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Flo, der Flummi und das Schnack

Vorlesegeschichten für Kinder und Eltern

 

·         ISBN-13 : 978-3462000412

·         Gebundene Ausgabe : 224 Seiten

·         Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch

·         Leseniveau : 3 - 9 Jahre

#FloderFlummiunddasSchnack

  

Schön gemacht, Inhalt enttäuschend

 

Ach, ich hatte mir als Lesepatin so viel versprochen von dem Buch! Aber leider hat es den Praxistest nicht bestanden.

 

Um das Gute vorweg zu nehmen: Das Buch ist aufwändig gemacht (und entsprechend schwer in der Hand) mit Lesebändchen und farbig-künstlerisch gestalteten Illustrationen. Auch zur Benutzung des Buches hat man sich sinnvolle Gedanken gemacht, denn die Angabe von Vorlesezeit und Zielgruppenalter zu jeder Geschichte ist sehr hilfreich.

 

Aber wer nur hat den Inhalt zusammengestellt? Das kann niemals jemand gewesen sein, der auch nur die geringste Ahnung davon hat, wie man Kinder zum Zuhören bewegt, wie man sie fesselnd unterhält. Vermutlich ist der Herausgeber jemand, der einen guten Draht zu Literatur oder zu Autoren hat, aber gar keinen zu Kindern. Die vorliegende Sammlung enthält neben einigen gut geeigneten Geschichten, besonders für die Kleinen, leider etliche Vorlesetexte, die nicht Hand und Fuß haben, die ohne rechten Anfang und ohne schlüssiges Ende auf die Seiten gesetzt wurden, sodass mich nach dem Vorlesen die Kinder nur noch fragend anschauen. Oder es gibt die Texte, denen die Kinder nach ganz kurzer Zeit überhaupt nicht mehr zuhören und sich mit anderen Dingen beschäftigen wie zum Beispiel „Der Hund heißt Haavo“ von Michal Hvorecky. Gefallen finden dagegen Geschichten wie die von den Schnarchferkelchen von Frank Schulz. Der besondere Witz von Wladimir Kaminer dagegen kommt nur bei wenigen Kindern an, bei Erwachsenen dagegen umso mehr. Mit dem langweiligen Text übers Haarewaschen kann ein Vorleser nicht punkten. Und will ich 6-Jährigen wirklich von der „neuen Oma“, die verwirrt im Altersheim lebt, vorlesen? Amelie Fried trifft dagegen in ihrer Geschichte „Lila haut ab“ sehr viel eher das, was Kinder im Vorlesealter nachvollziehen können.

Fazit: Ein schön aufgemachtes Buch mit vielen kurzen Vorlesegeschichten, von denen allerdings leider nur recht wenige kindgerechte Themen in kindgerechter Weise erzählen. 

 

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Jana Lukas

Die Mühlenschwestern – Die Hoffnung wird dich finden

 

·         ISBN-13 : 978-3453424265

·         Taschenbuch : 496 Seiten

·         Herausgeber : Heyne Verlag

#DieMühlenschwesternDieHoffnungwirddichfinden

 

 

Unterhaltsames Lesefutter

 

Zwar habe ich Band 1 dieser Reihe nicht gelesen, doch empfand ich dies nicht als Nachteil. Sehr schnell fand ich hinein in die Familienstruktur der Mühlenschwestern. Auch gab es im Buch immer wieder Anmerkungen zu Details in der Vorgeschichte, die Aufschluss über in der Vergangenheit liegende Zusammenhänge vermittelten.

 

Rosa betreibt die Mühle am Sternsee zusammen mit ihrer Tante Lou mit Herzblut und ist glücklich und stolz auf ihren Beruf. Rosa, die als „Mittelkind“ unter den Schwestern früh gelernt hatte zu vermitteln und ausgleichend zu wirken, kommt allerdings an ihre Grenzen, als der Halbbruder ihres Freundes Julian ein Buch veröffentlicht, das ihre Person klischeehaft bösartig in den Schmutz zieht und damit sowohl ihr als auch dem Betrieb schadet. Zudem erfährt sie von den Affären ihres Freundes und setzt Julian deshalb kurzerhand vor die Tür. Doch David, der Halbbruder und Buchautor, bleibt im Berchtesgadener Tal und verursacht weiterhin allerlei Durcheinander…

 

Es passiert so allerlei mit den Mühlenschwestern und in ihrem Umfeld in diesem Buch. Und dies alles wird sehr unterhaltsam, abwechslungsreich und lebendig erzählt. Auch der Humor blitzt immer wieder durch. Über die 500 Seiten hinweg habe ich mich an keiner Stelle gelangweilt, habe viel Sympathie für (fast) alle Protagonisten entwickelt und mit ihnen mitgelitten, mitgestritten und mitgehofft, auch wenn ich mir gelegentlich ein wenig mehr Tiefe in der Geschichte gewünscht hätte. Mitunter stolperte ich auch über sprachliche Holpersteine und Wiederholung an Wortbildern. Am meisten störte mich jedoch, dass das Buch geradezu zwanghaft auf Band 3 zusteuert. Wenn man so deutlich spürt, dass man unbedingt Band 3 kaufen muss, ist man doch ein wenig verstimmt.

 

Fazit: Eine leichte, durchweg unterhaltsame Geschichte ohne großen Anspruch. 

 

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Claudia Wengenroth

Dort, wo die Zeit entsteht

 

 ·         Gebundene Ausgabe : 176 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3424351132

·         Herausgeber : Diederichs

#DortwodieZeitentsteht

 

 

 

Ein poetisch-tiefenpsychologisches Fundstück

 

Katharina ist eine junge Ärztin, die Klarheit in Regeln und Ordnung findet. Die Kapriolen des Lebens, besonders in ihrem Beruf, zehren an ihr. Und so zieht sie sich für ein paar Tage, in der Zeit der Rauhnächte zwischen den Jahren, in die alte Berghütte ihrer Familie zurück mit der Hoffnung auf Abstand. Irmelin, eine alte Bergbäuerin, passt seit vielen Jahren auf diese von der Familie scheinbar vergessene Berghütte auf, sie hütet sie hütet wie ihr Eigentum. Dass Katharina Zuflucht in der Hütte sucht, sich von der Berghütte geradezu eingeladen fühlt, lässt Irmelin aufhorchen. Katharina hat seltsame Träume und Irmelin erzählt ihr bei einem Besuch in der Hütte ebenso seltsame Geschichten. Denn die Zeit der Rauhnächte ist eine Begegnung mit der Wilden Jagd, mit Bergriesen und Waldzwergen, mit offenen Seelen und vielen anderen mystischen Bildern. In den Träumen von Katharina beginnt ein Weg der inneren Heilung.

 

Das Buch braucht den Leser, der sich Zeit nimmt. Der sich den Wörtern hingibt. Und dem es gelingt, die Doppeldeutigkeiten der inneren Erlebnisse zu entschlüsseln. Das Buch erzählt so langsam und bedeutungsschwer wie einer dieser französischen Filme der Nouvelle Vague aus den Sechziger Jahren. Das macht das Lesen anstrengend. Auch der Schreibstil ist fordernd. Die Sätze mit einem manchmal willkürlich scheinenden Aufbau jenseits der gewohnten Grammatikwege lassen nur langsames Lesen zu. Und doch habe ich das Buch als Genuss empfunden, wie ein langes und sehr intensiv-poetisches Gedicht, das aus sorgsam gesuchten Wörtern etwas vermitteln will, was Wörter letztlich aber nur in Bildern transportieren können. Wenn Irmelin die Fenster der Hütte öffnet, damit „das Haus Luft holen kann“ oder wenn Katharina eine Traum-Kellertreppe ins Unbewusste hinabsteigt und mit einem schmerzhaften Sturz allen Halt verliert, wenn der Rabe als mystischer Gestaltwandler den Weg weist und wenn die unterschiedlichen Energien des  Windes zu leben beginnen  – wenn all dies und noch viel mehr in einer solch dichterisch verdichteten Weise wie im vorliegenden Buch gestaltet wurde und der richtige Leser zum richtigen Zeitpunkt zu diesem Buch findet, dann ist genau das Wunder geschehen, das, selten genug, Büchern innewohnt.

 

 

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Sebastian Fitzek

Der Heimweg

 

·         Gebundene Ausgabe : 400 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3426281550

·         Herausgeber : Droemer HC

#DerHeimweg

 

 

Abstoßend brutales Katz- und Mausspiel

 

Diese Rezension kann man kurz halten. Denn dass Fitzek „es drauf hat“, Thriller zu schreiben, weiß inzwischen wohl jeder. Dass er mit jedem weiteren Erfolgstitel mehr und mehr unter Druck und Leistungszwang gerät und damit zunehmend das verliert, was ihn in seinen frühen Titeln auszeichnete, gibt mir zu denken.

 

Jules Tannberg ist für seinen Freund eingesprungen und hat dessen Schicht beim ehrenamtlichen Telefonbegleitservice übernommen. Es ist nach 22 Uhr und Jules spricht mit Klara, einer Frau, die sich von ihrem brutalen Mann verfolgt fühlt. Mehr Inhalt hier zu erzählen, macht keinen Sinn.

 

 

Es hätte ein faszinierendes, nervenaufreibendes Kammerspiel werden können. Aber statt auf Raffinesse setzt Fitzek auf extreme Brutalität, auf ekelerregende, abstoßend widerliche Szenerien, die übler gar nicht mehr sein könnten. Das Baden in Eiter, Blut und fauligem Gestank allein macht jedoch noch keinen guten Thriller. Klar, Fitzek weiß, wie er die Leser durch den Fleischwolf dreht, wie er sie ins Spiegelkabinett schickt, dass sie nicht mehr aus noch ein wissen vor lauter Twists und Täuschungen. Wer das alles zu schnell liest, fällt vor lauter Schwindelgefühlen von der Couch. Und ja, es gibt auch außerordentlich spannende Sequenzen, die dem Leser den Atem rauben. Und natürlich erleben wir zum Schluss des Buches, dass wir Fitzek wieder auf den Leim gegangen sind. Das ist gekonnt geschrieben, keine Frage. Dennoch fehlt es mir an Feinheiten im Ausgestalten, insbesondere die Protagonisten bleiben technisch-konstruiert künstlich und damit für den Leser fremd und fern. Ganz wunderbar dagegen sind Fitzeks Danksagungen am Ende des Buches: Man sieht beim Lesen sein verschmitztes Lächeln direkt vor sich…  

 

 

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Valentin Moritz

Kein Held

 

 ·         Gebundene Ausgabe : 224 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3981808988

·         Herausgeber : Badischer Landwirtschafts-Verlag

#KeinHeld

  

Familiäre Wurzeln und Vielfalt des offenen Geistes

 

„Kein Held“ berichtet von einem, der vielleicht doch ein Held war. Der Großvater Josef Mutter - ein Held im Hinnehmen von Gegebenheiten, ein Held im Ertragen von Unabänderlichem, ein Held im Alltäglichen, ein Held mit Haltung. Und für mich gibt es im Buch noch einen Helden, nämlich den Enkel Valentin Moritz – ein Held im genauen Hinhören und Hinschauen, ein Held im Bewahren von Erinnerungen, ein sensibler Held. Das Vorwort von Stéphane Hessel: „Die schlimmste aller Haltungen ist die Gleichgültigkeit“ ist ideal gewählt für ein Buch, das den Leser nicht eine einzige Seite lang gleichgültig lässt.

 

Dass das Buch den Leser erst einmal verwirrt, mag beabsichtigt sein. Denn es beginnt mit einem zu Herzen gehenden Abschnitt aus dem Ende des Lebens des Großvaters, um dann auf dessen früheste Erinnerungen umzuschwenken und Kindheitserinnerungen des Enkels darunterzumischen. Es war schwierig für mich, bereits zu Beginn des Buches dem Großvater in seinen intimsten Zeiten des Sterbens nahe zu sein, um dann erst nach und nach von seinem Leben zu erfahren.  Also erst vom Sterben, dann vom Leben zu lesen, vom Abschied zum Beginn zu springen.

 

Da ist der Enkel schon seit Jahren der räumlichen und geistigen Enge seines südbadischen Heimatdorfes ins pulsierende Berlin entflohen, lebt sein ganz eigenes suchendes Leben und wird völlig überraschend mit der Vergangenheit konfrontiert, als sein Großvater ihn bittet, ihm bei der Niederschrift seiner Lebensgeschichte zu helfen. Und so schliddert er hinein in das bäuerliche, entbehrungsreiche Leben des Josef Mutter, in dem Arbeit den Tag bestimmt. Ein Leben, das durch die Erfahrungen vom Krieg, vom Afrikafeldzug  bis hin zur Gefangenschaft in Algerien und in den USA zu einer offen-geraden Haltung führte. Sehr authentisch werden diese Erinnerungen wiedergegeben, ganz geradeaus und direkt. Und dazwischen erzählt einer, der sein Leben zwei Generationen später zu stemmen versucht, nachdenklich, sensibel. Dass die Erinnerungen hin und her springen von Großvater zum Enkel und umgekehrt, teilweise sich fast übereinander zu legen scheinen, gewährt dem Leser einen ganz besonderen Blick auf das, was Familie ist, was Wurzeln sind, und wie unterschiedlich das Mitgegebene interpretiert werden kann im eigenen Lebensentwurf. Valentin Moritz erzählt mit verhaltenem Humor, mit leichtem Schmunzeln, manchmal in grober Umgangssprache, immer aber feinfühlig und mit Respekt. Kurzum: Lesenswert! 

 

 

 

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Marc Raabe

Die Hornisse

 

·         Broschiert : 544 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3864931512

·         Herausgeber : Ullstein Paperback

#DieHornisse

 

 

Packende Szenen und ein gemeiner Cliffhanger

 

Wenn ein renommierter LKA-Ermittler wie Tom Babylon mitten beim Babyschwimmen weggerufen wird an einen Tatort, so zeigt sich meiner Meinung nach genau an dieser fast komisch anmutenden Szene sowohl die Stärke als auch die Schwäche des vorliegenden Buches.

 

Der gefeierte Rockstar Brad Galloway ist tot, er liegt ausgeblutet und ans Bett gefesselt in seinem Hotelzimmer. Einzige mögliche Spur: Eine unbekannte Frau hatte Brad Galloway noch während seines Konzertes in Berlin am Abend zuvor einen geheimnisvollen Umschlag überreicht. Tom Babylon nimmt zusammen mit der Psychologin Sita Johanns die Ermittlungen auf. Jemand sinnt auf Rache und will alles zerstören, was Tom Babylon wichtig ist, doch der eigentliche Anfang der Geschichte liegt bereits 30 Jahre zurück.

 

 

Auch in diesem dritten Band rund um den Ermittler Tom Babylon wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Die gegenwärtigen Geschehnisse sind im mühsam zu lesenden Präsens geschrieben, die Rückblicke rund um das Jahr 1989 im flüssigen Imperfekt. Die beiden Zeitebenen verweben sich, je weiter man liest, immer mehr, verknoten sich geradezu, geben Informationen und verwirren gleichzeitig. Es gibt Passagen von großer packender Spannung, insbesondere bei den Rückblicken, die sehr intensiv das Leben in der DDR mit der großen Angst vor dem herrschenden Denunziantentum schildern. Aber leider gibt es im Buch auch gewisse Längen, besonders während der Schilderungen der eher frustranen Ermittlungsarbeit. Und es wurde mir mitunter zu viel an Privatheit, was Tom Babylon da aus seiner Vergangenheit mit sich schleppt. Besonders die Szenen mit seiner vor 20 Jahren verschwundenen kleinen Schwester Viola, die gerne mal neben ihm im Auto sitzt und Kommentare abgibt, gingen mir bald auf die Nerven. Doch grundsätzlich ist auch dieser dritte Band gut und flott zu lesen, mit einer geschickt konstruierten Handlung, lebendigen Dialogen, aber leider mit einem ganz gemeinen Cliffhanger zum Schluss. 

 

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Erik O. Lindström

Die wundersame Winterreise der Selma Larsson

 

·         Gebundene Ausgabe : 192 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3649635000

·         Leseniveau : 6 und nach oben

·         Herausgeber : Coppenrath Verlag

#DiewundersameWinterreisederSelmaLarsson

 

 Ein Kinderbuch, wie es gelungener nicht sein könnte

 

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Mutter muss arbeiten, in einem Altersheim. Dass diese Arbeit sehr wichtig ist, weiß Selma, gerade an Weihnachten. Deshalb soll Selma zu ihrem Papa, der inzwischen eine neue Familie hat. Doch Papa sagt ganz kurzfristig ab. Selma ist sehr traurig, da bleibt nur noch, ganz wild auf dem Trampolin herumzuhüpfen, das hilft ein wenig. Schließlich kommt die rettende Idee: Selma soll zu Tante Maja, darüber freut sich Selma sehr. Als sie aus dem Zug aussteigt, wird sie jedoch von niemandem erwartet. So macht sich Selma zu Fuß durch den tiefen Schnee auf den Weg. Und damit beginnt ein aufregendes Abenteuer…

 

Welch eine Wohltat: „Die wundersame Wintereise der Selma Larsson“ ist ein Kinderbuch, wie es nicht gelungener sein könnte. Durch die spannungsreiche Geschichte verführt es kleine Leser in eine andere Welt. Ohne modisch anbiedernde Gassensprache. Ohne pädagogisch wertvolle Absichtserklärungen. Ohne offenkundige Problembewältigungs-Vorschläge. Nein, einfach ein Kinderbuch, wie es Kindern gut tut. Märchenhaft fast. Zum Wegträumen. Phantasie anregend. Zum Mitfiebern. Und tröstlich vor allem, denn die Geschichte geht gut aus. Und deshalb wohltuend für Kinderseelen. Eine Geschichte für kleine Leser (oder Zuhörer), die aufregend ist und deshalb gefangen nimmt, um nach einer Zeit des Mitfieberns wieder in die Realität auftauchen zu lassen. So, genauso sollen Kinderbücher sein, wenn sie das Wichtigste, was es gibt, den Leseanfängern mitgeben wollen: Die intensive Kraft der Phantasie. Die schlichten, aber ausdrucksstarken Illustrationen von Sonja Bougaeva, zum Teil koloriert, unterstreichen dieses rundum schöne vorweihnachtliche Kinderbuch

 

 

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Martin Michaud

Aus dem Schatten des Vergessens

 

·         ISBN-13 : 978-3455010077

·         Herausgeber : HOFFMANN UND CAMPE VERLAG GmbH

·         Broschiert : 640 Seiten

#AusdemSchattendesVergessens

 

 Überraschend und wendungsreich, aber zu ausufernd

 

Winter in Montreal. Am Tag vor Weihnachten wird die Psychologin Judith Harper bestialisch umgebracht. Etwa zur gleichen Zeit verschwindet der angesehene Anwalt Nathan Lawson, nachdem er in offensichtlicher Panik auf einem Friedhof Dokumente vergraben hatte. Und kurz darauf stürzt ein Obdachloser vom Wolkenkratzer. Er hinterlässt die Brieftaschen von Harper und Lawson. Détective Victor Lessard, der mit der Last seiner Vergangenheit kämpft, versucht zusammen mit seiner Kollegin Jacinthe Taillon den Vorfällen auf den Grund zu gehen. Als den beiden eine Aufnahme mit der Stimme von Lee Harvey Oswald, dem Mörder von J. F. Kennedy, zugespielt wird, bekommen sie eine Ahnung von den Abgründen, in denen sie herumstochern müssen.

630 Seiten, die mir vor allem zu Beginn Einiges abforderten. So viele Szenenwechsel, so viele Personen, so viele angerissene Handlungsstränge. Es dauerte eine Weile, bis ich mich einigermaßen zurecht fand. Der teilweise geradezu originell zu nennende, überraschend kreative Schreibstil forderte ebenso meine volle Aufmerksamkeit wie die oftmals detailreichen Schilderungen. Andererseits blieb der Thriller durchweg kurzweilig und mit unerwarteten Wendungen versehen. Immer wieder tischt uns der Autor ein neues Detail auf, das die Sicht auf die Dinge verändert.

 

Ein Thriller mit unvorhersehbarem Handlungsaufbau, durchaus spannend-unterhaltsam zu lesen, mit einem sympathischen Ermittlerteam, das es sich privat und beruflich nicht gerade leicht macht, dazu mit dem winterlichen kanadischen Ambiente versehen – alles in allem eine gelungene Mischung. Einziger Kritikpunkt ist für mich, dass für meinen Geschmack zu ausufernd erzählt wird, dass unwichtigen Nebensächlichkeiten zu viel Raum gegeben wird und eine vorsichtige Straffung dem Buch gut getan hätte. Und warum nur hat man aus dem schönen französischen Buchtitel „Je me souviens“ solch einen hölzernen deutschen Titel gezimmert? 

 

 

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Catherine Shepherd

Artiges Mädchen

 

·         Taschenbuch : 332 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3944676272

·         Herausgeber : Kafel Verlag

#ArtigesMädchen

  

Die Barbie-Puppe bringt den Tod

Die Autorin bringt mich immer wieder zum Staunen, denn Band für Band gelingen ihr Thriller, wie sie besser nicht sein könnten!

Rechtsmedizinerin Julia Schwarz wird in ihrem fünften Fall wieder bis an die Grenzen gefordert. Da wird die Leiche einer Frau auf einem Spielplatz abgelegt, herausgeputzt wie ein braves Schulmädchen mit Schleifchen und weißem Rüschenkleid. Todesursache war ein Pfeil mitten durchs Herz. Doch damit nicht genug. Eine weitere weibliche Leiche auf einem nahegelegenen Spielplatz lässt die Ermittlungen von Kommissar Florian Kessler gemeinsam mit Julia Schwarz auf Hochtouren laufen, denn es liegt nahe, dass der Killer weiter morden wird. Doch wie vorgehen, wenn absolut keine Spur zu finden ist?

 

Catherine Shepherd ist eine verlässliche Thriller-Autorin. Verlässlich insofern, da es ihr von Titel zu Titel gelingt, in stets gleicher Weise Spannung in einem solchen Maß aufzubauen, dass man das Buch, einmal begonnen, nicht mehr zur Seite legen kann. Kurze Kapitel und viele Cliffhänger der gemeinsten Sorte treiben den Leser unaufhaltsam voran. Und verlässlich ist die Autorin auch dahingehend, dass sie viele Spuren legt und den Leser zunehmend verwirrt, wobei man mit dem wahren Täter nie gerechnet hätte. Alle Protagonisten sind psychologisch stimmig gezeichnet in ihren Stärken und Schwächen. Geschrieben ist das Buch in einer leicht lesbaren, klaren Sprache ohne vermeintlich künstlerische Sperenzchen. Kurzum: Ein Thriller, wie er besser nicht sein könnte. 

 

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Andrea Petkovic

Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht

 

·         ISBN-13 : 978-3462054057

·         Gebundene Ausgabe : 272 Seiten

·         Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch

#ZwischenRuhmundEhreliegtdieNacht

 

 

 

Das Spiel des Lebens – klug und literarisch interpretiert

 

Ich als lebenslanger Sportmuffel soll das Buch einer Tennisspielerin lesen? Ohne auch nur die minimalste Ahnung von Tennis zu haben? Kann nicht gut gehen, dachte ich. Sicher schrecklich langweilig, dachte ich. Doch wie so oft bei Vorurteilen: Ich hatte mich sehr, sehr geirrt! Ja, es geht um Tennis – auch. Und ja, es geht um das Leben einer Top-Ten-Tennisspielerin – auch. Aber es geht noch um so viel mehr.

 

In einzelnen Episoden, nicht immer chronologisch, erzählt Andrea Petkovic aus ihrer Kindheit und Jugend bis hin zu der sehr erwachsenen späten Entscheidung, Tennis einfach nur noch so aus Spaß zu spielen. Sie erzählt von Begegnungen, schwierigen und besonderen. Sie erzählt von den gewaltigen Anforderungen des Leistungssports und  von einer Psyche, die nicht  immer mithalten kann im Auf und Ab des Unterwegsseins. Sie gibt uns Einblick in das Gespaltensein eines Menschen, der zum Teil eine Serbin ist, zum anderen Teil Darmstädterin. Die nicht auffallen will und doch auffällt durch ihren zornigen Willen, immer und überall Beste sein zu wollen und die mit ungebändigter Wut reagiert, wenn etwas nicht so läuft, wie sie will. Sie erzählt vom Verlust der Kindheit, von Depressionen: „… mein Körper ausgeschabt, mein Herz ausgewrungen, meine Seele gekidnappt…“ Sie beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn mentale Stärke zum Sieg verhilft oder wie durch einen einzigen ablenkenden Gedanken plötzlich Selbstzweifel die Führung übernehmen. Und sie erzählt von Begegnungen mit ungewöhnlichen Menschen und mit ungewöhnlichen Büchern. All das beschreibt sie in einer überraschend literarisch kraftvollen Sprache, gewürzt mit einer guten Portion Ironie und Humor, selbstkritisch, messerscharf sich selbst und die anderen beobachtend.  Und so wie uns Andrea Petkovic eine Ahnung vom Tennisspielen vermittelt, so zeigt sie uns gleichermaßen eine Parabel vom Leben als solchem.

 

Kurzum:Ein kluges, kurzweiliges Buch das sich zu lesen sehr lohnt.

 

 

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Bas Kast

Das Buch eines Sommers

 

·         Gebundene Ausgabe : 240 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3257071504

·         Herausgeber : Diogenes 

 

Einfache Sprache, einfacher Inhalt

 

 

Meine Erwartungen an das Buch waren hoch. Zum einen, weil ich den Diogenes-Verlag sehr, sehr schätze, zum anderen, weil die Werbung für das Buch viel verspricht. Was ich vorfand, war ein Roman, dem es an allem fehlt, was zu einem guten Roman gehört. Und wie ich werde, wie ich bin (Untertitel), hat mir Bas Kast auch nicht verraten.

 

Die Handlung ist simpel: Nicolas hat die Pharma-Firma seines Vaters übernommen und arbeitet viel, sehr viel, vielleicht zu viel. Und Nicolas hatte als Kind einen Onkel, den „Spinner der Familie“, der Geschichten schrieb, unangepasst war und an Nicolas glaubte. Als der Onkel stirbt und Nicolas seine alte Villa in den Weinbergen erbt, bringt das Nicolas zum Nachdenken bzw. zum Kritzeln in seinem Notizbuch und zu imaginären Gesprächen mit einem imaginären Romanhelden des Onkels. Und ratzfatz findet Nicolas sein kleines Kind süß, nimmt die kastanienbraunen Haare seiner Frau wahr, bringt seinen Mitarbeiter durch Ernennung zum Partner zum Weinen und schon ist alles gut.

Ich kann das Buch nicht ernst nehmen.

 

 

Die Summe an Plattitüden, die hier als „philosophisch“ verkauft werden sollen, die Oberflächlichkeit der Gedanken, die pseudopsychologisch „tief“ sein sollen, finde ich erschreckend. Das alles wird in einer uninspirierten, simplen Sprache erzählt, an keiner Stelle wirklich literarisch ausformuliert, dazu versehen mit zahlreichen Wiederholungen und recht kitschigen Schilderungen. Abgedroschene Weisheiten zuhauf. Auf der Suche nach etwas Positivem fand ich nur ganz wenige Passagen bzw. Geschichten in der Geschichte, die mir gefallen haben. Nein, dieses Buch kann ich einfach nicht ernst nehmen.

 

 

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Melanie Benjamin

Die Königin des Ritz

 

·         Gebundene Ausgabe : 384 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3426282557

·         Herausgeber : Droemer HC

·         Originaltitel : Mistress of the Ritz

#dieKönigindesRitz

 

 

Der spröde Schreibstil hält den Leser auf Distanz

 

Der Roman hat es mir nicht leicht gemacht. Denn er gibt sich nicht die Mühe, den Leser von Anfang an einzufangen. Im Gegenteil: Mit seiner distanzierten Erzählweise hält er die Leser auf Abstand. Nur wer durchhält, wird im späteren Verlauf durch Intensität, durch Eindringlichkeit,  durch Nähe und Gefühle „belohnt“.

Es geht um die wahre Geschichte von Blanche und Claude Auzello, die „das Ritz“ zur Zeit der Naziherrschaft führten, dieses Pariser Nobel-Hotel, das für den Inbegriff von Luxus steht. Zunächst gibt es viel Vorgeschichte, wechselnd aus Sicht von Blanche und Claude berichtet. Ein Ehepaar, wie es nicht unterschiedlicher sein könnte. Trotz ausführlicher Szenen blieb das Ehepaar jedoch für mich oftmals nicht nachvollziehbar in seinen Handlungen und beschriebenen Gefühlen. Und so wanderte ich mäßig gelangweilt durch die Seiten. Erst in der zweiten Hälfte des Buches begann ich aufzuwachen. Denn die Gratwanderung zwischen der Erfüllung von hochgefährlichen Aufträgen für die Résistance von Blanche und Claudes scheinbarer Dienstbarkeit für die im Ritz herumlungernden Nazis, um Blanche zu schützen, bringt Spannung, bringt Leben, bringt Gefühle ins Spiel.

 

Glanz und Glamour des Ritz werden ausführlich und vorstellbar geschildert. Viele, fast allzu viele Menschen kreuzen den Weg der Geschichte, viele verlassen ihn wieder, verloren in Belanglosigkeit. Im Gedächtnis bleibt vielleicht Coco Chanel, die „Zicke“, oder Göring, der unter Morphium stehend in Frauenkleidern tanzt. Die stärksten Stellen im Buch gelten den  entsetzlichen Nazi-Verbrechen und dem Mut des Sich-Widersetzens. Trotz der dramatischen Geschichte fand ich keine wirkliche Freude am Buch. Der spröde, fast mühsam zu nennende Schreibstil, den man sich als Leser erst erobern muss, bringt zwar viel Atmosphäre und Authentizität zum Ausdruck, aber wenig Nähe oder gar Gefühle für die Protagonisten. Insofern blieb mir das Buch insgesamt gesehen leider fremd. 

 

 

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Sophie Martaler

Die Erben von Seydell – Das Gestüt

 

·         Broschiert : 480 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3442491223

·         Herausgeber : Goldmann Verlag

#DieErbenvonSeydell

 

 

Perfektes Lesefutter mit Suchtfaktor

 

Hinter „Sophie Martaler“ verbirgt sich ein erfahrenes Autorenduo, lässt uns der Verlag wissen. Und in der Tat, die Erzählweise, der Aufbau der Geschichte, die Ausgestaltung der Personen zeigt, dass die Autoren ihr Handwerk verstehen. Der Roman ist perfekt kombiniert, mit ausreichend Gefühl und sehr viel Spannung versehen und hat somit alles, um den Leser im Genre Unterhaltungsromane leicht und gut zu unterhalten.

 

Im Band 1 „Das Gestüt“ geht es um die junge Witwe Elisabeth Clarkwell, die 1947 von ihrem Onkel zur Hälfte das Pferdegestüt Seydell in der Lüneburger Heide erbt. Elisabeth benötigt dringend Geld, möchte ihre Hälfte des Erbes verkaufen, doch der unbekannte Miterbe in Spanien, dessen Zustimmung sie benötigt, lehnt jeglichen Kontakt rigoros ab. In Rückblicken bis ins Jahr 1889 erfahren wir, wie die beiden Brüder Ludwig und Alexander, die unterschiedlicher gar nicht sein könnten, nach einem unüberwindlichen Zwist getrennte Wege gehen. Diese Wege, voll an Schicksalsschlägen, verfolgen wir mit Spannung…

 

Der Roman fesselt von Anfang an und legt im Verlauf der Geschichte immer mehr an Spannung zu. Obwohl die Szenerien und Ereignisse detailreich geschildert werden, gibt es keinen Moment der Langeweile beim Lesen, im Gegenteil. Die Geschichte ist reich an Gefühlen, aber auch an hochdramatischen Ereignissen. Die historischen Zeitbezüge sind, wie wir dem Nachwort entnehmen können, sorgfältig recherchiert. Die Protagonisten werden in ihren jeweiligen Persönlichkeiten psychologisch nachvollziehbar geschildert und lösen beim Leser intensive Gefühle der Abneigung oder Sympathie aus, was ein weiterer Pluspunkt des Buches ist.

 

Rundum: Ein Roman, der in seiner Lebendigkeit und Erzählfreude völlig gefangen nimmt und den Leser sehnsüchtig auf die Fortsetzung warten lässt.

 

 

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Gerd Schilddorfer

Das Tartarus-Projekt

 

·         Broschiert : 304 Seiten

·         Herausgeber : Carl Ueberreuter Verlag

·         ISBN: 978-3800090013

#DasTartarusProjekt

 

 

Intelligent, bissig, kurzweilig

 

Der Autor war mir bislang unbekannt. Mir gefällt die kritische Intelligenz des Autors, mir gefällt, wie er mit den Klischees spielt und den Finger durchaus satirisch-humorvoll auf so manche Wunde legt.

Es beginnt mit einer Nobelparty der Reichen und Schönen in Münchens Nobelvorort Grünwald, die mit einem entsetzlichen Mord am Gastgeber endet. Michael Landorff, Journalist und Autor, war völlig überraschend zu dieser Party eingeladen gewesen und beginnt  nun zusammen mit der professionellen Pokerspielerin Alexandra Buschmann auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Die beiden stoßen auf ein schier undurchdringliches Geflecht von wirtschaftlichem und politischem Kalkül, von Geheimdienst-Aktivitäten und undurchsichtigen privaten Verstrickungen. Nicht nur Landorff und Buschmann geraten in Lebensgefahr, die ganze Welt ist einer ungeahnten Bedrohung ausgesetzt.

 

Ein bisschen viel an Themen bringt der Autor in diesem Thriller unter. Die teilweise perversen Marketingaktionen der Buchbranche  bekommen ihr Fett weg. Politische reale und aktuelle Geschehnisse werden in ihrer Brisanz benutzt, um fiktive Zukunftsideen zu entwickeln. Technikwahn, Menschenhybris, Schönheits- und Gesundheitsideale, und vor allen Dingen die Macht des Geldes, ach ja, nicht zu vergessen, die ewige Parkplatzsuche – in der Fülle der Themen blieb mir am eindrücklichsten die Entwicklung einer stechmückengroßen Drohne, die mit ihrem Stachel den Menschen gefährliche Viren appliziert... Ja, die Gefahren sind näher als wir glauben, das macht den Thriller besonders spannend. Die humorvoll-sezierende Schreibweise des Autors gefällt mir sehr gut. Er jongliert gekonnt mit geistreichen Gedanken. Allerdings blieben für mich der Protagonist Landorff und die weiteren Akteure im Buch sehr fern, weil sie nüchtern-distanziert und weitgehend emotionslos geschildert werden. Auch die Dialoge wirken mitunter hölzern und  lebensfern. Dennoch in der Summe ein durchaus unterhaltsamer und lesenswerter Thriller. 

 

 

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Jochen Till

Memento Monstrum

 

·         Gebundene Ausgabe : 200 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3649630104

·         Leseniveau : 9 und nach oben

·         Herausgeber : Coppenrath

#MementoMonstrum

  

Das hinreißendste Kinder-Erwachsenen-Buch seit langem

 

Graf Dracula ist 589 Jahre alt und muss zwei Tage lang seine Enkelkinder hüten. Das macht ihm gewaltige Angst, denn er ist zwar Opa, hat aber keine Ahnung von Kindern, den wahren Monstern, die immer nur Blödsinn im Sinn haben. Und außerdem: Wie lange muss sich überhaupt ein Vampirkind Zähne putzen? Doch mit einem Vorrat an Blutorangen-Tee und Blutgummibärchen wird es schon gut gehen. Und die Enkelkinder Globine, die Kleinste, sowie ihre Schwester Vira und Bruder Rhesus lassen sich gerne davon ablenken, Unsinn zu machen, wenn Graf Vlad Dracula Geschichten aus seinem Leben zum Besten gibt. Und diese Geschichten haben es in sich, glaubt es mir!

Der Coppenrath Verlag schafft es immer wieder zu beeindrucken mit großartig gestalteten, aus dem Rahmen des Üblichen herausstechenden Büchern. Da wird nicht billig produziert, sondern liebevoll ins Detail gehend die Einmaligkeit des jeweiligen Buches herausgearbeitet. Memento Monstrum wirkt wie ein Buch aus einer ganz, ganz alten Bibliothek, mit Ledereinband, mit Golddruck, mit Prägung, mit Stockflecken auf den Innenseiten. Und mit Illustrationen, die so unfassbar lebendig, mit beeindruckender Farbenfülle und Ausdrucksstärke gestaltet sind, dass auch die schrecklichsten Monster einen Niedlichkeitsfaktor haben, der nicht mehr zu überbieten ist. Wiebke Rauers, Illustratorin und Ideengeberin, hat sich da schlichtweg selbst übertroffen.

Die Geschichten in der Geschichte sind überraschend und enthalten unaufdringlich kluge Botschaften.  Für kindliche Leser sind sie spannend, aufregend, lustig, herzanrührend. Für erwachsene Leser zeigen sich die Geschichten ideenreich, doppelbödig, mit zahlreichen literarischen Anspielungen und  intelligentem Humor versehen. Ich könnte endlos weiter schwärmen, endlos viele geniale Details aufzählen, und würde dennoch dem Buch nicht in vollem Umfang gerecht werden können. Deshalb meine dringende Empfehlung: Nehmen Sie es selbst in die Hand!

 

Denn Memento Monstrum ist das schönste, das hinreißendste, das witzigste, das ideenreichste Buch, für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet, das ich seit langem in Händen hielt.

 

 

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Veit Etzold

Final Control

 

·         Taschenbuch : 480 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3426307090

·         Herausgeber : Droemer TB

#FinalControl

 

 

 Vielleicht eher eine Männer-Lektüre

 

Wenn ein Autor Hochschulprofessor und Redner für Corporate Storytelling ist, überhaupt einen beeindruckenden Lebenslauf vorweist, zudem mit einer Rechtsmedizinerin verheiratet ist, kann man davon ausgehen, dass seine Bücher reichlich mit Hintergrundwissen gefüttert und strategisch raffiniert konstruiert sind. Und so besticht auch in diesem Buch wiederum gründliche Recherche kombiniert mit persönlicher Erfahrung, in Form gebracht in einer  spannenden Erzählweise.

Im vorliegenden Politthriller, der uns inhaltlich näher rückt als wir es wollen, geht es letztlich um die totale digitale Überwachung. Da ist der Milliardär Dairon Arakis, und da ist Tom, der dringend einen Investor braucht. Während die Welt schier vor die Hunde geht, insbesondere Europa direkt vor einem Bürgerkrieg steht, bietet Arakis die scheinbar einzige Lösung an, nämlich eine chinesische Sicherheitstechnologie. Doch hieße das nicht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben?

 

Als durchschnittlich gebildete Leserin kann ich nicht abschätzen, ob die Bilder, die Veit Etzold hier entwirft, nicht allzu klischeehaft skizziert sind. Zumindest muten sie mich so an. Ist Europa wirklich im Vergleich zur chinesischen Macht so träge-dummdöselig? Und wieso wird ein Bodyguard mit schier überirdischen Karate-Kräften so einfach ausgetrickst? Dies nur zwei kleine Beispiele von Szenen, die mich im Buch nicht überzeugen konnten. Davon gab es etliche. Was mich außerdem nervte, war die Überflutung von Insider-Fachwörtern wie „Non-Disclosure-Agreements“ oder „Pitch“ oder „Heatmaps“ und viele andere. Ich hatte keine Lust, ständig zu googeln, was damit gemeint ist. Der Autor mit dem beeindruckenden Wissenshintergrund  hält sich im Buch mit diesem vielfältigen Wissen nicht zurück. Das macht das Buch besonders, denn es gibt nicht nur Thrillerspannung mit einem Schuss Science Fiction, mit politischer Brisanz garniert. Sondern wir lernen auch zum Beispiel, wie, wo  und warum das Buch „Frankenstein“ von Mary Shelley entstanden ist. Also kurz gefasst: Es gibt allerlei Klischees, unglaubwürdige Szenen, sich wiederholende Bonmots, viele Fachwörter und Wissensüberladung. Aber es gibt durchaus auch realitätsnahe Spannung. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass Veit Etzold eher für männliche Leser schreibt…

 

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Lukas Hartmann

Der Sänger

 

·         Gebundene Ausgabe : 288 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3257070521

·         Herausgeber : Diogenes

#DerSänger

 

 

Der kleine große Sänger Joseph Schmidt

 

Wer erinnert sich heutzutage noch an diesen grandiosen Sänger Joseph Schmidt, nur 1,54 m groß, dem aufgrund seiner Körpergröße die Opernbühnen verschlossen blieben, der aber als Konzert-, Film- und Radiosänger eine großartige Karriere hinlegte? Vielleicht kennt man noch am ehesten „Tiritomba“ oder „Ein Lied geht um die Welt“. Ich empfehle Ihnen sehr, sich Joseph Schmidt bei YouTube mit der Arie „Nessun dorma“ anzuhören. So bekommen Sie am ehesten eine Ahnung davon, wieso seine Stimme die Welt verzauberte.

Das vorliegende Buch befasst sich mit den letzten Lebensjahren des berühmten Tenors, dem die Frauen zu Füßen lagen, Joseph Schmidt,„the tiny man with the great voice“. Nach den Jahren größter Erfolge in Deutschland, Europa und Amerika ist Joseph Schmidt als Sohn orthodoxer Juden seit 1933 auf der Flucht vor den Nazis, von Wien nach Belgien nach Holland nach Frankreich. Schließlich schafft er es von der Auvergne aus in die Schweiz. Joseph Schmidt ist krank, schwer krank. Doch der Schweizer David fürchtet sich vor dem deutschen Goliath. Und so landet Joseph Schmidt trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung im Internierungslager Girenbad, erfährt keine wirkliche medizinische Hilfe und stirbt schließlich 1942, im Alter von nur 38 Jahren.

 

Lukas Hartmann versucht in seinem Buch, dem begnadeten Tenor während seiner letzten Lebensjahre intensiv nachzuspüren, indem er viel Platz lässt für Innenansichten, für Gedanken, für Erinnerungen, kurzum für die Tragik eines jüdischen Tenors, für den Gesang eine Form der  Frömmigkeit war, der sich durch seine Stimme Größe und Raum verschaffte. Und der in der Schweiz seine Stimme verliert und damit auch sein Kapital, seinen Glanz, seine Kraft der Verführung und der, obwohl er keine Hilfe erfährt, dennoch den Schweizern dankbar bleibt, weil sie ihn (im Lager!) aufgenommen haben. Obwohl sich Lukas Hartmann in einem etwas zähflüssigen, gefühlsarmen Schreibstil ausdrückt mit geradezu nüchtern-distanzierten Schilderungen, geht das Buch ans Herz. Aber es ist nicht nur eine Hommage an den Künstler Joseph Schmidt, es ist vor allen Dingen ein politisches Buch. Denn es ist eine Ohrfeige für die Schweiz während der NS-Zeit, und auch eine Ohrfeige für unser gegenwärtiges Europa und seine Flüchtlingspolitik. Ein Buch, das lange nachklingt…

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Annette Roeder

Das schwarze Schaf

 

·         Gebundene Ausgabe : 224 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3961291670

·         Herausgeber : Edel:Kids Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH

·         Leseniveau : 8 und nach oben

#DasschwarzeSchaf

  

 

Wo die Rädertierchen rülpsen, da ist Baskeltorp…

 

Ein solch vergnügliches, tempo- und ideenreiches, liebenswertes Kinderbuch habe ich schon lange nicht mehr in der Hand gehabt! Meine uneingeschränkte Begeisterung werde ich mit Sicherheit mit vielen Kindern teilen.

In Baskeltorp gibt es Aufregung, denn der allseits beliebte Hütehund Gutti ist verschwunden. Sollte der böse Wolf daran schuld sein? Doch wie gut, dass das mutige und überaus kluge Schaf Texel ganz sicher weiß, dass der Wolf ein hieb- und stichfestes Alibi hat. Texel macht sich also seine eigenen Gedanken und Beobachtungen. In dem Maulwurf Dr. W. Winnewurp findet Texel einen geduldigen Unterstützer bei der Lösung dieses komplizierten Falles.

Annette Roeder ist es gelungen, sich mit ihren Tieren auf Baskeltorp sofort mitten hinein ins Herz der Leser zu schreiben. Texel ist hochbegabt, hat das absolute Gehör und ein fotografisches Gedächtnis. Darauf muss man erst mal kommen. Und der gemütliche Dr. W. Winnewurp bringt uns ein Lehrstück des Genießens bei, wenn er beschreibt, wie solch ein leckerer, schön schleimiger und nicht wabbeliger Regenwurm, der nach faulem Holz und Misthaufen riecht, den Appetit gewaltig anregt. So verschieden die beiden sind, so geschickt machen sie sich gemeinsam daran, den Fall aufzuklären, denn so manches Tier auf Baskeltorp benimmt sich auffällig, andere Tiere boykottieren sogar die Ermittlungsarbeit bei Pfosten 221b im Backenklee. Die Kinder können zusammen mit Texel und Dr. W. Winnewurp rätseln und kombinieren, wie seinerzeit Sherlock Holmes und Watson.  Dank der kurzen Kapitel und des spannenden Inhalts, der mit viel Wortwitz erzählt wird, ist die Geschichte ideal zum Vorlesen ab 6 Jahre, für etwas Ältere gut zum Selberlesen geeignet. Großartig ergänzen die durchweg farbigen Illustrationen von Stefanie Jeschke das Erzählte, denn sie sind ausgesprochen ausdrucksstark und witzig. Zusätzlich bewegt sich ein Regenwurm als Daumenkino durch das Buch.

Fazit: Eine rundum gelungene und liebevoll ausgestattete Tier-Detektivgeschichte, temporeich und urkomisch.

 

 



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Usch Luhn

Lillys magische Schuhe – Die verbotenen Stiefel

 

·         Gebundene Ausgabe : 224 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3473405527

·         Herausgeber : Ravensburger Verlag GmbH

·         Leseniveau : 8 und nach oben

#LillysmagischeSchuheDieverbotenenStiefel

  

Ein Füllhorn voller fröhlicher Ideen

 

Schon das fröhlich-kunterbunte Cover zeigt, was der Inhalt bietet: Eine Geschichte voller Fantasie und Ideenreichtum, die zu lesen einfach nur Spaß macht.

Der arme Sören hat es schwer. Er hat Asthma. Und er wird von seinen Mitschülern, besonders von Anton, gemobbt. Seine sportbesessenen Eltern wollen ihn ständig zu Höchstleistungen antreiben. Während er eigentlich nur dann glücklich ist, wenn er sich im Tierheim um Hunde kümmern kann. Besonders Ronja, eine Windhündin, ist ihm ans Herz gewachsen. Lediglich Marie, die Kleinste in der Klasse, steht Sören bei, was ihm jedoch irgendwie peinlich ist. Als Sören durch Zufall Lilly kennenlernt, wird die Geschichte richtig aufregend, denn der Großvater von Lilly betreibt eine magische Schuhwerkstatt und erkennt schnell, dass Sören genau das Kind ist, das magische Schuhe dringend benötigt. Aber da ist auch noch Frau Winsel, die richtig fies mit ihren beiden Hunden umgeht und nichts Gutes im Sinn hat…

 

Was für ein rundum geglücktes Kinderbuch! Da sind schwierige Themen wie zum Beispiel Mobbing oder Leistungsdruck oder Freundschaft sehr geschickt eingesponnen in eine spannende Handlung. Zwischen dem realen Alltag, der Kindern vertraut ist, und den fantastischen Möglichkeiten märchenhafter Fantasie hin und her wandert die Erzählung und bietet dabei ganz und gar unauffällig Lösungsmöglichkeiten, wie man aus schwierigen Situationen oder Widrigkeiten das Beste machen kann. Jede Seite des Buches brachte mir Spaß. Allein schon der Drache Monsieur Archibald mit seinem französischen Akzent und seinen gelegentlichen Schuppenschmerzen, aber auch Sir Schimmelkopf, das weise Sprüche absondernde Krokodil, animieren dazu, das Buch langsam und mit Genuss vorzulesen. Und es sind ja nicht die schlechtesten Erkenntnisse, dass man mit der Wahrheit besser dran ist und Gewalt keine Lösung ist. Die große Schrift und die vielen eingestreuten Illustrationen runden das Buch perfekt ab.

 

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Svenja K. Buchner

Bis die Zeit verschwimmt

 

·         Gebundene Ausgabe : 320 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3522202695

·         Herausgeber : Thienemann Verlag

·         Leseniveau : 13 und nach oben

#BisdieZeitverschwimmt

  

Ein leises, ein beeindruckendes Jugend-Buch

 

Ein ungewöhnliches Thema hat sich die Autorin für ihren Debüt-Roman ausgesucht, noch dazu für die anspruchsvolle Zielgruppe der Jugendlichen ab 13. Von Herzen wünsche ich ihr aufgeschlossene und sensible Leser, egal welchen Alters!

Helene, 15 Jahre alt, hatte eine allerbeste Freundin von frühen Kindheitstagen an. Eine Freundschaft, die bis ins Teenie-Alter unverbrüchlich anhielt. Cassie und sie waren unzertrennlich, die eine war ohne die andere nicht denkbar. Als ein Amoklauf das Leben von Cassie und mit ihr weiterer Jugendlicher abrupt beendet, bleibt für Helene die Zeit stehen. Sie verliert sich in Tatenlosigkeit, in Erinnerungen, in Schuldgefühlen, in zerstörerischer Wut. Die Trauer sucht sich Kanäle, die für die Umwelt nicht nachvollziehbar sind. Und Helene verfolgt geradezu zwanghaft die Hinterbliebenen, um einen Sinn in der Tat zu entdecken, ein vorsätzliches, bewusstes Handeln des Täters. Denn der Tod von Cassie kann nicht zufällig, nicht schicksalhaft grundlos geschehen sein? Erik, der geduldig-verstehende Mitschüler, bleibt an ihrer Seite, wenn Helene es zulässt. Doch Helene glaubt, Cassie zu verraten, wenn sie sich leichte, warme Gefühle eingestehen würde.

Die leisen Bücher sind es, die oft am eindrücklichsten sind! Svenja K. Buchner schreibt in leisen, sensiblen Worten mit lyrisch schönen Beschreibungen, pastellfarben zart und gleichzeitig schmerzhaft hart und klar. Erzählt wird aus der Sicht von Helene. So bekommen die Leser eine unmittelbare, ungefilterte Ahnung davon, wie es sein kann, wenn altersbedingtes pubertäres und egoistisches Aufbegehren zusammen stoßen mit einem brutalen Schicksalsschlag, der alles in Frage stellt, alle bisherigen Hoffnungen und Pläne, in einem hilflosen Umfeld, das keine Geborgenheit mehr geben kann. Und dass es manchmal die größte Form der Liebe ist, einfach nur mit dem Betroffenen auszuharren. Denn jeder Mensch braucht seinen eigenen Weg und seine eigene Zeit, aus der Trauer heraus Frieden zu schließen, mit sich, mit dem Schicksal, mit den anderen.

 

Ein anspruchsvolles und sehr, sehr lesenswertes Buch.

 

 

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Janet Clark

Mina und die Karma-Jäger – Fiese Tat im Internat

 

·         Originaltitel : Mina und die Karmajagd - Band 2

·         Gebundene Ausgabe : 192 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3748800170

·         Leseniveau : 9 und Nach oben

#MinaunddieKarmaJägerFieseTatimInternat

  

Wenn das Himmelshandy klingelt…

 

Beim Buchtitel kam ich erst einmal ins Grübeln. Was sind Karma-Jäger? Wie erkläre ich meinen Lesepatenkindern, was Karma ist? Eigentlich mag ich es nicht, wenn Kinderbücher Wörter benutzen, die esoterisch besetzt sind, schon gar nicht im Titel. Bei Lektüre des Buches setzten sich meine gemischten Gefühle in Teilen leider weiter fort.

Julius ist ein Geist und unsichtbar. Seine Aufgabe ist, verschiedene Missionen auszuführen, um sein Karma aufzubessern, was mehr als schwierig ist, denn Julius kümmert sich letztlich nur um sich selbst, ihm fehlt jeglicher Gerechtigkeitssinn. Und so sinkt und sinkt sein Karma-Level.  Mina ist die Einzige, die Julius sehen kann, und sie will ihm helfen. Die neue Mission führt die beiden ins Rosen-Internat, wo – ausgerechnet – für Gerechtigkeit gesorgt werden soll.

 

Was an diesem Buch besticht, ist die herrlich fröhlich-komische Ideenfülle in Verbindung mit lebendigen, aussagestarken und witzigen Illustrationen. Schön ausgestaltet sind die Protagonisten, insbesondere die hilfsbereite Mina bekommt viele Sympathiepunkte. Auch dass wichtige Themen wie Umweltschutz oder Mobbing auf humorvolle Weise im Buch Platz haben, gefällt mir. Der etwas konfuse Schreibstil lässt sich leider schlecht lesen. Ich glaube aber, dass sich der Text bei entsprechender Betonung sehr gut vorlesen lässt. „Dummdoofblöderweise“ gefallen mir auch die vielen Wortschöpfungen nicht, weil sie zeitweise überhand nehmen und „löchernebelblass“ ebenfalls das Lesen erschweren. Ob die Kinder an diesen Wortkonstruktionen und an der chaotischen Geschichte Spaß haben werden, kann ich erst zu einem späteren Zeitpunkt ausprobieren. Hoffentlich falle ich mit meinen Kritikpunkten in dieser Rezension nicht auf die niedrige Karma-Ebene „besoffene Kopflaus“…. 

 

 

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Eveline Helmink

Handbuch für miese Tage

 

·         Originaltitel : Handboek voor mindere dagen

·         Gebundene Ausgabe : 256 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3424153835

·         Herausgeber : Irisiana

·         #HandbuchfürmieseTage

 

 

Mist ist guter Dünger, auch im Leben

 

Ein sehr schön gestaltetes Cover verlockt, das Buch in die Hand zu nehmen. Und auch beim Durchblättern besticht die liebevolle, detailreiche Gestaltung, wobei mir mitunter die typographische Vielfalt fast etwas zu viel wurde. Dennoch überwiegt der positive Gesamteindruck, der sich beim langsamen Lesen, mit vielen Unterbrechungen des Nachdenkens, fortsetzte.

 

Das Anliegen der Autorin war, uns auch die miesen, die schwierigen, die enttäuschenden  Tage, die wir alle in unserem Leben kennen, schmackhaft zu machen. Gar nicht so einfach: »Wir sollten nicht die beste Version unserer selbst anstreben, sondern die authentischste«, sagt die Chefredakteurin der niederländischen Ausgabe der Zeitschrift Happinez. Mit viel Humor übersetzt sie die oft überfrachteten Lebensglück-Konzepte in den ganz normalen Alltag. Ihre Botschaft: Die miesen Tage machen unser Leben erst interessant.“ So kündigt der Verlag das Buch an.

 

 

„Shortcuts“, wie es Eveline Helmink nennt, sind die kleinen, aber durchaus wirksamen Hilfen, die sie uns an die Hand gibt, damit unser Denken auch mal eine andere Richtung einnehmen kann und die unsere seelische Widerstandskraft, die Resilienz, stärken. Für mich gab es einige Aha-Effekte. Denn es geht nicht darum, alles, was nicht passt, zu reparieren oder gar zu betäuben, sondern vielmehr zu verstehen. „Alles kommt und alles geht“. Klingt trivial und ist doch so kraftvoll.  Und so begegnen wir in dem Buch Vielem, was wir so oder anders schon gehört und gelesen haben. Aber Eveline Helmink bringt uns diese Gedanken so erfrischend anders, so humorvoll und locker, so alltagstauglich und ohne Heiligenschein näher, dass wir ihr gerne folgen und bereit sind, neue Impulse aufzunehmen. „Ich werde meine Gedanken nicht gegen mich einsetzen.“ Das war der Satz, der sich mir derzeit besonders aufdrängte. Ich traue dem Buch zu, dass es mir immer wieder passende Mantras schickt, wann immer ich mich dem Buch erneut öffne.

 

 

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Arno Strobel

Die App

 

·         ISBN-13 : 978-3596703555

·         Broschiert : 368 Seiten

·         Herausgeber : FISCHER Taschenbuch

#DieApp

 

 

 

Ein leicht lesbarer Thriller zum Entspannen zwischendurch

 

Manchmal habe ich richtig Lust, mich ganz einfach spannend unterhalten zu lassen, ohne großes Nachdenken über Sinn und Folgerichtigkeit, über psychologische Stimmigkeiten und ohne mich dafür entschuldigen zu müssen. Arno Strobel hat mit „Die App“ genau solch ein Buch geschrieben, zum Abschalten, ohne großen Tiefgang, aber spannend, überraschend und unterhaltsam.

Der Chirurg Hendrik hat für sich und seine Verlobte Linda in ihrem gemeinsamen Zuhause Smart Home Adam eingerichtet, ein System, das den Bewohnern absolute Sicherheit verspricht und alles im Haus über eine App steuert, von Türen über Rollläden, über Licht, Musik usw., Kameras und Mikrofone sind überall verteilt. Doch dann passiert es: Linda verschwindet über Nacht spurlos. Es gibt keine Nachricht, keinen Hinweis, nichts. Das System hatte keinen Alarm ausgelöst. Hendrik ist verzweifelt, denn die Polizei mutmaßt, dass Linda freiwillig das Haus bzw. ihren Verlobten verlassen hat. Hendrik lässt jedoch nicht locker auf der verzweifelten Suche nach Linda und findet überraschende Unterstützung.

Ein Teil der immanenten Spannung der Geschichte liegt wohl darin, dass solch ein Geschehen, wie es uns Arno Strobel erzählt, durchaus im Bereich des Vorstellbaren liegt, gerade wegen unserer Faszination für digitale Vernetzungen und technische Neuerungen. Natürlich treibt der Autor die Ereignisse auf die Spitze, aber denkbar wären die Gefahren durchaus. Mich hat das Buch durchweg spannend unterhalten. Auch wenn es teilweise etwas unglaubwürdige Passagen gab, auch wenn man Hendrik manchmal etwas mehr Intelligenz und nüchternen Verstand gewünscht hätte. Vorrangig blieb für mich der große Unterhaltungswert des Buches, der durch die leicht lesbare Schreibweise des Autors noch gefördert wurde. Und überraschend war der Schluss auch, trotz aller Vorhersehbarkeiten. Und dass ein Buch einfach nur spannend unterhält, ohne Grübelattacken auszulösen, darf auch mal sein.

 

Fazit: Ein leicht lesbarer, durchaus spannender Thriller, ohne großen Anspruch, ideal zum Entspannen zwischendurch.

 

 

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Wiebke von Carolsfeld

Das Haus in der Claremont Street

 

·         Gebundene Ausgabe : 368 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3462054750

·         Herausgeber : Kiepenheuer&Witsch

#DasHausinderClaremontStreet

 

 

Ein Roman, der mich nicht berührte

 

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, fällt mir schwer. Denn ich habe mir beim Lesen keinerlei Notizen gemacht wie sonst, Notizen, die mir üblicherweise das Formulieren der Rezension erleichtern. Ich habe nur gelesen und gelesen, das Erzählte lief wie ein Film vorbei. Und am Ende des Buches hatte ich nichts notiert, das mir aufgefallen wäre, nichts, das mich bewegt hätte. Buch zu, Geschichte vorbei. Zurück bleibt nichts.

Einzig der Prolog hatte mich gefesselt. Der 9-jährige Tom erlebt, wie der Vater die Mutter erschlägt und sich anschließend selbst tötet. Hier schlüpft die Autorin ganz in Tom hinein und sieht durch seine Augen das Entsetzliche. Doch diese Eindringlichkeit des Buchbeginns erreicht sie nachfolgend an keiner Stelle des Buches wieder. Tom ist schwer traumatisiert und spricht nicht mehr. Er  kommt zunächst zu seiner Tante Sonya, die in ihrem Perfektionismus und ihrer Unerfahrenheit im Umgang mit Kindern trotz allen Bemühens daran scheitert, einen Zugang zu Tom zu finden. Tom zieht um in die Claremont Street zu Tante Rose, einer chaotisch-unstrukturierten, aber liebenswerten Frau. Dort lebt auch Onkel Will, der Weltenbummler, der irgendwie nie erwachsen wurde.

 

Wiebke von Carolsfeld beschreibt detailreich, keine Frage. Man bekommt als Leser eine klare Vorstellung von den sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, von deren sehr unterschiedlichen Denk- und Sichtweisen. Und man sieht deutlich den ewig verstopften Küchenabfluss im Haus von Rose vor sich oder die glänzend sauberen Böden im Haus von Sonya. Man kann sich auf intellektueller Ebene durchaus die Intention der Autorin vorstellen, die davon berichten will, wie ein traumatisiertes Kind und die damit verbundenen Herausforderungen die Einzelpersonen, die einander irgendwie fremd waren, letztlich zu einer Familie mit gegenseitiger Akzeptanz, vielleicht sogar mit Liebe zusammenfügt. Aber eben nur auf intellektueller Ebene. Emotional berührte mich das Buch nicht, abgesehen vom Prolog. Ich sah den handelnden Personen nur von außen zu, empfand nicht mit ihnen. Sie blieben blass, und dass sich das Trauma von Tom von jetzt auf gleich auflöst, wirkt unglaubwürdig. Vielleicht liegen die eigentlichen Stärken der Autorin doch eher im Bereich Drehbuch-Schreiben bzw. Filmregie…

 

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Jo Nesbo

Ihr Königreich

 

·         Originaltitel : Kingdom

·         Gebundene Ausgabe : 592 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3550050749

·         Herausgeber : Ullstein Hardcover

#IhrKönigreich

 

 

Kunstvoll in Szene gesetztes Familiendrama

 

„Wenn du bis zum Hals in der Scheiße steckst, ist es gut, den Kopf nicht hängen zu lassen.“ Dieser Satz trifft das Buch auf den Punkt. 600 Seiten, deren Inhalt man auf wenige Sätze reduzieren könnte. Ein friedliches Leben führt Roy in den norwegischen Bergen, bescheiden, im Gleichmaß. Bis sein Bruder Carl nach Jahren der Abwesenheit in die Heimat zurückkehrt, in Begleitung seiner schönen Frau. Carl, der jüngere, der charmantere, der scheinbar erfolgreichere Bruder, von Kindheit an von Roy beschützt. Wo Carl auftaucht, gerät das Leben von Roy und so manch anderer Menschen im Ort gewaltig in Bewegung.

 

Jo Nesbo hat einen Kriminalroman geschrieben. So steht es auf dem Cover. Aber vielleicht ist das Buch eher ein Familiendrama. Oder das Psychogramm von Menschen, denen in früher Kindheit Schreckliches widerfahren ist. Oder die verquere Moralanalyse, wie Menschen, selbst wenn sie morden, sich als Opfer der Umstände sehen. Doch egal, welchem Genre man das Buch zuordnen möchte – es ist so gut geschrieben, dass die 600 Seiten an keiner Stelle, trotz der teilweise ausufernden Erzählweise, mühsam oder langweilig zu lesen sind. Im Gegenteil! Es gibt unglaublich schöne bildstarke Textpassagen, fast lyrisch schön, wie zum Beispiel zum Goldregenpfeifer, dem „einsamsten und ernstesten Vogel“. Und es gibt entsetzliche, unerträglich grausame Textpassagen, deren Inhalt ich hier nicht wiederholen möchte. Jo Nesbo beherrscht die gesamte Klaviatur der Schreibkunst perfekt. Und so ist auch der Aufbau des Buches ein schriftstellerischer Kunstgriff der besonderen  Art. Denn es wird nicht wirklich chronologisch erzählt, sondern eher in Kreisen, erst in großen weiten Bögen, dann enger werdend, dabei mehr und mehr offenbarend, wann immer man wieder an die gleichen Geschehnisse herankommt. Bei jeder Kreisumrundung wird deutlicher, was die beiden Brüder verbindet oder trennt. Bei jeder weiteren Drehung tun sich mehr Untiefen auf, Strudel, die den Leser immer weiter hinein ziehen in eine schier ausweglose Geschichte, dramatisch und spannend.

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Andreas Wagner

Jahresringe

 

·         ISBN-13 : 978-3426282502

·         Gebundene Ausgabe : 256 Seiten

·         Herausgeber : Droemer HC

#Jahresringe

 

 

Einerseits – andererseits

 

Einerseits ein Buch, das mich durch den Schreibstil beeindruckt hat - andererseits ein Buch, dessen Themenbogen für mich zu weit gespannt war und damit sich selbst verlor.

Leonore Klimkeit landet in ganz jungen Jahren nach ihrer Flucht aus Ostpreußen in einem kleinen Dorf in der Gegend zwischen Köln und Aachen. Dort wird sie nie akzeptiert, auch nach vielen Jahren begegnen ihr die verbohrten Einheimischen mit Wegschauen oder Misstrauen. Als ihr Sohn Paul 12 Jahre alt ist, muss das gesamte Dorf dem Braunkohle-Tagebau weichen. In einer Neubausiedlung am Rand der Kreisstadt bleibt Leonore Familienmittelpunkt, auch für die späteren Enkel Jan und Sarah. Jan steuert tagaus tagein den gigantischen Schaufelradbagger, der sich durch die Natur frisst. Sarah wird zur Waldbesetzerin und lebt dauerhaft in einem Baumhaus.

Tatsächlich wie in Jahresringen umkreist der Leser die vielfältigen Themen des Autors. Am beeindruckendsten empfand ich dabei den Jahresring 1946 – 1964, der das Leben der Leonore Klimkeit nach ihrer Zuflucht in dem kleinen Dorf nahe des Hambacher Forstes beschreibt. Nicht die Menschen, nicht das Dorf, nur der nahegelegene Wald gibt ihr ein Gefühl von Heimat. Diese Zeitspanne wird für mein Empfinden am eindringlichsten beschrieben. Die späteren Jahresringe 1976 – 1986 und 2017 – 2018 bleiben dagegen, insbesondere was die Schilderung der Personen betrifft, viel blasser. Immer mehr wird die erzählte Geschichte als Diskussionsbasis des Für und Wider der Naturzerstörung zugunsten des Braunkohleabbaus benutzt und verliert damit die anfängliche Intensität und atmosphärische Dichte. Das ist schade, denn die Stärke des Autors liegt meiner Meinung nach in seiner Fähigkeit, sehr fein zu beobachten. Wie zum Beispiel Andreas Wagner die große Anlage der kleinen Welt einer Modelleisenbahn beschreibt, ist hinreißend.

 

Vielleicht wollte der Autor zu viel. Denn das Buch ist ein Familienroman über drei Generationen einerseits, an vielen Stellen atmosphärisch dicht geschildert, andererseits geht die Intensität durch die Vielzahl der Themen wieder verloren.

 

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Torben Kuhlmann

Einstein

 

·         Gebundene Ausgabe : 128 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3314105296

·         Herausgeber : NordSüd Verlag

·         Leseniveau : 5 - 7 Jahre

#Einstein

 

 Ein hinreißendes Gesamtkunstwerk

 

Die digitale Version des Bilderbuches hatte mich vor einige Herausforderungen gestellt. Entweder war die Seite im Ganzen sichtbar, aber die Schrift zum Lesen zu klein. Oder ich konnte den Text lesen, aber die Zeichnungen nur stückweise betrachten. Dass mich das Buch trotz der technischen Ärgernisse über die Maßen begeisterte, spricht für die außergewöhnliche und ganz und gar hinreißende, beeindruckend gelungene Gesamtgestaltung dieses Bilderbuches.

Die kleine Maus hatte zwar fleißig Kalenderblätter abgerissen, um das große Käsefest in Bern nicht zu verpassen, aber dann kam sie doch um einen Tag zu spät in Bern an. Wie schrecklich! Was tun? Ob es vielleicht möglich wäre, die Zeit um einen Tag zurückzustellen? Oder kann man überhaupt die Zeit anhalten? Die kluge Maus stellt allerlei Versuche an, aber nichts gelingt. Bis sie die Aufzeichnungen eines gewissen Albert Einstein findet und sich in seine Berechnungen hineinvertieft. Da schafft sie doch tatsächlich nach vielem Rechnen und Aufschreiben die Zeitreise. Aber sie hatte sich wohl ein wenig verrechnet, denn sie landet nicht um einen Tag, sondern um 80 Jahre zurück. Doch genau dieser Rechenfehler wird zum großen Glück war für die kleine Maus, denn eine unerwartete Begegnung hilft ihr auf ungeahnte Weise weiter…

 

Wie Einsteins Relativitätstheorie kindgerecht in eine spannende Geschichte umgesetzt und aus Mäuseperspektive verstehbar gemacht wurde, ist allein schon eine riesengroße Leistung. Was aber das Buch zum Gesamtkunstwerk macht, sind die genial gelungenen Zeichnungen, die das Spiel mit Raum und Zeit in Szene setzen. Die Feinheit des Zeichenstiftes, die ungewöhnlichen Blickwinkel, die Detailverliebtheit – mir fällt dazu nur das Wort „meisterhaft“ ein. Torben Kuhlmann hat ein hinreißendes, ein faszinierendes Gesamtkunstwerk geschaffen, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen einen besonderen Schatz im Bücherschrank darstellt. 

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Heike Abidi

Arthurs wildes Hundeleben

 

·         Gebundene Ausgabe : 160 Seiten

·         ISBN-13 : 978-3747800201

·         Herausgeber : Hummelburg

·         Leseniveau : 8 und älter

#ArthurswildesHundeleben

 

 

 Sehr lustig, spannend und mit Sinn

 

Wie könnten Mensch und Tier besser lernen, einander zu verstehen? Heike Abidi zeigt es den Kindern auf fantasievolle Weise in diesem lustig-aufregenden Kinderbuch.

Arthur wünscht sich sehnlichst einen Hund, doch die Eltern sagen immer und immer wieder Nein. Als ein Arbeitskollege von Papa kommt und Arthur bittet, für eine Woche auf Lucky, den schwarz-weiß gefleckten Wuschelhund, aufzupassen, ist Arthur selig! Doch da passiert etwas ganz Unglaubliches: Am Morgen liegt Arthur im Hundekörbchen  und Lucky in Arthurs  Bett. Beim Drehwurmspiel muss es passiert sein, ihre Körper haben sich vertauscht. Und nun muss Arthur lernen, wie man auf vier Pfoten läuft, und Lucky muss am Tisch mit Besteck essen lernen. Natürlich wollen beide den Tausch wieder rückgängig machen, aber wie? Ob das letztlich gelingt, müsst Ihr unbedingt selber lesen.

 

Die Autorin erzählt sehr geschickt aus zwei Perspektiven: Arthur lernt im Hundekörper ganz schnell, wie schlimm es ist, geknuddelt zu werden, wenn man es gerade nicht möchte. Oder wenn die Menschen seine Sprache nicht verstehen wollen, obwohl er doch ganz deutlich mit Schwanz und Ohre