habe den unterhaltsamen Roman gerne gelesen, insbesondere haben mir die Schilderungen der Natur gut gefallen. Dennoch ist es leider kein Buch, das mir länger in Gedächtnis bleiben wird.

 

2018: Hannah kann ihren Traumberuf als Violonistin nicht mehr ausüben. Sie sucht Abstand von ihrem wenig einfühlsamen Noch-Ehemann Nils, indem sie zusammen mit ihrem kleinen Sohn Max für ein Jahr nach Island reist. Sie fühlt sich innerlich leer, erschöpft, sucht einen Weg, sich neu zu finden.

 

1978: Monika, eigenwillige Tochter aus reichem Haus in Lüneburg, soll die Geschäfte ihres Vaters übernehmen, träumt jedoch von einer Zukunft als Malerin. Mit ihren Eltern verbringt sie den Sommer in Island, während ihr strebsamer Verlobter zu Hause an seiner Karriere arbeitet. Monika  genießt die Freiheit Islands in vollen Zügen…

 

Die Autorin kennt Land und Leute aus eigener Erfahrung. Das spürt man dem Buch sehr wohltuend an. Tatsächlich liegt die Stärke des Romans in den Schilderungen von Natur und Landschaft, von Eindrücken, die Meer und Witterung, Licht und Wind hinterlassen, von den inneren Bildern, die man von Island gewinnt. Die Handlung, beide Zeitstränge, werden gefühlvoll und sehr unterhaltsam erzählt. Für beide Protagonistinnen kann man Sympathie empfinden und ihre Situationen, Gefühle und Handlungen nachvollziehen. Die Ausgestaltung der Person Nils empfand ich jedoch als sehr klischeehaft und plakativ, vor allen Dingen unglaubwürdig. Ein Dirigent, der tatsächlich das Trauma seiner Frau, einer gefeierten Violonistin, nicht versteht?  Sowohl Hannah als auch Monika finden auf Island Unerwartetes und stellen sich mutig neuen Herausforderungen. Letztlich ist die Geschichte, das Zusammenführen beider Handlungsstränge, vorhersehbar, aber dennoch mit einigen Überraschungen verbunden.

  

Fazit: Ein unterhaltsamer Roman, leicht zu lesen, ohne besondere Tiefe, mit schönen Naturschilderungen, als Urlaubslektüre sehr zu empfehlen.

 

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Claudia und Nadja Beinert

Ärztin aus Leidenschaft

 

 

·         Taschenbuch: 576 Seiten

·         Verlag: Knaur TB

·         ISBN-13: 978-3426523766

#DasJuliusSpitalÄrztinausLeidenschaft

 

Sehr unterhaltsamer, gut recherchierter Medizin-Schmöker

 

Außerordentlich schade finde ich, dass sowohl Covergestaltung als auch der Buchtitel als solcher  einen trivialen, kitschigen Roman suggerieren und damit die falsche Zielgruppe anlocken. Dass sich hinter den Buchdeckeln ein großartig recherchierter historischer Medizin-Schmöker verbirgt, der sich sowohl perfekt unterhaltend als auch mit Wissensgewinn lesen lässt, verrät sein Äußeres leider nicht. 

 

Wir befinden uns in Würzburg im Jahr 1850. Alle Träume der reichen Bankierstochter Viviana Winkelmann, Ärztin zu werden, sind auf einen Schlag dahin, als Viviana unverheiratet und nicht standesgemäß von einem Steinmetz schwanger wird. Sie wird von der Familie, die alles auf die unbefleckte Ehre ihres Standes gibt, unbarmherzig auf die Straße geworfen. Nach Zeiten großer Not wird Viviana Helferin in der Apotheke des renommierten Würzburger Juliusspitals und belauscht heimlich Vorlesungen, denn ihren Lebenstraum, Ärztin zu werden, hat sie auch als uneheliche, mittellose Mutter nicht verloren. Doch Frauen dürfen zu dieser Zeit nicht studieren, nicht einmal Abitur machen. „Frauen fehlt es an geistiger Kraft“, so äußert sich Rudolf Virchow im Buch. Viviana ahnt nicht, dass nicht nur der Zeitgeist, sondern auch ihr eigener Bruder als erbitterter Feind ihrem Lebensziel entgegensteht.

 

Den mit 570 Seiten recht umfangreichen Roman habe ich in kurzer Zeit regelrecht verschlungen. Denn es ist den Zwillingsschwestern Claudia und Nadja Beinert auf perfekte Weise gelungen, einen historischen Roman so lebendig zu schreiben, dass man beim Lesen völlig eintaucht in eine Zeit, in der ein Spital ein Ort zum Sterben war, in der Ärzte, die etwas auf sich hielten, nicht im Krankenhaus arbeiteten, sondern Privatpraxen führten und in der renommierte Professoren, teils eitel und selbstherrlich, teils besessen forschend, in Würzburg ihre neuesten Erkenntnisse an die Studenten weitergaben. Wie sich Viviana, verwöhnte Tochter aus reichem Haus, wandelt zur Kämpferin für die Frauen und ihr Recht auf Bildung, wird spannend und einfühlsam erzählt.  Zudem lernt man sehr viel über den Stand der Medizin Mitte des 19. Jahrhunderts. Der sehr sorgsame Sprachstil passt perfekt zur geschilderten Zeit. Die sehr detailverliebte Erzählweise erleichtert das Ein- und Wegtauchen in die Geschichte und verrät, zumindest ansatzweise, wie viel sorgfältige Recherchearbeit hinter dem Roman steckt. Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen!

 

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Minna Lindgren

Spätsommer ist auch noch Sommer

 

 

·         Broschiert: 320 Seiten

·         Verlag: KiWi-Paperback

·         ISBN-13: 978-3462052640

#SpätsommeristauchnochSommer

 

 

Ideale Mischung zwischen Humor und Tiefgang

  

Die Autorin kannte ich bislang nicht. Doch der treffliche Titel zog mich an. Und was soll ich sagen: Das Buch war für mich eine echte Entdeckung. Wunderbar, wie die Autorin mit leichter Hand und einer lächelnden Schreibfeder, dazu in finnischer Freizügigkeit, erzählt von einer Lebenszeit, die - zumindest zeitweilig - gar nicht so lustig ist. 

 

Ulla, 74,  pensionierte Zahnärztin, hatte über 10 Jahre ihren ungeliebten Mann Olli rund um die Uhr gepflegt. Ihre erste Tat nach dem Tod von Olli, überhaupt ihre erste Aktivität für sich selbst nach den langen Jahren der Pflege, ist ein Friseurbesuch mit allem Drum und Dran. Im nächsten Schritt nimmt sie Kontakt auf mit ihren alten Freundinnen Hellu und Pike, die sie trotz der jahrelangen Vernachlässigung wieder freudig in ihre Runde aufnehmen. Auf der Suche nach allem, was Spaß macht, wird nichts ausgelassen. Das ruft in den Kindern von Ulla größte Besorgnis hervor, denn „Mamilein“, die Greisin, scheint in deren Augen offensichtlich an fortschreitender seniler Demenz zu leiden… 

 

Der Roman ist ein offenherziges und warmherziges Plädoyer dafür, auch in fortgeschrittenen Jahren das Leben Tag für Tag bewusst zu genießen. Heiter und beschwingt führt uns die Autorin anhand der drei Freundinnen durch deren verschiedene Versuche, alles auszuprobieren, was gefällt oder vielleicht letztlich auch nicht gefällt, wie zum Beispiel die missglückten neuen Augenbrauen, mit denen man aussieht wie Leonid Breshnew. Hauptsache, Schwung kommt ins Leben. Denn die Blessuren, die einem das Leben verpasst hat, gilt es bunt zu bemalen, nicht zu beweinen. Zwar blieb mir beim Lesen des Öfteren das Lachen im Hals stecken, denn hinter aller Vergnüglichkeit werden die Bedrohungen des Alters nicht ausgespart. Doch genau dies macht die Tiefe des Buches aus. 

 

Doris Dörrie sagte einmal: „Humor funktioniert so, als würde man das Fenster aufmachen und es kommt wieder Luft rein.“ So, genau so erfrischend ist dieser wunderbare Roman zu lesen.

 

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Géraldine Elschner, Lucie Vandelvelde

Hundertwasser  Ein Haus für dunkelbunte Träume

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 32 Seiten

·         Verlag: Prestel Verlag

·         ISBN-13: 978-3791374536

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 4 Jahren

#HundertwassereinHausfürdunkelbunteTräume

 

 

Die Kunst der lebenden Architektur für die Kleinsten

  

Die erste Assoziation, wenn man das Buch in Händen hält, ist bei Erwachsenen „Hundertwasser“, ganz klar. Kleinere Kinder sehen viele, viele bunte Flächen, Vögel, Bäume, haben Spaß an dem vielen Gold auf dem Cover. Das ist schon eine besondere Kunst, wie Lucie Vandevelde mit ihren Bildern sowohl die ganz Kleinen erreicht wie auch die „wissenden“ Erwachsenen. Sie trifft genau die „Sprache“ Hundertwassers. Das ist beeindruckend.

 

Die Geschichte ist schnell erzählt. Das kleine Mädchen Maya muss zuschauen, wie ihr Lieblingsbaum auf dem Grundstück gegenüber plötzlich mehr und mehr hinter einer hohen Mauer verschwindet. O Schreck, ein neues Haus wird gebaut. Was wird dann mit dem Baum passieren, unter dem es zusammen mit Lea und  Leo so schöne Kindergeburtstagsfeiern gab und in dessen Zweigen sich Coco, der Papagei, so gerne versteckte? Viele Baumaschinen rücken an, Bagger, Kräne, Lastwägen, alle machen Lärm und Staub. Nach vielen Wochen ist das Haus fertig. Da zeigt ein wunderlich bunt gekleideter Mann den Kindern, dass der Baum inmitten eines Hofes stehen geblieben war und um ihn herum viele, viele Pflanzen einen Platz gefunden haben, teils sogar mitten aus den bunten Hauswänden herauswachsend. Ein Märchen, so schön…

 

Dass Hundertwasser selbst im Buch den Kindern etwas erzählt von den Pflanzen, die wie die Menschen Mieter sein sollen in dem neuen Haus, dass sie gepflegt werden müssen und dass diese Pflege in unserer eigenen Verantwortung liegt, ist ein geschickter Dreh im Buch, den die Kinder ohne Mühe beim Vorlesen verstehen. Schön wäre es, wenn Eltern ihren Kindern das „echte“ Hundertwasser-Haus in Wien auf Bildern oder vielleicht sogar noch direkt vor Ort zeigen könnten und ihnen dabei etwas über die Gedanken von Friedensreich Hundertwasser vermitteln könnten. Achtung vor der Natur, die sich in einer lebenden, bewegten Architektur zeigt – das verstehen auch die Kleinsten dank dieses wunderbaren Bilderbuchs.  

 

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Christa Henning

Halligmord

 

·         Broschiert: 272 Seiten

·         Verlag: Ullstein Paperback

·         ISBN-13: 978-3864931307

#Halligmord

 

 

Ein sehr gelungener klassischer Whodunit

  

Schon lange nicht mehr hat mir ein Kriminalroman so viel Spaß gemacht wie dieser hier. Intensiv wie ein Kammerspiel, auf kleinstem Raum spielend und perfekt inszeniert, entwickelt sich die Suche nach dem Schuldigen vor den Augen des rätselnden Lesers. 

 

Die Szenerie könnte nicht besser gewählt sein. Auf einer Nordsee-Hallig spült das Meer menschliche Knochen frei, ein Skelett, das schon viele, viele Jahre im Boden gelegen haben muss. Aber wer ist der Tote? Minke van Hoorn, ursprünglich Meeresbiologin, ist in ihre friesische Heimat zurückgekehrt und als Kommissarin in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters getreten. Doch dieser erste Fall ist alles andere als einfach für sie. Der einzige Kollege ist ausschließlich beschäftigt mit den Festvorbereitungen für seinen Renteneintritt, die zwei alteingesessenen Familien auf Nekpen sind überaus schweigsam, und dann verschwindet auch noch der Sohn des alten Deichgrafen. Minke gerät schwer unter Druck, denn ein gewaltiger Herbststurm rollt auf die Hallig zu… 

 

Von der ersten Seite an zieht die Autorin den Leser in ihren Bann, was zu einem ganz großen Teil daran liegt, dass sie außerordentlich intensiv die spezielle Atmosphäre einer Nordsee-Hallig zu schildern versteht. Man hat beim Lesen ständig das Gefühl, die würzig-salzige Meeresluft zu atmen, den Wind auf der Haut zu spüren, die Weite des Horizonts und die Begrenztheit der Hallig vor Augen. Dazu kommt auch die Nähe, die der Leser zu Minke von Hoorn aufbaut, denn ihre verhaltene Trauer um ihren Vater und ihr gelassenes, nachdenkliches Wesen machen sie überaus sympathisch. Überhaupt werden die Menschen auf der Hallig sehr vielschichtig und einfühlsam geschildert, kantig, geradeaus, ein wenig wunderlich. In relativ kurzen Kapiteln, dennoch folgerichtig, mit leisem Humor gewürzt, durchweg spannend erzählt Christa Henning die Geschichte. Wohldosiert, in ganz kleinen Häppchen, bekommt der Leser Informationen, die ihn zum Miträtseln animieren. Wie ein klassisch gestrickter Kriminalroman nach englischem Muster erfolgt in einer eindrücklichen letzten Szene die  überraschende Aufklärung. Ein Lesegenuss!

 

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Annett Stütze, Britte Vorbach

WILD! Der Steinkauz

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

·         Verlag: moses Verlag

·         ISBN-13: 978-3964550453

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 10 Jahre

#DerSteinkauz

 

Eltern, bitte lest dieses Buch mit eueren Kindern!

 

Wie oft musste ich schon beobachten, wie Kinder gefühllos durch Blumenbeete trampeln und bei jedem Käferchen „iiiiih“ aufschreien, wie oft musste ich also erkennen, wie wenig diesen Kindern Achtung vor der Natur und Wertschätzung für die Natur beigebracht wird. Umso glücklicher bin ich über das vorliegende Buch, das in Zusammenarbeit mit dem BUND entstand. Besser kann man ein solches Buch, das uns einen winzigen Ausschnitt aus dem Zusammenspiel der Natur näher bringt, nicht machen! 

 

Die beiden Autorinnen lassen uns in diesem Band den Steinkauz näher kennenlernen, einen Eulenvogel, dessen Population bedroht ist, weil ihm die Lebensräume mehr und mehr genommen wurden. Zunächst begleiten wir ein Steinkauz-Pärchen durch das Jahr. Sehr, sehr anschaulich, anrührend und stellenweise atemlos spannend wird deren Leben erzählt. Die anstrengende Aufzucht der Jungen, die täglich überall lauernden Gefahren erleben wir mit. Im zweiten sachlichen Teil des Buches erfahren wir alles Wissenswerte über das Tier, über seine Lebensweise und seine Bedürfnisse. Vor allen Dingen aber erfahren wir auch, was wir ganz persönlich tun können, um dem Steinkauz zu helfen! 

 

Doch nicht nur die hervorragenden Texte überzeugen. Die Gesamtgestaltung ist ganz großartig gelungen. Der erzählende Teil ist meisterhaft illustriert durch Bente Schlick. Die Zeichnungen sind so fein und exakt fast wie Fotos, richtig kleine Kunstwerke. Der Sachbuch-Teil enthält neben weiteren Zeichnungen von Bente Schlick viele Fotos, die zum Beispiel den Bewegungsablauf beim Fliegen zeigen oder einzelne Entwicklungsstadien. So werden die umfassenden Informationen durch die großzügige Bebilderung zusätzlich auf anschauliche Weise vertieft. Besser geht es nicht.

 

Eltern, bitte lest dieses Buch mit eueren Kindern!

 

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Ann-Sophie Kaiser

Unter den Linden 6

 

 

·         Broschiert: 464 Seiten

·         Verlag: Ullstein Hardcover

·         ISBN-13: 978-3550200601

#UnterdenLinden6

 

 

Gelungener Spagat zwischen Historie und Fiktion

 

Es empfiehlt sich sehr, das Nachwort der Autorin vorab zu lesen. Denn erst dann versteht man die eigentliche Leistung von Ann-Sophie Kaiser, in einem Spagat zwischen historischer Korrektheit, romanhafter Fantasie und sehr viel Fachwissen und Recherchearbeit ein Buch entstehen zu lassen, das gleichermaßen unterhaltsam und informativ ist.

 

Drei Frauen begegnen sich im Berlin der Jahrhundertwende. Lise (Meitner) will an der Universität bei Max Planck weiter forschen. Hedwig erreicht mit einer Unterschriftenfälschung die Möglichkeit, die Universität zu besuchen. Anni, das Dienstmädchen, liest sich heimlich durch das Bücherregal ihres Dienstherren. Alle drei Frauen, so unterschiedlich sie auch sind, finden eng zusammen im Kampf um ihr ureigenstes Recht auf Wissen und Bildung. 

 

Lise Meitner, die bekannte Physikerin, wurde zwar die erste deutsche Physik-Professorin und entdeckte die Kernspaltung, dennoch blieben ihr die ihr eigentlich zustehenden Würdigungen verwehrt. Sie ist die historische Person in dem Roman. Hedwig, verheiratete Fabrikantentochter, und Anni, das Dienstmädchen, sind fiktive Figuren. Drei Gesellschaftsschichten, drei Einzelschicksale, drei Frauen, denen allen in einer von Männern beherrschten Welt auf unterschiedliche Weise, aber dennoch einschneidend Diskriminierung und mangelnde Wertschätzung widerfährt und die Zusammenhalt darin finden, für die Rechte der Frauen zu kämpfen, insbesondere für das Recht der Frauen auf Bildung. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, die Persönlichkeiten der drei Frauen differenziert und psychologisch nachvollziehbar darzustellen. Atmosphärisch dicht erlebt man als Leser die Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts im pulsierenden Berlin und spürt geradezu schmerzhaft all die Einschränkungen, denen Frauen zu dieser Zeit ausgesetzt waren. Durch die Erzählweise der wechselnden Perspektiven bringt die Autorin geschickt und sehr anschaulich die jeweilige Persönlichkeit der drei Protagonistinnen dem Leser nahe. Streckenweise wurde mir die Lektüre zwar etwas langatmig durch die Detailfreude der Autorin, aber insgesamt fand ich den Roman doch sehr unterhaltsam, informativ und atmosphärisch dicht erzählt.

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Andreas Winkelmann

Der Fahrer

 

 

·         Taschenbuch: 400 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499000386

#DerFahrer

 

Gekonnt geschriebener Thriller mit kleiner Einschränkung

  

Winkelmann ist zweifellos ein Könner seines Faches. Das haben seine früher erschienenen Bücher von Mal zu Mal überzeugend bewiesen. Insofern hatte ich sehr hohe Erwartungen an „Der Fahrer“. Was vielleicht ein Fehler war. Denn gekonnt konstruiert und in Szene gesetzt ist „Der Fahrer“ auf jeden Fall, spannend zu lesen ist er auch. Und doch erscheint mir der Thriller ein wenig schwächer als die früher erschienenen Titel, zumindest was die erwartete angstauslösende Intensität betrifft. 

 

Im Hamburger Stadtpark wird eine Tote gefunden, das Gesicht mit einer fluoreszierenden Farbe angemalt. Kommissar Jens Kerner und seine Kollegin Rebecca Oswald stehen vor einem Rätsel, auch nachdem sich herausstellt, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben, der junge Frauen auf perfide Art tötet und mit Leuchtfarbe bemalt zur Schau stellt. Scheinbar wahllos ausgesuchte Opfer, die nachts unterwegs gewesen waren. Die an vielen Orten auftauchenden Hashtags #findemich lassen mehr und mehr erkennen, dass diese Botschaften Jens Kerner persönlich betreffen. Doch nicht nur das: Beide Ermittler haben auch privat allerlei zu bewältigen…

 

Es gibt in diesem Thriller geniale Szenen, mehrheitlich die, in denen der Täter sich selbst, seine Sicht der Dinge, sein persönliches Erleben schildert. Es sind Sequenzen, die den Leser mitten hinein in die Gedanken- und Gefühlswelt des Mörders führen und eine gruselige Nähe zu ihm aufbauen. Das ist ja die besondere Stärke von Andreas Winkelmann, dieses geschickte Spiel mit Szenen, die dunkle Ängste auslösen und somit den Leser unmittelbar persönlich packen. Auch wieder genial gelöst ist der Aufbau einer sich steigernden Spannung aus wechselnden Perspektiven heraus mittels einer raffinierten überraschungsreichen Geschichte. Und doch blieb ich ein klein wenig enttäuscht zurück. Mag sein, dass ich in diesem Thriller weniger Zugang zu den beiden Ermittlern fand. Gerade weil dem persönlichen Hintergrund von Jens Kerner dieses Mal so viel Raum gegeben wurde. Ebenso dem komplizierten Hin und Her zwischen Rebecca und Jens, jenseits des Beruflichen. Das hätte ich nicht gebraucht, denn die teilweise trivial anmutenden Sequenzen rauben dem Thriller ein wenig die bei Winkelmann gewohnte schaudernde Intensität.

  

Fazit: Wieder ein raffinierter, sehr spannender, gekonnt geschriebener Thriller, jedoch nicht ganz so stark wie seine Vorgängerbände.

 

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Roz Watkins

Das kalte Echo

 

 

·         Taschenbuch: 512 Seiten

·         Verlag: FISCHER Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3596299119

·         Originaltitel: The Devil’s Dice

#DaskalteEcho

Überlieferter Geisterfluch begegnet nüchternen Ermittlungen

 

Zugegeben, es wird viel Tee getrunken in diesem Buch. Mit Zucker oder ohne, mit Milch oder ohne, immer aber mit Teebeutel. Und wenn gar nichts mehr hilft, gibt es Kaffee. Das ging mir zwischendrin schon mal auf die Nerven. Doch insgesamt gesehen hat mich das Buch durchweg gut unterhalten.

 

In einer Höhle mitten in einem unzugänglichen Gebiet von Peak District (es lohnt sich, diese Gegend zu googeln!) wird die Leiche eines Rechtsanwaltes aufgefunden. Gestorben durch Gift. Selbstmord liegt nahe. In der Felswand sind seine Initialen eingemeißelt, dazu ein Bild von einem Sensenmann. Allerdings schon mehr als hundert Jahre alt.  DI Megan Dalton, gehandicapt mit einem Gehfehler und Höhenangst, ermittelt wegen Mord und fühlt sich gefangen in einem Spagat zwischen überliefertem Geisterfluch und rationalen Ermittlungen. Ihre ganz persönlichen Dämonen machen ihr die Arbeit auch nicht gerade leichter.

 

Mit viel Selbstironie lässt die Autorin Meg Dalton selbst von ihrer „Mission Neustart in Derbyshire“ und ihrem ersten Fall berichten. Durch die sehr anschaulichen, bildhaft vorstellbaren Beschreibungen fühlt man sich als Leser sehr schnell eingesponnen in das Umfeld von Meg. Immer ist es kalt. Oder es regnet. Oder es ist kalt und regnet. Der Kollege Craig ist ein Fiesling, wie er schlimmer nicht sein könnte. Megs Wohnung ist alles andere als ein Wohlfühlort. Und die Menschen, denen Meg begegnet, sind entweder seltsam oder lügen oder sind krank. Also irgendwie eine arg verfrorene Angelegenheit. Und doch hatte das Buch für mich seinen Reiz. Vielleicht weil sich im Verlauf der Seiten immer mehr und nachvollziehbar erklärte, weshalb Meg so ist wie sie ist. Oder weil, tröstlich für den Leser, der  feinfühlige Kollege Jai immer zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Vielleicht auch, weil ich immer wieder auflachen musste über witzige Wortscharmützel. Und mir gefielen die eingestreuten intelligenten Verknüpfungen („ein Gebäude wie ein Mondrian-Verschnitt“, „ein Hund, der über den Rand seines Körbchens floß wie Dalis Uhren“), oder auch, wie Sterbehilfe thematisiert wurde. Lange Zeit blieb ich wie Meg ziemlich orientierungslos in den Ermittlungsschritten und in den vielen nicht zueinander passenden Zeichen stecken. Doch das irrsinnig spannende, temporeiche Ende entschädigte mich schließlich voll und ganz für so manche unnütz getrunkene Tasse Tee…

 

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Tatjana Kruse

Tot aber glücklich

 

 

·         Taschenbuch: 312 Seiten

·         Verlag: KBV

·         ISBN-13: 978-3954415151

#Totaberglücklich

 

Genüssliche Meucheleien mit treffsicherem Wortwitz

 

Aus eigener leidvoller Erfahrung rate ich Ihnen dringend, Tatjana Kruses Bücher keinesfalls in Wartezimmern oder Zugabteilen zu lesen, jedenfalls nicht im Beisein fremder Leute. Außer es ist Ihnen egal, wenn man Sie sorgenvoll anschaut, wenn Sie aus dem Nichts heraus laut prustend auflachen oder vor sich hin giggeln, schmunzelnd den Kopf schütteln oder andere für die Umwelt sehr bedenklich wirkende Reaktionen zeigen. Denn der kriminellen humorigen  Ideenvielfalt einer Tatjana Kruse kann man sich einfach nicht entziehen. 

 

In den „kriminell komischen Storys“ wird gemordet auf Teufel komm raus, und zwar genau von den Menschen, die eigentlich viel zu nett, viel zu unscheinbar, viel zu normal sind, um Böses zu tun. Doch die Autorin entlarvt sie alle. Insbesondere Frauen gilt ihre besondere Aufmerksamkeit. Unfassbar, wie viele schräge Vögel sich in Tatjana Kruses Welt tummeln. Neben dem Ägypten-Fan Trödel-Traugott oder dem Geschäftsführer, der sich der Abfallbeseitigung von zweibeinigen faulen Äpfeln verschrieben hat, oder dem ausschließlich marmeladenbrotessenden Exzentriker aus Bebenhausen findet sich auch der Leiter der Abteilung Wasserstandsvorhersagen gemäß Seeaufgabengesetz § 1 Abs. 9, oder Doris, Mitglied im Freundeskreis der Marienbibliothek und nicht zuletzt Frau Möller, die kein Englisch kann und sich auf Bustour in englischer Sprache befindet, ebenso wie Marlis Möhrle, die mit einer großen Gobelintasche reist und an einer Ziege strickt. 

 

Von Mini-Thriller bis Mini-Satire – Tatjana Kruse wühlt sich genüsslich mit treffsicherem Wortwitz durch alle Genres und haut uns zuletzt noch die unerwartete Pointe um die Ohren. Ich sehe sie direkt vor mir, wie sie da irgendwo sitzt und mit unbandigem Spaß an ihren wunderbaren, unerschöpflichen, abstrusen, schrägen und urkomischen Ideen strickt, während ich als ihre ergebene und geschulte Leserin ins Grübeln komme, ob ich der Nachbarin, die ihre 20 Paar Gummischlappen im Hausflur lüftet, nicht auch… 

 

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Ragnar Jónasson

Dunkel

 

 

·         Broschiert: 384 Seiten

·         Verlag: btb Verlag

·         ISBN-13: 978-3442758609

·         Originaltitel: DIMMA

#Dunkel

 

Überraschende Wendungen, unfassbares Ende

  

Dass der vorliegende Thriller als einer der besten 100 Krimis und Thriller seit 1945 ausgezeichnet wurde, ließ meine Erwartungen auf ein Höchstmaß anwachsen mit nachfolgender, fast zwangsläufiger Enttäuschung. So absurd kann Werbung wirken: Ohne diese Vorschusslorbeeren und meine dadurch hochgeschraubten Hoffnungen hätte mir das Buch durchaus besser gefallen. 

 

Hulda Hermannsdóttir ist altgediente, erfahrene Kommissarin bei der Polizei in Reykjavik. Ihre Arbeit ist ihr Leben. Von jetzt auf gleich wird ihr jedoch nahegelegt, in den Ruhestand zu gehen. Lediglich einen cold case ihrer Wahl könne sie noch für wenige Tage bearbeiten. Sie stürzt sich in die Ermittlungsarbeit eines Falles, der seinerzeit auffällig schlampig bearbeitet worden war. 

 

Sehr lesefreundlich ist dieses Buch, was zum einen an den kurzen Kapiteln liegt, zum anderen aber auch an der großen Schrift und an der relativ einfachen, klaren Sprache. Mit anderen Worten, dieses Buch ist blitzschnell ausgelesen. Auch lässt die wendungsreiche Geschichte dem Leser keine Verschnaufpause. Um wessen Leben es in Rückblicken ging, verstand ich erst nach einer ganzen Weile, ebenso blieben mir die kursiven Einschübe lange unklar. Das entsetzliche Ende der Geschichte lässt den Leser fassungslos zurück.

 

Zunehmend mehr erfährt man im Verlauf des Buches über Hulda Hermannsdóttir selbst, über ihre Vorgeschichte, über all das, was sie so hart gegen sich selbst werden ließ. Ihre Einsamkeit ist auf jeder Buchseite deutlich spürbar. Irgendwann wurden mir die langen, sich ständig wiederholenden Selbstreflexionen allerdings zuviel. Und ich hätte mir lebendigere Darstellung der handelnden Personen gewünscht, sie blieben für mich plakative Karikaturen ihrer selbst.

 

Fazit: Ein blitzschnell zu lesender, wendungsreicher Thriller mit einigen Schwächen, jedoch einem den Atem raubenden, überraschenden Ende.

 

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Astrid Fritz

Der Turm aus Licht

 

 

·         Taschenbuch: 816 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499001192

#DerTurmausLicht

 

Dieser grandiose Roman ist eine Meisterleistung

  

Eine Meisterleistung war nicht nur die 60 Jahre währende Errichtung des „schönsten Turms auf Erden“ des Freiburger Münsters. Sondern eine Meisterleistung ist auch Astrid Fritz mit diesem groß angelegten historischen Roman gelungen. Einfach grandios! Am Sonntag nach Pfingsten im Jahr 1330 wird das Freiburger Münster vollendet. An Pfingsten im Jahr 2020 lese ich die letzten Seiten des über 800 Seiten starken Romans und bin berührt und begeistert gleichermaßen.

  

Wir verfolgen über die Jahre von 1270 bis 1330 die überaus wechselvolle Geschichte der Fertigstellung des Freiburger Münsters, insbesondere die bauliche Umsetzung des Entwurfs eines hohen, lichtdurchfluteten, dennoch fragil-leicht wirkenden Turmes, des „schönsten Turmes auf Erden“. Dieser Bau gilt heute als eines der Meisterwerke der Gotik. Wir erleben rund um die Bauhütte Liebe, Macht, Ränke, Dummheit, Intrigen, Verrat, Gewalt, Krankheit, Tod, aber auch Zuversicht, meisterliche Handwerkskunst und den unbedingten Willen, das Münster „UnserliebenFrauen“ zu einem die Jahrhunderte überdauernden Wahrzeichen des Glaubens in Freiburg zu gestalten.

 

Astrid Fritz ist es auf meisterhafte Weise gelungen, die Geschichte dieses Kirchenbaus mit Leben und mit Gefühlen zu füllen. Aufgrund des zwei Generationen langen geschilderten Zeitraumes ziehen viele Menschen  am Leser vorüber, die in der einen oder anderen Weise eine besondere Rolle spielten. Und jedem einzelnen dieser Menschen verleiht Astrid Fritz Ausdruck seiner ganz individuellen Persönlichkeit, weit, weit weg von klischeehaften „Mittelalter-Spielen“. Der Spagat zwischen fiktiv-romanhafter, lebendiger und spannender Erzählung einerseits und akribisch-fachkundiger Recherche und Wiedergabe historisch Überliefertem ist der Autorin grandios gelungen. Denn die 800 Seiten lesen sich leicht, das Buch ist unterhaltsam, fesselnd, atmosphärisch dicht, und Wissenswertes wird fast nebenbei kurzweilig in die Handlung verwoben. Überhaupt ist es eine bewundernswerte Leistung der Autorin, wie sie detailgenaue Beschreibungen einzelner Bauschritte in der zu jener Zeit gebräuchlichen Techniken auch für den Laien nachvollziehbar wiedergibt. Die sehr schöne, sorgfältige, der Zeit angepasste Sprache, in der der Roman geschrieben ist, ist ein zusätzlicher Genuss. Sehr hilfreich für den Leser sind ein mehrere Seiten umfassendes Personenverzeichnis zu Beginn und ein ebenso umfangreiches Glossar am Schluss des Buches. Rundum ein grandioser historischer Roman!

 

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Hubert Achleitner

Flüchtig

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 304 Seiten

·         Verlag: Paul Zsolnay Verlag

·         ISBN-13: 978-3552059726

#Flüchtig

 

 

Ein Roman wie eine Matroschka

 

Die außerordentliche Musikalität des Hubert von Goisern ist mir genau vor einem Vierteljahrhundert aufgefallen. Kein Wunder, dass ich in seinem Romandebüt nun alles wiederfinde, was schon damals meine „Heiligtümer“ waren. Die Koloraturkunst von Edita Gruberova zum Beispiel, Dvoraks Sinfonie Aus der neuen Welt oder André Heller, dessen Liederlyrik ich so sehr liebte. So vieles und noch viel mehr steckt in diesem Roman, jenseits der eigentlichen Handlung.

  

Maria und Herwig sind fast dreißig Jahre verheiratet. Sie haben sich in jeweils ihrem eigenen Leben arrangiert, ohne spürbares Interesse aneinander. Als Maria jedoch von einem Tag auf den anderen ohne jegliche Erklärung verschwindet und unauffindbar bleibt, kommt Bewegung in Herwig. Es beginnt eine Reise quer durch Europa bis nach Griechenland, hin zu flüchtigen Begegnungen mit Menschen, mit flüchtigen Gedanken über sich selbst und das Leben und flüchtigen Gefühlen der Sehnsucht und Erfüllung. 

 

Dieser Roman ist reich und vielschichtig wie eine Matroschka. Manchmal verliert sich der Autor regelrecht im Erzählen von Geschichten, die weitere Geschichten enthalten, im Berichten von vergangenen Leben von vergangenen Menschen. Manchmal treibt der Erzähler mit seinen Geschichten so weit ab vom chronologischen roten Faden, als wäre Maria schon längst verloren gegangen. Und wenige Seiten später landet der Autor wieder im zeitgerechten Erzählstrang, und Marie übernimmt wieder weiter ihre Rolle, nüchtern, kühl, wissbegierig, mit tief versteckten Sehnsüchten. Man muss sich als Leser genauso treiben lassen wie der Autor, dann entwickelt das Buch seinen ganz besonderen Reiz. Wurde schon einmal so differenziert die Inbetriebnahme eines Plattenspielers beschrieben und das geradezu zeremonielle Hören einer Vinylplatte mit seinem mystischen Zauber des Klanges? Wurde schon einmal so atmosphärisch dicht, so sehnsuchtsvoll in seiner lichtdurchfluteten Einfachheit das ursprüngliche touristenferne Griechenland beschrieben? Und wo findet man eine Heiligengeschichte genauso neben politischen Stellungnahmen und spitzen Randbemerkungen? Ein kluges, ein vielschichtig durchkomponiertes, ein poetisches Buch.  Ein Buch zum Wiederlesen.

 

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Steffen Jacobsen

Sühne

 

 

·         Broschiert: 416 Seiten

·         Verlag: Heyne Verlag

·         ISBN-13: 978-3453272675

·         Originaltitel: Ghostwriter

 

Klug in Szene gesetzter Thriller

  

Eine Zufallsentdeckung war für mich diese Neuerscheinung. Der Autor war mir bislang unbekannt gewesen, ich war überrascht, wie viele Titel der ziemlich finster dreinblickende Autor, von Beruf Chirurg, bereits geschrieben hatte. Vielleicht ist das vorliegende Buch nicht unbedingt ein reißerischer Thriller. Er hat auch viele ruhige Elemente, fast wie in einem Krimi, aber dennoch niemals langweilig, immer durchsetzt von unterschwelliger Spannung, die sich zum Ende hin noch erheblich steigert. Wohltuend übrigens die sehr augen- und lesefreundliche Schriftgröße!

  

Frank Linden, Besitzer eines Pharmaunternehmens, ist todkrank. Er möchte vor seinem Tod noch hochbrisante Informationen veröffentlichen und heuert dazu einen Journalisten an. Doch als Linden dem Journalisten das Material übergeben will, werden beide hinterrücks erschossen. Michael Sander, Freund des Journalisten, gelangt in den Besitz des Geheimmaterials und beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Seine Frau, Kommissarin Lene Jensen, soll ganz offiziell die Morde an Linden und dem Journalisten aufklären und stößt dabei im Umfeld des Pharmaunternehmens auf Ungeheuerliches im Bereich der Insulin-Mafia. Doch nicht nur sie, auch Michael Sander gerät in tödliche Gefahr.

  

Steffen Jacobsen schreibt mit wohltuend viel Fachwissen. Das spürt man in allen Sequenzen, in denen es um Details zur Entwicklung von wirksamen Medikamenten geht. Und er schreibt mit großem politischem Engagement, was speziell in den tagebuchartigen Einträgen von Thomas Schmitz aus Äthiopien sehr eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. Und Steffen Jacobsen erzählt gekonnt kurzweilig, temporeich die spannende Handlung vorantreibend. Aus verschiedenen Blickwinkeln, aus verschiedenen Puzzleteilen setzen sich mehr und mehr die erschreckenden Machenschaften der Pharma-Industrie zusammen.   Mich hat der virtuose Schreibstil des Autors fasziniert, wie er zum Beispiel die malerische Schilderung eines Ambientes vornimmt, schön, geschmackvoll,  um dann völlig unerwartet in dieses wohltuende Bild weitere Bilder hineinzuschmuggeln, grausame Bilder, verstörende… Zwar konnte ich nicht jedes Verhalten der Protagonisten nachvollziehen, insbesondere nicht das viele Schweigen, das viele Unausgesprochene in der Beziehung zwischen Lene und Michael, aber dennoch hatte ich insgesamt viel Sympathie für die beiden und bangte entsprechend voller Spannung um ihr Überleben. Mir gefiel besonders, dass viel Raum eingeräumt wird den psychologisch vielschichtigen Interaktionen der Menschen untereinander, belauernd, anziehend, misstrauisch, hasserfüllt, hingerissen, kämpferisch und nur selten wahrhaftig, echt. Ein Autor mit viel Feingefühl, wie mir scheint. Eine echte Entdeckung auf jeden Fall.

 

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Espen Dekko

Sommer ist trotzdem

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: Thienemann Verlag

·         ISBN-13: 978-3522185318

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

·         Originaltitel: Tarer ändrar ingenting

#Sommeristtrotzdem

 

Opa-Umarmung hilft gegen Zitterpelz

 

Innerlichen und äußerlichen Zitterpelz (Gänsehaut) macht dieses Buch dem Leser, so tief bewegend ist es, so ergreifend, so traurig, aber auch so liebevoll, so tröstlich. Ein ernstes Kinderbuch, wie ich es in dieser Intensität noch nie gelesen habe, eine Erzählung, die Herzschmerzen macht und sie auch wieder heilt. Lange, lange nachwirkend. 

 

Das Mädchen ohne Namen verbringt wie jedes Jahr Sommerwochen bei Oma und Opa im Haus am Meer. Eigentlich wie immer und doch ganz anders. Denn es ist der erste Sommer ohne Papa, der gestorben ist. Das Mädchen erlebt diese Sommerwochen zwischen Ferienfreude  in vertrauter Geborgenheit und nicht fassbaren Gedanken und in sich gekehrtem Schweigen. Viel Trauriges geschieht. Und sie begegnet ihrer eigenen unglaublichen Stärke. 

 

Unfassbar gut geschrieben ist die Geschichte. Die kurzen, vordergründig einfachen Sätze, im Präsens geschrieben aus Sicht des Mädchens, wirken auf seltsame Weise so eindrücklich, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Manchmal ist der Sprachduktus so schlicht, dass man glaubt, das Mädchen sei jünger als 11. Doch das ist eines der wichtigsten Geheimnisse dieses Buches bzw. des Autors: In einfachen Worten, mit viel Feingefühl fühlen, denken, beobachten, spüren. Ein weiteres Geheimnis ist die Fülle an bildhaften Sätzen, die umschreiben, was das Mädchen nicht ausdrücken kann. „Jemand hat den Himmel aufgeräumt.“  Der Autor hat es meisterhaft verstanden, sich in die Welt des 10-jährigen Mädchens hineinzudenken und aus dieser Perspektive heraus zu erzählen. Großartig zum Beispiel die Schilderung aus Kindersicht, wie Kinder die nonverbalen Botschaften der Erwachsenen wahrnehmen. Sehr, sehr bewegend  ist zu lesen, wie das Kind Sterben und Tod des Vaters erlebt und was wortlose  Opa-Umarmungen auslösen. Ein ergreifendes und tröstliches, ein sensibles Kinderbuch mit viel leiser Weisheit. „Niemand muss die ganze Zeit stark sein. Manchmal müssen wir einfach so sein wie wir sind.“ Ganz, ganz wunderbar! 

 

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Hedwig Herold-Schmidt

Florence Nightingale

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

·         Verlag: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)

·         ISBN-13: 978-3806240559

#FlorenceNightingale

 

Sachliche, hoch informative, aber auch etwas anstrengende Lektüre

 

Zu meiner Jugendzeit, lang ist’s her, besaß ich eine Florence-Nightingale-Biographie, die in ihrer gefühlsmäßigen Verbrämtheit meinem pubertären Überschwang sehr entgegenkam. Deshalb war ich jetzt, ca. 55 Jahre später, besonders neugierig auf das vorliegende Buch. Denn ich hatte tatsächlich die Vorstellung eines „Engels“, der sich für die Pflege von Kriegsverletzten restlos aufopferte. Ein oberflächliches Klischee, mit dem Hedwig Herold-Schmidt restlos aufräumt. 

 

Die Autorin ist zu bewundern, wie detailliert-genau, mit welcher Akribie und ausufernden Recherchearbeit sie sich mit Florence Nightingale beschäftigte und deren Persönlichkeit sowohl historisch, politisch, gesellschaftlich als auch psychologisch beleuchtet. Die immense Arbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist kaum zu erahnen. So beeindruckend diese Detailgenauigkeit ist, so schwierig wurde mir dadurch auch mitunter das Lesen. Die enorme Fülle der Informationen erschlug mich geradezu, und so las ich lange am Buch, in jeweils kurzen Etappen. Und doch bildete sich in mir zunehmend das Bild einer willensstarken Frau heraus, einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die von Glaubensstärke getragen weder auf ihre eigene angegriffene Gesundheit noch auf gesellschaftliche Normen achtete und sich lediglich dem unterordnete, was sie selbst als richtig und wichtig und notwendig erachtete. 

 

Die sachlich-informative Schreibweise der Autorin ist als Informationsübermittlung großartig, aber dennoch hätte ich mir ab und zu etwas mehr „Farbe“  gewünscht, um nicht nur Wissen, sondern auch ein gewisses Gefühl für den Menschen Florence Nightingale entwickeln zu können. Insofern bleibt für mein Empfinden Hedwig Herold-Schmidt hinter ihrem eigenen Anspruch etwas zurück. Denn die eigentliche „Frau hinter der Legende“ blieb mir trotz allen Wissensgewinns irgendwie weiterhin verborgen.

  

Fazit: Eine sachliche, fundierte und hoch informative Biographie über Florence Nightingale, sowohl kritisch als auch würdigend. Allerdings leider etwas anstrengend zu lesen.

 

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Christian Kuhn

Nordseedämmerung

 

 

·         Taschenbuch: 320 Seiten

·         Verlag: Heyne Verlag

·         ISBN-13: 978-3453424210

#Nordseedämmerung

 

Ein solider und gut unterhaltender Kriminalroman

 

Einen Debütroman eines jungen Autors aufzuschlagen, ist immer spannend. Ist er gelungen? Welcher Schreibstil, welche Ideen erwarten mich? Kann er mich überraschen? Wenn ich es in fünf Worten zusammenfassen soll: Der Kriminalroman „Nordseedämmerung“ hat mich gut unterhalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

  

Welch eine Herausforderung für Kriminalhauptkommissar Tobias Velten, der von Berlin nach Juist gesandt wurde: Der Bundespräsident von Deutschland hat sich in den Kopf gesetzt, auf der Insel Juist seinen Urlaub zu verbringen. Das Sicherheitsteam rund um Tobias Velten gerät schnell an seine Grenzen, als sich die Hinweise mehren, dass ein Mörder auf den Bundespräsidenten angesetzt ist. Doch damit nicht genug. Offenbar gibt es einen Spitzel in den eigenen Reihen, der alle aufwändigen Sicherungsbemühungen zunichtemacht…

  

Gut gefällt mir das Cover, insbesondere dass der Titeldruck so angeraut ist, dass man meinen könnte, beim Darüberstreichen Sand unter den Händen zu spüren. Ärgerlich dagegen ist, dass es relativ viele Fehler im Text gibt. Offensichtlich wurde nicht sorgfältig genug korrekturgelesen.

 

Ja, das Buch hat mich gut unterhalten, mehr aber auch nicht. Die sehr nüchterne, fast möchte ich sagen männlich-emotionsarme Erzählweise packt den Leser nicht wirklich. Die eingestreuten kleinen Exkursionen politischer Art bleiben trocken-theoretisch. Vielleicht hätte mehr wörtliche Rede das Lesen flüssiger gestalten können. Die Spannung ist von Anfang bis Ende mäßig vorhanden, die Aufklärung zum Schluss bleibt nur zum Teil überraschend. Zwar bin ich nach Lektüre des Buches gefühlt nahezu jeden Weg auf Juist gegangen, aber ich konnte keinerlei Gefühl für die Insel gewinnen, konnte nicht seine spezielle Atmosphäre aufnehmen. Der Autor erzählt genau und sorgfältig, aber leider nicht unter Einbeziehung aller Sinne. Doch genau damit könnte Christian Kuhn seinem Schreibstil sehr viel mehr Intensität verleihen. Ein Debütroman, der gut unterhält, ist aber auf jeden Fall ein guter Start.

  

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Michael Ende, Wieland Freund

Rodrigo Raubein und Knirps, sein Knappe

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: Thienemann Verlag

·         ISBN-13: 978-3522185004

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 - 8 Jahre

#RodrigoRaubein

 

Ohne Angst gibt es keinen Mut

  

Ein Romanfragment aus dem Nachlass von Michael Ende, sprich drei Kapitel, an denen er bis zu seinem Tod immer wieder gearbeitet hatte, waren die Steilvorlage, die Wieland Freund dazu animierte, das Fragment weiterzuschreiben zu einem abenteuerlich-spannenden Kinderbuch, was ihm zweifellos sehr gut gelungen ist.

  

Knirps, der völlig angstfreie Sohn einer Puppenspielerfamilie, möchte unbedingt ein ganz gefährlicher Raubritter werden. Auf jeden Fall so schrecklich wie Rodrigo Raubein, bei dem er in die Lehre gehen will. Doch dieser fühlt sich in seiner Ruhe gestört und ist gar nicht erbaut von Knirps‘ Plänen. Deshalb fordert er als allererstes eine ganz und gar gefährliche Mutprobe, um Knirps wieder loszuwerden. Nach einigem Grübeln ist sich Knirps sicher, dass es nichts Gefährlicheres gäbe als einen Prinzessinnenraub. Doch als er die überaus kluge Prinzessin Flip trifft, gerät alles mehr und mehr aus dem Ruder… 

 

Wir wissen nicht, welche Geschichte rund um Knirps und Rodrigo Raubein Michael Ende vorschwebte. Insofern ist es Wieland Freund hoch anzurechnen, in welch genialer Weise er aus den vorhandenen drei Kapiteln in insgesamt 16 Kapiteln ein Kinderbuch entstehen ließ, das durch Ideenreichtum, durch Witz und Klugheit begeistert. Es ist erstaunlich, wie Wieland Freund sowohl den Sprachduktus als auch die so reiche humorige Fantasie und Wortgestaltungskraft von Michael Ende „fortführt“.  Vielleicht hätte es der Geschichte jedoch gut getan, wenn sie mit ein paar Handlungssträngen weniger erzählt worden wäre. Irgendwie blieb bei der Fülle der erzählten Geschehnissen der von Michael Ende eigentlich in den Mittelpunkt gestellte Hastrubel Anaxinander Chrysostomos, genannt Knirps, auf der Strecke, wurde  zur Randfigur. Das fand ich schade. Schön jedoch, wie der Erzähler immer wieder seine Zuhörer/Leser direkt anspricht und sie somit unmittelbar in die Geschichte hineinholt. Und wir lernen, dass es gar nicht so einfach ist, das zu tun, was man wirklich will und dass es ohne Angst keinen Mut gibt. Gegen Ende der Abenteuer heißt es: „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit.“ Und es klingt, als ob Michael Ende selbst das Wort ergreift.

  

Fazit: Ein sehr hochwertig gemachtes Buch, mit viel Witz, spannenden Abenteuern und von unaufdringlicher Klugheit erzählt. Wieland Freund ist es perfekt gelungen, aus einer aus wenigen Seiten bestehenden vorgegebenen Idee ein Kinderbuch ganz im Sinne von Michael Ende zu schreiben. Unbedingt hervorzuheben sind übrigens die sehr ansprechenden, ausdrucksstarken Illustrationen von Regina Kehn, die das Buch zusätzlich aufwerten.

 

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Anna von Planta
Liebe

 

    • Taschenbuch: 240 Seiten
    • Verlag: Diogenes
    • ISBN-13: 978-3257245431
#Liebe

 

Eindrücklich und lesenswert

  

Wer in diesem Sammelband mit „Geschichten über das größte Gefühl der Welt“ romantische Mondschein-Schwüre und Geigenmusik erwartet, wird bitter enttäuscht werden.

 

Weit, weit weg von süßem Kitsch und geschöntem Leben geht es in diesem Buch hart zur Sache.  Teilweise unbekanntere Geschichten findet man in ihm, manche sperrig, manche wunderlich, manche berührend, oftmals bitter. Es sind Geschichten von Menschen, die seelisch verletzt oder hoffnungslos sind, dem Leben und seinen schlechten Seiten ergeben sind, vielleicht auch vom Leben geschunden sind. Manche Akteure sind auch einfach nur verzweifelt anders als die anderen. Kurzum, es sind Geschichten, denen es an Glück fehlt und die vielleicht genau dadurch besonders wahrhaftig sind. Wie zum Beispiel diese seltsam unfertige Geschichte einer unfertigen Liebe, einer Liebe „auf der Stelle“. Oder Liebe versteckt in Endlossätzen, verboten, unendlich traurig. Oder Liebe wie zerlaufener Honig mit sich darbietenden Körpern aus Sehnsucht nach Verlorenem.

 

Es sind Geschichten, die lange nachhallen, nicht melodisch-süß, sondern verzweifelt suchend. Sehr, sehr eindrücklich und lesenswert!

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Adeline Dieudonné

Das wirkliche Leben

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

·         Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

·         ISBN-13: 978-3423282130

·         Originaltitel: La Vraie Vie

#DaswirklicheLeben

 

Das Gelächter der Kadaver

 

Ein Roman, härter und brutaler und grausamer als jeder mir bekannte Thriller. Ein Roman, der mit Peitschenhieben durch die Seiten treibt. Ein ganz und gar unglaublicher Debüt-Roman, der absolut nicht geeignet ist für empfindsame Leser.

Das zehnjährige Mädchen, die Ich-Erzählerin ohne Namen, und ihr kleiner Bruder Gilles leben in einer uniformierten Reihenhaussiedlung. Die Mutter wird beschrieben als eine Amöbe, ein graues, unsichtbares Nichts. Der Vater dagegen hat große Leidenschaften, nämlich die Jagd, Fernsehen, Whisky und in Prügeln sprechende Wutanfälle. Als eines Abends vor den Augen der beiden Kinder ein entsetzliches Unglück passiert, verändert sich das Leben schlagartig. Das glockenhelle Lachen von Gilles stirbt für immer. Und das Mädchen kämpft mit aller Kraft darum, dieses Lachen wieder zurückzuholen. Ihre überragende Intelligenz und ihr Mut helfen ihr, sich eine ganz eigene Welt zu konstruieren, eine Welt der Hoffnung, tief verborgen vor Mutter und Vater. Doch im Verlauf der Zeit entwickelt sich nicht nur ihr Geist, sondern auch ihr Körper, was ihrem Vater nicht verborgen bleibt.

 

Was für eine Sprache, so unerschütterlich direkt, so unfassbar gewaltig, geradezu von brachialer Kraft. Aber auch Feines erspürend, wenn zum Beispiel die Autorin innerseelische Vorgänge über das differenzierte Schildern von Gerüchen zum Ausdruck bringt. Der Roman benutzt unglaublich starke Bilder, die mit ungebremster Wucht direkt zum emotionalen Zentrum des Lesers vorstoßen, Flucht unmöglich. Und diese intensiven Bilder hinterlassen Einschusslöcher im Kopfkino, wie Kriegswunden, unheilbar. Dazu wirken die kurzen Kapitel wie Schlaglöcher, in die der Leser rumpelnd hineinstürzt und die ihn immer wieder fast zu Fall bringen. Ein Roman, der mit unfassbar großer literarischer Kraft  „das wirkliche Leben“ in der ganzen Bandbreite von schön bis schrecklich auf 230 Seiten bannt.

 

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Christina Bradley

Thirty

 

 

·         Taschenbuch: 432 Seiten

·         Verlag: Ullstein Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3548062600

·         Originaltitel: Thirty

#Thirty

 

Lohnt das Lesen nicht

 

Der Roman kommt mir so vor, als hielte ich eine Waffel mit mehreren Eiskugeln der gleichen Sorte in der Hand. Erst ist der Geschmack willkommen, weil frisch. Doch nach einer Weile wird das Eis warm, der Geschmack fad, das Eis tropft, macht Flecken, nervt.

 

Auszüge aus der vom Verlag formulierten Inhaltsangabe lassen uns wissen, dass es um Bella Edwards geht, die nichts auf die Reihe bekommt. Sie steht kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag und der Mann fürs Leben fehlt immer noch. Hals über Kopf fliegt sie von London nach New York zu ihrer Freundin Esther. Und die hat die rettende Idee: Dreißig Dates in dreißig Tagen auf einem verrückten Trip von New York bis nach San Francisco. Da sollte es doch klappen…

 

Irgendwo im Buch steht: „Wenn es ums Dating geht, habe ich vor allem eins gelernt: Entweder es klappt, oder es klappt nicht.“ Oweh, solch tiefgründige Erkenntnisse sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Und leider liest man sich entsprechend zunehmend gelangweilt  durch die Geschichte und fragt sich immer wieder, wozu man das Ganze überhaupt lesen soll. Mich hat die Oberflächlichkeit des gesamten Buches von Seite zu Seite mehr und mehr genervt. Das einzige, was mich überhaupt davon abhielt, das Lesen abzubrechen, war der frisch-lebendige Schreibstil, der mich ab und zu auch zum Lachen brachte. Aber die lockere Erzählweise allein wiegt das Seichte und Klischeehafte des gesamten Buches nicht auf.

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Susan Niessen, Leonie Ebbert

Lotti & Dotti

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 40 Seiten

·         Verlag: Coppenrath

·         ISBN-13: 978-3649632160

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 36 Monate - 6 Jahre

#LottiundDotti

Ein sehr gelungenes Foto-Bilderbuch

 

Ein Bilderbuch ohne Zeichnungen? Ein Bilderbuch, illustriert ausschließlich mit Fotografien? Ich konnte es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Wie will man den Kleinen anhand von Fotos eine Geschichte so erzählen, dass sie ankommt, dass sie Aufmerksamkeit oder Neugier erregt, dass sie Gefühle auslöst? Doch meine Zweifel waren nach der Lektüre völlig beseitigt, im Gegenteil, das Foto-Bilderbuch hat mich begeistert.

  

Lotti darf in den Ferien zu ihrer Oma, was das Allerschönste ist. Denn mit Oma kann man wunderbar spielen. Sie hat tolle Ideen und vor allen Dingen hat sie viel Zeit für Lotti. Doch dann passiert etwas Unglaubliches! Eines Morgens steht da doch tatsächlich ein kleines Pferd in Omas Flur. Ein niedliches, kleines, schwarzgepunktetes Pony schaut sich neugierig um und stupst Lotti freundschaftlich. Man erfährt, dass es Dotti heißt, dass es ihm arg langweilig ist und dass es aus dem benachbarten Reiterhof regelmäßig ausbüxt, weil es so klein ist und überall durchschlupfen kann. Es darf in Omas großem Garten bleiben, und für Lotti und Dotti beginnen die allerschönsten Ferientage. Doch irgendwann sind die Ferien zu Ende. Was dann? Die Überraschung, die Lotti erlebt, wird natürlich nicht verraten.

  

Wenn man das zauberhafte Bilderbuch durchblättert, hat man das Gefühl, dass die Fotos die Geschichte diktiert haben, nicht umgekehrt. Sie erzählen so lebendig, so frisch und witzig von wunderschönen Ferientagen, wie es Zeichnungen gar nicht könnten. Die Bildausschnitte bringen ein fröhliches, unbeschwertes Miteinander zwischen Menschen und Tier so intensiv zum Ausdruck, dass ich beeindruckt bin. Gerade die Kombination zwischen buntem (Foto-)-Realismus und einer Geschichte, wie sie sich Kinder gerne erträumen, macht den besonderen Reiz aus. Die Fotos sind so ausdrucksstark, dass die Geschichte auch von den Kleinen verstanden wird, die den Text noch nicht lesen können. Ein sehr gelungenes, rundum fröhlich stimmendes Bilderbuch!

  

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Lina Frisch

Falling Skye

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

·         Verlag: Coppenrath

·         ISBN-13: 978-3649633440

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre

#FallingSkye

 

Enttäuschend

 

Ein schönes Cover hat das Buch, aber das Buch ist insgesamt auf einem qualitativ so miserablen Papier gedruckt, dass das gesamte Buch dadurch minderwertig wirkt. Man hat das Gefühl, das Papier vergilbt innerhalb von wenigen Stunden, wenn man in der Sonne sitzt und liest. Auch die Bindung ist nicht stabil. Mehr als zwei Leser hintereinander hält das Buch nicht aus, es bricht auseinander. Auch wenn das nicht wirklich wichtig ist, mich stört es. Das ist schade. Wobei mich zugegebenermaßen auch der Inhalt leider insgesamt enttäuscht hat.

  

Der Grundgedanke des Buches gefällt mir: Nach einer großen Katastrophe, in der die USA zu den Gläsernen Nationen geworden ist, werden die Menschen eingeteilt in die Rationalen und in die Emotionalen. Junge Menschen müssen sich so wie die 16-jährige Skye einer mehrwöchigen Testung unterziehen. Ziel ist, als mustergültige Rationale abzuschließen, um so die Chance auf ein Studium an einer Elite-Universität und auf eine glänzende berufliche Zukunft zu erhalten. Doch die Prüfungen sind verstörend und durchaus gefährlich. Skye beginnt zunehmend zu zweifeln und das Procedere zu hinterfragen, was sie selbst in größte Gefahr bringt…

  

Die junge Autorin schreibt gut. Es gibt viele Passagen, die spannend-lebendig ausgearbeitet sind. Die möglicherweise zugrunde liegende Gesellschaftskritik ist geschickt eingearbeitet. Dennoch blieb ich als Leser von Anfang bis Ende irgendwie außerhalb des Geschehens. Skye ist mir wie auch alle anderen Akteure im Buch fremd und fern geblieben, sie wirken irgendwie künstlich. So erging es mir auch mit der Handlung. Mal durchaus spannend, wenige Seiten später jedoch unlogisch und irgendwie nicht fertig erzählt. Und schließlich auch über lange Strecken geradezu langweilig. Immer wenn sonst nichts hilft, gibt es irgendeinen technischen Schnickschnack, der in der aktuellen Situation weiterhilft. Gut, ich gebe zu, dass Dystopien nicht gerade mein Lieblings-Genre sind, aber ich hoffte doch anhand der Verlagsankündigung auf eine straff erzählte, in sich logische, emotional packende, spannende Geschichte. Leider eine vergebliche Hoffnung. Es ist zu wünschen, dass Lina Frisch ihr mit Sicherheit vorhandenes Schreibtalent weiter zu entwickeln lernt.

 

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Alexander Bálly

Joana auf Echo-Hall

 

 

·         Taschenbuch: 180 Seiten

·         Verlag: BoD - Books on Demand

·         ISBN-13: 978-3750419674

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 12 Jahre

#JoanaaufEchoHall

 

Märchenhaft-spannende Reise in die Welt der Bilder

 

Man könnte eine Diskussion anzetteln, für welche Altersgruppe das Buch geeignet ist. Bei Amazon steht „8-10“, der Autor selbst schwankt zwischen 10 und 12. Doch solche „Standardmaße“ passen ganz und gar nicht zum vorliegenden Buch. Hier würde ich die Zielgruppenbezeichnung „neugierig-interessiert“ wählen, egal ob 8, 10 oder 80 Jahre alt. 

 

Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich eine sehr fantasievolle Geschichte: Joana, ein 10-jähriges aufgewecktes Mädchen, dessen Mutter schwer erkrankt ist und deren Vater sich auf hoher See befindet, muss den Sommer auf Echo-Hall verbringen, einem weitläufigen, dunklen, alten Gemäuer. Der Hausherr, ein finsterer, freudloser Gelehrter, stellt strenge Regeln auf, an die sich Joana zu halten hat. Ganz schön trostlos und entsetzlich langweilig für Joana. Als sie jedoch entdeckt, dass es Gemälde im Haus gibt, die sich auf seltsame Weise verändern, beginnt für Joana eine aufregende, geheimnisvolle Entdeckungsreise…

 

Dem Autor ist es auf bewundernswerte Weise gelungen, anhand einer spannenden Rahmengeschichte symbolträchtig den besonderen Zauber, der der Malerei innewohnt, auf kindgerechte Weise zu vermitteln. Joana, die liebenswerte Hauptfigur, ist pfiffig, neugierig und herzerwärmend mitfühlend, wo nötig folgsam, aber auch mutig grenzüberschreitend. Gerade ihre Neugier, ihr Wissensdrang machen sie zur idealen Identifikationsfigur für eine Reise in die Malerei. Mittels kleiner Textpassagen hat Alexander Bálly Wissenswertes, Informatives mit der Handlung verwoben, ohne dass die Spannung darunter leidet. Denn man sieht nur, was man weiß. 

 

Fazit: Die magische Wirkung von Kunst wird in dieser mit einem gewissen Anspruch geschriebenen, fantasievollen, lebendig-spannenden Geschichte  von Anfang bis Ende  spürbar. Und ich vertraue der Kraft dieser Erzählung, dass Erwachsene und Kinder durch das Buch angeregt werden zu eigenen Entdeckungsreisen, zu eigenen „Bildbegehungen“.

 

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Luca Ventura

Mitten im August

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 336 Seiten

·         Verlag: Diogenes Verlag AG

·         ISBN: 978-3-257-30076-5

#MittenimAugust

 

Urlaubsfeeling, Klimaschutz und ein Toter

 

Ein gemütlicher Sitzplatz auf der Terrasse, eine duftende Tasse Kaffee und das vorliegende Buch - fertig ist die perfekte Lesestunde. Man wird sofort weggebeamt in das südliche Italien, zu eigenwilligen Protagonisten, zu duftenden Blüten, zu von der Sonne aufgewärmten Steinmäuerchen,  zu schaukelnden Booten… „Mitten im August“ ist der gelungene Auftaktband einer Capri-Serie, deren weitere Bände ich mit Sicherheit gerne lesen werde.

  

Enrico Rizzi, Inselpolizist auf Capri, nutzt seinen ruhigen Posten, um seinem Vater in dessen Obst- und Gemüsegärten hoch über dem Golf von Neapel zu helfen. Sein beschauliches Leben wird jäh unterbrochen, als ein Toter, von mehreren Messerstichen getötet, in einem Ruderboot liegend an den Strand getrieben wird. Es handelt sich um Jack, den Sohn einer reichen Industriellenfamilie, Student der Ozeanologie. Rizzi gerät mit seinen Ermittlungen in seinem ersten Mordfall zwischen alle Stühle, denn einerseits soll es eine schnelle Aufklärung geben, damit die Touristen nicht wegbleiben, andererseits wird er in seinem Eifer immer wieder ausgebremst durch Kompetenzgerangel und falsche Spuren. Doch Rizzi lässt nicht locker… 

 

Das Buch lebt in allererster Linie von seinen malerischen Beschreibungen und von der bilderreichen, atmosphärisch dichten Erzählweise. Man spürt auf jeder Seite, dass der Autor mit Herz und Seele in der Gegend lebt. Doch jenseits der schützenswerten Urlaubsidylle lässt den Autor die Frage nicht los, wie es um die Zukunft der Meere bestellt ist. Wobei es nicht genügt, die Missstände zu konstatieren: „Das Dokumentieren der zunehmenden Zerstörung ist nichts anderes als Sterbebegleitung.“ Dem Autor ist es geschickt gelungen, Informationen über die Versauerung der Ozeane und ihre gravierenden Folgen in die Krimihandlung einzubetten. Die ruhig-unaufgeregt erzählte Krimihandlung mit einer völlig unerwarteten Aufklärung gegen Ende des Buches ist dabei durchweg fesselnd zu lesen und macht Lust auf mehr.

 

Und das sei auch noch erwähnt. Diogenes Bücher sind immer auch ein sinnliches Vergnügen. Feines glattes Papier, gut lesbares Satzlayout, ein stimmiges Cover, dazu die gekonnt geschriebene Geschichte. Perfekt.

 

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Gunter Reus

Marcel Reich-Ranicki, Kritik für alle

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

·         Verlag: wbg Theiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG)

·         ISBN-13: 978-3806240566

#MarcelReichRanickiKritikfüralle

 

Ein geschliffen kluges Buch über das Phänomen Marcel Reich-Ranicki

 

Seit jeher war ich bekennender Marcel-Reich-Ranicki-Fan. Ich liebte seine gnadenlose Rigorosität gegenüber langweiligen Büchern, sein unmissverständliches, nicht zu diskutierendes, manchmal selbstgefälliges, immer aber pointiertes Äußern seiner Meinungen. Er brachte Bücher unter das Volk wie nach ihm nie wieder jemand. All das gefiel mir außerordentlich, insbesondere da ich, zur damaligen Zeit mit eigener kleiner Buchhandlung, durch ihn immens viel gelernt hatte im Umgang mit Büchern und im Umgang mit Lesern. Insofern war ich überaus gespannt auf das vorliegende Buch. 

 

„Was ist Kritik? … eine Kreuzung von Journalistik und Wissenschaft.“ Dieser „Kreuzung“, für die Marcel Reich-Ranicki ein Paradebeispiel war, spürt Dr. Gunter Reus, Professor für Journalistik, in dem vorliegenden Buch sehr wohlwollend nach. Da der Autor nicht vom Elfenbeinturm der Kulturwissenden aus schreibt, sondern mit einem untrüglichen Wissen um guten Journalismus, porträtiert er das Phänomen MRR ganz unheilig, pragmatisch, dennoch spürbar mit einer gewissen Achtung, vielleicht sogar Verehrung. Das Buch versucht zu umreißen, was guten Kulturjournalismus ausmacht, jenseits aller dünkelhaften Blasiertheit. Und wie Marcel Reich-Ranicki genau diesen mitreißenden Kulturjournalismus voll und ganz verkörperte. Irgendwo in den Erinnerungen von MRR steht: „Ich wollte ihnen (den Lesern) erklären, warum die Bücher, die ich für gut und schön halte, gut und schön sind.“ Punktum. Hinter all seiner Wortgewalt blieb Marcel Reich-Ranicki jedoch  ein ewig Heimatloser, Einsamer, oft Gekränkter. Auch diesen Seiten spürt der Autor sehr fein nach.

 

Die große Fülle an Zitaten macht die theoretischen Überlegungen lebendig, anschaulich und kurzweilig zu lesen.

  

Dr. Gunter Reus schreibt und beschreibt sehr eloquent, in wohltuend geschliffener Sprache, mit fundiertem Wissen. Jede Seite in diesem Buch ist ein Genuss zu lesen. Denn es geht nicht nur um MRR, es geht um viel mehr. MRR ist sozusagen die Überschrift zu brillanten Ausführungen nicht nur zur Literaturkritik im Allgemeinen und besonderen, sondern überhaupt zu Medien und Medienvertretern und zu deren zunehmendem Verlust an Profil und Glaubwürdigkeit. Und wie gut es wäre, wenn genau diese Medienvertreter sich das Phänomen MRR genauer anschauen würden.

  

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Greer Hendricks, Sarah Pekkanen

Die Frau ohne Namen

 

 

·         Broschiert: 464 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499001444

#DieFrauohneNamen

 

Das Karussell der Täuschungen macht schwindelig

 

Was ist dieser Roman? Vergleichbares habe ich noch nie gelesen.

 

Der Roman kommt daher wie ein Psychothriller, scheint sich erst einmal auf ein raffiniertes psychologisches Kammerspiel zwischen reicher Therapeutin und armer Visagistin festlegen zu lassen. Er hat eine zunächst oberflächlich wirkende Handlung wie ein Bericht aus dem Leben mäßig gelangweilter reicher Amerikaner. Und doch ist er alles andere als oberflächlich. Denn er befasst sich mit wesentlichen Fragen des Miteinanders von Menschen. Und vor allen Dingen ist der Roman fesselnd, faszinierend, packend, verwirrend und von nicht endender Spannung. Das alles ist der Roman und noch viel mehr. Wie gesagt, Vergleichbares habe ich noch nicht gelesen. Und ich bin restlos begeistert.

  

Worum geht es? Jess, jung, mit chronischer Geldnot,  meldet sich für eine ausgeschriebene Ethik- und Moralstudie, da großzügige Vergütung versprochen wird. Sie wird zur Testperson 52, zu einem verheißungsvollen Forschungsprojekt. Sehr persönliche Fragen führen immer tiefer in ein manipulatives und durchaus lebensgefährliches Experiment.

  

Einen einzigen kritischen Einwand muss ich voransetzen. Ich bedauere zutiefst Leo, den armen kleinen vernachlässigten Hund von Jess, der immer allein in der Wohnung sitzt, kaum etwas zu fressen bekommt außer Essensresten und nur alle paar Tage mal Gassi geführt wird. Da hätten die beiden Autorinnen schon ein wenig mehr Tierliebe einfließen lassen sollen!

 

Das Buch bezeichnet sich als Roman, nicht als Thriller, ist aber so unermesslich spannend wie ein solcher. Man jagt von einem Twist zum anderen, wird immer wieder getäuscht, wird moralisch auf die Probe gestellt, Sicherheit wechselt mit Zweifeln, Abneigung mit Sympathie. Und es bleibt die große Frage: Wer manipuliert wen und womit, bewusst oder unbewusst, im Roman und im eigenen Leben? Kann man überhaupt nicht manipulieren? Und was ist überhaupt Wahrheit? Gibt es DIE Wahrheit? Irgendwo im Buch steht, dass die Wahrheit eine Gestaltwandlerin ist, schwer fassbar wie eine Federwolke. Wie wahr!

 

Großartig geschrieben ist dieser Roman. Absolut empfehlenswert.

 

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Ute Löwenberg

Exit Room Rätsel - Gefangen auf der Insel

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 96 Seiten

·         Verlag: Ravensburger Verlag GmbH

·         ISBN-13: 978-3473417018

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 - 12 Jahre

#ExitRoomRätselGefangenaufderInsel

 

Spannend-unterhaltsame Beschäftigung für kleine Rätselfüchse

 

Ute Löwenberg schafft es immer wieder neu, Kinder mit Büchern zum Lesen und Mitdenken zu verführen, so auch in der Reihe „Exit Room Rätsel“ für 8- bis 12-Jährige, einer Buchreihe, die mir außerordentlich gut gefällt.

  

Ähnlich dem Realspiel für Erwachsene in einem Escape Room bekommen die kleinen Leser die Aufgabe gestellt, aus einer ausweglosen Situation wieder hinaus zu finden, indem sie Rätsel lösen. Jede richtige Lösung führt wieder weiter zum nächsten Rätselschritt. Auch sind kleine Hilfen im Buch versteckt. Doppelseiten müssen aufgetrennt, die Seiten bemalt oder ausgeschnitten werden. Das bedeutet leider, dass das Buch nur einmal verwendet werden kann. 

 

Im vorliegenden Band „Gefangen auf der Insel“ ist man nach einem Sturm auf einer Insel und damit in einer Falle gelandet. Mit Schmierpapier, Stiften, Schere und Überlegung muss man an seiner Befreiung aus dieser misslichen Situation arbeiten. Durchhaltevermögen, Kreativität und logisches Denken sind gefragt. Wer nicht trickst, ist bestimmt für ungefähr 2 Stunden gut beschäftigt. Die einzelnen Rätselaufgaben sind nicht zu einfach und dadurch langweilig, aber auch nicht unlösbar schwierig. Auf jeden Fall ist das Buch eine fordernd-unterhaltsame Beschäftigung, ideenreich gestaltet und am meisten Spaß bringend, wenn sich die ganze Familie damit befasst.

  

Fazit: Spannend-unterhaltsame Beschäftigung für kleine Rätselfüchse.

  

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Shaun Usher

Letters of Note - Katzen

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: Heyne Verlag

·         ISBN-13: 978-3453272453

#LettersofNoteKatzen

 

So klein und so fein

 

Für mich war dieses Büchlein eine überraschende Entdeckung. Denn so klein es auch ist, so sorgfältig ausgestattet ist es, mit rosa Lesebändchen, mit abgerundeten Ecken sowohl des festen Einbandes als auch des Schnittes, gedruckt auf feinem glattem Papier und mit sehr gefälliger graphischer Gesamtgestaltung. Bereits das Vorwort stimmt gekonnt ein auf den Inhalt, und vor allen Dingen animiert es zum Briefeschreiben. Briefe werden als „Zeitkapseln“ bezeichnet, Briefe als die vom Aussterben bedrohte kostbare und schönste Form der Kommunikation. Shaun Usher tut sehr viel dafür, dieser gefährdeten Minderheit ein Überleben, vielleicht sogar eine Renaissance zu ermöglichen durch seine Aktivitäten auf seiner von mehr als 70 Millionen Menschen besuchten Website „Letters of  Note“, einer Art Online-Museum des Schriftverkehrs.

  

Doch zurück zum vorliegenden Band, in dem es um Katzen geht, genauer gesagt um Briefe, in denen es um Katzen geht, verfasst von unbekannten oder bekannten Persönlichkeiten wie zum Beispiel Raymond Chandler, Florence Nightingale, Elizabeth Taylor und vielen anderen.

 

 Ich könnte nicht sagen, welcher der enthaltenen Briefe mich mehr faszinierte. Vielleicht war es der Brief von Nikola Tesla, dem genialen Erfinder des Wechselstrom-Induktionsmotors, weil er mich so sehr überraschte in seiner detailgenauen Schilderung seines Katers in Kindertagen, der sogar den Anstoß gab für die lebenslange Beschäftigung mit Elektrizität. Oder vielleicht der herzergreifende Brief der todkranken Autorin und Biologin Rachel Carson, die von dem Tod ihres geliebten Katers berichtet und dem Glück, dass er ihr vorausgehen durfte, dass sie ihn nicht allein zurücklassen muss. Oder der wütende Rundum-Brief an alle Verkehrs-Rowdies von Prof. Guy Davenport, nachdem sein geliebter Kater überfahren worden war. Eigentlich ist jeder der abgedruckten Briefe ein ganz individueller Lobgesang auf die Katze, die sozusagen von Geburt an adelig zu sprechen ist in ihrer ernsthaften Schönheit, in ihrer selbstverständlichen Empfindsamkeit. Sie ist eine große Seele, nie wirklich zu durchschauen, zart, erlesen, aristokratisch, sanft, manchmal wunderlich – und vor allen Dingen grenzenlos geliebt.

  

Kurzum: Ein feines Geschenkbüchlein für alle, die Katzen und Sprache lieben.

 

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Catherine Ryan Howard

Ich bringe dir die Nacht

 

 

·         Taschenbuch: 448 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499274947

·         Originaltitel: The Liear’s Girl

#IchbringedirdieNacht

 

Mit gewisser Grundspannung solide erzählt

 

Ist das Buch wirklich ein Thriller? Vielleicht doch eher ein Psychothriller? Wer nägelkauenden Thrill mit viel Blut erwartet, wird enttäuscht sein. Mir hat das Buch dennoch gut gefallen.

  

10 Jahre sitzt Will Hurley, der sogenannte Kanal-Killer von Dublin, bereits im Gefängnis, als erneut die Leiche einer jungen Frau aus dem Wasser gezogen wird, ein Opfer ganz nach dem Muster der Morde, deretwegen er verurteilt worden war. Will setzt nun alles daran, mit Alison, seiner großen Liebe von damals, sprechen zu dürfen, denn er hat Informationen, die er nur ihr mitteilen will. Doch Alison führt seit der Verurteilung von Will ein völlig neues Leben in den Niederlanden. Alles Geschehen von früher hat sie verdrängt und nie mehr ein Wort darüber verloren. Deshalb lehnt sie es zunächst vehement ab, als die Polizei sie um Hilfe bittet. Schließlich begreift sie jedoch, dass Weglaufen keine Lösung ist, und willigt ein, nach Irland zu fliegen und mit ihrem einstigen Freund, dem Serienkiller, zu sprechen, ohne zu ahnen, worauf sie sich einlässt…

  

Drei verschiedene Handlungsstränge führen durch das Buch. Da ist zunächst die Gegenwart, von Alison selbst erzählt. Dann gibt es die Rückblenden, 10 Jahre früher, aus dem Leben von Alison, Liz, ihrer besten Freundin und Will, ihrer großen Liebe. Dazwischen gesetzt gibt es kurze Einschübe des „Stalkers“, ohne dass sich dem Leser erschließt, um wen es sich handelt. Gut gefällt mir, dass die Autorin durch die Kapitelüberschriften „Alison, heute“ und „Alison, damals“  dem Leser stets klare Orientierung gibt, in welchem Zeitabschnitt man sich gerade befindet. Gut gefällt mir auch der Schreibstil, der beeindruckend klar ist, dabei stets präzise und detailliert in den Einzelheiten. Allerdings kann ich nicht jedes Verhalten der Protagonisten nachempfinden. Fremd blieb mir zum Beispiel die Mutter von Aliston, aber auch Aliston selbst, deren Schuldgefühle ich nicht nachvollziehen kann, schon gar nicht ihr Verhalten gegenüber ihren Freundinnen, ihren inneren Rückzug. Leider fehlt auch der große Spannungsbogen. Zwar kann man sich als Leser nicht vorstellen, wohin die Handlung führen wird, und liest daher mit einer gewissen Grundspannung stets weiter und weiter. Als man denkt, man sei bereits am Ende der Geschichte angekommen, alles Ungewisse sei geklärt, wird alles nochmals völlig überraschend komplett auf den Kopf gestellt.

  

Fazit: Nicht übermäßig aufregend, dennoch mit einer gewissen Grundspannung solide geschrieben, gut zu lesen.

 

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Clare Empson

Zweimal im Leben

 

 

·         Taschenbuch: 448 Seiten

·         Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag

·         ISBN-13: 978-3734108020

#ZweimalimLeben

 

Endloses Rühren in der Erinnerungs-Gefühls-Suppe

 

Nachdem der Verlag mich mit einer sehr ansprechenden Werbung für das vorliegende Buch geködert hatte und meine Erwartungen entsprechend des Slogans „Emotionalste Geschichte des Jahres“ sehr hoch waren, kam die Enttäuschung unerwartet. Ich las und las und kam nicht voran. Ich legte das Buch wieder weg, versuchte zu einem anderen Zeitpunkt, dem Buch erneut eine Chance zu geben. Und wieder machte ich die gleiche Erfahrung: Das Buch ließ mich als Leser einfach auf der Strecke…

 

So beschreibt der Verlag den Inhalt: „Es begann alles damit, dass sie ihn traf – ihn, die Liebe ihres Lebens. Als Catherine damals als Studentin Lucian zum ersten Mal sah, war ihr gleich klar: Das ist für immer. Er ist ihr Seelenverwandter, nichts wird sie auseinanderbringen. Doch dann geschah etwas, das alles änderte. Catherine verließ Lucian, heiratete jemand anderen, gründete eine Familie. Und trotzdem kann sie Lucian nicht vergessen. Als sie ihn 15 Jahre später wiedertrifft, ist alles wieder da, die Vertrautheit von damals, das Gefühl, endlich wieder ganz zu sein, sich selbst in dem anderen wiedergefunden zu haben. Aber manchmal kann man nicht mehr anfangen, wo man aufgehört hat. Und manchmal holt einen die Vergangenheit mit solcher Macht ein, dass sie droht die Gegenwart zu zerstören und damit alles, was man liebt …“

  

Schön und gut. Das klingt tatsächlich nach einem emotionalen Roman. Aber ich wurde an keiner einzigen Stelle vom Buch berührt. In drei Zeitebenen dreht man sich im Kreis. Ich hatte im Grunde das Gefühl, immer und immer wieder das gleiche zu lesen, mal von vorne, mal von hinten, mal aus der Mitte. Warum Catherine ihre große Liebe Lucien vor 15 Jahren ohne Erklärung über Nacht verlässt, warum sie 15 Jahre später völlig verstummt und in Traumwelten abtaucht, warum Sam, Catherines Mann, nicht ablässt mit seiner grenzenlosen Überfürsorge – all das wurde mir, je weiter ich las, immer mehr und mehr egal. Die Autorin wollte wohl einen großen Spannungsbogen ziehen, aber sorry, für mich wirkte er ehert überzogen. Ich wollte irgendwann nichts mehr wissen von all den Oberflächlichkeiten, von Verstrickungen, alten Lieben, Sehnsucht, Betrügereien, Verlusten, Verwirrungen, Erinnerungen. Wie oben bereits gesagt: Das Buch ließ mich als Leser auf der Strecke, vergaß mich einfach beim endlos wirkenden  Rühren in der Erinnerungs-Gefühls-Suppe.

  

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Hanna Caspian

Gut Greifenau - Goldsturm

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 576 Seiten

·         Verlag: Knaur Verlag

·         ISBN: 978-3-426-52544-9

#GutGreifenauGoldsturm

 

Die opulente Familiensaga geht weiter

 

Ob es daran liegt, dass ich nur Band 1 gelesen hatte, bevor ich nun aus Zeitgründen direkt mit Band 4 weiterlas? Die Faszination, die ich bei Band 1 gespürt hatte, fiel bei Band 4 leider etwas geringer aus. Mag sein, weil mir der direkte Anschluss fehlte, mag aber auch sein, dass die Erzählung  in Band 4 generell so etwas vor sich hin plätschert und sich dabei sehr in Details verliert.  

  

Für den Inhalt zitierte ich wegen der Fülle vieler einzelner Geschehnisse sinngemäß den Verlag: Pommern, Ende des 1. Weltkrieges, 1919-1923. Konstantin und Rebecca kämpfen mit den Folgen, die Misswirtschaft und Krieg auf dem Gut hinterlassen haben. Ungewiss ist, wie es mit Gut Greifenau weitergehen soll, solange Konstantin keinen Erben hat. Katharina dagegen lebt in Luxus und träumt weiterhin vergeblich vom Medizin-Studium. Auch bei den Dienstboten gibt es trotz größerer  Freiheiten wenig persönliches Glück zu berichten. Die Zeit der der Inflation, die sogenannten goldenen Zwanziger, die nicht nur golden waren, überschattet alles. Und wohin man bei der Familie Auwitz-Aarhayn auf Gut Greifenau auch schaut, überall stösst man auf Konflikte, auf Auseinandersetzungen und Böswilligkeiten. 

 

Ich mag den Schreibstil von Hanna Caspian sehr.  Am ehesten finde ich das Adjektiv „sorgfältig“ stimmig für ihre Erzählweise. Doch nicht nur das, der Erzählstil ist auch der geschilderten Zeit angepasst, dabei detailgenau und anschaulich. Bereits nach wenigen Seiten versinkt man in der gräflichen Welt, leidet mit, diskutiert mit. Szene für Szene entsteht im Kopfkino. Die Autorin erzählt fesselnd, farbig, mit historisch umfangreich recherchierten Details. Auch wenn die Protagonisten mehrheitlich nicht unbedingt Sympathieträger sind – das Buch hat durchaus Suchtfaktor und ist Lesefutter für viele Stunden. Aber hier in Band 4 war ich sehr viel weniger diesem Suchtfaktor erlegen als in Band 1. Ich las und las, fühlte mich durchaus gut unterhalten, aber am Ende blieb außer einem Cliffhanger, der zu Band 5 verlocken will, nichts übrig. Das Kopfkino erlischt mit der letzten Seite und so gut wie nichts bleibt zurück, keine Gefühle, keine Bilder, keine einzelnen Begebnisse. Vielleicht lag es an mir.

 

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Sabine Bohlmann

Ein Mädchen namens Willow

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

·         Verlag: Planet!

·         ISBN-13: 978-3522506649

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

#EinMädchennamensWillow

 

Der Wald als magischer Ort

  

Welch ein zauber-haftes Kinderbuch, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Liebenswert, verträumt, märchenhaft, mit einer klaren Botschaft, die man jedem Kind mitgeben möchte: Höre auf die Sprache der Natur und achte sie!

 

Willow ist ein elfjähriges Mädchen mit unbezähmbaren roten Locken. Schon oft hatte Willow nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Vater umziehen müssen. Doch nun scheinen die Beiden ein endgültiges Zuhause gefunden zu haben, denn Tante Alwina hat ihnen ein altes Haus vererbt. Und nicht nur das, Alwina hat Willow einen kleinen angrenzenden Wald vermacht, was Willow gar nicht begeistert. Was soll sie bloß mit einem Wald, und warum in diesem alten Haus mit dem undichten Dach leben, schmollt sie. Auf einer ersten Erkundungstour durch das Wäldchen hat sie allerdings eine aufregende Begegnung mit einem zahmen Fuchs. Sie erfährt, dass Alwina ihr nicht nur den Wald, sondern auch ihre Hexenkraft hinterlassen hat, die sie sich allerdings erst erarbeiten muss.  „Begabung und Fleiß. Das eine hat ohne das andere keinen Wert.“ Und sie braucht Mitstreiterinnen, die zu finden ihr als Einzelgängerin sehr schwer fällt. Mehr wird nicht verraten, denn es geht noch sehr aufregend weiter!

  

Das Buch ist mit einer großen Portion Humor und viel, viel Fantasie und Ideenreichtum  geschrieben. Wo findet man sonst wohl Morgentau, abends geerntet? Oder Wegheckenschneckenschleim? Und es enthält, überraschend für ein Kinderbuch, sehr weise Sätze als Kapitelbeginn wie zum Beispiel „Wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken / dahin fließt unsere Energie. / Wenn wir also kein Ziel vor Augen haben, / dann wird auch nichts geschehen.“ Der Hauptperson Willow schenken wir sofort unsere volle Sympathie, denn das Leben hat ihr schon übel mitgespielt, dennoch ist sie neugierig, wissbegierig und mutig. Und sie ist unglaublich fleißig und engagiert, die Pflanzen und Tiere in ihrem Wald kennen zu lernen und zu verstehen, aber sie lernt auch, sich auf ihre neuen Freundinnen einzulassen, auch wenn diese ganz anders sind als sie selbst. Toleranz und Freundschaft sind die Grundpfeiler, auf denen die Hexenkraft schier Unmögliches zu leisten vermag, als der Wald in Gefahr gerät. Ich bin sicher, sowohl kleine als auch große Leser werden von diesem Kinderbuch verzaubert sein, wozu die feinen Illustrationen von Simona Ceccarelli einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten.

  

Doch eine Anmerkung habe ich, liebe Sabine Bohlmann: Das Reh ist nicht die Frau vom Hirsch, der zugehörige Mann wäre der Rehbock. Bitte diesen Fehler unbedingt bei einer neuen Auflage ausmerzen!

 

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Sina Beerwald

Die Strandvilla

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 464 Seiten

·         Verlag: Knaur Verlag

·         ISBN: 978-3-426-52412

#DieStrandvilla

 

 

Sylt und der ewige Kampf zwischen Herz und Verstand

 

Eine schöne Unterhaltung ist dieses Buch! Genau die richtige Mischung an Leichtigkeit und Ernst, an Atmosphäre und fesselnder Handlung. Die passende Lektüre zur Entspannung.

  

Kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges begleiten wir die junge Witwe Moiken Jacobsen auf ihrer Suche nach neuem Lebensglück. Nach Zeiten eines Lebens in größter Kargheit begegnet sie dem Hotelier Theodor von Lengenfeldt, Besitzer der „Strandvilla“, dem besten und modernsten Hotel auf der Insel Sylt. Theodor verliebt sich in Moiken und hält um ihre Hand an. Aber da ist auch noch der Strand-Fotograf Boy Lassen, eine alte Liebe aus Jugendtagen.

  

Zugegeben, diese Kurz-Inhaltsangabe klingt nach einer sehr trivialen Geschichte. Das ist sie vielleicht sogar irgendwie, aber die Stärke des Romans liegt ganz klar sowohl im Erzählstil als auch an den Protagonisten und an Sylt zu einer Zeit, in der die Insel noch einen ganz eigenen Charme hatte. Dass es Sina Beerwald gut beherrscht, historisches Ambiente mit allgemein menschlichem Sehnen und Trachten zu verbinden, hat sie bereits in mehreren historischen Romanen bewiesen. Ich empfehle, im vorliegenden Buch als erstes das Nachwort zu lesen. Ich fand es sehr beeindruckend zu erfahren, wie die Autorin historische Realität und romanhafte Fiktion zusammengefügt hat. Mit der Witwe Moiken und ihrer halbwüchsigen Tochter Emma hat sie fiktive Personen zum Leben erweckt, die nicht unbedingt sofort die Sympathie des Lesers gewinnen. Moiken ist ein spröder Mensch, hart zu sich selbst, aber auch zu anderen, einerseits in den Konventionen der Zeit gefangen, andererseits aber unangepasst-freiheitlich denkend ihre Ziele verfolgend. Sie zeigt beeindruckende Stärke und Beharrlichkeit im Kampf um Selbstbestimmung in einer Zeit, in der allein der Mann das Sagen hatte. Sina Beerwald erzählt eindrücklich, detailreich, atmosphärisch dicht, immer fesselnd und unterhaltsam. Gewissermaßen mit Sand unter den Füßen und Wind im Haar erlebt der Leser den ewigen Widerstreit zwischen Herz und Verstand, zwischen Tradition und Moderne,  zwischen Zuversicht und Hoffnungslosigkeit.

  

„Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt“ heißt es im Nachwort. Wie schön!

 

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Divya Alter

Ayurvedische Wohlfühlküche

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 496 Seiten

·         Verlag: Narayana Verlag

·         ISBN: 9783962571474

#Ayurvedische Wohlfühlküche

 

Essen als Quell von Heilung und Weisheit?

  

Misstrauisch bin ich immer gegenüber Heilsversprechungen, deren Grundlage persönlich-individuelle Erfahrungen sind. So berichtet die Autorin im vorliegenden Buch von ihrer langjährigen Suche nach Heilung und innerer Weiterentwicklung, die sie schließlich zu Ayurveda führte. Als Ergebnis lädt sie den Leser ein, verschiedene Lektionen ihrer persönlichen Reise zu teilen, um Zugang zu den heilenden Eigenschaften von Lebensmitteln zu finden und darüber hinaus „Essen zum Quell von Weisheit“ werden zu lassen. Nun ja…

  

Das Buch enthält alles, um sich einen schnellen Überblick über Ayurveda zu verschaffen und sich selbst – sehr oberflächlich allerdings – einzuordnen als luftigen, feurigen oder erdigen Typ mit jeweils sehr unterschiedlicher Verdauung, worauf wiederum die Auswahl hilfreicher Lebensmittel basiert. Es gilt, sich geschmacksintensiv zu ernähren, wobei jede Mahlzeit die sechs traditionellen Geschmacksrichtungen aufweisen sollte: „Geschmack unseres Lebens“. Als Essenz jenseits aller persönlichen und exotischen Denkweisen bleibt für mich die altbekannte Wahrheit übrig, auf den Körper zu hören und ihn mit dem zu versorgen, was er wirklich braucht.

  

Der große Rezeptteil folgt den Jahreszeiten und ist durchaus interessant zu lesen. Denn abgesehen von allen Grundinformationen wie Zeitbedarf, Zutaten und Zubereitung gibt die Autorin auf unterhaltsame Weise Wissenswertes zum Rezept oder zu möglichen Varianten bekannt, außerdem findet man jeweils Hinweise, wie das Rezept für luftige oder erdige Verdauung zu ergänzen wäre.  Leider sind nicht alle Rezepte mit Fotos versehen, denn erst die Fotos lassen eine Ahnung davon aufkommen, womit ich meinen Körper versorgen soll. Aber braucht er wirklich eine Suppe aus Moringa-Stängel oder einen Pfannkuchen mit Mung Dal? Oder getrocknete Curryblätter? Und wo soll man diese Zutaten überhaupt kaufen können? Wen wundert es, dass im Anhang Lieferanten für Ayurveda-Produkte aufgelistet sind.

  

Fazit: Das Buch ist gut gemacht und enthält eine Fülle von Informationen. Für Leser, die sich mit der ayurvedischen Ernährung befassen wollen, ist dieses Buch eine reiche Quelle an Hintergrundwissen und Ernährungsanregungen. Mein Körper allerdings wollte keines der Rezepte ausprobieren,  ließ er mich wissen…

 

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Veit Etzold

Blutgott

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 464 Seiten

·         Verlag: Knaur

·         ISBN: 978-3-426-52408-4

#Blutgott

 

Brutal und konstruiert

 

Wenn ein Autor Hochschulprofessor und Redner für Corporate Storytelling ist, zudem mit einer Rechtsmedizinerin verheiratet ist, kann man davon ausgehen, dass seine Bücher mit Hintergrundwissen gefüttert und strategisch raffiniert konstruiert sind. Ich kenne nur das vorliegende Buch, und ja, es ist konstruiert, nicht inspiriert. Es schockt durch brutalste Szenen, der Leser watet in Blut und zertrümmerten Knochen. Dazwischen gibt es viele Seiten der Langeweile.

  

Es handelt sich um den siebten Band rund um die Hauptkommissarin Clara Vidalis. Von einem brutalen Mord in einem IC an einem jungen Mädchen wird in der Einstiegsszene erzählt, und zwar so intensiv, dass der Leser sofort schaudernd ins Buch hineingezogen wird. Es bleibt in der Folge nicht bei diesem einen Mord, eine blutige Spur zieht sich durchs Land. Täter ist offenbar eine Gruppe Minderjähriger, strafunmündig, im Darknet auf satanische Weise angestachelt, sich selbst zu übertreffen.

  

Der Schreibstil gefällt mir in vielen Passagen, er ist witzig-bissig, geistreich, spritzig in den Dialogen. Dass der Autor auch bis ins letzte Detail intensiv beschreiben kann, beweist er allerdings leider nur in den brutalen Szenen. Und dabei geht er so weit, dass der Leser nur noch Ekel und tiefste Abscheu empfindet. Dann folgen wieder lange Passagen mit Diskussionen zwischen den Ermittlern, ohne Progredienz der Handlung. Viel Hintergrundwissen über die Tiefen und Untiefen des Internets, aber auch fraglich nützliches Wissen, wie zum Beispiel, woher der Name „Audi“ kommt und warum bei Leichen, die im Sitzen sterben, nach einiger Zeit der Kopf abfällt, füllen weitere Buchseiten. Leider bleiben auch die handelnden Personen allesamt konstruiert, psychologisch leer, Figuren, die vom Autor auf seinem Schachbrett der Grausamkeiten hin und her geschoben werden. Kann man lesen, muss man aber nicht.

 

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Clemency Burton-Hill

Ein Jahr voller Wunder

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 464 Seiten

·         Verlag: Diogenes

·         ISBN-13: 978-3257070897

#EinJahrvollerWunder

 

Ein Schatzkästchen für alle, die neugierige Ohren haben

  

Dieses Buch wurde zu meinem ganz persönlichen Schatzkästchen – und ich hoffe inständig, dass es das auch für alle wird, die wache Ohren haben. Clemency Burton-Hill, die Autorin, hat mich musikalisch aus meiner Komfortzone herausgeholt, hat mich zum musikalischen Entdecker gemacht, ließ mich staunen oder fast Vergessenes wiederfinden. Einen vielschichtigeren, beglückenderen, gehaltvolleren Jahresbegleiter konnte ich mir gar nicht wünschen. Allen, die bereit sind, Musik und Neugier miteinander zu verbinden, lege ich das Buch sehr, sehr ans Herz.

  

Die Autorin, eine preisgekrönte Violonistin, Musikjournalistin und Moderatorin eines Klassik-Radiosenders auf BBC, hat für jeden Tag des Jahres ein Musikstück ausgewählt und dazu in kurzer, erfrischender Form Wissenswertes über den Komponisten, über das ausgewählte Stück , auch ihre persönlichen Gedanken zur ausgewählten Komposition beigefügt. Dies jeweils prägnant und unterhaltsam geschrieben, mit viel Wissen und Gefühl. Obwohl ich mich als ausgebildete Konzertsängerin über viele Jahre sehr intensiv mit klassischer Musik beschäftigt hatte, begegnete mir in diesem Buch so manch Unbekanntes, Fremdes, Ungewohntes. Und ich war überrascht, wie ich beim Hören des vorgeschlagenen Tagestitels anhand des Kommentares der Autorin Zugang fand zu Musikbereichen, die sich mir bislang nicht erschlossen hatten.

 

 

 

Ja, der Einwand ist richtig: das Buch kann man nicht hören. Aber Sie finden alles, zugegebenermaßen in unterschiedlicher Qualität,  bei YouTube. Sie müssen sich also nicht bei AppleMusic anmelden, wie vom Verlag angeregt. Die vorgeschlagenen Musikstücke oder Ausschnitte aus großen Kompositionen sind immer nur wenige Minuten lang. Und doch lang genug, um sich bei YouTube einen ersten Eindruck zu verschaffen. Es liegt an Ihnen, ob und wann Sie einen solchen ersten Eindruck vertiefen wollen. Für den 29. Dezember wird zum Beispiel das Agnus Dei von Wojciech Kilar (1932 – 2013) vorgeschlagen. Der Komponist, wie wir von Clemency Burton-Hill erfahren, war besessen von der Idee, dass in einzelnen Tönen oder in einem Zusammenklang von ausgesuchten Tönen die tiefste Weisheit läge. Lassen Sie sich ein paar Minuten in meditativer Offenheit hinwegtragen auf einem Klangteppich, der „den Blick zugleich in die Vergangenheit und in die Zukunft richtet“. Am 30. Dezember hören wir von Arthur Sullivan (1842-1900), The long day closes, einen wehmütigen Chorgesang, passend zur nachdenklichen Stimmung zum Jahresende. Oder heute, am 10. April, das Allegro aus dem Konzert Nr. 7 in F-Dur für drei Klaviere von Wolfgang Amadeus Mozart, ein Stück, „das den Tag versüsst“, wie perlender Sekt… 

 

Ich muss mich einfach selbst wiederholen: Einen vielschichtigeren, beglückenderen, gehaltvolleren Jahresbegleiter kann ich mir nicht vorstellen. Wunderbar!

 

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Thomas Böhm, Carsten Pfeiffer

Die Wunderkammer der deutschen Sprache

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

·         Verlag: Verlag Das Kulturelle Gedächtnis

·         ISBN-13: 978-3946990314

#DieWunderkammerderdeutschenSprache

 

Eine prall volle Wundertüte

 

Ich gebe zu, ich bin sprachverliebt. Die oft zu hörende Verwechslung von „anscheinend“ und „scheinbar“ verursacht mir zum Beispiel regelrecht Schmerzen. Insofern war ich auf das Buch sehr gespannt. Ist es langweilig-öde? Ist es reine Wissensvermittlung? Oder was ist überhaupt eine Wunderkammer? Dass die Wunderkammer eine Wundertüte ist, prall vollgefüllt mit Sprachschätzen, war für mich eine freudige Überraschung, umso mehr, da sie dank einer gekonnten graphischen Gestaltung kein bisschen langweilig daherkommt.

  

Allem voran: Das ist ein Buch für viele Monate, ja länger noch, ein Buch, das man ein Leben lang immer wieder in die Hand nehmen kann und sollte. Um immer wieder aufs Neue auf Entdeckungsreise zu gehen, um sich zu amüsieren, um sich erstaunen zu lassen, um auf unterhaltsame Weise neue Achtsamkeit im Umgang mit Sprache zu erlangen. Was alles haben die beiden Autoren/Herausgeber da zusammengetragen: Über Nachtjargon in St. Pauli bis Homonyme und Homophone, über 10 Lieblingswörter von Autoren bis zur Auflistung von 55 verschiedenen Entenvögeln, über schwäbische Mundartwörter bis zu Titeln von Heftchenromanen, über Grabinschriften bis zu Schlusssätzen alter Märchen.

  

Wenn ich in der „Wunderkammer“ blättere, stelle ich mir den legendären Will Quadflieg vor, wie er aus dem Buch in seiner unvergesslichen Sprach-Gestaltungs-Kraft Wortschätze hervorholt und sie uns zu Ohren bringt, Diamanten und Glassteine, glitzernd oder stumpf, transparent oder bunt, mit Leuchtkraft oder erloschen – unermesslicher Reichtum der deutschen Sprache. Will Quadflieg konnte das. Das Buch kann es auch. Es ist gleichermaßen Schatztruhe, Entdeckerlandkarte, Theaterfundus, ein Dachboden voller sprachlicher Fundstücke. Genial!

 

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Benjamin Myers

Offene See

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 273 Seiten

·         Verlag: DUMONT Buchverlag

·         ISBN: 978-3-8321-8119-2

#OffeneSee

 

Ein poetisches Kleinod

 

Ein kleines Buch ist das. Mit einem symbolträchtigen Cover, dessen Bedeutung sich erst im letzten Drittel erschließt. Mit einem für den Umfang des Buches geradezu gewaltig festen Einband, so als müsste der zarte, der leise Inhalt unbedingt beschützt werden. Und mit einem Lesebändchen, ungewöhnlich für 260 Seiten, und doch sehr gut, denn man braucht länger für dieses Buch, nein, man sollte länger brauchen für dieses Buch. Immer wieder  für ein paar Seiten eintauchen in die berauschend schöne Sprache, dann das Lesebändchen einlegen und wieder ein Stück weit, durch die Poesie gestärkt, durch den Alltag gehen. Ja, solche Leser wünscht sich das Buch.

  

Es ist kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der 16-jährige Robert will nach Beendigung der Schule für ein paar Wochen ausbrechen aus seinem vorbestimmten Lebensweg. Er will für eine begrenzte Zeit Freiheit erleben, bevor er sich dem Diktat der Familie ergibt, nämlich im Kohlebergwerk unter Tage zu arbeiten, so wie Generationen vor ihm. Er macht sich zu Fuß auf quer durch England bis zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See. Er lebt in, er lebt mit der Natur und staunt. Für eine kleine Mahlzeit übernimmt er Hilfsarbeiten. Und wandert weiter. Bis er Ducie kennenlernt, eine eigenwillige ältere Frau, die in einem heruntergekommenen Cottage lebt. Aus einer kurzen Rast wird ein ganzer Sommer, in dem er durch Dulcie und durch die Gespräche mit ihr ihre unkonventionellen Gedanken und Ansichten und damit eine ganz unerwartet neue Sicht auf die Welt erfährt. Dulcie bekocht ihn mit Schätzen aus der Natur und aus ihrer prall gefüllten Speisekammer,  Robert beginnt mit Reparaturen rund ums Haus. Als er dabei ein Manuskript mit Gedichten findet, das Dulcie gewidmet sind, reagiert diese schroff und ablehnend…

  

Die Sprache dieses Buches macht in ihrer Schönheit fast trunken, eine große Leistung der beiden Übersetzer übrigens. Man möchte Satz für Satz, Bild für Bild sammeln und nie mehr vergessen. Es wird erzählt von Menschen, in deren Herzen der Krieg als „toxischer Samen“ verbleibt. Robert als alter Mann, der Kunst versteht als den „Versuch, den Moment in Bernstein zu gießen“. Und mit der Gewissheit, dass „im Schweigen die Poesie liegt“. Weise Gedanken verknüpfen sich mit ausgedachten Geschichten, Reales und Erträumtes vermischen sich mit Gefühlen. „Ein gutes Gedicht bricht die Austernschale des Verstandes auf, um die Perle darin freizulegen.“  Ein poetisches, feines und kluges Buch.

 

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Andrea Di Stefano

Tutto Bene

 

 

·         Broschiert: 288 Seiten

·         Verlag: FISCHER Scherz

·         ISBN-13: 978-3651000681

#TuttoBene

 

Atmosphäre und Genuss pur

  

Wer beim Lesen eines Krimis mehr Wert auf Lokalkolorit legt, auf atmosphärische Schilderungen, auf die Vermittlung eines besonderen Lebensgefühls, und dem es weniger wichtig ist, spannende Ermittlungsarbeit eines rätselhaften Falles zu verfolgen, der hat große Freude an dem vorliegenden Buch. Hinter dem Autorennamen Andrea Di Stefano verbergen sich zwei Brüder, die ihr Pseudonym (fast) so oft wechseln wie ihre T-Shirts und die offensichtlich ein Faible haben für genussvolles Erzählen. 

 

Lukas Albano Geier lebt in einem mittelalterlichen Turm hoch über dem Lago Maggiore. Ohne Treppensteigen geht hier nichts. Nicht bis hoch zum Turm und nicht im Turm selbst zu den einzelnen Zimmern. Lukas kann es sich leisten, seine Tage beschaulich zu verbringen, denn er hatte mit seiner Band einen weltweit erfolgreichen Sommerhit gelandet und daraufhin seinen Job als Zeugenschützer und Erfinder von konstruierten Lebensläufen in München aufgegeben. Doch mit genau dieser Vergangenheit wird er ungewollt konfrontiert, als eine Tote aufgefunden wird, auf deren Arm seine Telefonnummer geschrieben steht.. 

 

Zu diesem Buch fällt mir das Wort „Genusslesen“ ein. Denn es ist ein Genuss, sich lesend verführen zu lassen in die wunderschöne Gegend rund um den Lago Maggiore, in eine Art  Urlaubsfeeling, in ein Lebensgefühl ohne Eile, mit Zeit für Straßencafés und Wein und Muße. Durch die atmosphärisch dichten Schilderungen meint man als Leser, direkt mit allen Sinnen die Fülle an Farben und Gerüchen aufzunehmen, die Hitze des Tages, die Kühle der Nacht auf der Haut zu spüren. „Der Lago Maggiore ist die Heimat der Sehnsucht.“ Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er ist klar und bildstark. Hinter den lapidar daherkommenden Sätzen stecken herrlicher Humor und feine Sensibilität gleichermaßen. Und enorm viel Musikverständnis obendrein. Das einzige, das etwas zu kurz kommt, ist die Spannung, die nur gelegentlich aufblitzt. Mir hat sie jedoch nicht gefehlt. Mir hat das Buch ausnehmend gut gefallen.

 

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Frida Ramstedt

Fühl dich wohl in deinem Zuhause

 

 

·         Taschenbuch: 400 Seiten

·         Verlag: Heyne Verlag

·         ISBN-13: 978-3453439016

·         Originaltitel: Meg

#FühldichwohlindeinemZuhause

 

 

Geniale Fundgrube für Harmonie und Wohlgefühl

 

Die Autorin ist eine in Schweden sehr bekannte Inneneinrichterin und Influencerin. Sie hatte den Anspruch, ein Buch zu schreiben, das ohne spektakuläre Häusergrundrisse und Hochglanzfotos auskommt, sondern ganz praktische, immer gültige Hilfen an die Hand zu geben, durch die es jedem gelingen kann, seine persönliche Wohnsituation so zu gestalten, dass sie stimmig ist und harmonisch. Ein schönes Bild aus der Musik benutzt sie zur Erläuterung: Nicht alle Menschen haben das absolute Gehör, aber jeder Mensch kann Noten lernen. Und so kann auch jeder lernen, sicherer zu werden im Umgang mit Farben und Formen. Es geht nicht darum, WOMIT wir einrichten, sondern vielmehr um das WIE, sodass wir uns ganz individuell wohlfühlen können. Das bedeutet, hellhörig zu werden für unsere Bedürfnisse und diese anhand von allgemein gültigen Regeln umzusetzen. Richten Sie sich so sein, wie Sie selbst es gerne sehen, nicht wie Sie gerne gesehen werden möchten! Allgemein gültig ist z. B., den goldenen Schnitt zu beachten, was zeichnerisch gut verdeutlicht wird.

  

In farblich unterlegten Blöcken gibt die Autorin Impulse zum Nachdenken, kurz gefasst und passend zum jeweiligen Thema. So lassen sich auch Kapitel, die für den Leser weniger interessant sind, in Kurzform erfassen. Ob es um Blickwinkel geht, um den „roten Faden“, um Farben, um Anordnungen, um Licht, um Pflanzen, eine Fülle von Themen wird ohne unnützen Ballast klar erläutert und mit leicht umsetzbaren Vorschlägen und erklärenden Zeichnungen ergänzt. Für einen genialen Tipp halte ich zum Beispiel den Vorschlag, einen Raum oder den Teil eines Raumes, der uns nicht gefällt, ohne dass wir den Grund hierfür wissen, mit der Handykamera zu erfassen. An den  unverfälschten, „ehrlichen“  Fotos wird uns auffallen, was „nicht stimmt“. Und wer hätte gedacht, dass sogar bei der Farbgestaltung der Goldene Schnitt eine Rolle spielt? Das Buch ist kurz gesagt eine geniale Fundgrube für alle Fragen rund um das Einrichten und Gestalten des privaten Umfelds, um aus den privaten Räumen ein echtes Wohlfühl-Zuhause zu gestalten. 

 

An dieser Stelle sei allerdings der dringende Rat gegeben, das Buch nicht digital zu lesen! Ich empfand die Lektüre als außerordentlich mühsam dank der widersinnigen Seitenumbrüche  und den zum Teil nur in Teilstücken sichtbaren Zeichnungen. Ganz abgesehen davon, dass man solch ein hilfreiches Buch sicher immer wieder einmal erneut in die Hand nehmen möchte.

 

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Jennifer B. Wind

Die Maske der Schuld

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 466 Seiten

·         ISBN: 978-2919804153

·         Verlag: Edition M

#DieMaskederSchuld

 

So, genau so soll ein Thriller sein!

 

Von Band 1, Die Maske der Gewalt, war ich begeistert. Von dem jetzt vorliegenden Band 2, Die Maske der Schuld, bin ich noch begeisterter. Oder ich sage es ganz anders: Es ist für eine passionierte und anspruchsvolle Leserin wie mich unfassbar wohltuend, wenn bei einer Autorin wie Jennifer B. Wind Intelligenz, Kreativität und Sensibilität zusammen kommen. Dies wurde mir bei Band 2 noch mehr bewusst als beim ersten Band.

 

Nur ganz kurz zum Inhalt: Aus der Donau wird eine Leiche gefischt, die erhebliche Verletzungen, insbesondere am Schädel, aufweist. Richard Schwarz vom LKA kennt den Toten. Je mehr er in die Ermittlungen eintaucht, umso mehr erkennt er die Gefährlichkeit des Gegners. Die Pharmaindustrie, ominöse Wunderheiler und seine eigene Vergangenheit bringen Richard Schwarz zunehmend an seine Grenzen. Denn der Mörder ist felsenfest überzeugt von der Richtigkeit seines Handelns und lässt sich mit nichts davon abbringen.

 

Der Thriller ist fesselnd und perfekt durchkomponiert, der Spannungsbogen bleibt durchweg hoch, sodass man durch die Seiten jagt. Kurze Szenenwechsel, mitunter gemeine Ciffhanger, überraschende Wendungen, viel wörtliche Rede und gelegentlich aufblitzender Humor zeigen die ganze Bandbreite der Kunstfertigkeit der Autorin. Was mir hier in Band 2 besonders auffällt und was ich als sehr gewinnbringend empfinde, sind die mitunter eingeschobenen sachlichen Informationen, wie z. B. zum Thema Multiple Sklerose oder Cybercrime. Dass die Autorin mit viel Sachverstand und fleißiger Recherche auch an dieses Buch herangegangen ist, spürt man über alle Seiten hinweg sehr wohltuend. Die Personen werden farbig-vielschichtig dargestellt, nachvollziehbar in ihren Handlungen und Gedanken. Gekonnt-souverän leitet Jennifer B. Wind durch die verschiedenen Zeit- und Perspektivebenen, um die Geschichte in einen nervenzerfetzenden Showdown münden zu lassen.

 

So, genau so soll ein Thriller sein: Hart und gefühlvoll gleichermaßen, mit sich steigernder Spannung, psychologisch stimmig, mit einer vielschichtigen Handlung. Besser geht es nicht.

 

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Karolin Leszinski

Das große Buch für Pferdefreunde

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 128 Seiten

·         Verlag: Coppenrath

·         ISBN-13: 978-3649670186

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 6 - 8 Jahre

#Pferdefreunde

 

 

Ein großartig gelungenes Sachbuch für jüngere Pferdeliebhaber

 

Welch ein traumhaft schönes, rundum gut gelungenes Pferde-Sachbuch für die Altersgruppe ab 6 - 8 Jahren! Ich bin begeistert und hoffe inständig, dass dieses Buch jedes tierliebende Kind so früh wie möglich erreicht und rufe alle Eltern und Großeltern auf, dieses Buch zu verschenken, zu Ostern, zum Geburtstag, als Belohnung, einfach so – ein sinnvolleres Geschenk können Sie nicht machen!

  

Auf dem Cover des großformatigen, durchaus schwergewichtigen Buches wird der Leser von einem offenen, wachen, sanften und freundlichen Pferdeblick gefangen genommen. Und damit haben wir bereits eine Besonderheit, besser gesagt die einzigartige Stärke des Buches vor uns, eines Buches, das völlig auf Fotos verzichtet, denn Thea Roß hat es meisterhaft verstanden, die Texte mit ausdrucksstarken Illustrationen zu versehen. Sie sind ein Hochgenuss, denn sie sind naturnah, völlig unverkitscht, dennoch gefühlvoll, und setzen den jeweiligen Text perfekt „in Szene“. Es lohnt sich, diese Illustrationen immer wieder anzuschauen. Es ist wahrlich eine Kunst, Pferde im jeweiligen Bewegungsablauf so perfekt zu zeichnen. Die Skizzen im Inneneinband sprechen für sich! Thea Roß, die erfahrene Illustratorin von mehr als 100 Büchern, trägt einen sehr wichtigen Teil zum gelungenen Gesamtkonzept des Buches bei. Denn mit einem Sachbuch die kleinen Leser „bei Laune“ zu halten, ist gar nicht so einfach. Doch Karolin Leszinski schafft es, mit ihren kindgerechten Texten, die sich durch klare Sprache und kurze Sätze auszeichnen, dem Wissensdrang der Kleinen so nachzukommen, dass es nie langweilig wird. Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes über die Jahrtausende hinweg, die verschiedenen Rassen, Gangarten, Haltung und Pflege, Grundkenntnisse des Reitens und vieles, vieles andere werden in Text und Bild erläutert. Über die reine Wissensvermittlung hinaus steht jedoch immer an erster Stelle, den Kindern die Achtung vor dem Tier und seinen speziellen Bedürfnissen näherzubringen. Denn man kann es gar nicht früh genug lernen, dass Tierliebe auch Wissen und Verantwortung bedeutet.

 

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Catherine Shepherd

Todgeweiht

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 340 Seiten

·         Verlag: Kafel Verlag

·         ISBN: 978-3-944676-25-8

#Todgeweiht

 

Die mittelalterliche und die moderne Pest

  

Zwei Zeitstränge, 500 Jahre auseinander, und doch irgendwie auf undurchsichtige Weise verbunden. Ein neuer Zons-Thriller, fesselnd wie gewohnt bei dieser Autorin. Auch dieses Mal bin ich atemlos durch das Buch durchgerauscht, habe mich gegruselt, erschreckt, gewundert, geekelt, habe gerätselt, war verwirrt und wurde immer planloser – und am Ende restlos überrascht. Doch bei diesem 10. Zons-Thriller kam noch ein weiteres Element hinzu, nämlich die erschreckende Brisanz durch die Parallelität zwischen geschilderter Pest und Corona! Nie konnten wir die geschilderte „Pestordnung“ besser verstehen als in einer Zeit, in der wir wegen Corona unserer gewohnten Freiheit beraubt sind.

 

Über die Handlung kann man kaum etwas erzählen, ohne zu viel zu verraten. Gegenwart: Der sympathische Kommissar Oliver Bergmann ist wieder reichlich gefordert. Eine angeschwemmte Frauenleiche, laut Autopsie vom Mörder mehrere Tage vor dem Tod gequält, ein abgetrennter Finger, der niemandem zu gehören scheint, mehrere verschwundene junge Frauen, ein Pizzabote, in dessen Lieferung ein Zettel mit „Henkersmahlzeit“ zu finden ist – rätselhafte Geschehnisse, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Vergangenheit: In größter Eile werden Vorbereitungen getroffen, die Pest, die vor den Toren der Stadt Zons lauert, von der Stadt fernzuhalten. Als jedoch innerhalb der Stadtmauern der Wirt Gottfried tot vor seinem Wirtshaus gefunden wird mit einer Pestbeule am Hals, zugleich aber mit merkwürdig verrenkten Gliedern, breitet sich die Angst in der Stadt aus. Bastian Mühlenberg gibt sich jedoch mit dem vermeintlich Offensichtlichen nicht zufrieden, insbesondere als ein weiterer Toter gefunden wird.

 

Es ist bewundernswert, wie Catherine Shephard es mit jedem neuen Buch in unveränderter Bestform  schafft, den Leser zu packen, ihn mit allen Sinnen in die Geschichte hineinzuziehen und ihn mit gemeinen Cliffhangern zu quälen. Man eilt von Kapitel zu Kapitel und tappt in alle von der Autorin ausgelegten Fallen, bis man am Ende durch ein fulminantes Ende restlos überrascht wird. Die Protagonisten sind wie immer absolut stimmig dargestellt, die erzählte Geschichte ist nachvollziehbar. Rundum: Auch dieser neue Titel von Catherine Shepherd lässt den Leser alles um sich herum vergessen – ein Lesevergnügen!

 

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Tjards Wendebourg

Der Kies muss weg

 

 

·         Taschenbuch: 96 Seiten

·         Verlag: Verlag Eugen Ulmer

·         ISBN-13: 978-3818610456

#DerKiesmussweg

 

Steinerne Gärten – steinerne Herzen

  

Ach, wenn doch alle, die dieses Buch betrifft, es auch lesen würden!

 

Ein frommer Wunsch, der wohl nicht erhört wird, fürchte ich. Das ist schade, sehr schade. Denn das Büchlein ist klug und humorvoll geschrieben, sehr informativ, dazu modern gestaltet, an manchen Stellen mit QR-Codes versehen. Erschreckende Fotos belegen die erschreckenden Textteile. Aber auch hoffnungsvolle Ideen hat der Autor angefügt. Er klärt sehr umfassend auf, weshalb die „Verschotterung“ der Vorgärten nichts als Nachteile mit sich bringt.   

 

Tjards Wendebourg provoziert, er schont die Leute nicht, die den Vorgarten als Satire seiner selbst mit Steinen zupflastern oder zuschütten. Er entlarvt sie als hörig dem vermeintlichen Modetrend. Er hält denen den Spiegel vor, die solche Steinwüsten für modern halten und glauben, der Nachbar würde sie für besonders ordentlich halten, wenn keine Pflanzen die besenreine Steinfläche stören. Man möchte den Steinwüsten-Gestaltern am liebsten Wort für Wort vorlesen: Steine sind nicht pflegeleicht! Im Gegenteil. Kostengünstig sind sie auch nicht. Sie haben nichts mit Natur zu tun, sie sind naturfeindlich und umweltschädlich. Sie sind der Tod der Artenvielfalt. Da hilft es auch nicht, halbherzig stattdessen ein kleines Insektenhotel aufzuhängen. Wobei festzuhalten ist: Nicht die Steine an sich sind schuld, sondern die Lieblosigkeit, die Geschmacklosigkeit ihres Einsatzes. Steine dürfen sein, aber mit der Natur als Vorbild, das heißt organisch-lebendig eingesetzt im Einklang mit der Natur. Grüne Vorgärten können pflegeleicht gestaltet werden, sie leben, sie atmen. Nicht zu vergessen: Ein Garten macht keine Arbeit, sondern Freude. Steine machen nur Arbeit, nichts sonst. 

 

Am beeindruckendsten war für mich der Abschnitt aus dem Grundgesetz Artikel 14 (2): „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

 

Nicht umsonst ist dem Buch eine Postkarte angefügt (mit QR-Code zum Selbstausdrucken), die man in so manchen Briefkasten werfen könnte – in der Hoffnung, das eine oder andere steinerne Herz zu erreichen…

 

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Holly-Jane Rahlens

Das Rätsel von Ainsley Castle

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499217470

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 11 Jahren

#DasRätselvonAinsleyCastle

 

Befremdliches Vexierspiel

 

Vorliegendes Jugendbuch für die Altersgruppe ab 11 Jahren, wie vom Verlag vorgeschlagen, hat mir Rätsel aufgegeben, nicht nur was Ainsley Castle betrifft. Ein geheimnisvolles, ansprechendes Cover, überhaupt die schöne Gesamtgestaltung verlockte mich und ließ mich, verstärkt noch durch den Klappentext, auf ein gutes, spannendes, überraschendes Jugendbuch hoffen.

  

Zum Inhalt: Lizzy musste mit Vater und Stiefmutter an die schottische Küste ziehen. Die Stiefmutter leitet dort ein riesiges Hotel. Lizzy ist unglücklich. Sie empfindet ihre Stiefmutter als echten Drachen, sie träumt schlecht, leidet unter merkwürdigen Schwindelanfällen und Erinnerungslücken. Als sie auch noch seltsame Mails bekommt, die genau das wiedergeben, was Lizzy soeben erlebt bzw. gedacht und gefühlt hat, wird die Situation immer unheimlicher. Glücklicherweise begegnet sie Mack, einem Computer-Nerd, der ihr helfen will, den seltsamen Vorgängen auf die Spur zu kommen. Doch da taucht Betty auf, ein Mädchen, das Lizzy bis aufs Haar gleicht…

  

Eigentlich hat das Buch alles, was ein Jugendbuch für diese Altersgruppe haben sollte. Es ist modern, in altersgemäßem Erzählstil geschrieben, spannend-abenteuerlich, mysteriös, überraschend und geheimnisvoll. Durch das Verschwimmen der Wirklichkeit in abstruse Geschehnisse, durch das willkürliche Überschreiten der Grenzen zwischen Realität und Fantasie wird das Buch jedoch zu einem seltsamen, fast möchte ich sagen befremdlichen Vexierspiel, dem zu folgen nicht wirklich gelingt. Zu vieles bleibt ungeklärt, bleibt rätselhaft. Dass es die Autorin darauf anlegt, dass die Protagonistin ihre Geschichte, das vorliegende Buch also, letztlich irgendwie selbst schreibt, mag in seiner Doppeldeutigkeit für erwachsene Leser ein geeignetes Thema darstellen, nicht aber für 11-Jährige, wie ich meine. Das Buch wirkt auf mich wie ein Entwurf, ein gedankliches Spiel mit Möglichkeiten, aber leider nicht wie ein konsequent durchgestaltetes Jugendbuch.

 

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Sandra Lüpkes

Die Schule am Meer

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

·         Verlag: Kindler Verlag

·         ISBN-13: 978-3463407227

#DieSchuleamMeer

 

Mutiges Projekt in schwieriger Zeit

 

„Wir sehen nur das, womit wir uns beschäftigen“, so heißt es an einer Stelle im vorliegenden Buch. Sandra Lüpkes hat sich ausführlich beschäftigt mit einer historischen Begebenheit auf der Insel Juist und diese durch die Gestaltung in Romanform neu zum Leben erweckt. Mir hat die Beschäftigung mit diesem Roman neue Einblicke in eine Zeitepoche geschenkt, in der sich das spätere große Unheil mit Donnergrollen ankündigte, und dies auf einem Fleckchen Erde, von dem ich dies nie so erwartet hätte.

 

Der Roman beginnt im Jahr 1925, als das Ehepaar Reiner zusammen mit dem Pädagogen Martin Luserke ihren Traum verwirklichen will, ein Internat auf der Insel Juist zu gründen. Sie möchten ihren reformerischen, ganzheitlichen Erziehungsidealen folgen, bei denen auch den musischen Fächern genügend Raum gegeben werden soll. Hierfür gewinnen sie den Musikpädagogen Eduard Zuckmayer, Bruder des Dichters Carl Zuckmayer. Ein hartes, entbehrungsreiches Leben beginnt. Kälte, Krankheit, Brandstiftung, hinterrücks getötete Haustiere, interne Spannungen, dazu die alltäglichen pädagogischen Herausforderungen -  das ist ihr kräftezehrender Alltag. Die Insulaner begegnen dem Internat, seinen Schülern und vor allen Dingen seinen Lehrern, besonders der jüdischen Frau Reiner, mit Misstrauen. Je mehr nationalsozialistisches Gedankengut sich in den Köpfen der Insulaner festsetzt, desto problematischer wird das Leben für die Gemeinschaft…

  

Mich erinnerte von Anfang an das Erziehungsziel des Ehepaar Reiner an die Waldorfpädagogik von Rudolf Steiner, die auch der „Reformpädagogik“ zuzuordnen ist und im Jahr 1920  seinen Anfang nahm. Auch wenn die Bauprojekte auf Juist so viel ärmlicher waren, hatte ich immer irgendwie das Goetheanum, insbesondere seinen beeindruckenden Theaterbau in Dornach vor Augen. Allerdings findet man im Buch keinerlei Information, ob das Ehepaar Reiner von Rudolf Steiner inspiriert war..

 

Sandra Lüpkes Erzählstil ist sehr eindringlich und atmosphärisch dicht und lebendig, wobei die Autorin äußerst geschickt die historisch belegten und sorgfältig recherchierten Tatsachen vermischt mit fiktiven Personen und romanhaften Ausschmückungen. Wer Interesse hat an der Abgrenzung von  Fakten zur Fantasie, der möge das aufschlussreiche Nachwort der Autorin lesen. Wobei mir die (erdachten) Schülerpersönlichkeiten farbiger ausgestaltet vorkommen als die (realen) Lehrerpersönlichkeiten, die für mich etwas blass blieben. Durch die Gratwanderung zwischen detailreich-dichten Schilderungen und einer gewissen Langatmigkeit ließen sich zwar manche Passagen etwas mühsam lesen, aber meistens gelang es mir, völlig abzutauchen in die Welt der Kargheit, der Anfeindungen, des Mutes und in die besondere Schönheit der Farben, des Lichts, der Sprache des Meeres und der Winde auf Juist. Mir hat dieser Roman sehr, sehr gut gefallen.

 

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Iny Lorentz

Glanz der Ferne

 

 

·         Taschenbuch: 608 Seiten

·         Verlag: Knaur TB

·         ISBN-13: 978-3426518892

#GlanzderFerne

 

Gekonnt gestaltetes Zeitgemälde

  

Zu meinem großen Bedauern habe ich die Vorgängerbände „Tage des Sturms“ und „Licht in den Wolken“ nicht gelesen, wurde also sozusagen unwissend hineingeworfen in die Familien-Saga mit ihren zahlreichen Familienmitgliedern und freundschaftlichen oder weniger wohlwollenden Verbindungen. Da war mir das Personenverzeichnis am Ende des Buches durchaus hilfreich. Aber ansonsten erging es mir wie immer bei jedem Buch diesen Autoren-Ehepaares: Man beginnt zu lesen und es vergehen nur wenige Minuten, bis man in der Handlung versunken ist, bis man sich in einer anderen Zeit befindet.

  

Im vorliegenden Buch erleben wir die Jahre des ausgehenden 19. Jahrhunderts in Berlin. Rätselhafte Auftragsstornierungen schränken die Geschäfte von Theo von Hartung immer mehr ein und bringen die Tuchfabrik letztlich in eine finanzielle Schieflage. Vicky von Gentzsch trägt ein schweres Los, denn ihre Mutter war bei der Geburt gestorben. Ihr Vater gibt ihr am Tod seiner geliebten Frau die Schuld, sie muss ein Leben wie Aschenputtel führen, umgeben von Ablehnung und emotionaler Kälte. Die Lieblosigkeit von Vater und Stiefmutter ließ sie zu einer unangepassten, aufbegehrenden Persönlichkeit heranreifen, die ständig die steifen Gesellschaftsregeln verletzt. Erst durch die Familie mütterlicherseits, durch ihre Großmutter Theresa und Tante Friederike, erfährt sie so etwas wie Herzenswärme.  Doch das Glück hält nicht lange an…

  

Es ist zu bewundern, wie es das Schriftsteller-Ehepaar bei jedem neuen Roman aufs neue schafft, ein Szenario zu gestalten, das dank akribischer Recherche historisch stimmig und dank des farbig-lebendigen Schreibstils so intensiv geschildert wird, dass man als Leser sofort eintaucht in das jeweilige Zeitgefühl, im vorliegenden Buch in die wirtschaftlich und politisch bewegte Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Aber nicht nur der Zeitgeist nimmt gefangen, auch die Protagonisten werden in ihren individuellen Persönlichkeiten so treffend, so vielschichtig und psychologisch stimmig dargestellt, dass der Leser gar nicht anders kann, als sie zu mögen oder abzulehnen, als mit ihnen zu bangen, mit ihnen zu hoffen oder zu verzweifeln. Und aus der emotionalen Bindung, die der Leser zu den handelnden Personen aufbaut, entwickelt sich eine ganz besondere Lese-Spannung, der man sich nicht entziehen kann.

 

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Rainer Grießhammer

#Klimaretten

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 260 Seiten

·         Verlag: Lambertus

·         ISBN-13: 978-3784132037

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

 

Ein überlebens-wichtiges Thema, aber …

  

Der Autor hat sich große Mühe gegeben, die Friday-for-Future-Generation anzusprechen. Er zieht alle Register, um das Buch als leicht lesbar zu tarnen. Moderne Gestaltung, Infoboxen mit Hashtag-Überschriften und Farbwechsel, Diagramme und Cartoons laden ein zur schnellen Information. Warum nur glaube ich, dass die Jugendlichen eher nur  die Tabellen #klimaChecker  benutzen werden, um andere auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen, während sie es durchaus für selbstverständlich halten, von einem Elternteil zur Schule, zum Sport oder sonstwohin mit dem Auto chauffiert  zu werden oder keineswegs bereit sind, auf die neuesten Markenklamotten zu verzichten? Warum hat der Autor nicht den Mut gehabt, den Jugendlichen ganz konkrete Aufgaben zuzuschreiben?

 

Und warum nur diese nervige Schreibweise mit den „Gender-Sternchen“? 

 

Das Buch ist klug gemeint. Der Autor versucht, das komplexe Thema komplex zu bearbeiten und dennoch in übersichtliche Kapitel zu unterteilen. Dass Verhalten und Verhältnisse geändert werden müssen, wissen wir allerdings längst zur Genüge. Und dass wir nicht darauf warten sollten, dass die Politik alles für uns regelt, wissen wir eigentlich  

 

Hat mir das Buch neue Erkenntnisse gebracht? Nein! Alles habe ich so oder ähnlich bereits gelesen oder gehört.

 

Der Herr Professor gehört sicher einer Gehaltsklasse an, die es ihm mühelos ermöglicht, jederzeit die neuesten stromsparenden Elektrogeräte anzuschaffen. Der Otto  Normalverbraucher kann bei vielen Empfehlungen im Buch nur müde lächeln, weil weder seine Finanzlage noch seine Arbeits- oder Wohnsituation ihm die Umsetzung ermöglichen.

  

Im Übrigen: Reine Informationsvermittlung verändert den Menschen nicht. Das Buch holt die Menschen nicht da ab, wo sie stehen. Denn all die, die weiterhin auf ihre Urlaubsreise per Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff pochen, all die, die auf ihren Luxus-Grill reichlich Fleisch auflegen wollen, all diese Menschen werden viele gute Gründe nennen, warum sie darauf keinesfalls verzichten wollen. Sie werden von diesem Buch nicht erreicht, denn sie werden es schlichtweg nicht lesen. Und ehrlich gesagt, ich würde es ihnen auch gar nicht empfehlen.

 

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Elizabeth Strout

Die langen Abende

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 352 Seiten

·         Verlag: Luchterhand Literaturverlag

·         ISBN-13: 978-3630875293

·         Originaltitel: Olive, Again

#DielangenAbende

 

Kaleidoskop der Einsamkeiten

 

Der Verlag hatte es sich leicht gemacht. Seine Inhaltsangabe zum vorliegenden Buch ist in etlichen Sätzen identisch zur Inhaltsangabe zu „Mit Blick aufs Meer“, insbesondere was die pensionierte Lehrerin Olive Kitteridge betrifft, die uns in „Die langen Abende“ wieder begegnet. Für „Mit Blick aufs Meer“ bekam die Autorin 2009 den Pulitzer-Preis. Jetzt also, 11 Jahre später, taucht Olive Kitteridge wieder auf, sie, „die sich mit siebzig noch in alles einmischt und so barsch ist wie eh und je“. Und die Kleinstadt Crosby an der Küste von Maine  ist ebenfalls die gleiche wie damals, eine Stadt, in der nichts passiert und die sozusagen das Bühnenbild darstellt für die Geschichten, die uns Elizabeth Strout erzählt.

  

Der Roman erscheint mir wie ein Kaleidoskop, eine Sammlung voller bunter Glasstückchen, die sich bei jedem Umblättern von Seite zu Seite verschieben und sich zu neuen Mustern  des Lebens formen. In den „Glasbildern“ kann sich der Leser verlieren, weil das, was uns die Autorin schildert, so schlicht, so normal, so alltäglich ist und durch ihre Sicht durchs Kaleidoskop doch zu etwas Besonderem wird.

  

Ein stilles Buch ist dieser Roman. Man muss sich als Leser Zeit nehmen, sich einlassen auf die leisen Töne, auf sensibles Wahrnehmen von unscheinbar wirkenden Momenten des Glücks.. Gleichzeitig ist das Buch auch aggressiv-kraftvoll. Es greift den Leser an, es springt ihn geradezu gewaltsam an mit seinen dunklen Seiten, mit den Einsamkeiten, mit Bosheiten, Krankheiten, Verlust, mit Versäumtem und dem Altern. Ein hinreißender Roman, wie ich finde, der den Leser sowohl fordert als auch beschenkt.

 

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Sophie Kendrick

Das Echo deines Todes

 

 

·         Taschenbuch: 320 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499000843

#DasEchodeinesTodes

 

Spannendes Kammerspiel

 

Den Thriller habe ich an einem Tag durchgelesen. Er liest sich leicht und flüssig und behält über alle Seiten hinweg eine permanente Spannung, zwar nicht nervenzerfetzend, aber doch so intensiv, insbesondere gegen Ende hin, dass man das Buch nicht weglegen möchte.

  

Es geht um vier ehemalige Freundinnen, die vor 16 Jahren direkt nach ihrem Abitur zuletzt einen gemeinsamen Urlaub auf einer einsamen Insel in Schweden verbracht hatten. Dieser Urlaub endete tragisch, denn eine von ihnen verschwand damals spurlos. Die Lebenswege der jungen Frauen gingen im Laufe der Jahre auseinander. 16 Jahre später erhält jede von ihnen einen mysteriösen Brief ohne Absender, in dem sie aufgefordert werden, nach dieser langen Zeit erneut für ein Wochenende zusammen zu kommen, und zwar genau auf dieser einsamen Insel in Schweden, auf der sie damals den Albtraum erlebt hatten. 

 

Die Autorin baut mit diesem Plot eine geschickte Szenerie auf,  in der sie einem Kammerspiel gleich einerseits die sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Interaktionen der ehemaligen Freundinnen lebendig werden lässt, andererseits den Leser immer und immer wieder aufs Neue in die Irre schickt. Die Geschichte kommt erst einmal etwas ruhig daher, nimmt aber dann zunehmend an Fahrt auf. Durch merkwürdige Vorkommnisse auf der Insel wächst das Gefühl einer unerklärlichen Bedrohung bei den Freundinnen und damit die Spannung beim Leser. Die unregelmäßig eingestreuten Vernehmungsprotokolle von damals sind Stück für Stück erhellend, weil sie die psychische Struktur des jeweilig Befragten deutlich werden lassen und Puzzleteile des damaligen Geschehens aufzeigen. Dass Lara, die Ich-Erzählerin, an Asperger leidet und übersensibel auf Reize von außen reagiert, gibt der Geschichte noch einen zusätzlichen Aspekt des Ungewöhnlichen.

  

Fazit: Ein atmosphärisch dichter, spannender, leicht zu lesender Thriller.

 

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Michael J. Sullivan

Im Schatten des Kronturms

 

 

·         Broschiert: 462 Seiten

·         Verlag: Klett-Cotta

·         ISBN-13: 978-3608985696

#ImSchattendesKronturms

 

Schmackhafter Köder für die Riyria-Reihe

 

Zwar zählt das Buch nicht zu meinen bevorzugten Genres, aber dennoch war ich überrascht, wie sehr es mich, kaum hatte ich zu lesen begonnen, gepackt hatte.

  

Es handelt sich um die Vorgeschichte zu der Riyria-Reihe von Michael J. Sulivan, eine Reihe, die ich nicht gelesen habe, die mich jetzt aber anhand der Lektüre des vorliegenden Buches durchaus reizt zu lesen. „Hadrian Blackwater, ein Krieger, der derzeit nichts zu kämpfen hat, trifft auf Royce Melborn, einen Dieb und Mörder, der nichts zu verlieren hat. Beide werden von einem alten Zauberer angeheuert, um ein geheimnisvolles Buch zu stehlen…“ So steht es beim Verlag. Der Autor erzählt in der vorliegenden Vorgeschichte, wie die Beziehung zwischen Hadrian und Royce ihren Anfang nahm, zwei Kontrahenten, die sich zu Anfang nicht ausstehen können, aber doch im Laufe des ihnen gestellten Auftrages mehr und mehr zusammenwachsen. Und es gibt noch einen weiteren Erzählstrang rund um den Zuhälter Grue, was scheinbar erst einmal ohne jeglichen Zusammenhang zur Geschichte rund um Hadrian erzählt wird.

  

Zwar wirkt der Plot nicht besonders ausgeklügelt, aber Michael J. Sullivan schreibt fesselnd, spannend und vor allen Dingen mit einem feinen Humor. Atmosphärisch dichte Schilderungen wechseln von düster bis schaurig, durchsetzt von actionreichen Szenen und witzig-spritzigen Dialogen. Detailreich, anschaulich und wie ich finde durchgängig spannend geschrieben hat mich das Buch von Anfang bis Ende gut unterhalten. Und durch das offene Ende wird der Leser weiter geködert…

 

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Udo Lielischkies

Im Schatten des Kreml

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 496 Seiten

·         Verlag: Droemer HC

·         ISBN-13: 978-3426277744

#ImSchattendesKreml

 

Blickerweiternd und sympathisch

 

Eine kluge Rezension kann ich zu diesem Buch nicht schreiben. Weder habe ich genug politische Kenntnisse noch genug Wissen über Russland, um den Buchinhalt entsprechend kritisch beurteilen zu können. Mir bleibt nur das Formulieren meiner ganz subjektiven Eindrücke als durchschnittlich gebildete Leserin.

 

Zusammengefasst: Ich habe das Buch gerne gelesen. Denn es ist empathisch, aber auch kritisch. Es ist widersprüchlich, aber auch verbindend. Und es ist interessant! 

 

Der Autor war für ca. 20 Jahre ARD-Korrespondent mit Berichten aus und über Russland, über den Keml zwischen KGB und Superreichen, über das pulsierende Moskau ebenso wie über die entlegensten Gegenden, in denen es an allem fehlt.  Was wohl seine Berichte damals auszeichnete – und was sich im vorliegenden Buch wiederfindet – waren vor allen Dingen seine Beschreibungen über Begegnungen mit beeindruckenden Menschen. Wie sich ein Land unter der Herrschaft von Putin verändert, wie Angst wächst, wie kaum jemand es wagt, über Missstände, Unrecht, Schikane öffentlich zu berichten, wie USA und Europa über die Jahre zu Feindbildern stilisiert wurden, das erzählt Udo Lielischkies auf beeindruckende Weise. Aber auch überbordende Lebenslust ebenso wie Rätselhaftes, Widersprüchliches, menschliche Nähe und Wut, Resignation und Geschick im Umgehen von Gesetzen, all das findet im Buch Würdigung. Wobei die ganz subjektiven, persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse des Autors dem ungeschulten Leser vielleicht mehr die Augen öffnen als politische Exkursionen.

  

Das Buch ist lebendig geschrieben, in einer unerwartet ausdrucksstarken Sprache. Es liest sich kurzweilig und es hat mit Sicherheit meinen bisher sehr oberflächlichen Blick auf Russland erheblich erweitert und damit meine Erwartungen weit übertroffen.

 

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Franziska Gehm

Carla Chamäleon

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 240 Seiten

·         Verlag: Rowohlt

·         ISBN:  978-3-499-21847-7

#CarlaChamäleon

 

Turbulente, witzige, verrückt-schräge Geschichte

 

Das vorliegende Buch ist die erste Folge einer vielversprechenden neuen Kinderbuchreihe, die mit Ideenreichtum und Witz überzeugt.

  

Carla weiß nicht, wie sie das neu begonnene Schuljahr bewältigen soll. Ihre allerbeste Freundin Herta ist weggezogen, und alles was Carla bleibt, sind traurige Erinnerungen. Ohne Herta ist Carla schüchtern, geradezu ängstlich. Manchmal hilft es Carla, Listen aufzuschreiben. Listen sind ihr Halt, ihre Krücken, wenn es darum geht, verwirrte Situationen für sich selbst zu klären. Als Jole, ein lustiger neuer Klassenkamerad, auftaucht und sie in seiner Unbefangenheit nervt, möchte Carla am liebsten verschwinden, sich in Luft auflösen. Und genau das passiert tatsächlich, Carla verschmilzt mit ihrer Umgebung, wie ein Chamäleon. Carla ist verwirrt, Jole ist begeistert. Wenn da nicht auch noch ein Geheimbund wäre, der sich ganz besonders für Carla interessiert…

  

Eine total verrückte, schräge Geschichte wird da erzählt, und zwar so lustig und überraschend, so liebevoll und ideenreich, so turbulent, dass man gar nicht aufhören mag zu lesen. Klar, dass das Buch mit einem Cliffhanger endet. Doch auch ohne ihn will man unbedingt wissen, wie es mit der sympathischen,  liebenswerten Hauptperson weitergeht. Die Autorin hat herrliche Ideen, man spürt direkt ihren eigenen Spaß beim Schreiben. Die niederbayerische Englisch-Lehrerin ist ein wunderbares Beispiel – wer Niederbayern kennt, weiß genau, was die Autorin meint. Das Auftauchen der in ihrer Pubertät versunkenen und wenig angenehmen Schwester von Carla, die meinen (seltenen) Vornamen trägt, hat mich fast ein wenig erschreckt. Einen Pinguin, der in Reimen spricht, in der Wohnung zu halten, ist allerdings vielleicht ein wenig fragwürdig, passt aber zur chaotischen Familie von Carla.  Das Buch ist insgesamt gesehen ein ganz großer Spaß, wobei es durchaus auch sensible und fein formulierte Stellen im Buch gibt, die die Gefühle der Unsicherheit, die jedes Kind kennt, aufgreifen. Julia Christians gelingt es, mit ihren ausdrucksstarken Illustrationen das Leseerlebnis rund um Carla Chamäleon zusätzlich zu vertiefen.

 

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Wolfgang Schorlau, Claudio Caiolo

Der freie Hund

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 336 Seiten

·         Verlag: Kiepenheuer & Witsch

·         ISBN: 978-3-462-05245-9

#DerfreieHund

 

Venedig zwischen Espresso doppio und Mafia

 

Beim Lesen dieses Buches hatte ich filmisch plastisch-intensive Bilder vor Augen. Insbesondere italienisches Lebensgefühl übertrug sich direkt auf mich, nicht nur was die italienische „Pünktlichkeit“ betrifft.

 

Commissario Morello steht in Sizilien auf der Todesliste der Mafia. Zu seinem Schutz wird er nach Venedig versetzt, an einen Ort, an dem ihm alles verhasst ist. Stinkendes Wasser, stinkende Kreuzfahrtschiffe, Massentourismus und Mitarbeiter, die ihn, den Sizilianer, ablehnen. Der Mordfall eines jungen Mannes, der Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe war, fordert Commissario Morello heraus, denn entgegen aller Bemühungen der Obrigkeit, ihn zu bremsen, lässt er nicht ab zu ermitteln und gerät dabei tief in politische und mafiöse Verstrickungen und damit selbst in höchste Gefahr.

 

Den beiden Autoren ist ein kurzweilig zu lesender und von Anfang bis Ende spannender Roman gelungen. Viel wörtliche Rede, die sehr „echt“ wirkt, lockert auf und macht das Erzählte lebendig. Angenehm ist, dass die reichlich eingestreuten italienischen Sätze unmittelbar übersetzt werden. Atmosphärisch dicht geschildert überträgt sich auf den Leser unmittelbar die italienische Lebensart, bei der neben der Arbeit noch ganz viel Platz ist für Genuss. Sogar ein verlockendes Kochrezept lässt sich finden. Vielleicht wird ein bisschen viel Kaffee gekocht in der legendären Bialetti-Kaffeemaschine. Vielleicht sind die eingestreuten Infos, Zahlen und Fakten mitunter etwas zu gewollt in die Handlung eingebaut, wobei ich sie durchaus als interessant empfand. Vielleicht wirkt nicht immer alles Geschilderte ganz realistisch, wie zum Beispiel die Kampfszene in der Osteria da Mino. Dennoch macht es Spass, das Buch zu lesen, das im Gesamten gesehen genau das richtige Maß zwischen Humor, Spannung und politischen Seitenhieben findet. Die Spaziergänge durch Venedig mit dem kritischen Blick von Morello und dem liebevollen Blick auf diese besondere Stadt seiner Nachbarin Silvia waren für mich sehr reizvoll. Commissario Morello ist so sympathisch geschildert, dass man seinen Lebensweg gerne weiter verfolgen würde.

 

Fazit: Spannend, durchweg unterhaltsam, macht Lust auf Fortsetzung.

 

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Noah Martin

Raffael

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 650 Seiten

·         Verlag: Droemer

·         ISBN: 978-3-426-28229-8

#Raffael

 

Welch ein fulminanter Historien-Schmöker

  

Zugegeben, der Umfang des Buches hatte mich erst einmal erschreckt. Was ist, wenn ich mich 630 Seiten lang mehr oder weniger gelangweilt durch das Buch hindurch schleppen muss? Das dem Roman vorgestellte Personenverzeichnis ist gewaltig, was meine Furcht vor dem Buch nicht gerade minderte. Doch was soll ich sagen: Der Roman hat mich gepackt und restlos begeistert und an keiner einzigen Stelle gelangweilt, im Gegenteil.

  

An der Person Raffael Santi,  dem bedeutendsten Maler seiner Zeit, an seinem unsteten Leben, an seinen Bekanntschaften und Liebschaften, an seinen Verstrickungen in die politischen Ränkespiele, an all den Facetten dieses gefeierten Ausnahmekünstlers entwickelt Noah Martin ein grandioses Romangemälde der Renaissance, wie es lebendiger gar nicht sein könnte.

  

Der Roman ist durchweg spannend zu lesen. Der Autor versteht es auf perfekte Weise, sowohl historisch präzise als auch erzählerisch packend ein bewegtes Zeitgemälde im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, oftmals so intensiv, als befinde man sich mitten im geschilderten Geschehen. Ob die Dekadenz des Vatikan, das Darben der einfachen Leute, der Neid unter den Künstlern, das blutige Sterben auf den Schlachtfeldern, alles bildet in seiner Gesamtheit ein Bild der Renaissance, wie ich es in seiner Vielfalt noch nie gewonnen hatte. Da der Autor Kunsthistoriker ist, vertraue ich darauf, dass er historisch Belegtes und Fiktives so gekonnt verwoben hat, dass es dem Roman nicht an Wahrhaftigkeit fehlt. Natürlich darf eine Liebschaft nicht fehlen, die uns die Person Raffael auch emotional näher bringt. Margherita Luti ist im Bild „La Fornarina“ festgehalten, übersetzt „Die kleine Bäckerin“. So wie der Autor es sich im Nachwort wünscht, habe ich mir viele der Werke von Raffael mit einem durch die Romanlektüre geschärften Blick angesehen. Doch am beeindruckendsten ist für mich La Fornarina mit ihrem leicht spöttischen Lächeln. Wenn es irgend etwas an dem Roman zu kritisieren gäbe, dann vielleicht, dass mitunter Raffael etwas zu sehr an den Rand rückt. Hier hätte ich mir noch mehr Einblicke gewünscht. 

 

Fazit: Grandios erzähltes, packend-farbiges Zeitgemälde. Unbedingte Leseempfehlung!

 

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Michael Petrowitz

Dragon Ninjas

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 224 Seiten

·         Verlag: Ravensburger Verlag GmbH

·         ISBN-13: 978-3473405183

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

#DragonNinjas

 

Eine spannende Geschichte für kleine Kämpfer

 

Diese Geschichte, die den ersten Teil einer Fortsetzungsreihe darstellt, lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück.

 

Zum Inhalt: Chipanea ist ein Ninja-Internat, und zwar zur Ausbildung der (guten) Drachen-Ninjas. Aber da gibt es die feindlichen Tiger-Ninjas mit ihrem bösen Oberhaupt O-Gonsho, der durch Stehlen der magischen Waffen der Drachen-Ninjas die Weltmacht an sich reißen möchte, was natürlich verhindert werden muss. Lian, soeben im Internat neu aufgenommen, und seine neuen Freunde erleben gemeinsam ihr erstes großes Abenteuer.

  

Eine spannende Geschichte mit fantastischen Elementen wird hier erzählt. Verwirrend könnten die eingestreuten japanischen Begriffe sein. Die Protagonisten sind allesamt lebendig und mit einigem Humor gezeichnet. Natürlich liegt dem Leser Lian ganz besonders am Herzen, denn er ist ein liebenswerter Junge, der sogar eine Spinne davor rettet, von seiner Katze gefressen zu werden. Lian ist mutig, ideenreich und zeigt, dass man mit Rafinesse und gemeinsam mit Freunden viel erreichen kann. Leider gefallen mir die Zeichnungen von Marek Bláha gar nicht. Sie sind nach meinem Empfinden comichaft so sehr überzeichnet, dass ich sie geradezu als hässlich empfinde.  Über allem jedoch steht für mich die große Frage, ob Kampf das richtige Thema für die relativ junge Zielgruppe ist. Mir fehlen ein paar Alternativen zur Problemlösung in der Geschichte, wobei mir schon klar ist, dass Ninjas nun mal Kämpfer sind. Trotzdem – ich habe gemischte Gefühle bei diesem Buch.

 

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Elizabeth Kaye

Sieben Lügen

 

 

·         Broschiert: 384 Seiten

·         Verlag: Lübbe

·         ISBN-13: 978-3785726693

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren

#SiebenLügen

 

Ein Thriller ohne Thrill

 

Warum fällt mir bei diesem Buch als erstes ein, dass es ein großartiges Cover trägt? Schwarz, Silber und blaugrüne Farbschlieren. Nichts aussagend, aber irgendwie gelungen.

  

Die Handlung kann man, ohne zu spoilern, ganz schnell erzählen. Jane und Marnie sind von Kindesbeinen an beste Freundinnen, unzertrennliche Freundinnen, bis ins Erwachsenenalter hinein. Als Marnie heiratet, greift Jane zu ihrer ersten Notlüge. „Natürlich passen du und Charles gut zusammen,“ versichert sie ihrer Freundin Marnie. Bei dieser Lüge bleibt es jedoch nicht.

 

370 Seiten lang fragte ich mich beim Lesen, was ich von diesem Buch halten soll. Ich überlegte, ob mir Theorie weiterhelfen kann. Das Buch trägt die Bezeichnung „Thriller“. Ein Thrill bedeutet Nervenkitzel, und zwar in der Regel durch Bedrohung des einen oder anderen Protagonisten. In einem wirklich gut geschriebenen Thriller nimmt die Bedrohung quasi die Handlung in die Hand, so entsteht ein echter Pageturner. Spätestens wenn man die Definition genauer betrachtet, sind Zweifel angebracht, was das vorliegende Buch betrifft. Denn einen Nervenkitzel hat dieses Buch bei mir wirklich nicht ausgelöst. Auch wenn es sich flüssig und streckenweise auch spannend lesen ließ. Allerdings eben ohne Thrill.

 

Bei Amazon steht immerhin sehr viel passender „Psychothriller“ als Genre-Bezeichnung. Und hier bedeutet die Definition, dass die Spannung weniger durch Taten, als vielmehr durch Gefühle wie Bedrohung, Erschrecken, Irritation hervorgerufen wird. Es wird eine Erwartungshaltung beim Leser aufgebaut, die jedoch völlig überraschend in die Irre geleitet wird. Die Perspektive im Psychothriller ist in der Regel die des Opfers, dessen Wahrnehmung der Machtlosigkeit den eigentlichen Thrill beim Leser auslöst.

 

Diese Bezeichnung ist für das vorliegende Buch stimmiger, aber nur halbherzig, denn – wie bereits gesagt – der Thrill fehlt. Es werden pathologische Beziehungen geschildert, kranke Verhaltensweisen, ohne sie tiefenpsychologisch ernsthaft zu begründen. Die Handlung ist vorhersehbar, sie bietet keine wirklichen Überraschungen. Letztlich watet man 370 Seiten lang anhand durchaus feinsinniger Beobachtungen durch eine Nabelschau der Protagonistin.

  

Ja, das Buch ist wie das Cover: Gut gestaltet, aber nichts aussagend.

 

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Maria Engstrand

Code Orestes

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

·         Verlag: mixtvision Mediengesellschaft mbH

·         ISBN-13: 978-3958541535

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 11 - 13 Jahre

#CodeOrestes

 

Das ideale Buch für kleine Tüftler mit Sinn für Mystik

 

Das vorliegende Buch für Leseratten ab ca. 11 Jahren ist eine recht bunte Mischung verschiedener  Stilrichtungen und Genres. Ob dieser Mix gefällt den jungen Lesern gefällt, wird sich erweisen.

 

Worum geht es? Die 12-jährige Malin, große Musikliebhaberin mit eigenem Cello, bekommt von einem seltsam altmodisch gekleideten Mann einen Brief übergeben. Es wird ihr das Versprechen abgenommen, diesen Brief in genau hundert Tagen an ein „Rutenkind“ zu übergeben. Und genau nach diesem Zeitraum zieht der etwas seltsame Orestes mit seiner ebenfalls etwas seltsamen Mutter und kleinem Schwesterchen in der Nachbarschaft von Malin ein. Gemeinsam versuchen die beiden, den verschlüsselten Brief aus dem Jahr 1857 zu entziffern und geraten dabei in eine abenteuerliche Schnitzeljagd.

  

Die Autorin erzählt sehr bildhaft eine Abenteuergeschichte, die von Seite zu Seite spannender wird. Getragen wird dies insbesondere durch die sympathischen Protagonisten und den immer wieder hervorblitzenden Humor. Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Aufgeschlossenheit für Fremdes  geben dem Buch ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit. Jenseits des reinen aufregenden Abenteuers hat die Geschichte aber durchaus auch mystische Momente. Immer wieder tauchen Fantasy-Elemente auf, die unerklärt bleiben. Doch damit nicht genug. Das Buch enthält auch reichlich Anregungen zum Tüfteln und Rätseln, insbesondere zum Chiffrieren von Nachrichten bzw. zum Dechiffrieren verschiedener Codes. Und dann enthält das Buch noch viele Ausflüge in verschiedene Bereiche der Esoterik, deren Begriffe gut erklärt werden und wissenschaftlichem Denken gegenüber gestellt werden.

 

Fazit: Eine sehr spannende, ungewöhnliche Abenteuergeschichte für aufgeschlossene, neugierige, rätselfreudige  Leseratten.


 

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Stella Tack

Night of Crowns

 

 

·         Taschenbuch: 480 Seiten

·         Verlag: Ravensburger Verlag GmbH

·         ISBN-13: 978-3473585670

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

#NightofCrowns

 

Hat mich nicht überzeugt

 

Ein wirkungsvolles Cover und eine spannend formulierte Verlagsankündigung hatten mich verlockt, dieses Buch lesen zu wollen. Die erste Enttäuschung bot sich mir leider durch das billig wirkende Papier der Buchseiten, ein arger Kontrast zum silberverzierten Einband.

  

Zum Inhalt: Alice lässt sich von ihren Freundinnen verführen, an einer illegalen Party mitten im Wald teilzunehmen. Die Party wird ausgerichtet von den Schülern zweier geheimnisumwitterter Internate Chesterfield und St. Burrington. Noch Wochen nach dieser Party wirkt Alice völlig verstört, aus der Bahn geworfen durch seltsame Halluzinationen. Da ihre Schulleistungen abrupt absinken, erhält sie die unglaubliche Chance, während der Sommerferien an einer Summer-School in Chesterfield teilzunehmen. Dort lernt sie den undurchsichtigen Vincent kennen, dessen Lächeln sie verzaubert. Dennoch gerät ihre Welt mehr und mehr aus den Fugen…

  

Um das Positive vorweg zu nehmen. Das Buch enthält einen spannend konstruierten Plot, eine mystische, ungewöhnliche Geschichte, die lebendig geschrieben ist. Und so ist das Buch weitgehend  fesselnd zu lesen. Doch stellenweise schleppt sich die Story dahin, insbesondere wenn es um die Spielregeln geht, auch die Spiele selbst sind letztlich langweilig. Immer wieder neue Einzelscharmützel, das ermüdet. Mir fehlte der große Bogen, die große Klammer, die die Geschichte als Ganzes tragen könnte. Auch sprachlich stören mich Wiederholungen, wenn Augen zum Beispiel wieder und wieder zu Schlitzen oder ganz und gar schwarz werden, wie in einem schlechten Comic, oder wenn wiederholt metallischer Geschmack im Mund entsteht. Hier wäre der Autorin zu wünschen, dass sie, um Gefühle auszudrücken, auf eine größere Bandbreite der möglichen Körperreaktionen und entsprechender Beschreibungen zurückgreifen könnte.

  

Ja, wir sind alle anfällig für Einflüsterungen und Manipulationen. Ja, vielleicht ist die Welt tatsächlich ein Spielfeld und wir die Schachfiguren darauf. Aber nein, es gibt nicht nur die Wahl zwischen Schwarz und Weiß. Ob dies im zweiten Band thematisiert wird, um der Geschichte etwas mehr Tiefe zu geben?

 

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Astrid Seeberger

Goodbye Bukarest

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 244 Seiten

·         Verlag: Urachhaus

·         ISBN-13: 978-3825152307

#GoodbyeBukarest

 

 

Poetisch und bewegend

 

Ein Buch, das den Verstand ebenso beansprucht wie das Gefühl. Ein Buch, das poetisch ist und politisch. Ein Buch, das mich tief bewegt hat.

 

Der Inhalt ist schnell erzählt. Astrid, die Erzählerin, kommt einem Familiengeheimnis auf die Spur. Es hieß, dass Bruno, der totgeschwiegene älteste Bruder ihrer Mutter, in Stalingrad gefallen sei. Eine Lüge, wie sie erfährt. Und so macht sich Astrid auf die Suche nach Bruno, nach seiner wahren Geschichte zur Zeit des Nazi-Regimes und danach, und dies führt sie von Schweden kommend sowohl nach Deutschland als auch nach Rumänien, nach Bukarest. 

 

Vordergründig geht es demnach um ein Stück Zeitgeschichte, vor allen Dingen um das Rumänien zur Zeit der Herrschaft Ceausescus. Doch dieser historische Hintergrund wirkt auf mich im Buch eher wie ein Bühnenbild im Theater: Schön gezeichnet, wunderbar gestaltet, „… eine Landschaft, die Gott mit streichelnder Hand geformt hat…“. Im Vordergrund der Bühne jedoch entstehen verschiedene Geschichten verschiedener Menschen, immer von einer immensen Kraft, manchmal schön, manchmal entsetzlich, immer aber atemberaubend gut geschrieben. Es sind tagebuchartige Notizen, die man langsam lesen muss, Wort für Wort sorgsam einsammelnd, um nichts zu übersehen, nichts zu verlieren von den feinen Gedankenbildern. Überhaupt hat man den Eindruck, dass die Menschen, denen man im Buch begegnet, durch ihre Geschichten ganz eigene Bilder weben, zu denen die politische Geschichte die Webfäden beisteuert. Es sind die Nebenbei-Sätze, die besonders schmerzhaft sind. Und doch gibt es auch viel Tröstliches, einen Bach-Choral vielleicht, einen Liederzyklus, überhaupt Musik und Literatur zeigen sich als tragende Lebenspfeiler. Astrid Seeberger schreibt wunderbar ausdrucksstark, poetisch, fesselnd, bewegend, immer zutiefst den Menschen zugewandt.  „Menschen können inmitten aller Bedrohung einander Schutzräume errichten, in denen wir das kleine störrische Glück verspüren.“

 

Ein anspruchsvolles, ein einfühlsames, ein ganz und gar wunderbares Buch.

 

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Susanne Gernhäuser

Mein Junior zum Hören -  Bauernhoftiere

 

 

·         Pappbilderbuch: 10 Seiten

·         Verlag: Ravensburger Verlag GmbH

·         ISBN-13: 978-3473329649

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: 24 Monate - 4 Jahre

#MeinJuniorzuHörenBauernhoftiere

 

Schön gestaltet, aber…

 

Eine schöne Idee für kleine Kinder ist es allemal, Bilder und Geräusche miteinander zu verbinden.

  

Im vorliegenden Bilderbuch ist es dem Verlag gelungen, auf sehr ansprechende Weise das Thema Bauernhoftiere sehend und hörend lebendig werden zu lassen. Wie gut, dass die von Ursula Weller gestalteten Zeichnungen völlig natürlich und unverkitscht sind. Susanne Gernhäuser ergänzt mit ihren kurzen, aber sehr informativen und gut verständlichen Texten die Illustrationen auf perfekte Weise. Genauso gut empfinde ich, dass die Tierstimmen, die nach Aufklappen bestimmter Abbildungen ertönen, völlig natürlich wirken. Zwar sind sie etwas leise, doch das zwingt zum aufmerksamen Hinhören. Was verbirgt sich hinter den einzelnen kleinen und großen Klappen? Hinter welcher Klappe ertönt wohl die Tierstimme? Was gibt es sonst noch zu entdecken? Das Bilderbuch bietet mit und ohne Elternhilfe vielseitige Beschäftigung.

  

Auch wenn mir klar ist, dass die Herstellung eines solch aufwändigen Bilderbuches teuer ist, hätte ich mir für den Preis dennoch zwei oder drei Doppelseiten mehr gewünscht. Fünf Doppelseiten mit fünf Tieren und nur 4 Tierstimmen ist arg wenig. Dafür ein Technikanhang, der dicker ist als das eigentliche Bilderbuch, das erscheint mir für 15 € einfach zu wenig. So wie die Batterien vermutlich schnell leer sind, so erlischt die kindliche Neugier sicher schneller als gewünscht, weil die Wiederholung der wenigen Seiten bald langweilig wird.

 

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Anna Burns

Milchmann

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

·         Verlag: Tropen

·         ISBN-13: 978-3608504682

 

Langweilig!

 

Wenn die Presse ein Buch über den grünen Klee lobt, ist zwar Neugier angesagt, aber keineswegs ehrfürchtiges Nachplappern der sich überschlagenden Pressestimmen. Und so scheue ich mich nicht, meine Meinung ehrlich zu formulieren: Ein  Buch, das langweilt, hat seinerzeit schon bei Reich-Ranicki verloren. Genauso bei mir. Denn was nutzt eine vermeintlich brillante Sprache oder die gar vermuteten gesellschaftspolitischen Inhalte, wenn das Buch anödet, sodass man sich durch die Seiten schleppt und letztlich mit einem Seufzer der Erleichterung des Lesens beendet? Was bleibt dann von der angeblichen Genialität des Buches übrig?

  

Das Schönste am Buch ist (für mich) das Cover. Dieser wunderschöne Abendhimmel hat so manchen Leser angelockt, so auch mich. Für den Inhalt, den ich so nicht wirklich erkennen konnte, nutze ich ausnahmsweise die Verlagsankündigung: „Eine junge Frau zieht ungewollt die Aufmerksamkeit eines mächtigen und erschreckend älteren Mannes auf sich, Milchmann. Es ist das Letzte, was sie will. Hier, in dieser namenlosen Stadt, erweckt man besser niemandes Interesse. Und so versucht sie, alle in ihrem Umfeld über ihre Begegnungen mit dem Mann im Unklaren zu lassen. Doch Milchmann ist hartnäckig. Und als der Mann ihrer älteren Schwester herausfindet, in welcher Klemme sie steckt, fangen die Leute an zu reden. Plötzlich gilt sie als »interessant« – etwas, das sie immer vermeiden wollte. Hier ist es gefährlich, interessant zu sein.“

  

Man schlägt das Buch auf und es geht los, dieses endlose Geschwätz über alles und nichts. Und dazu noch in endlosen Bandwurmsätzen verpackt, diese wiederum in endlosen Kapiteln ausgebreitet. Wortreiche Schilderungen von Nichtigkeiten. Neigung der Autorin, dasselbe mit mehreren Wörtern zu benennen. Viel Ekel, viel Abscheu, viel Depression, viel jugendliche Wut. Selten aufblitzender schwarzer Humor. Und entsetzlich langweilig, das vor allem. Nein, für mich ist das Buch keine literarische Offenbarung.

  

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Reading Notes

Mein Buch der schönen Sätze

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 240 Seiten

·         Verlag: Thiele & Brandstätter Verlag

·         ISBN-13: 978-3851793697

#MeinBuchderschönenSätze

 

Ein Schmuckkästchen für Fundstücke

 

 Bücher sind für mich schützenswert wie Lebewesen. Deshalb wirkt es geradezu schmerzhaft auf mich, wenn Menschen in Bücher hineinschreiben oder Sätze unterstreichen oder, schlimmer noch, Seiten umknicken, den Büchern also in irgendeiner Form Gewalt antun. Was macht man aber, wenn man während des Lesens auf Sätze trifft, die einen anspringen, Sätze, die man im Gedächtnis behalten möchte?

  

Der Thiele Verlag hat sich darüber Gedanken gemacht und mit dem vorliegenden Büchlein eine schöne Lösung gefunden. „Mein Buch der schönsten Sätze“ ist ein fein und aufwändig gestaltetes Geschenkbüchlein, eingebunden in Leinenstruktur mit zeitlosen Blütenranken verziert. Es ist etwas biegsam und mit Lesebändchen versehen, sodass es handlich und alltagstauglich einzusetzen ist. Je 2 Seiten sind pro Buch vorgesehen, man schreibt auf wohltuend glattem Papier. Besonders gut gefallen mir die eingestreuten Vignetten, die mit feinem Federstrich gezeichnet wie aus alter Zeit wirken. Auf den letzten Seiten des Büchleins kann man wunderbare Buchlisten erstellen wie z. B. „Bücher, die mich zutiefst berührt haben“ oder „Bücher, die ich gerne verschenke“. Einzig schade, dass die Überschrift „Bücher, die in meiner Jugend mein größter Schatz waren“ einen bösen Schreibfehler enthält. 

 

Fazit: Ein schön gestaltetes und wohldurchdachtes Büchlein, das sich über die Jahre hinweg zu einem ganz persönlichen Schatzkästlein entwickeln kann. Denn es lohnt sich allemal, literarische Fundstücke sorgsam aufzubewahren.

  

 

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Sofia Lundberg

Ein halbes Herz

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 416 Seiten

·         Verlag: Goldmann Verlag

·         ISBN: 978-3-442-31494-2

#EinhalbesHerz

 

  

 

Welch ein kraftvolles Buch

 

Elin, eine überaus erfolgreiche Fotografin, seit vielen Jahren in New York lebend, erschafft permanent  Inszenierungen, und dies sowohl hinter ihrer Kamera als auch im privaten Leben. Alles ist schön, geschönt, ist Kunst und kunstvoll, künstlich, nichts von der Person Elin ist wirklich fassbar. Niemand hat Zutritt zu ihrem Inneren. Das wahre Leben, das lebendige, oft schmerzhafte, bleibt außen vor. Elin ist die perfekte Fassade, die perfekte Fiktion. Das Echtsein hat sie längst vergessen. Erst als Sam, ihr Mann, es nicht mehr aushält und sie verlässt, kommt Elins routiniertes Schein-Leben in Bewegung. Ein unerwarteter Brief aus Elins Heimat Schweden lässt zudem mit aller Macht Erinnerungen an ihre Kindheit in Gotland über sie hereinbrechen. Doch erst ihre 17-jährige Tochter Alice schafft es, dass Elin bereit wird, sich ihrer Kindheit und einem damit verbundenen tief in der Seele vergrabenen tragischen Geheimnis zu stellen. 

 

Welch ein kraftvolles Buch hat Sofia Lundberg da geschrieben. Es hinterlässt tiefe Eindrücke, denn die Autorin schreibt in starken Bildern und sehr bewegend. In zwei Zeitebenen erzählt sie vom Leben Elins. Zunächst liegt der Schwerpunkt in der Gegenwart 2017 in New York. Elin fotografiert Models, ihre Fotos zeigen makellose Schönheit. Einen harten Kontrast dazu bilden die aufblitzenden kurzen Erinnerungsfetzen an die Kindheit in  Gotland, beginnend im Jahr 1979, einer Zeit großer Armut, mit einer Mutter, die unberechenbar zwischen Gleichgültigkeit und Wut schwankt, gleichzeitig aber auch der Halt durch eine tiefe kindliche Freundschaft zu Frederik, ihrem Seelenverwandten. Je mehr das glatte New Yorker Leben ins Wanken gerät, je intensiver werden die Erinnerungen an Gotland, und die Leser durchleben den äußerst schmerzhaften Prozess, dem sich Elin stellen muss. Erst im letzten Drittel des Buches erfährt man, wieso Elin zu solch einer makellosen Kunstfigur wurde. Und es bricht dem Leser schier das Herz. Ein erschreckend intensives Buch über die immense Kraft der in die Seele eingebrannten Erinnerungen, die sich nicht darum scheren, ob sie wahr sind oder Lüge.

 

 

 

Welch ein kraftvolles Buch hat Sofia Lundberg da geschrieben. Es hinterlässt tiefe Eindrücke, denn die Autorin schreibt in starken Bildern und sehr bewegend. In zwei Zeitebenen erzählt sie vom Leben Elins. Zunächst liegt der Schwerpunkt in der Gegenwart 2017 in New York. Elin fotografiert Models, ihre Fotos zeigen makellose Schönheit. Einen harten Kontrast dazu bilden die aufblitzenden kurzen Erinnerungsfetzen an die Kindheit in  Gotland, beginnend im Jahr 1979, einer Zeit großer Armut, mit einer Mutter, die unberechenbar zwischen Gleichgültigkeit und Wut schwankt, gleichzeitig aber auch der Halt durch eine tiefe kindliche Freundschaft zu Frederik, ihrem Seelenverwandten. Je mehr das glatte New Yorker Leben ins Wanken gerät, je intensiver werden die Erinnerungen an Gotland, und die Leser durchleben den äußerst schmerzhaften Prozess, dem sich Elin stellen muss. Erst im letzten Drittel des Buches erfährt man, wieso Elin zu solch einer makellosen Kunstfigur wurde. Und es bricht dem Leser schier das Herz. Ein erschreckend intensives Buch über die immense Kraft der in die Seele eingebrannten Erinnerungen, die sich nicht darum scheren, ob sie wahr sind oder Lüge.

 

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Raphael Romano

Von Menschen und Eseln

 

·         Taschenbuch: 212 Seiten

·         Verlag: Schweizer Literaturgesellschaft

·         ISBN-13: 978-3038830795

#vonMenschenundEseln

 

 

 

Schräg und lebensklug

 

 

Was ist dieses Buch? Ein Roman? Ein Märchen? Eine Familiengeschichte? Eine philosophische Betrachtung?  Von allem etwas und doch nichts davon, so denke ich. Denn Schubladendenken ist nicht geeignet, sich diesem Buch zu nähern. Besser ist es, mit nichts als Neugier im Gepäck die Seiten aufzuschlagen und sich forttragen zu lassen.

 

Die Geschichte  „Vom Esel, der fliegen wollte“, sehr stimmig illustriert von  Gino Caspari, stellt den Mittelteil des Buches dar, sowohl trennend als auch verbindend, allemal symbolisch passend. Teil 1 beschreibt das Leben von Filomena, Teil 2 das Leben von Lionel, dem Sohn von Filomena. Der Leser wandert durch die Jahre, beginnend 1938 und endend 2015. Mehr erzähle ich nicht vom Inhalt, denn besser ist es, mit nichts als Neugier im Gepäck… siehe oben.

  

Mit dem vorliegenden Buch kann man sich lange beschäftigen. Man begegnet Menschen, die einen nicht mehr loslassen, sei es durch ihre Hilflosigkeit dem Schicksal gegenüber, sei es durch eine in ihnen steckende ganz besondere gute oder schreckliche Kraft. Nicht nur die in bitterer Armut und von ihren Brüdern gequält aufwachsende Filomena oder der ansteckend fröhlich-positive Jean, auch dieser still-nachdenkliche Lionel und all die anderen im Buch auftauchenden Nebenfiguren sind vom Autor so eindringlich, geradezu schmerzhaft eindrücklich gezeichnet, dass man sie nicht mehr vergisst. Es wird viel gestorben in diesem Buch, mit stillen oder grausamen, erlösenden oder qualvollen, überraschenden oder erwarteten Toden. Und es wird viel geliebt, mit Brachialgewalt oder ganz schwerelos. Dem Autor gelingt es auf beeindruckende Weise, dem Leser mit tiefem Ernst und verschmitztem Lächeln gleichermaßen seine Geschichte der Grundfragen des Lebens vorzusetzen. „Ich möchte den Tod zum Leben erwecken“, schreibt der Autor in seiner Schlussbemerkung, und erzählt im Epilog von einer viel besuchten sprechenden Eselskulptur auf dem Grab von Lionel. Schräg und lebensklug, wie es besser nicht geht.

 

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Katya Apekina

Je tiefer das Wasser

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 396 Seiten

·         Verlag: Suhrkamp Verlag

·         ISBN-13: 978-3518429075

#JetieferdasWasser

 

Bin vom Psycho-Puzzle genervt

 

Es hilft nichts: Ich mag dieses Buch nicht. Ich mag es gar nicht. Ich finde nichts daran, was ich mögen könnte.

  

Edie und Mae sind Schwestern und haben eine schwere Kindheit und Jugend, da ihre Mutter psychisch krank ist. Nach einem Selbstmordversuch wird sie in einer Klinik für längere Zeit behandelt, und die Geschwister müssen von Lousiana nach New York umziehen zu ihrem Vater Dennis, einem berühmten Schriftsteller. Der hatte schon vor 10 Jahren die Familie verlassen, was ihm Edie nicht verzeihen kann. Auch den Umzug als solchen empfindet Edie wie einen Verrat. Mae dagegen versucht, mit der neuen Situation so gut wie möglich zurecht zu kommen. Im Grunde erlebt sie das neue Leben beim Vater befreiend. Der Bruch scheint  unvermeidlich.

  

Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Autorin in diesem Erstlingsroman die Leser missbraucht, indem sie ihre Geschichte auf die Leser loslässt, all die darin enthaltenen Obsessionen und psychischen Irrungen und Wirrungen vor den Lesern ausbreitet, sie dann jedoch damit allein lässt. Die Leser dienen wie in einer Selbsthilfegruppe der Autorin als hilflose und stumme Zuhörerschaft. Das Buch ist ein Puzzle aus vielen, vielen Einzelteilen, denn in teilweise kürzesten Kapiteln berichten viele Menschen aus ihrer Sicht über einzelne Szenen, allen voran natürlich Edie und Mae. Zwar weiten sich die individuellen Bilder des Geschehens, wenn aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, aber obwohl es eine so große Fülle an Kapitel-Schnipseln sind, passen sie letztlich nicht zusammen, ergeben zumindest für mich kein vollständiges Bild, dem man etwas Konkretes, Fassbares, Schlüssiges entnehmen könnte. Unendlich mühsam bis langweilig zu lesen war für mich diese endlose Aneinanderreihung von düsteren Szenen über Ängste, Unsicherheiten, Verwirrnis, Verkennung der Wirklichkeiten und Schuldzuweisungen. Und dies letztlich ohne jegliche nachzuvollziehende Botschaft außer vielleicht der, wie krank Beziehungen in einer Familie sein können.

  

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Stefanie Höfler

Helsin Apelsin und der Spinner

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: Beltz & Gelberg

·         ISBN-13: 978-3407755544

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 8 Jahren

#HelsinApelsinundderSpinner

 

Herzerfrischend und liebenswert

  

Helsin ist ein fröhliches Mädchen, das allerdings zugegebenermaßen gerne die erste Geige spielt. Und genau daraus entsteht auch ihr Hauptproblem: Denn wenn sie etwas ärgert, zum Beispiel wenn etwas nicht nach ihrem Kopf geht, dann bekommt sie einen „Spinnerten“, also einen Wutausbruch, der es in sich hat. So passiert es, dass sie dem neuen Mitschüler Louis die Nase blutig haut, als er sich über ihren komischen Namen lustig macht. Dass sie ihm schließlich auch noch seinen Leguan klaut, führt zu einer Fülle neuer Probleme, aus der Helsin beinahe keinen Ausweg mehr findet.

 

Leider enthält das Buch etliche schlimme Trennungsfehler. Hier wurde offensichtlich nicht korrekturgelesen, das ist schade. Denn das Buch begeistert Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Es ist fröhlich und schildert bewundernswert einfühlsam die wechselnden Gefühle von Helsin. Eine Zwergenklasse voller Individualisten lernen wir kennen. Jeder der Mitschüler ist besonders, kann etwas besonders gut. Natürlich machen Kinder Fehler. Aber wie schön, Fehler können vergeben werden und nichts ist so schlimm, dass es nicht möglich wäre, dem Ganzen durch Einsicht und Mut zur Entschuldigung letztlich doch noch eine gute Wendung zu geben.

 

Ganz besonders begeistert mich die Sprache der Autorin. So bildhaft, so malerisch, so intensiv, dass man manche Schilderungen gar nicht mehr vergisst. Wenn sich zum Beispiel das Glück warm wie ein frischer Pudding im Magen ausbreitet oder Opa ein Gesicht wie zerknülltes Papier hat oder Helsin Lieder mag, die am traurigschönsten klingen. Feine und feinste Beobachtungen und Gefühlswechsel werden locker-heiter beschrieben, und so manches Kind findet sich darin wieder und dadurch verstanden. Von Eifersucht und Freundschaft, von Rache und Ehrlichkeit und von vielen weiteren Themen, die im Alltag der 8- bis 10-Jährigen eine wichtige Rolle spielen, erzählt Stefanie Höfler  auf liebevoll-kluge Weise. Die Zeichnungen von Anke Kuhl ergänzen das Buch auf perfekte Weise, denn sie  geben ausdrucksstark die ganze Bandbreite der Emotionen wieder. Ein wunderbar herzerfrischendes Kinderbuch

 

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Maria Adolfsson

Doggerland. Tiefer Fall

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 416 Seiten

·         Verlag: Ullstein

·         ISBN: 978-3-471-35183-3

#TieferFall

 

 

Hat mich nicht überzeugt

 

Zwar muss es für mich nicht unbedingt blutrünstig zugehen, aber wenn ein Kriminalroman allzu ruhige Passagen enthält, bin ich enttäuscht.

  

Für mich war der vorliegende Band meine erste Begegnung mit der Ermittlerin Karen Eiken Hornby. Aus den Andeutungen im Buch konnte ich entnehmen, dass Karen in der Vergangenheit schon so einiges mitgemacht hatte und immer noch krankgeschrieben ist. Es ist Weihnachten, und ihr Chef steht unmittelbar vor Antritt seiner Urlaubsreise. Da wird ein Toter auf Noorö, der nördlichsten Insel von Doggerland, gefunden. Karen ist froh, für ihren Chef die Ermittlungen führen zu dürfen und damit ihrem Haus voller uneingeladener Gäste entkommen zu können. Ein weiterer Mord geschieht, und es finden sich allerlei Verwicklungen und Verbindungen, nicht nur zur örtlichen Whiskydestillerie, sondern auch zu Karens Herkunftsfamilie. Mit jedem Ermittlungsschritt wächst die Gefahr für Karen selbst.

 

Doggerland, diese fiktive Insel vor Dänemark, ist ein geschickt gewählter Ort, um alle möglichen der Fantasie entspringenden Szenarien entstehen lassen zu können. Bis hin zu ortstypischen Bräuchen hat die Autorin eine durchaus glaubhaft wirkende Welt in meinem Kopf entstehen lassen dank ihres sehr farbigen, atmosphärisch dichten Schreibstils. Auch dass im Präsens geschrieben wurde, rückt alles Geschehen dem Leser nahe, so als erlebe er es unmittelbar mit. Sehr angenehm empfunden habe ich auch die chronologisch folgerichtige Erzählweise, ohne nerviges hektisches Hin- und Herspringen zwischen Ort und Zeit. Leider war ich dennoch vom Buch enttäuscht. Eine Fülle von Personen mit und ohne Bedeutung für den Fortgang der Geschichte bevölkern das Buch, und jede zweite Frau hat ihr Haar zum Pferdeschwanz gebunden. All die breitgetretenen privaten Geschichten der verschiedenen Protagonisten wurden mir irgendwann schlichtweg zu viel, denn sie wirkten auf mich wie ein unnützer Ballast, wie Blockaden, die die Handlung stocken lassen. Der Fluss der Geschichte tritt auf der Stelle, und die zunächst aufgebaute Spannung gleitet ab in gelangweiltes Durchlesen. Zum überraschenden Ende hin allerdings zeigt die Autorin wiederum, dass sie durchaus spannend und packend schreiben kann.

 

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Michael Tsokos

Abgefackelt

 

 

·         Broschiert: 352 Seiten

·         Verlag: Knaur TB

·         ISBN-13: 978-3426524404

#Abgefackelt

 

Spannendes Lesefutter

  

Es handelt sich um den zweiten Band über den Rechtsmediziner Paul Herzfeld, der noch sehr angeschlagen ist von seinem letzten Fall. Deshalb versetzt ihn sein Chef von Kiel auf eine ruhigere Stelle in die Pathologie nach Itzehoe. Doch genau dort blickt Herzfeld auf eine Brandruine, in der das Klinikumarchiv mit zahllosen Akten und Gewebeproben dem Feuer zum Opfer gefallen waren, zusammen mit dem Pathologen Doktor Petersen. Ein schrecklicher Suizid, wird Herzfeld erklärt. Aber je mehr Ungereimtheiten Herzfeld entdeckt, umso tiefer gerät er einem Skandal ungeheueren Ausmaßes auf die Spur und er selbst in größte Lebensgefahr. 

 

Man muss den ersten Band nicht gelesen haben, es gibt im Verlauf des Buches genügend Hinweise auf die Vorgeschichte Paul Herzfelds. Der Thriller zwingt den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann und treibt ihn durch die Seiten. Die kurzen Kapitel verstärken seine Sogwirkung, der man sich, hat man zu lesen begonnen, nicht mehr entziehen kann. Sehr wohltuend habe ich empfunden, dass sich die Szenenwechsel in Grenzen halten, sodass sich das Buch von Anfang bis Ende leicht und flüssig lesen lässt. Der Autor Michael Tsokos ist Professor für Rechtsmedizin. Diese Fachkenntnis spricht aus nahezu jeder Seite des Buches. Die vielen Details bei Obduktionen und Leichenschauen verraten den Mann vom Fach, was dem Leser so manchen Schauer über den Rücken jagt. Gleichzeitig sind gerade diese Szenen besonders interessant, weil man hier von Erfahrungen, nicht von Autorenfantasien ausgehen kann. Gut und Böse mögen ein wenig klischeehaft eingesetzt sein, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Etwas irritiert hat mich die Uneinheitlichkeit des Schreibstils: Da gibt es auf der einen Seite einen spröde, altväterlich wirkenden Satzbau und unnatürlich und konstruiert wirkende wörtliche Reden, dann wieder findet man gekonnt flüssig-spannend geschriebene Sequenzen. So als ob zwei Seelen, ein Wissenschaftler und ein Schriftsteller, gemeinsam abwechselnd geschrieben hätten.

  

Fazit: Absolut spannendes Lesefutter. Die mit großer Fachkenntnis geschriebenen harten und sehr beeindruckenden Szenen bzw. Schilderungen sind allerdings nichts für empfindliche Gemüter.

 

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Vashti Hardy

Das Wolkenschiff

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 320 Seiten

·         Verlag: arsEdition

·         ISBN-13: 978-3845830322

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

#DasWolkenschiff

 

„Es gibt immer einen Weg“

  

Was für ein überraschend guter Erstlingsroman. Er enthält alles, womit man Kinder ans Buch fesseln kann: Spannung, Abenteuer, Fantasy und Humor. Großartig.

  

Marie und Arthur sind Zwillinge, aber sehr, sehr unterschiedlich. Als ihr Vater Ernest Brightstorm, ein Forscher, von einer Expedition nicht mehr zurückkommt und alle Welt vermutet, dass er gegen den Ehrenkodex der Geographischen Gesellschaft verstoßen hat, zerbricht die Welt der Zwillinge. Sie verlieren ihr Zuhause und werden verkauft an ein Ehepaar, für das sie schuften müssen. Unverbrüchlich halten die beiden jedoch zusammen und heuern schließlich bei der Forscherin Harriet Culpfeffer an, als diese zu einer Expedition nach Südpolaris aufbrechen will. Die Zwillinge hoffen, auf dieser Fahrt etwas über den Verbleib ihres Vaters aufdecken zu können.  

 

Es sind ungewöhnliche Helden, die wir in diesem Buch kennenlernen, so wie die liebenswerten Hauptpersonen, die Zwillinge. Marie ist ein Technikgenie und eine Tüftlerin und hat für ihren Bruder Arthur, der nur einen Arm hat, einen sehr hilfreichen Metallarm konstruiert.  Arthur dagegen verfügt über große Kraft, über sich hinauszuwachsen, kann kochen und ist sicher, dass es immer einen Weg gibt. Aber auch die wagemutige Harriet Culpfeffer mit ihrer unglaublichen Konstruktion des Luftschiffes Aurora ist eine Protagonistin, der die Sympathie des Lesers gehört, denn sie gibt Kindern eine Chance, sich zu beweisen. Wie schön, dass die Autorin das Wolkenschiff Aurora mit einer Bibliothek ausgestattet hat. „Bücher sind das schönste Geschenk überhaupt“. Wie wahr. Jede handelnde Person hat besondere Fähigkeiten und Stärken und trägt damit zum Gelingen der Reise bei. Meine persönlichen Lieblinge jedoch sind die Weisewesen, überaus kluge Tiere. Welch zauberhafte Idee! Aber da gibt es auch die Bösen, die Lügner, die Hinterhältigen, all diese Verkörperungen des Negativen, die mit ihren Machenschaften die Crew rund um Harriet Culpfeffer boykottieren wollen und dadurch für atemlose Spannung sorgen.

 

Fazit: Wichtige Themen wie Vertrauen, Mut, Zuversicht, Einfallsreichtum, Vorurteile, Geschwisterliebe, Freundschaft und Zusammenhalt sind in eine überaus fantasievolle, ideenreiche Geschichte verwoben. Der Autorin ist mit „Das Wolkenschiff“ ein großartiges Kinderbuch gelungen, klug, spannend und zauberhaft fantasievoll.

 

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Charlotte Roth

Die ganze Welt ist eine große Geschichte und wir spielen darin mit

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

·         Verlag: Eisele Verlag

·         ISBN-13: 978-3961610693

#DieganzeWeltisteinegroßeGeschichteundwirspielendarinmit

 

 

Berauschend gut geschrieben

 

Charlotte Roth, Literaturwissenschaftlerin und Autorin, ist mit dem vorliegenden Buch etwas ganz Besonderes und absolut Bewundernswertes gelungen. Nämlich eine romanhafte, poetisch erzählte Biographie, die so viel mehr als eine Biographie ist. Eher ein Erspüren, ein Nachspüren dessen, was Michael Ende ausmachte. Eine Roman-Biographie also als etwas Er-Dichtetes, als etwas Ver-Dichtetes im direkten Wortsinn. Nein, Charlotte Roth ist keine Biographin, sondern eine künstlerische Gestalterin eines Lebens, in das sie tief, tief eingedrungen ist und das sie mit ihrer persönlichen wunderbar poetischen Sprache wiedergibt. Und womöglich kommt Charlotte Roth und mit ihr somit auch der Leser dem Menschen Michael Ende dadurch sehr viel näher als jegliche theoretische, chronologische Auflistung an Lebens- und Werkfakten es je leisten könnte.

 

Der Titel (ein Zitat aus „Momo“) könnte gar nicht treffender sein, aber verkaufsfördernd ist er vermutlich nicht, denn für den oberflächlich schweifenden Blick eines Menschen in einer Buchhandlung ist er zu lang. Oder wirkt er vielleicht gerade deshalb anziehend? Wie auch immer, hinter dem Titel verbirgt sich ein Buch, das zu lesen mich begeistert hat wie schon lange keines mehr und dem ich viele vorurteilsfreie Leser wünsche.

  

Über den Inhalt muss man nicht viel erzählen. Der Roman beginnt mit dem Elternhaus von Michael Ende. Sowohl der Vater, Edgar Ende, eine schwierige Künstlerpersönlichkeit, als auch die Mutter Luise, erfüllt von geradezu besitzergreifender Liebe zu Michael, lernen wir sehr ausführlich kennen, was dem Leser ein gewisses Grundverständnis für die Persönlichkeit Michael Endes schenkt. Wir verfolgen seinen Lebensweg, sein verzweifeltes Ringen, sein permanentes Suchen, unterbrochen von nur kurzen Zeiten des entspannten Zurücklehnens, des wachsenden Erfolges. Wir erleben mit Michael Ende Lüge und Betrug, Neid und Profitgier und am schlimmsten schmerzend viel Unverständnis.

  

Der Schreibstil der Autorin ist sensibel, inhaltsreich, psychologisch klug, mit großer emotionaler Kraft, deshalb nichts für oberflächliche Schnellleser. Zuviel steckt in den Sätzen. Ihre intensiven Beschreibungen, ihre Wortbilder wirken an manchen Stellen fast so surreal wie die Bilder von Edgar Ende, dem Vater. Allein schon wie es Charlotte Roth gelingt, sich in das Kind Michael einzufühlen, das zwischen Verzärtelung, bitterer Armut, Elternstreit und politischer Zeit-Verzweiflung aufwächst, mit einer Mutter, „die nach innen weint“, das ist unfassbar gut und psychologisch tief. Sie schreibt poetisch, bilderreich, intelligent, einfühlsam,  mit Kopf und Herz gleichermaßen, ohne je zu werten, in den ihr eigenen intensiven Sprachbildern. Eine Roman-Biographie von großer sprachlicher Kraft über einen lebenslang verzweifelt Suchenden, berauschend gut geschrieben.

 

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Milena Agus

Eine fast perfekte Welt

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

·         ISBN-13: 978-3423282116

·         Originaltitel:  Terre promesse

#EinefastperfekteWelt

 

Melancholisch und poetisch

  

Die Autorin wünscht sich den idealen Leser als einen, der sich in einer Rettungsaktion engagiert, bei der alles, was verloren zu gehen droht, vor dem Vergessen bewahrt wird. Dieser Gedanke hat mich eine ganz andere Seite des Lesens erkennen lassen: Der Autor beschreibt etwas, und der Leser bewahrt es. Ein Leben vielleicht, Erfahrungen, Erlebnisse, Entdeckungen.  Im vorliegenden Buch geht es um Sardinien, so wie es vor drei Generationen war, steinig, ursprünglich, arm. Und um Menschen auf der Sinnsuche. 

 

Nur 200 Seiten, aber diese Seiten sind so prall voller Warten, Sehnsucht, Traurigkeit, Liebe, Hoffnung, Zorn, Gelassenheit – voller Leben.

 

Ester wartet Jahre auf ihren Geliebten, und als sie ihn endlich heiraten kann und nach Genua zieht, ist sie unglücklich, sehnt sich nach ihrem Dorf zurück. Aber auch dort bleibt in ihr diese ewige Sehnsucht. Ihre Tochter Felicita lebt sich leichter, denn sie ist ein in sich ruhender, gelassener Mensch. Deren Sohn Gregorio jedoch ist unstet, es zieht ihn fort, egal wo er ist, er läuft weg.

 

Melancholisch und humorvoll, träumerisch und in zarten Farben, zuweilen in eindringlich dichten Szenen erzählt Milena Agus von Menschen, die auf sehr unterschiedliche Weise ihr Leben teils passiv hinnehmen, teils aktiv gestalten, teils nur davon träumen, was sein könnte. In einer sehr berührenden poetischen Sprache, unaufdringlich und leise beschreibt die Autorin Außergewöhnliches und Alltägliches. Und genau diese leise Erzählweise ist es, die dem Leser im Herz haften bleibt.

 

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Stefan Slupetzky

Im Netz des Lemming

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 200 Seiten

·         Verlag: Haymon Verlag

·         ISBN-13: 978-3709934975

#imNetzdesLemming

 

Geistreicher, bissig-witziger Lesegenuss

 

Der Autor war mir bislang nicht bekannt, was bedeutet, dass mir offensichtlich Einiges entgangen ist. Wer einen ausrollbaren Zebrastreifen erfunden hat, muss mit besonderen Maßstäben gemessen werden, schon klar. Und wer sich mit der Verwertung von Gedankenüberschüssen befasst, sowieso. Wenn auf dem Buch eines solchen Autors „Kriminalroman“ steht, kann so allerlei Überraschendes im Inhalt stecken, ganz bestimmt nicht das, was üblicherweise unter einem Kriminalroman zu verstehen ist. 

 

Der Lemming, ehemaliger Kriminaler, jetzt als Nachtwächter tätig, ist irgendwie nicht zeitgemäß. Er hat keine Ahnung von den Tiefen des Internets und dessen spezieller Sprache. So versteht er auch oftmals nicht, worüber sein kleiner Sohn Ben mit seinem Freund Mario spricht. LOL. Als der Lemming per Zufall mit Mario gemeinsam in der Straßenbahn fährt, erhält dieser plötzlich per Handy eine schockierende Nachricht, rennt aus der Bahn und springt von einer Brücke in den Tod. Der Lemming ist schockiert, umso mehr, als kurz darauf ein Shitstorm losgetreten wird, da man ihn als Pädophilen abstempelt, und dies nur, weil er in der Straßenbahn wenige Minuten vor dem Suizid noch mit Mario gesprochen hatte. Das Drama weitet sich aus und zieht weitere Menschen ins Unglück. Lemming und Chefinspektor Polivka wollen herausfinden, was in Wirklichkeit hinter Marios Tod steckt und stochern immer tiefer im Sumpf von Korruption, Fremdenfeindlichkeit, rechter Szene und Vorverurteilung durch Presse und Internet.

 

Stefan Slupetzky schreibt so böse-witzig, wie es wohl nur ein Österreicher kann, ganz in der Tradition eines Helmut Qualtinger. Er übt scharfe Gesellschaftskritik, nicht ohne seine Sätze mit netten Schleifchen zu verzieren. Sein geistreiches Politisieren, seine bösen Hiebe auf die Politiker, die sich mediengerecht selbst inszenieren, überreicht er dem Leser quasi in einer Pralinenschachtel verpackt, vordergründig süß und harmlos. Denn Stefan Slupetzky kann mit Sprache spielen, dass es eine wahre Freude ist. Und so wird der Krimi zu einer bitterbösen Persiflage, zu einer Polit-Satire mit Wiener Schmäh, verziert mit unvergleichlich malerischen Schilderungen, wie zum Beispiel des Würstelmanns in seiner Bude mit seiner besonderen Weisheit. Die Niedertracht, die primitive Gehässigkeit im Netz, Entwürdigung und mangelnder Respekt, all die Risse und Fronten in der Gesellschaft liegen beim Lesen schwer im Magen, auch wenn man sie vordergründig weglachen kann dank der intelligenten Wortspiele und des hinterkünftigen Humors des Autors. Ich habe jede Seite dieses geistreichen Buches genossen!

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Christi Daugherty

Die schöne Tote

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 405 Seiten

·         Verlag: Rowohlt

·         ISBN: 978-3-499-27337-7

#DieschöneTote

 

Mitreißend geschrieben

  

Ein Thriller, der mit durchgängiger Spannung und einer fesselnden Erzählweise überzeugt.

 

Die Polizeireporterin Harper McClain hatte sich in der Vergangenheit die Abneigung der Polizei von Savannah zugezogen, weil sie ihren früheren Vorgesetzten als Mörder enttarnt hatte. So ist sie bis heute allerlei Schikanen ausgesetzt und kann nur unter Schwierigkeiten ihrem Job gerecht werden. Eines Abends hält sie sich bei ihrer Freundin Bonnie in einer Innenstadt-Bar auf. Auf dem Heimweg entdecken die beiden mit Entsetzen, dass Naomi, bildhübsche, allseits beliebte Studentin und Kollegin von Bonnie, mitten auf der Straße erschossen worden war. Die Polizei ist sich sehr schnell sicher, dass der Täter Naomis Freund ist. Doch sowohl Harper als auch der Vater von Naomi bezweifeln dies. Und so begibt sich Harper auf die Suche nach der Wahrheit….

 

Absolut positiv fiel mir als erstes die Erzählweise von Christi Daugherty auf. Da gibt es kein ewiges Vor und Zurück, kein Springen zwischen Örtlichkeiten und Zeiten. Sie erzählt folgerichtig, logisch, lebendig, mit genau dem richtigen Maß an Details und lebensecht wirkenden Dialogen. So überlässt sie damit den Leser ganz direkt der Handlung, die sich ohne Schnörkel in einer permanenten Spannung aufbaut. Der Leser muss sich nicht mühsam alle paar Seiten neu orientieren. Eine Wohltat! Harper als Polizeireporterin ist eine ungewöhnliche Hauptperson, da ihre Ermittlungsmöglichkeiten als Reporterin natürlich begrenzt sind, umso mehr als sie bei der Polizei aufgrund der Vorgeschichte immer wieder gegen verschlossene Türen rennt. Doch dies ist ein geschickter Schachzug der Autorin, denn genau dadurch geht der Leser Schritt für Schritt mit durch die einzelnen Ermittlungsfortschritte, teils mit überraschenden Wendungen. Die Autorin lässt einige Handlungsstränge offen, sodass man über das vorliegende Buch hinaus neugierig bleibt. Man empfindet viel Sympathie für Harper, da sie empfindsam ist, dabei auch impulsiv und spontan. Dass es eine rätselhafte Geschichte um die Ermordung ihrer eigenen Mutter gibt, macht ihre Persönlichkeit zusätzlich psychologisch verständlicher.

 

Fazit: Ein mitreißender, lebendig und spannend geschriebener Thriller und bestimmt nicht mein letztes Buch von Christi Daugherty.

 

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David Nicholls

Sweet Sorrow

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 512 Seiten

·         Verlag: Ullstein Hardcover

·         ISBN-13: 978-3550200571

·         Originaltitel: Sweet Sorrow

#SweetSorrow

 

 

Weniger wäre mehr gewesen

 

Da ich von David Nicholls noch nichts gelesen hatte, sehr wohl aber einiges über ihn bzw. über frühere Bücher von ihm, begann ich den vorliegenden Roman mit relativ hohen Erwartungen. Die leider enttäuscht wurden. 

 

Worum geht es? Charlie Lewis erinnert sich an seine erste große Liebe vor zwanzig Jahren. Er erinnert sich an dieses aufregende Gefühl der Jugend, wenn die Zukunft wie eine Wundertüte an Überraschungen vor einem liegt. Und er erinnert sich, als er, der Durchschnittsschüler mit „Mangel an Eigenschaften“,  mit Fran Fisher einen unvergesslichen Sommer erlebte.

 

So weit so gut. David Nicholls kann schreiben, keine Frage. Was er jedoch offensichtlich nicht kann, ist, sich im Schreiben zu beschränken, sich zu reduzieren auf Essentielles. Zunächst hatte ich große Mühe mit dem Schreibstil, der mich nicht „mitnahm“. Ich ertappte mich des Öfteren beim rein mechanischen Lesen ohne jegliche innere Beteiligung. Das wurde im Laufe des Buches zwar besser, dafür jedoch wuchs das Gefühl in mir, von der Fülle an Details erstickt zu werden und mich durch das permanente Drehen im Kreis der gleichen Themen schwindlig zu lesen. Auch die oftmals sehr kurzen Zeitsprünge empfand ich als anstrengend. Gut dagegen gefiel mir der immer wieder aufblitzende Humor, der möglichem Abgleiten in den Kitsch keine Chance ließ. Gut gefielen mir auch die schönen Schilderungen der leisen Szenen der Wehmut, der aufblitzenden Erinnerungen an die kleinen Dinge, an Freuden und Niederlagen. Und gut gefiel mir, dass Shakespeare immer wieder durch die Zeilen blinzelte.

 

Fazit: Gut geschrieben, aber weniger wäre mehr gewesen. 

 

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Melanie Raabe

Die Wälder

 

 

·         Broschiert: 432 Seiten

·         Verlag: btb Verlag

·         ISBN-13: 978-3442757534

#DieWälder

 

 

Habe schon Besseres von der Autorin gelesen

 

Wenn man mit nichts als der Erwartung auf eine spannende Unterhaltung an das Buch herangeht, wird man nicht enttäuscht sein. Die Autorin versteht es auch in dem vorliegenden Thriller, den Leser zu packen, und dies bis zum Ende.

  

Nina erfährt, dass Tim, ein richtig guter Freund aus Kindertagen, plötzlich gestorben ist. Unfassbar. Für Nina bricht eine Welt zusammen, umso mehr als Tim kurz vor seinem Tod offensichtlich mehrfach vergeblich versucht hatte, sie zu erreichen. Und es kommt noch schlimmer: Tim hat Nina eine geheimnisvolle Nachricht mit einem Auftrag hinterlassen. Sie soll, falls er die Angelegenheit nicht mehr selbst zu Ende bringen kann, seine vor vielen, vielen Jahren verschwundene Schwester Gloria finden. Er sei kurz vor Aufdeckung ihres Verschwindens. Das jedoch bedeutet, dass Nina in das Dorf ihrer Kindheit zurückkehren muss, etwas was sie nie mehr hatte tun wollen. Ein Dorf, das von schier endlosen finsteren Wäldern umgeben ist, aus denen es kein Entkommen geben kann… 

 

Raffiniert strickt Melanie Raabe aus zwei Handlungssträngen ein dichtes Spannungsgeflecht. Im einen Erzählbereich aus der Vergangenheit geht es um eine Kinderfreundschaft im Dorf am Rand der undurchdringlichen Wälder, eine Freundschaft, die unerwartet und traumatisch ihre kindliche Unschuld verliert. Im zweiten Handlungsstrang, in der Gegenwart, verfolgen wir Nina, die über sich hinauswächst, als sie versucht, dem Wunsch ihres verstorbenen Freundes Tim gerecht zu werden. Über allem Geschehen liegt eine permanente, nicht wirklich fassbare Bedrohung, die den Leser durch die Seiten jagen lässt.

 

Wie bereits weiter oben gesagt: Spannung steht an erster Stelle bei dieser Geschichte. Und dies ist Melanie Raabe mit großer Raffinesse und ohne dramatisches Blutvergießen gelungen. Ich habe den Thriller in einem Zug und teilweise atemlos durchgelesen. Doch es empfiehlt sich, nicht allzu viel nachzudenken über die bedrückend düstere Handlung bzw. über die Glaubwürdigkeit der geschilderten Vorkommnisse. Denn dann würden sich etliche Einwände finden. Auch überzeugte mich die relativ einfache Sprache  ganz und gar nicht. Ich habe schon Besseres gelesen aus der Feder von Melanie Raabe. Aber spannend ist das Buch allemal. Ist ja auch schon was. 

 

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Barbara Kunrath

Geteilt durch zwei

 

 

·         Seitenzahl der Print-Ausgabe: 400 Seiten

·         Verlag: Ullstein

·         ISBN: 978-3-548-06049-1

#Geteiltdurchzwei

 

 

Zweigeteilte Meinung

 

Zweigeteilt hat mich die Lektüre dieses Buches zurückgelassen. Zweigeteilt zwischen Faszination und Genervt-Sein, zwischen Einfühlung und Langeweile.

 

Nadja hat seit jeher das Gefühl, dass ihr etwas Entscheidendes fehlt, ohne dass sie es konkret benennen kann. Sie ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und lebt ein zufriedenes Leben. Dass sie als Kind adoptiert worden war, hatte sie früh erfahren, ohne dass es ihr je Probleme bereitet hätte. Alles verändert sich jedoch schlagartig, als sie zufällig erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat. Plötzlich weiß Nadja, was ihr über all die Jahre hinweg gefehlt hatte. Aber es tun sich auch viele, viele neue Fragen auf. 

  

Und genau hier beginnt für mich dieser Zwiespalt beim Lesen des Buches. Eigentlich wird die Geschichte sehr detailliert und feinfühlig erzählt. Es gelingt relativ gut, sich in Nadjas Befindlichkeiten einzufühlen. Nadja stürzt sich auf eine Suche nach ihren Wurzeln anhand der Begegnungen mit Pia, ihrer Zwillingsschwester, und dies mit einer Vehemenz bzw. Besessenheit, die für mich nur schwer nachvollziehbar ist. Sie versucht Verbindendes, Vertrautes zu finden und begegnet doch eher Trennendem. Sie begegnet mit dem Blick auf ihre Zwillingsschwester sich selbst wie neu. Und diese Begegnungen wiederholen sich

 

im Buch wie in Dauerschleife, mit neuen Details, auch mit neuen Einblicken in die Kindheitsvergangenheit, aber eben dennoch geht es letztlich immer und immer und immer nur um Nadja und ihre Gefühle, um ihr Aufspüren von Gemeinsamem und Fremdem, um Entdecken von Trennendem und Verbindendem. Der Hintergrund einer durchaus tragisch zu nennenden Familiengeschichte wird zunehmend aufgedeckt, aber irgendwie auch nicht wirklich verarbeitet. So gekonnt dieser Roman einerseits geschrieben ist, so ging er mir doch je länger ich las zunehmend auf die Nerven. Die Protagonisten waren mir allesamt unsympathisch, ich fand sie anstrengend, einerseits überreflektierend, andererseits aber auch wieder völlig unreflektiert. Was soll der Leser an Erkenntnissen aus diesem Roman ziehen? Ich weiß es wirklich nicht.

 

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Dörthe Binkert

Wo Frauen ihre Bücher lesen

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 208 Seiten

·         Verlag: Thiele & Brandstätter Verlag

·         ISBN-13: 978-3851794359

#WoFrauenihreBücherlesen

 

Die unvergleichliche Lust des Lesens

 

Ein weiterer wunderschöner Band in der Reihe rund um das Thema „Frauen und…“ von Dörthe Binkert. Ich liebe diese Reihe!

 

Nein, es ist kein feministisches Buch, es ruft nicht zum Geschlechterkampf auf. Wer diesen Anspruch vor sich herträgt, ist bei diesem Buch falsch. Und die „uralten“ Bilder, wie es eine Rezensentin ausdrückt, sind würdige künstlerische Vertreter ihrer Zeit, die beachtens- und bewundernswert sind, auch und gerade in ihrer Ausdrucksstärke. Und die in ihrem Kunstwerk genau das festgehalten haben, was Thema des Buches ist: Orte des Lesens. Nicht mehr und nicht weniger. Das Buch wünscht sich Leser/Betrachter mit Feingeist, mit Sinn für Ästhetik. Die  Privatheit des Lesens in der Kunst eingefangen – das scheint mir perfekt in diesem Buch gelungen zu sein. Elke Heidenreich, selbst eine Lesebesessene, lässt uns in ihrem klugen Vorwort teilhaben an ihrer scharfen Beobachtungsgabe, aber auch an ihrem geistreichen Humor, wenn sie ihr Vorwort ausgerechnet mit Groucho Marx beendet.

 

Alle Bücher von Dörthe Binkert, die ich bislang genießen durfte, haben meinen Horizont stets erweitert, ganz nach dem Satz „Man sieht nur was man weiß“.  Ihre Texte sind viel mehr als reine Bildbeschreibungen. Sie dringen tiefer, schauen oftmals geradezu hinter das offenkundig Sichtbare. Sie lassen uns im vorliegenden Buch anhand der ausgewählten Bilder teilhaben an der unvergleichlichen Lust des Lesens, an dieses Versinken in andere Welten, an geistige Fluchten, egal ob im Haus oder im Freien. Etwas, was Künstler aller Zeiten versucht haben festzuhalten, nämlich diese ganz besonderen Momente der selbstvergessenen Hingabe ans Buch. An das vorliegende Buch ebenso wie an Bücher generell. Wunderschön!

 

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Sabine Giebken

Wolfspferd

 

 

·         Broschiert: 224 Seiten

·         Verlag: Egmont Schneiderbuch

·         ISBN-13: 978-3505142789

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren

#Wolfspferd

 

Mystisch-spannender Pferde-Abenteuer-Roman

 

Von Kindheitstagen an stehe ich Tierbüchern zwiespältig gegenüber. Denn meist geschieht in den Büchern den Tieren erst etwas Schlimmes, bevor sich letztlich alles zum Guten wendet. Und genau dieses Leid hat mir als Kind Albträume verursacht und immer musste ich beim Lesen weinen – auch wenn ich letztlich wusste, dass das Gute siegen wird. Schließlich weigerte ich mich, noch jemals ein Tierbuch zu lesen… Jetzt viele, viele Jahre später im ü60-Alter begann ich tapfer das vorliegende Buch zu lesen. Und was soll ich sagen, es packte mich so intensiv wie zu Kinderzeiten.

  

Tala ist ein ungestümes Mädchen, mutig und eigenwillig. Es lebt mit seiner Familie in der Wildnis, auch im tiefsten Winter. Saphira, eine Albinostute, ist Talas beste Freundin. Doch Saphira hat im Herdenverbund keinen Platz. Odin, der riesige Hengst, schließt sie von der Herde aus, weil sie sich, ähnlich wie Tara, nicht unterordnen will. Taras Vater Pollo, der Anführer des Stammes, weigert sich, Tara mit auf die Jagd zu nehmen, obwohl sie sich das so sehr wünscht. Als jedoch eines Tages Räuber das Lager überfallen und alle Vorräte stehlen, erinnert sich Tara der Sage, dass, wer einen frei lebenden weißen Wolf fängt, mit einer großen Belohnung rechnen dürfe. Und so macht sich Tala unerschrocken zusammen mit Saphira auf den Weg…

  

„Wolfspferd“ ist eine Geschichte, die zwischen unserer vertrauten Realität und mystischen Ereignissen angesiedelt ist. Im Einklang mit der Natur frei und ungebunden zu leben und sich von Sagen und Mythen, die die Großmutter erzählt, leiten zu lassen, bildet den intensiv-eindrücklichen Hintergrund der erzählten Geschichte.  In Zeiten, in denen es hitzige Diskussionen um das Thema Wölfe in unseren europäischen Wäldern gibt, hat dieses Jugendbuch zusätzlich zur gekonnt geschriebenen spannend-unterhaltsamen Geschichte noch eine weitere Dimension, nämlich die Frage, ob es uns gelingen könnte, uns mit unserer Tierliebe auch den Tieren anzunähern, die auf den ersten Blick bedrohlich und gefährlich wirken. Der Autorin gelingt dies meines Erachtens sehr, sehr gut, so wie sie überhaupt sehr feinfühlend auch die Passagen, in denen sie Saphira selbst berichten lässt, ausgestaltet hat. Tierliebe, die aus Tierverständnis gewachsen ist, nicht aus verkitschter Gefühlsduselei, Mut, eigenständiges Denken und Handeln, Respekt vor Anders-Sein – in diesem Jugendbuch steckt eine Menge an Botschaften. Genauso gut lässt sich das Buch aber auch als ein reines mystisch-spannendes Pferde-Abenteuer-Buch, verpackt in reichlich Winterzauber, lesen. Mir jedenfalls hat es ausnehmend gut gefallen.

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Simon Strauss

Römische Tage

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 142 Seiten

·         Verlag: Tropen

·         ISBN-13: 978-3608504361

#RömischeTage

 

„Das Alte neu denken“

  

Man könnte es sich als Leser einfach machen und das Büchlein betrachten als eine Autorengrätsche zwischen dem antiken Rom, dem Rom damals und dem lebendig-quirligen Rom, dem Rom heute. Ein  junger Mann, der Autor,  lebt für einige Wochen in der ewigen Stadt, treibt durch Altes, erlebt Neues, trifft Menschen und schreibt es auf. Soweit so gut.

 

Und doch ist dieses kleine Büchlein so unendlich viel mehr. Ich habe mich als Leser vom Autor durch die Gassen treiben lassen, habe mit ihm feinste Beobachtungen bis ins Ameisenleben hinein geteilt, habe mit ihm die 6 Zehen auf dem Ludovisischen Thron entdeckt und in der Sonnenhitze sterbende Katzenkinder, habe mit ihm inmitten merkantiler Koordinaten der Stelle nachgespürt, an der Caesar ermordet wurde und habe mit ihm Kirchen als Schutzräume unserer aufgeriebenen Gemüter erlebt.  Man wird als Leser mit weichen Worten wie auf einer philosophischen Sänfte durch die Gegend über die Zeiten hinweg getragen. Und immer, immer steht irgendwo hinter diesem Füllhorn an Erinnerungen und historisch Belegtem, an diesem ganzen Durcheinander von Heute und Gestern die Angst des Autors vor der eigenen Sterblichkeit. Das Stechen des Herzens treibt an innere Grenzen. Wenn der eigene Puls steigt, steigen die essentiellen Fragen aus dem Dunkel: Wer bist du? Wer willst du sein? Die Steine Roms, diese Großarchivare des Lebens über die Zeiten hinweg – diese ewige Konstante, das unausschöpfliche Rom – lässt den Autor schaudern einerseits und Trost finden andererseits. Denn irgendwie ahnt er durch alle Verwirrungen hinweg, dass es ohne das Vergangene nichts Gegenwärtiges gibt.

 

Eine schöne, eine eindrückliche, eine sprachlich subtile Reise durfte ich da mit Simon Strauss machen. Hat mir gut gefallen.

 

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Susanne Oswald

Der kleine Strickladen in den Highlands

 

 

·         Taschenbuch: 304 Seiten

·         Verlag: MIRA Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3745700442

#DerkleineStrickladenindenHighlands

 

 

Entspannend wie ein Schaumbad

 

Man nehme ein wohlig warmes Schaumbad, randvoll mit duftenden Schaumbläschen, die beim Zerplatzen ein ganz leises Geräusch machen und auf der Haut kitzeln. Man tauche ein in die entspannende Wärme und genieße den Augenblick. Genau so und nicht anders sollte man das vorliegende Buch lesen. Als entspannende Wohlfühlzeit. Nach dem Bad, nach der Lektüre, taucht man wieder ein ins echte Leben, schüttelt ein wenig den Kopf über das Gelesene, fühlt sich aber entspannt und locker.

  

Schottland,  Regen, Kälte, eisiger Wind. Maighread hat sich nach Trennung von ihrem Freund Dylan aufgemacht, um in der Hügellandschaft der Highlands ihre totgeglaubte Großmutter aufzusuchen, die jedoch nicht bereit ist, mit ihr zu sprechen. Ein unausgesprochenes Familiengeheimnis belastet Mutter und Großmutter von Maighread dauerhaft. Wie gut, dass Maighread Unterstützung findet in liebenswerten Menschen, die sie freundlich, ja geradezu freundschaftlich aufnehmen. Besonders Joshua, der Schafzüchter, kommt Maighread näher, als erwartet. Maighread liebt Wolle, sie liebt das Stricken und träumt von einem eigenen kleinen Strickladen. Doch dieser Traum scheint in weiter Ferne…

  

Die vorhersehbare Geschichte wird unterhaltsam erzählt, das ja. Das Buch liest sich leicht, sehr leicht. Ein wenig Humor würzt die Geschichte. Aber, wo bitte gibt es im echten Leben diese Ansammlung von liebenswerten Menschen, wie sie im Buch geschildert werden? Menschen, die ohne jeden Fehl und Tadel sind. Nichts Böses weit und breit. Und wenn sich die Protagonisten mal selber auf den Füßen stehen, hilft das Schicksal ganz schnell wieder auf den richtigen Weg. Ach ja, kann man als Leser nur seufzen, wenn das echte Leben nur auch so wäre. Am ehrlichsten sind noch die Hunde beschrieben. Da ich selbst der Haptik von Wolle verfallen bin und die meditativ-heilsame Wirkung des Strickens überaus schätze, auch viele Jahre in diesem Bereich selbständig war, wurde ich verlockt, das Buch zu lesen. Aber ehrlich gesagt, wurde es mir letztlich etwas zuviel an Weichgespültem. Ich kenne niemanden, der zu Handgestricktem „bezaubernd“ ausruft, eher „zu teuer“, „Wolle verträgt meine Haut nicht“, „ist nicht waschmaschinenfest“ u.v.a. Ich kenne niemanden, der vor Begeisterung über ein Noppenmuster so ausflippt wie Eilidh. Ach ja, und ein kuschliger kleiner Wollladen, in dem durchweg freundliche Kunden Tee trinken, wie ihn sich Maighred vorstellt, der könnte kein halbes Jahr überleben. – Träume sind Schäume. Ein Buch wie ein Schaumbad eben,  weit, weit weg von der Wirklichkeit, egal ob in Schottland oder sonstwo, aber entspannend allemal.

 

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David Walliams

Der etwas nervige Elefant

 

 

·         Gebundene Ausgabe: 32 Seiten

·         Verlag: Rowohlt Taschenbuch

·         ISBN-13: 978-3499218453

·         Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 5 Jahren

#DeretwasnervigeElefant

  

Fragwürdiger, geschmackloser Inhalt mit null Sinn

 

Schräge Geschichten sind ja schon mal geeignet, das Humorzentrum von Kindern zu treffen. Doch das vorliegende Bilderbuch schafft das nicht. Im Gegenteil: Die Geschichte macht Unbehagen, Ärger, bei empfindsameren Kindern vielleicht sogar Angst. Und lässt den armen kleinen Sam, die Hauptperson, ziemlich blöd im Regen stehen. Das soll ein lustiges Bilderbuch sein? 

 

Sam hatte gutgläubig eine Elefantenpatenschaftserklärung unterschrieben. Plötzlich steht ein riesiger blauer Elefant vor der Tür und besteht darauf, im Haus zu baden, zu essen, Fahrrad zu fahren und all seine Freunde einzuladen. Der Elefant hat keinerlei Benehmen, macht alles kaputt und trampelt völlig ungeniert durch Sams ordentliche Welt. Das soll lustig sein? Ach ja, und wenn das letzte Wort im Buch in elefantengroßen Buchstaben „DUMMERCHEN“  heißt, ist das besonders lustig, zum Schlapplachen geradezu??

  

Nein, dieses Bilderbuch empfinde ich abstoßend, dümmlich und geschmacklos. Tut mir leid, lieber Rowohlt Verlag. Für dieses Buch fehlt mir jegliches Verständnis. Denn die Botschaft „Lest das Kleingedruckte“ 5-jährigen Erstlesern mitzugeben, macht null Sinn. Daran ändern auch die durchaus lebendigen Zeichnungen von Tony Ross nichts.

 

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Bettina Storks

Leas Spuren

 

 

·         Taschenbuch: 464 Seiten

·         Verlag: Diana Verlag

·         ISBN-13: 978-3453360464

#LeasSpuren

 

Bewegend, fesselnd, spannend, ernsthaft

 

Bettina Storks war mir bislang nicht bekannt. Doch die Leseerfahrung des vorliegenden Buches hat mich überzeugt und weckt nachhaltig mein Interesse an dieser Autorin.

  

Die Handlung bewegt sich auf verschiedenen Zeitebenen. Im Jahr 2016 erfährt die Stuttgarter Historikerin Marie von einem lukrativen Erbe, das jedoch erst mit Erfüllung einer Aufgabe anzutreten wäre. Sie soll gemeinsam mit dem französischen Journalisten Nicolas ein verschollenes Gemälde finden und es den möglichen Überlebenden einer jüdischen Pariser Familie zurückgeben. In Rückblicken erleben wir, wie um 1940 Victor Blanc seine Arbeit in der Botschaft aufnimmt, um sich um „herrenlose Objekte“ zu kümmern. Und wir werden 1947  mitten in die Besatzungszeit, in die Nachbeben des Zweiten Weltkrieges, geführt und erfahren von der unerlaubten Liebe zwischen Charlotte, der Großtante von Marie, und Victor, dem Großvater von Nicolas, zwischen Kunstraub und Résistance. Die schwierigen Nachforschungen von Marie und Nicolas 2016 scheinen an einer Mauer des Schweigens zu scheitern, führen aber schließlich immer tiefer in erschreckende Zusammenhänge.

 

„Nur Gefühle beeindrucken die Menschen“ – diesen Satz der von mir überaus geschätzten Autorin Gabriele Diechler scheint Bettina Storks auf perfekte Weise verinnerlicht zu haben. Denn das vorliegende Buch packt den Leser, fesselt ihn und lässt ihn nicht mehr los. Weil man sich jenseits des Geschehens intensiv mit den Protagonisten emotional verbunden fühlt. Weil man ihre geschilderten Empfindungen unmittelbar miterlebt. Auch versteht es Bettina Storks außerordentlich gut, innerseelische Prozesse anhand von äußeren Geschehnissen bildlich spürbar werden zu lassen. Viele Szenen bleiben sehr nachdrücklich im Gedächtnis, auch nach Beendigung der Lektüre. Insgesamt gesehen ist das Buch eine großartig gestaltete Mischung aus historisch Belegtem und romanhaft Erfundenem, spannend, lebendig, intensiv erzählt. Das Buch wirft Fragen auf, denen sich der Leser stellen sollte. Denn welche Verantwortung tragen nachfolgende Generationen für die Gräueltaten der Nazis? Und kann die Schuld des Wegsehens oder gar Mitmachens je getilgt werden?

 

Auf S. 455 steht vielleicht eine Antwort: „Eines der kostbarsten Geschenke ist, dass wir eine Wahl haben….Den inneren Kompass zu finden, ihm zu vertrauen und sich nach ihm als einziger Instanz zu richten, ist eine Lebensaufgabe“…